Claudia am 23. Februar 2016 — 12 Kommentare

Im Wunschraum die Leere – Endwinterdepression?

„Das ist ein leicht depressiver Zustand!“, sagte ein lieber Freund, als ich ihm von meinen Irritationen berichtete. Nichts Schlimmes, keine Sorge – es ist nur so, dass ich mich zur Zeit in einem seltsam wunschlosen Zustand befinde. deprikatzeMan könnte meinen, ich sei halt ein glücklicher Mensch, dem es an nichts mangelt. Das ist auch meine bevorzugte Interpretation, aber so fühlt es sich leider nicht an.

Was machen die Gedanken normalerweise, wenn man sich ein wenig angeödet fühlt? Wenn ein Tag wie der andere verläuft, das Wetter grau und regnerisch ist, wenn die Arbeit nurmehr als Routine erscheint, das Abarbeiten gefühlt immer mühsamer wird? Ich kenne das sonst nur so, dass ich dann gedanklich in den Raum der Wünsche abtauche. Nach etwas suche, was ich jetzt gerne täte, welches Projekt ich zum Beispiel starten könnte, um wieder mehr Spannung zu erleben und neue Erfahrungen zu machen.

Ich bin eine Ideenschleuder, was Projekte angeht, daran mangelt es nicht. Aber seltsam: zwar gibt es ausbaubare Ideen, aber wenn ich mir die damit verbundenen Arbeiten konkret vorstelle, reizt es mich schon nicht mehr. Und weil ich das bemerke, mag ich die Ideen auch gar nicht erst weiter ausspinnen.

Ok, dann ist es eben nicht die Arbeit: Wie wäre es mit einem Urlaub? Irgendwohin in die Sonne? Oder wenigstens ein Wellness-Wochenende? Aber nix da: egal, was ich mir vorstelle, es kommt einfach kein positives Gefühl dazu auf. Kein freudiges „ja, das wäre jetzt schön!“. Statt dessen steht mir der Aufwand vor Augen, den das organisatorisch bedeuten würde – nicht sehr motivierend.

Also ganz kleine Brötchen backen: wie wäre es mit Ausgehen? Mal wieder Kultur, Kino, Theater oder wenigstens „besonders essen gehen“? Nicht einmal das vermag mich zu reizen, es kommt einfach kein Verlangen auf. Der Wunschraum ist leer, egal was sich mein gedanklicher Suchradar so ausmalt. Keine Inspiration, kein Begehren, kein Elan Vital – nur eine Tendenz zur Müdigkeit, zum nutzlosen Herumliegen. Ätzend!

Ok, jetzt habe ich zumindest einen NAMEN dafür: eine leichte Endwinterdepression. Sie kommt, wenn es anderswo in Deutschland schon spürbar frühlingshaft ist, der Winter in Berlin sich aber mit unentschiedenem Dreckwetter noch wochenlang fortsetzt. Ekelhaft, abturnend, jeglichen Elan vital wegfressend…

Benannt ist gebannt. Es wird vorüber gehen, bzw. ich werde mir erst Sorgen machen, wenn es im April immer noch so sein sollte.

***

Kein Wunsch nirgends
Suchende Gedanken stranden im Leeren.
Selbst das Begehren des Begehrens
bleibt blasse Erinnerung.
Zumindest was mich angeht.

Ansonsten: der Weltfrieden!
Wer wünscht sich den nicht?

Diskussion

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12 Kommentare zu „Im Wunschraum die Leere – Endwinterdepression?“.

  1. nur eine Tendenz zur Müdigkeit, zum nutzlosen Herumliegen

    Das könnte Muße genannt – und als solche genossen werden, statt sich Sorgen zu machen, daß die eigene Wunschmaschine im Leerlauf dreht. Vielleicht schaust Du einmal kurz in Gontscharows Oblomov hinein. Es tut immer gut, sich hinter einer literarisch anerkannten Quelle verstecken zu können, außerdem ist das Buch witzig.

    Für mich sind solche Zustände so etwas wie ‚Ferien des Ich‘ – ohne lästiges Kofferpacken, ohne unbequeme Sitze in lebensbdrohlichen Verkehrsmitteln und ohne die unweigerlich folgende Verschandelung von Fauna, Flora und Landschaft. Und wie alle Ferien enden auch sie meistens früher, als ich es mir hinterher wünsche…

  2. https://www.youtube.com/watch?v=sJSLPv86QXo

    Also ganz kleine Brötchen backen: wie wäre es mit Ausgehen?
    Mal wieder Kultur, Kino, Theater oder wenigstens
    „besonders essen gehen“? Nicht einmal das vermag mich
    zu reizen, es kommt einfach kein Verlangen auf.
    Der Wunschraum ist leer…

    :)
    hallo claudia,
    ich hab da einen hilfreichen klassiker:)

    es ist normal, „einfach nur mal so rumzusitzen“
    wie auch immer „normal“ nun genau definiert wird.

