Claudia am 19. August 2016 — 2 Kommentare

Basejump in den Tod: Hauptsache Held

Mit diesem Basejump wurde Uli Emanuele weltberühmt:

Bekleidet mit einem „Wingsuit“, der bis zu 60 Sekunden „vogelähnlichen“ Flug ermöglicht, stürzte er sich in die Tiefe und schaffte es, unverletzt durch ein 2 Meter enges Loch in einem Felsen zu fliegen.

Emanuele war selbst unter den Basejumpern ein Extremist und suchte immer gefährlichere und unmöglich erscheinende Flug- bzw. Sturz-Routen. Gesponsert von diversen Firmen, konnte er davon leben. Bis gestern, als er bei einem Sprung von einem der Felsen rund ums Lauterbrunnertal ums Leben kam. Er flog gegen eine Felswand, ebenso wie ein 49-jähriger Brite, der am selben Tag im selben Tal den Tod fand.

„Be a hero“

Die spektakulären Videos drehte er für sein Publikum auf Youtube und für seinen Sponsor GoPro, ein Hersteller, der seine Video-Cams mit dem Slogan „Be a Hero“ bewirbt und die waghalsigsten Ergebnisse als „Video of the Day“ auf seiner Homepage versammelt (hier springt Emanuele z.B. durch einen Feuerreifen). Auch die Kameras heißen „Hero“ und sind „für atemberaubende Aufnahmen aus deinem Leben“ gedacht. Manchmal raubt es den „Helden“ halt nicht nur den Atem, sondern auch das Leben.

Ich hab dieses „Basejumpen“ vor Jahren auf Youtube entdeckt. Es werden da sogar jene Videos herum gezeigt, die den letzten Flug in den Tod einiger Jumper zeigen. Man darf damit rechnen, dass auch Emanueles letzes Helm-Video bald irgendwo auftauchen wird.

„Wenn man so einen Sport macht, weiß man um das Risiko. Wenn du dir nicht sicher bist, ob es sich dafür zu sterben lohnt, dann musst du auch nicht springen. Basejumpen ist das Schönste für mich. Es ist das Einzige, das ich machen mag“, sagte Emanuele in einem Gespräch mit Markus Lanz vor knapp einem Jahr. „Bei diesem Sport kann ich machen, was ich mag. Ich brauche niemanden. Im ganzen Leben sind wir nie frei. Aber bei diesem Sport entscheide ich alles.“
(Quelle: Der Künstler im Wingsuit)

Da hat also jemand sein Leben riskiert und verloren: für den Spaß, den ganz großen Kick und den zweifelhaften Ruhm, unter den Wagemutigen der Allergrößte zu sein.

Die Kommentare zur Sache verteilen sich auf Statements wie „völlig irre, kein Mitleid!„, „Respekt! Sein Risiko, sein Leben, er wusste, was er tut“ und „wie egoistisch, schließlich hatte er Familie“..

Ich finde mich in all diesen Reaktionen wieder. Das „Heldentum“ in richtig lebensgefährlichen Extremsportarten ist für mich kein echtes Heldentum, sondern eher eine umgemein exzentrische Form des persönlichen „Pfauenrad-Schlagens“. Und ebenso eine Flucht, eine Verweigerung, sich im Kontext der Probleme des Alltags und der Gesellschaft zu engagieren:

„Bei diesem Sport kann ich machen, was ich mag. Ich brauche niemanden. Im ganzen Leben sind wir nie frei. Aber bei diesem Sport entscheide ich alles.“

Ein beeindruckendes Beispiel, wie man durch das eigene Ego zu Tode kommen kann!

***

Zwei Basejumper sterben an einem Tag;

„Haben eine Legende verloren“ – Basejumper Uli Emanuele stürzt in den Tod

Diskussion

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2 Kommentare zu „Basejump in den Tod: Hauptsache Held“.

  1. „Hauptsache Held“ – wobei hier die Sponsoren im Hintergrund dafür sorgen, dass dieses versuchte Heldentum überhaupt erst möglich wird. „Beihilfe zum Selbstmord“, jedenfalls unverantwortlich, mit der Absicht, den Kunden das Hirn zu waschen. Tja, da werden Mythen geschaffen – aber ziemlich doofe Mythen; Helden wie Odysseus hatten wenigsten noch den Gesamtzusammenhang, den Bezug zum Olymp.
    Bei unseren „Helden“ – wenn wir deren Leiden als Narzissmus bezeichnen, muss man sich/sie schon bei den frühen Heldentaten fragen, wo denn hier der Sinn ist.

  2. Offenbar gab es auch früher schon ähnlich Irrsinnige.
    HIer ein lyrischer Kommentar über ein Vorkommnis aus dem Jahr 1932:

    Erich Kästner: Der Handstand auf der Loreley

    Gruß
    Ralf

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