Claudia am 01. Januar 2017 — 3 Kommentare

Zum Silvesterfeuerwerk: Bye bye Modersohnbrücke?

Die Modersohnbrücke ist eine Stahlbrücke etwa fünf Fußminuten vom Rudolfplatz, an dem ich wohne. Sie führt über die S-Bahn-Geleise und ist im Sommer ein beliebter Treffpunkt, um mit Blick auf eine nicht besonders aufregende Berlin-Skyline mit Fernsehturm ein bisschen zu chillen.

Modersohnbrücke

Die Fotos sind historisch, heute führt ein fettes Entwässerungsrohr über die Brücke, direkt am Geländer. Und weil man sich da drauf stellen könnte, „sichert“ ein mannshoher metallener Bauzaun zum Gehweg hin das Geschehen. Soll ja niemand runter fallen, der mal eben aufs Rohr steigt und so die Höhe des schützenden Geländers drastisch kürzt.

All das hat erstaunlicherweise der Beliebtheit des Ortes nicht geschadet. Wie an jedem Silverster versammelte man sich auch gestern auf der Brücke: zum Feiern, Böllern und Zuschauen, mit weitem Blick über Friedrichshain.

Restritual Modersohnbrücke

Seit weißnichtwieviel Jahren starte ich mit dem Liebsten kurz nach halb zwölf in Richtung Brücke. Auch dieses Mal ist es voll, trotz Bauzaun. Wir böllern nicht, haben keine Getränke dabei und nicht mal ein Handy. Den Jahreswechsel verpasst man hier schon nicht! :-)

Der Kurzbesuch auf der Brücke ist unser Restritual zum Jahreswechsel, den wir ansonsten wie einen ganz normalen Samstagabend verbringen. Wie man z.B. Spass daran haben kann, auf der Festmeile vor dem Brandenburger Tor stundenlang fast Bauch an Bauch in der Kälte zu stehen, vermittelt sich uns nicht. Zwanzig Minuten Modersohnbrücke sind aber noch drin, so als minimalisierter Silvester-Event.

Fünf Minuten klare Sicht, dann ist Schluss

Dieses Jahr war es im Prinzip wie immer, nur halten sich offensichtlich immer weniger Freunde der Böllerei an die Tradition, erst um 24.00 Uhr damit zu beginnen. Schon den ganzen Abend knallt es, stetig anschwellend im Lauf des Abends, so dass die „Eruption“ um Mitternacht gar nicht mehr so richtig fetzt. Was soll’s, wenns den Leuten Spaß macht… Ein Verbot, wie des öfteren diskutiert, wäre in Berlin nicht durchsetzbar, sondern würde nur den Import gefährlicher Pyrotechnik aus Polen befeuern.

Was mir dieses Jahr noch aufgefallen ist: Den Besuch auf der Brücke können wir in Zukunft verlustfrei auf die ersten fünf Minuten beschränken. Danach sieht man sowieso nichts mehr, weil der dicke Pulverdampf alles einnebelt und die attraktiv explodierenden Feuerwerke kaum mehr sehen lässt.

Auf dem Rückweg: direkt an der Kreuzung vor meiner Haustür ist der Teufel los! Äußerst aktive Pyro-Freunde jagen ihr Zeugs in den Himmel, was zwischen den Altbauten gut sichtbar bleibt und auch der Knalleffekt wirkt in der Enge heftiger. Der Späti an der Ecke hat offen und versorgt die Feiernden mit Bier. Es sind genug Leute da für den Party-Eindruck, aber nicht soviele, dass irgendwo Gedränge entstehen könnte. Eigentlich optimal! Ich schlage vor, uns nächstes Jahr dazu zu stellen. Offensichtlich hat man hier mehr vom Geschehen als auf der Brücke mit dem komplett vernebelten Rundumblick. Und der Fußweg ist deutlich kürzer.

Allen, die dieses durchaus langweilige Posting bis hierhin gelesen haben wünsch‘ ich alles Gute für 2017! Interessant wird es auf jeden Fall.

Diskussion

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3 Kommentare zu „Zum Silvesterfeuerwerk: Bye bye Modersohnbrücke?“.

