Claudia am 06. Januar 2016 — 20 Kommentare

#koelnhbf: Nur ein Zitat

„Zivilisiert zu sein bedeutet, nacheinander neun Schwarzhaarigen zu begegnen, die sich alle als Arschlöcher erweisen, und trotzdem dem zehnten Schwarzhaarigen nicht deshalb in die Fresse zu hauen. Es gibt nicht den einen Auslöser, nach dem Rassismus plötzlich okay ist. Wer angesichts der Kölner Attacken überlegt, ob rassistische Verallgemeinerungen vielleicht doch okay sind, war schon vorher Rassist und hat sich bloß nicht getraut, das zu kommunizieren.“

– Sascha Lobo –

(aus: Übergriffe in Köln – Mob und Gegenmob)

Diskussion

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20 Kommentare zu „#koelnhbf: Nur ein Zitat“.

  1. Dummerweise funktionieren big data (und fast alle empirisch basierten Theorien) aber exakt so: was überzufällig viele Untersuchungseinheiten (Personen usw.) einer bestimmten Kategorie als Eigenschaft aufweisen, wird allen Untersuchungseinheiten (Personen) dieser Kategorie als Eigenschaft zugeschrieben. Und 9 aus 10 ist verdammt nahe dran an dem, was in der medialen und privaten Umgangssprache fälschlich als ’signifikant‘ oder ‚repräsentativ‘ herum geistert.

    Die Grenze zur Nicht-Zivilisiertheit überschreitet für mich nicht, wer empirische Auffälligkeiten zur Verhaltenssteuerung nutzt (was sehr vernünftig sein kann und es in der Regel wohl auch ist), sondern wer glaubt, sie würden ethische Prinzipien (etwa die Unschuldsvermutung oder das Gebot der Nächstenliebe) ersetzen können.

    Daran festzuhalten, daß menschliches Handeln nicht erschöpfend als zweckrational beschrieben werden kann, ist in meinen Augen ein unverzichtbares Kriterium seiner Zivilisiertheit. Die platte Orientierung des Handelns und Urteilens am statistisch Wahrscheinlichen dagegen verliert mit dem sich einschleichenden oder gar programmatischen Verzicht auf ein Begründen aus dem nicht (an einer Hand oder in einem CPU-Register) Abzählbaren eine zentrale Qualität des Sozialen, welche eine humane Gesellschaft von einer Gangsterorganisation unterscheiden kann.

  2. hallo susanne

    was für mich die zwischenfrage der bewertung
    der gesellschaft hier aufwirft, ist dieser staat
    noch eine humane gesellschaft oder ist er eine
    ausgeklügelte gangsterorganisation

    gangster muessen nicht zwangsläufig nur mit gewaltmassnahmen
    ihre undemokratischen interessen durchsetzen, eine gesellschaftsform
    wie die der republik hier ermöglicht es durchaus auf „unscheinbare gewaltmassnahmen“ zurückzugreifen.

    gruss aus sz
    ingo

  3. @ingo
    Ich kann’s mir nicht verkneifen:

    vielleicht ist diese Gesellschaft am besten zu beschrieben asl ‚humane Gangsterorgansation‘

  4. n bild zur humanen gangstermentalität hab ich schon.
    fehlen nur nochn paar beweise..:)

    gruss
    ingo

  5. Danke für Eure Anmerkungen!!!

    @Susanne:

    „Die Grenze zur Nicht-Zivilisiertheit überschreitet für mich nicht, wer empirische Auffälligkeiten zur Verhaltenssteuerung nutzt (was sehr vernünftig sein kann und es in der Regel wohl auch ist), sondern wer glaubt, sie würden ethische Prinzipien (etwa die Unschuldsvermutung oder das Gebot der Nächstenliebe) ersetzen können. „

    Klar, das ist eine Verdeutlichung dessen, was Lobo meint bzw. warum ich das hier geposted habe.