    mir geht es gelegentlich auch so,
    mit der wachsenden Anzahl der erlebten Winter
    seh ich das mehr oder weniger summarisch;
    Hochdruck, unter Dauerstress und aus jeder
    unerwarteten Richtung mit allem möglichen
    nervigem Kleinkram angegriffen wünsch ich mir
    durchaus zur Abwechslung diese Tage an denen
    mir das grosse rad komplett aAv.

    noch ist uns der Himmel nicht auf den Kopf
    gefallen, noch steht der Eiffelturm, noch sind
    die Regieeerenden dieses seltsamen, mit einem affenzacken
    um die Sonne herumflitzenden, kartoffelförmigen,
    grösstenteils Eisen enthaltendenden himmelskörpers
    in der Lage ihren noch wählenden Lämmern täglich aufs neue
    das grosse X für das kleinere u vorzugaukeln,
    was also solls..
    mach einfach mal pause und gut is.:)

    gruss
    aus sz
    ingo

  3. Nun gut, das Wetter ist nicht erbaulich. Das stimmt wohl kaum jemand heiter.
    Wieso aber ….gehst Du nicht mit einem alten Freund einfach ins Kino oder in eine Galerie/Museum und verfolgst an Dir, wie Lebensfreude zu Dir kriecht? Man kann ja eine Sache auch genau anders rum anpacken.

  4. Danke für Eure Anteilnahme, das freut mich!

    Ja, natürlich könnte ich.. eigentlich… wenigstens richtig Muße genießen statt Arbeit zu „prokrastinieren“, oder doch irgendwas unternehmen…
    Kommt sicher auch irgendwann, aber jetzt ist halt diese seltsam bleierne Stimmung, die mich davon abhält.
    Nun ja, andere haben eine Wintergrippe, ich geh nicht unter die Leute und hab halt „Endwintermissstimmung“.

    Das Video ist witzig, Ingo!

  5. Melancholie gehört gepflegt, finde ich.
    Gruß von Sonja

  6. es war einmal
    so die mär
    ein grosses land
    das ist nicht mehr

    drin wohnten leut mit grossen dingen
    laut und bunt und voll Gelingen
    bis der zaster kam und mit ihm not.

    nun war ruh‘ in den einst so lauten Wipfeln
    gehauchtes fluchen half nicht weiter
    Reih um Reih die leute darbten
    schwerer Wind und mieses Wetter
    im Rabenflug KreuzEichenZeichen

    Am kreuzweg steht der Rest vom Volk
    scheidet Tand vom Restgewand
    was nun, was tun
    ab nach Haus, nach Nimmermehr
    dort aufs sofa, ach so schwer.

    ein Weilchen noch
    gilts auszuhalten
    kommt die Wärme,
    kommt die Flut

    dann wird zum ende hin der Kopf gespalten
    und wie in jeder guten mär
    wird alles gut, in Nimmermehr!

    :)
    spontan, gruss aus sz ingo

  7. ich hab da ne tonspur:)
    versuch macht kluch..
    https://www.tumblr.com/blog/nurnweiterertischler

  8. Wow, eine Tonspur! Hör ich mir aber erst morgen an, denn reinkommen geht nicht spontan (keine Ahnung, ob ich da schon einen Account habe, muss ich erstmal erforschen).

  9. Ach, Claudia, die schönen kleinen Geschichten, die mal nicht die Weltrettung betreffen – da find ich, bin ich mitten drin. Das Persönliche. Und mir geht`s wie Ingo, und Ingo geht`s wie dir – und so scheint mir: Alles normal :)

    Oder?
    Diese leichte (vielleicht) Winterdepression, von der du schreibst, empfinde ich in den letzten Jahren bei mir immer öfters. Was mich an dieser Vorfreude auf den Frühling dabei so nervt, ist – der Winter muss doch auch irgendwie sinnerfüllend und mit Freude, Ruhe, Stille oder sonst was zu erleben sein! Aber so richtig, find`ich darin Nichts mehr.

    Ich stürme mit Höchstgeschwindigkeit aus dem Sommer, Spätsommer und Indian Summer dann in den Winter, und bis ich dann gebremst habe – ist Mitte Januar. Und dann denk ich: Man, was en`Scheißwetter. War das schon immer so? Nee – früher war doch alles VIEL VIEL Besser :)

  10. ich habs mal auf u-tube geschoben..:)
    dort funktionierts

  11. Danke, Ingo! :-) Ich hoffe aber mal, dass es für uns ohne „Kopf gespalten“ abgeht!
    @Menachem: wenns so richtig Winter wäre, mit viel Schnee – das lässt sich auch genießen (2 Wochen lang… :-)). Aber so… immerhin hat sich die Sonne gestern mal gezeigt.
    Abgesehen von der Zeit „zwischen den Jahren“, deren angenehme Atmosphäre davon kommt, dass die Welt des „Hard Working“ endlich mal weitgehend stille steht, mag ich Winter nicht besonders. Würde ihn aber sicher vermissen, wäre ich irgendwohin ausgewandert, wo es keinen gibt.

  12. Kommentarproblem vorläufig gelöst – womit leider auch die „Verschnellerung“ wieder weg ist, die Ladezeit wieder verlängert.

    Ich danke allen fürs Melden und Testen – ich hab jetzt alles rund um die Kommentartests wieder gelöscht.

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