  1. Das war doch lebendig beschrieben, keinesfalls langweilig.
    Schönes Jahr 2017!

  2. zum kehraus nach der knalllerei..

    kinder und andere „jung“gebliebene sammeln unverknalltes und
    schiessen es ab. jede menge müll auf den strassen und plätzen nicht nur berlins, 100 zusätzliche einsatzkräfte bei Feuerwehr und Polizei, dieses jahr keinerlei angriffe auf die einsatzkräfte bei ihren ca 1000 einsätzen im stadtgebiet.

    worin liegt der tiefere sinn der knallerei?
    sylvester. ok, ein jahr ist um, das nächste angebrochen.
    gaaaanz früher, also vor christi geburt, wann immer auch die genau war, gabs das wintersonnwendfest, aber ob die damals auch mit raketen über die dächer ihrer hinkelsteine geschossen haben ist unbelegt und m.e. mehr als fraglich. dann, so um das jahr 325 nach christi geburt, gabs ein konzil in dem beschlossen und verbannt wurde, (das treffen der damaligen hauptleute der damaligen gesellschaft in nicäa https://de.wikipedia.org/wiki/Erstes_Konzil_von_Nic%C3%A4a)

    bei dem so einiges verbrannt wurde, neben den beschwerdebriefen der Bischöfe wahrscheinlich auch die sogenannten „apokryphen“ schriften, die so garnicht in das neu zu zementierende Glaubensbekenntnis der aufkeimenden brave new society passen konnten.

    sylvester ,https://de.wikipedia.org/wiki/silvester, also, der tag an dem ein gleichnamiger papst um 335 nC den diesseitigen löffel abgegeben und gegen den himmlischen eingetauscht hat, wird heutzutage allein in good old gemoney mit ca 100.000.000 euronen der himmel kurzzeitig freiluftbeheizt, ein unterfangen das mich als renaturierten schwaben irgendwie innerlich frösteln lässt, und das nicht wegen der rauhnaechtlichen themperaturen, die anno dunnemals den alten wotan zum ausrasten gebracht haben sollen.

    was bewegt einen halbwegs normal denkenden dazu reklamationsfreien kaufhauskitt innerhalb kuerzester zeit einfach so zerplatzen zu lassen? das bisschen schnell verlöschende geflacker am firmament, wenns blöd laeuft im nachbarlichen balkon rspkt wohnzimmer?

    was soll der quatsch? zugegeben, traditionen sollten gepflegt werden, die ahnen sollen sich ja nicht im grabe umdrehen, angesichts der narreteien ihrer nachkommen, schon klar, aber:
    muss es denn nu wirklich abgefackeltes bargeld sein?
    ich stell mir von, einen 100 euroschein (gruen, glaub) zum hintern abwischen zu verwenden und das klo runterzuspülen.
    snobistisch ist die eher harmlosere variante der Bezeichnung für ein solches vorgehen.

    lebe ich in einer gesellschaft von vollkommen durchgedrehten snobs? eigentlich dachte ich immer die adligen britischen spinner wären die wahren snobs, aber mein weltbild ist vermutlich eh von gestern.

    was also ist der tiefere sinn der ballerei zum jahreswechsel? fürchten wir heutzutage noch wotans zorn und wollen diesen veralteten gott damit von unserer ach so schönen neuen welt fernhalten? (Wobei: wer ist denn heutzutage noch wirklich gläubig und „fürchtet “ irgendeinen gott). wenn also ungläubige den himmel über uns mit feuerwerk anbellen, könnte damit möglicherweise eine tieferliegende ungewissheit offenbart sein-,
    eine für philosophen ergiebige forschungslandschaft?

    oder wird andersrum ein schuh draus: geltungsbeduerfnis, zusammengehörigkeit, spass am krach, selbstverursachte explosiv gewalten entfesselnd, rutschiputschi ums lagerfeuer?

    andererseits, es ist nur ein einziger tag im jahr der zum abschuss freigegeben ist, und den gregorianischen kalender haben wir ja nun auch schon lang genug um drüber wegzusehen.

    ein frohes neues jahr jedenfalls auch aus dem remstal
    i.m.

  3. @Gerhard: freut mich, dass du es nicht langweilig fandest, obwohl „nix Besonderes“ berichtet wird.

    @Ingo:

    “ geltungsbeduerfnis, zusammengehörigkeit, spass am krach, selbstverursachte explosiv gewalten entfesselnd, rutschiputschi ums lagerfeuer?“

    Ja, eher das! Ich hab‘ früher auch immer über die unsinnige Geldvernichtung geschimpft, bin dann aber milder geworden. Gerade weil es unvernünftig ist und „just for fun“ gemacht wird, weil es der einzige „großkollektive“ Event ist, der noch existiert (Weihnachten ist ja eher „mit Familie“) und weil es die Politik noch immer nicht wagen darf, die Knallerlei zu verbieten, OBWOHL sich regelmäßig Leute verletzen, die Feuerwehr viel zu tun hat – es muss auch mal an einem Tag erlaubt sein, etwas Irres zu tun – nur weil es gefällt!

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