    @Ingo: bisschen unkonkret! ;-)

    Ich hab – als „Rückfall“ ins Info-Lesen aufgrund der drastischen Ereignisse – all diese schrecklichen Nachrichten, Kommentare, Verallgemeinerungen inkl. übelster Hetze und auf der anderen Seite jede Menge „so nicht-Artikel“ gelesen, hab darauf gewartet, dass mir etwas einfällt, was noch nicht gesagt wurde. Es kam einfach nichts… aber das Zitat bringt für mich die Dinge auf den Punkt!

  6. Relativ vernünftiger Kommentar bei HuffPo.

  7. @claudia

    Ein Zusammenhang fehlt mir zwischen allen, die ich bisher im Zusammenhang mit Köln zu lesen bekam:

    Daß eine allgemeine Bereitschaft zur Gewaltanwendung (die daher auch Frauen trifft) im Zusammenhang mit kollektiven Formen der Befriedigung eigener Bedürfnisse nach Spaß, Geltung, Anerkennung und (sexuellem wie sozialem) Erfolg, offen frauenfeindliche Verhaltens- und Identitäts-Normen, welche gerade für junge Männer oft handlungsleitend sind, sowie ein frauenverachtender Sprachgebrauch, der diese Normen transportiert und verstärkt, durchaus sehr viel, wenn nicht sogar am meisten mit der Erfahrung einer fatalen Verfangenheit in sozial, ökonomisch und sexuell deprivierten Lebenssituationen zu tun haben.

    Vielleicht habe ich das ja im allgemeinen Trubel überlesen, oder es ist für alle sich öffentlich Äußernden eine so selbstverständliche Tatsache, daß sie es nicht für nötig halten, sie explizit anzuführen. Dann schadet es aber sicherlich nichts, nochmals darauf hingewiesen zu haben.

  8. @Susanne: nun ja, in der jetzigen „aufgeheizten“ Stimmung darf sich im Grunde niemand trauen, solche Hintergründe zu beleuchten. Verständnis für die Historie und sozialen Ursachen solcher Taten ist das Letzte, was derzeit gewünscht wird!

    Es kommt aber schon gelegentlich der „kulturelle Hintergrund“ gewisser Länder zur Sprache, wo derlei frauenverachtende Taten durchaus üblich sind (z.B. Ägypten, Algerien und Marokko, Jemen, Pakistan und Afghanistan sowieso). Allerdings meist „von rechts“, als Warnung und Begründung einer Abschottungs- und Abschiebungspolitik im Umgang mit Flüchtlingen (und auch anderen unerwünschten Ausländern). Darüber hinaus wollen die das nicht vertiefen…

    Alsdenn: Es sind Staaten mit krassem Patriarchat, wo Frauen kaum Rechte haben und quasi Besitz von Vater bzw. Ehemann sind – egal, was für Rechte auf dem Papier gelten. Die Folge: es gibt keine Möglichkeit für junge Männer, auf normalem Wege Sex zu haben – und Heiraten können viele eben auch nicht mangels entsprechender Arbeit plus Vermögen. (Sogar der Ausweg der Knackis, das gleiche Geschlecht, ist – hier und da bei Todesstrafe – verboten). Bleibt nur die Prostitution, die mann sich aber auch leisten können muss.

    Soviel anders war das ja „bei uns“ früher auch nicht (wenn auch weniger drastisch) – und auch in der Türkei und Russland steht es mit den Geschlechtsrollen nicht zum Besten. Hier ein Artikel, der in diesem Sinne aufzeigt, dass es kein Problem „des Islams“ ist, sondern eines von traditionellen Gesellschaften versus Moderne: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-01/islam-rolle-mann-frau-tuerkei-integration-tradition.

    Hass auf Frauen, weil das Begehren keine Erfüllung finden kann, ist in solchen Gesellschaften kein Wunder. Deshalb stimmt auch der Satz: Patriarchy hurts men too.

    Und jetzt kommen die also nach DE und merken vermutlich schnell, dass FÜR SIE die erotische Libertinage, von der sie vielleicht träumten, erst einmal NICHT gilt…

  9. Wobei man sagen muss, dass wir uns auf nahezu allen Ebenen einen fatalen Kulturrelativismus leisten. In Sachsen gegenüber rechter Kultur, in Migrantenghettos gegenüber der patriarchalen Herkunftskultur. Erst in ganz krassen Fällen wird eingegriffen und manchmal auch dann nicht.

    Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich zu Unizeiten immer wieder auf der Universalität der Menschenrechte bestanden und sie auf ihre theoretischen und praktischen Konsequenzen für andere Kulturen und unseren Umgang mit ihnen runtergebrochen habe. Eurozenztrismus war noch das Harmloseste, was mir attestiert wurde. Ansonsten weitgehend Unverständnis bei Kommilitonen und Dozenten.

  10. @Brendan: da stimme ich dir zu. Ich sehe die Menschenrechte auch als etwas an, das FÜR ALLE zu fordern und – wo möglich – auch durchzusetzen ist. Wobei ich wirklich nicht weiß, ab welchem „Verletzungslevel“ eine Einmischung in „innere Angelegenheiten“ mittels kriegerischer Mittel zu befürworten wäre. Weder das „niemals“, noch das „immer“ ist machbar oder fühlt sich richtig an…
    Solange wir noch Nationalstaaten und Konglomerate wie die EU haben, bin ich jedenfalls dafür, dass die Menschenrechte innerhalb dieser Grenzen ohne Wenn und Aber beachtet werden sollen.
    (Wobei es mir als geschichtsbewusster Person doch schwer fiele, ausgerechnet als Deutsche den Juden ihre Beschneidungstradition zu verbieten – so übel ich das auch finde).

  11. So, jetzt hab ich mal getan, was Susanne nahe legt: genauer hingesehen auf die Hintergründe der Täter – und zwar am Beispiel Algerien, der größte nordafrikanische Staat.

    (den sexuellen Aspekt von #koelnhbf lasse ich jetzt mal außen vor, dazu hab ich weiter oben schon etwas gesagt).

    Warum Algerien?

    1.)
    Zunächst empfehle ich die Lektüre von Wikipedia über Algerien. Dauert 10 Minuten und man weiß hinterher: es wundert nicht, dass Leute da fliehen – und auch, dass internalisierte Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit bei solcher Geschichte und solchen aktuellen Zuständen gar nicht erst wachsen!

    Korruption, marode Staatswirtschaft mit extremer Bürokratie, Abhängigkeit von Öl/Gas-Exporten (bei länger schon drastisch fallenden Preisen), Zensur, Islamismus, gesetzl. festgeschriebene Ungleichheit der Frauen, immer mehr junge Menschen ohne Chancen auf Arbeit, faktische Militärregierung / Parlament nicht wirklich mächtig, geheime Haftzentren und Berichte von Folterungen, und und und… man kann auch nicht einfach als Bauer aufs Land gehen, denn Algerien ist zum größten Teil Wüste.

    Für uns ist Algerien aber wichtig und nützlich:

    “ Im Rahmen der „außenwirtschaftlichen Liberalisierung“ steigt der Wettbewerbsdruck für algerische Unternehmen seit dem 2005 in Kraft getretenen Assoziierungsabkommens mit der EU. Der Vertrag mit der EU sieht vor, dass innerhalb von zwölf Jahren sämtliche Handelsschranken zwischen den beiden Partnern wegfallen und Algerien damit Teil der beabsichtigten Freihandelszone wird. Auch der angestrebte Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) wird Algerien zu einer stärkeren Öffnung seiner Märkte zwingen.
    Die Bildung der Mittelmeerunion mit den EU-Staaten zeigt deutlich, welch hohe Bedeutung die rohstoffreichen Mittelmeeranrainer für die Europäische Union – insbesondere im Hinblick auf die Energieversorgung – haben. Die Bemühungen der EU um eine stärkere Streuung ihrer Energiebezugsquellen lassen Algerien, das heute schon rund 25 % der Erdgasimporte der Europäischen Union liefert, zu einem immer wichtigeren Handelspartner werden.“

    Gleich die zweite Fundsache bei Google war denn auch die Meldung:
    Bundeskanzlerin Merkel empfängt den Ministerpräsidenten der Demokratischen Volksrepublik Algerien, Abdelmalek Sellal – nämlich am nächsten Dienstag.

    2.)
    Wer also dort abhaut, hat gleichwohl hier fast gar keine Chancen, als Asylbewerber anerkannt zu werden. Zu den Verfahren und den Ablehnungsgründen lese man hier, zu welchen Verrenkungen der Argumentation die Ämter da kommen (andrerseits verständlich, wir können ja nicht „alle Algerier“ aufnehmen, weil die Zustände dort so mies sind).

    3.)
    Aus alledem ergibt sich: Die aus Algerien Geflohenen landen hier bestenfalls in Asylbewerber-Massenunterkünften, wissen aber genau, dass ihr Antrag bald abgelehnt werden wird. Sie dürfen nicht legal arbeiten und müssen täglich mit ihrer Ablehnung und Abschiebung rechnen.

    Wundert es da, dass junge Männer um die 20 unter solchen Umständen zu sozialen Hasardeuren werden, die nurmehr zusehen, wie sie auf egal welchen Wegen zu Geld kommen, um – dann halt als Illegale – irgendwie durchzukommen?

    Mich wundert das nicht!
    Und wer jetzt sagt: Man muss die Ursachen der Flucht beseitigen, der sollte mal konkretisieren, was das z.B. im Fall Algerien bedeuten könnte. Etwa eine „Rekolonialisierung“? Oder was?

  12. Das erste wäre, die kolonialistischen Handelsverträge, die für Länder in Afrika eigentlich immer ein Desaster sind, zu kündigen und den Ländern eine echte Chance zu geben, sich selbst zu entwickeln, ohne dass Konzerne aus aller Welt ins Land drängen, um die Schätze und Märkte unter sich aufzuteilen.

    Mehr Commons wagen.

  13. Ja, das sagt sich halt so leicht… Mein Hinweis auf „Rekolonialisierung“ kommt nicht von ungefähr! Es sind ja schließlich die dortigen Eliten, die den jeweiligen Ausverkauf des Landes und die Vernichtung heimischer Produktionen mitmachen, bzw. dankend JA GERNE sagen, wenn genug für sie / ihren Clan dabei rausspringt. Da es sich um souveräne Staaten handelt, kann man das schlecht „verbieten“ – WER sollte das auch machen?

    Und was ist dran an dem Satz, der – so erinnere ich – bzgl. Afrika die Runde machte:

    Was ist schlimmer als vom internationalen Kapitalismus ausgebeutet zu werden? Antwort: von ihm ignoriert zu werden.

  14. Ein bisschen könnte man schon machen. Handelsbeziehungen so gestalten, dass der schwächere Partner mehr profitiert als der stärke. Ist beim Lomé Abkommen mit den AKP Staaten früher so gemacht worden. Das Nachfolgeabkommen ist da schon etwas weniger großzügig. „Good governance“ ist auch so ein Thema: Entwicklungshilfe, Ausmaß der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, Umschuldungen u.a. werden zumindest theoretisch auch an (durchaus messbarer) guter Regierungstätigkeit bemessen.

    Hat aber bisher offensichtlich nicht viel gebracht. (Ich bin da aber auch kein Experte.) Und bringt in obigem Zusammenhang erst recht nichts.

    Letzten Endes beschreibt Susanne doch nur den Sachverhalt der „Kulturfremdheit“ – gerne benutzt von Pegidisten. Aber deshalb nicht weniger falsch. Nur: die Lösung kann nicht in Hetze und Brandanschlägen liegen. Sinnvoll wäre so etwas:http://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-gleichberechtigungskurse-in-norwegen-a-1071350.html
    Und zwar nicht nur vereinzelt hier und da, sondern flächendeckend für jeden (und jede).

    Aber das würde ja richtig Geld kosten und das will nun mal keiner ausgeben. Darin sind sich Bundes- wie Landespolitker einig, wie der jüngste Forderungskatalog nach den Ereignissen zeigt: Härtere Gesetze, schnellere Ausweisung. Konkrete großflächige Maßnahmen für die gute, alte Sozialarbeit? Fehlanzeige, das überläasst man lieber den vielen Freiwilligen. Oder wie es der wunderbare Kolumnist der Zeit so schön schreibt: „Wenn in Köln 13 neue Stellen für Pädagogen oder Sozialarbeiter gefordert werden, um ein paar Hundert armseligen Verlierern eine klitzekleine Pforte zum Paradies zu zeigen, wandeln 1.000 Pegidisten um den Dom und murmeln: „Erlöse uns vom Araber“.
    Großartig geschrieben und unbedingt empfehlenswert – der ganz Text:http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-01/sexmob-koeln-kriminalitaet-strafrecht-fischer-im-recht

  15. Köln – diese viele knochenharten, dummen, unerbittlichen, kein mm verrückbaren, alles wissende, gesellschaftlich vergiftende Besserwissende – wie sie in in Kolummen um Kolummen die Fahnen der Errungenschaften, um ihrer selbstwillenden Darstellung, schwenken um auch noch den lautesten Schreier zu übertönen –

    bitte – kann mir einer sagen, wo ich den „Aus“-Schalter zu diesem Alptraum finde. Meine Hoffnung, das wir jemals zu einem respektablem gesellschaftlichen Diskurs finden, wenn schwarze Wolken am Himmel auftauchen –

    „Sag mir wo die Blumen sind……
    was ist geschehen….

  16. Gestern habe ich eine mögliche Erklärung für die sich unversöhnlich gegeneinanderstehenden Positionen gehört, die mir einleuchtend schien. Sie stammt von dem Philosophen Wolfram Eilenberger. Beide Positionen in dieser polarisierten Debatte seien von der Selbstgewissheit getragen, dass diese in der Realität nicht bestehen könne. Vielleicht ist es genau das. Ich könnte mich damit anfreunden. Andere, mit denen ich das diskutiert habe, sehen das allerdings überhaupt nicht so. Erwähnen muss ich, dass sie die Meinung vertreten: Obergrenze und Grenzen dicht.

  17. Was mich an den Grenzen-dicht-Vertretern stört, ist diese Praxis-Ferne! Sie machen sich erstens keinen Kopf darüber, dass es ja sowas wie die „grüne Grenze“ gibt. Und wenn sie allen Ernstes mit Mauern und Zäunen und Überwachung kommen, dann will ich wissen: Wollen sie, dass geschossen wird?

    Aber viel normaler, näher, alltagsüblicher sollte eigentlich das Wissen sein, dass Schengen eine ökonomische Dimension hat – und zwar nicht zu knapp! Grenzüberschreitender Verkehr ohne lange Warterei und Schlangen BRAUCHEN WIR, wenn wir unsere Wirtschaft mit Bestellungen „on Demand“ aufrecht erhalten wollen. Und wer denkt an die Pendler?

    Schon seltsam, dass man das nicht in deren Köpfe kriegt!

    Ich bin ja durchaus auch „besorgt“, sehe aber in „Grenzen dicht“ keine Lösung.

  18. In „Grenzen dicht“ sehe ich die Lösung nicht, weil – ganz unabhängig von wirtschaftlichen Aspekten oder Bequemlichkeitsaspekten – vor allen Dingen das Risiko, dass man damit eine große humanitäre Katastrophe heraufbeschwören würde. Ich habe noch keinen Politiker etwas darüber sagen hören, was es denn konkret bedeutet, wenn die Grenzen geschlossen würden und die Obergrenze erreicht wäre. Sie drücken sich vor der Antwort. Vielleicht können in unserem Land einige damit leben, wenn in einem solchen Fall an unseren Grenzen geschossen würden. Ich könnte es nicht. Vor allem bin ich aus diesem Grund absolut dagegen. Der grenzüberschreitende Verkehr ist schon auch wichtig aber er tritt an dieser Stelle in den Hintergrund.

    Es wird allerdings auch nicht funktionieren, dass wir unbegrenzt Flüchtlinge ins Land lassen – schon gar nicht unter den momentanen Bedingungen. Ich fühle mich an den Beginn der 90er Jahre zurückerinnert. Schon damals hat der braune Mob es vermocht, Politiker in ihre Richtung zu treiben (Asylrecht). Nationale Egoismen oder wie immer man das Verhalten so vieler Leute Deutschland zusammenfassen möchte sind mir persönlich ein Gräuel. Das Land solle sich nicht verändern. Das finde ich kindisch aber in der einen oder anderen Variante scheint es vielen tatsächlich in erster Linie darum zu gehen. Es ist die Angst vor Fremdem, vor Neuem und davor, etwas von dem abgeben zu müssen, wofür man ja so hart gearbeitet hat. An die Menschen, die zu uns kommen, denken viele schon lange nicht mehr.

    Keiner kann die Belastungsgrenze für Deutschland definieren. Aber es tun viele so, als ob sie längst überschritten wäre. Das sehe ich persönlich anders. Allerdings werde ich durch das Verhalten meiner Landsleute täglich eines Besseren belehrt. Wenn das der Maßstab ist…

  19. Dieser Text stellt die richtigen Fragen und beleuchtet die Konsequenzen von „Grenzen dicht“:


    NachDenkSeiten: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!

    Ich hab auf Twitter nachgefragt:

    Vermutlich kommt da nix….

    Vielleicht besteht ja bei einigen von denen die Hoffnung, dass „Symbolpolitk“ wie in Österreich ausreicht. Also die reine Info vom „Beschluss der Obergrenze“ die Flüchtlinge soweit abschreckt, dass sie gar nicht erst anreisen – kann das sein? Und: Könnte da was dran sein?

    Ich denke: bei einigen ja. Es gibt – so sah ich im TV – Flüchtlinge, die nach ein paar Monaten in der Erstaufnahmeeinrichtung beschließen, zurück zu fliegen – das sind Leute aus dem Irak, wo es ja auch noch halbwegs friedliche Gegenden gibt. Aber ich vermute, dass die vielen, die wirklich flüchten MÜSSEN, noch immer genug sind, um unsere Aufnahmekapazitäten zu stressen.

    Seit Jahrzehnten wurde gewarnt, dass uns der Himmel noch auf den Kopf fallen wird, wenn wir weiter so tun, als gingen uns die Probleme des armen Rests der Welt nichts an. Hat nichts bewirkt und jetzt wundert man sich über die zuwandernden Massen!

    Damit will ich keineswegs behaupten, „der Westen sei an allem schuld“ – dazu ist das alles viel zu komplex.

    Im Grunde bin ich auch ratlos. Etwas, was Politiker nicht von sich sagen dürfen, ohne abgewählt zu werden.

  20. Wahrscheinlich hat Jens Berger die Konsequenzen einigermaßen richtig beschrieben. Ich habe das ähnlich drastisch auch schon getan. Eins stört mich an unseren Aufsätzen allerdings. Keiner von uns hat eine Idee, ob und wie der Flüchtlingsstrom tatsächlich zu reduzieren ist. Dafür habe ich leider aber eine Vorstellung davon, was in diesem Land los sein wird, wenn die Regierung es nicht bewerkstelligt bekommt, die Zahlen deutlich zu reduzieren. Die möglichen und bekannten Maßnahmen greifen bisher noch nicht. Die Verhandlungen in Wien gehen nicht recht voran – vor allem aufgrund der Zuspitzung im Verhältnis Saudi-Arabien zum Iran.
    Weder die Österreicher noch die Bayern geben Auskunft darüber, ob sie die von Berger beschriebenen Szenarien bis in die letzte Konsequenz durchsetzen würden. Sie weichen den Fragen danach bisher stets aus. Wären die Europäer sich einig und würden die Flüchtlinge auf alle 28 Länder verteilt werden, gäbe es das Problem in dieser Intensität weder in Österreich noch in Bayern. Zumindest nicht jetzt. Persönlich glaube ich, dass Europa mit dem Flüchtlingsthema auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte viel zu tun haben wird. Dementsprechend erwarte ich von den europäischen Ländern noch viel strengere Abschottungsmechanismen als wir sie uns im Moment überhaupt vorstellen können. Ich fürchte, dass sich parallel zu dieser Entwicklung die nationalistischen und völkischen Tendenzen in Europa verstärken werden. Hoffentlich irre ich mich, und die Menschen kommen zur Besinnung.

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