Claudia am 06. November 2015 — 11 Kommentare

Ernst gemeinte Frage an Gender-gerechte Sprach-Expert_*/Innen

Mal angenommen, ich möchte zum Ausdruck bringen, dass Angela Merkel unter den Bundeskanzlerschaften, die ich bisher mitbekommen habe, eine ganz gute Figur macht – und hätte das gerne weniger geschwurbelt auf den Punkt gebracht. Aber wie?

„Angela Merkel ist die beste Bundeskanzlerin seit je….“

Hm. Geht eigentlich nicht, denn es kann und wird missverstanden werden als: Klar, sie ist ja die erste BundeskanzlerIN, also selbstverständlich die Beste, die wir je hatten!

„Angela Merkel ist der beste Bundeskanzler, den wir je hatten“

Diese Formulierung konterkariert die mittlerweile sogar im Mainstream angekommene geschlechtergerechte ANSprache, negiert/ignoriert die Weiblichkeit von Frau Merkel – ja was aber nun?

Diskussion

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11 Kommentare zu „Ernst gemeinte Frage an Gender-gerechte Sprach-Expert_*/Innen“.

  1. Hypothetisch ließe sich schreiben: „Keiner der bisherigen Bundeskanzler war so gut wie Frau Merkel“. Aussagen mit Adjektiven, hier als Superlativ von „gut“, führen zu keiner Erkenntnis und erwecken zuweilen den Eindruck, den Leser wenig subtil manipulieren zu wollen. Besser ist ein Text, der beschreibt, was die Frau alles getan hat und ihre Vorgänger unterließen, sodass der Leser selbst zu der Erkenntnis gelangt, der Autor des Textes hat einiges übrig für Frau Merkel.

    „Gender“-Schreibe ist umständlich und wirkt gezwungen. Lieber sollten wir alles zum Neutrum definieren, als Texte aufzublähen durch Verdoppelungen wie „Leserinnen und Leser“ (hier am besten per Zufallsgenerator die Position der femininen und maskulinen Form auswürfeln lassen, da „Leserinnen“ am Anfang die Männer diskriminieren könnte) oder Verunstaltungen mit Binnen-I („LeserIn“ – wirkt auf mich aufdringlich und „männerfeindlich“). Da ich faul bin, schreibe ich in der maskulinen Form, da diese in der Regel um zwei Buchstaben kürzer ist. Daraus eine Benachteiligung für ein Geschlecht herzuleiten, halte ich für eine ungesunde Wahnvorstellung.

  2. Danke für deinen Kommentar. Umschreibung ist durchaus das, was ich selber präferiere. Gelegentlich nutze ich auch Lehrer/innen. Der Satz diente im übrigen als reines Sprachbeispiel, das so im Alltag durchaus vorkommen kann und die Problematik ja doch auf den Punkt bringt.

  3. Angela Merkel – so geht Bundeskanzler!

  4. Nach klassischer taz-Schreibweise: „Angela Merkel ist die beste BundeskanzlerIn“. Oder:
    Bundeskanzler_in, Bundeskanzler*in oder Bundeskanzlx.

    Gemäß dem generischen Maskulinum wäre der Satz „Angela Merkel ist der beste Bundeskanzler“ korrekt. (Wenn auch nur grammatikalisch.)

  5. die beste kandisbunzlerin der gegend
    zog aus das Fürchten zu leeren;
    ihre reichhaltige Erfahrung mit Kandis
    und Bunzlern (die Seniorgeneration
    der schräglaufenden Hügelhunzler)
    verstärkt mit gelegentlichem
    Zuckerguss aus Peitschenhieben
    trog jedoch nur die Masochisten
    der Fürchtenichtsgemeinde. die Sadofraktion
    der geläuterten neokonservatistischenmirdochwurschtler
    liessen sich nicht von ihrer nur schwer durchschaubaren
    gleichgültigkeit beeindrucken und nannten sie
    nur die dreiecksgeste; eine verbale beleidigung
    altmittelatlerlicher Minnesänger.

    jedoch, wie immer in einer funktionierenden Demokratur:
    die Mehrheit der Fliegen hat immeRecht!
    Aktives Beleidigen von MärchenerzählerInnen
    fand keinerlei messbare Resonanz in den Stammhirnen
    der Geschundenen.

    So begab es sich in einer Zeit, lange vor
    der kommenden Jahrtausendwende, dass Märchen wieder
    wahr wurden, blühende Gärten aus den Betonwüsten
    herausleuchteten und das alljährlich stattfindende
    rotgewandete Cocacolamännchen überaus erfolgreich
    die restlebenden Zewibeiner dieses seltsamen
    Planetens auf den Arm nehmen konnte.

    oh, wie arm wäre diese Welt ohne kandis, bunzler und co!

    (sry,
    mehr unsinn fällt mir grad nicht dazu ein:)
    gruss aus sz
    i.m.

  6. Mehr wegen der (hübsch klingenden) Bezeichnung, aber auch wg. (oder für) ingo’s noch viel hübscher klingender Kandisbunzlerin:

    How high we fly,
    folks purr so shy.
    Don’t dare touch down,
    the Chancellorette
    tells with a frown,
    or you’ll regret.
    How high we fly,
    folks whisper shy.
    The Chancellorette
    has disembarked
    by pirouette.
    How high we fly,
    by will or need,
    we must embark
    on selfish deed.

  7. Oh, herzlichen Dank für Eure literarischen Beiträge! :-) Hab mich köstlich amüsiert und gar nicht erwartet, dass die Frage in der Richtung inspiriert!

    @Arnd: genau so ist es – und eben das wollte ich durch das Beispiel problematisieren. Es klappt in solchen Fällen einfach nicht mit „gendergerecht“ bzw. verzerrt die Aussage.

  8. Es ist ein bisschen wie mit HTML. Wir brauchen eine Sprach-Deklaration, um die Worte zu interpretieren.
    Wenn ich deklariere, dass der verwendete Sprachstandard das althergebrachte generische Maskulinum ist, kann ich schreiben, dass Merkel Bundeskanzler ist.
    Und wenn ich schreibe, „Merkel ist die¹ beste BundeskanzlerIn“, ist das eindeutig, korrekt und unmissverständlich, vorausgesetzt, ich habe die verwendete Sprach-Spezifikation verstanden und akzeptiert.

    ¹) der Artikel wird in der Variante zumeist generisch weiblich benutzt, statt „der/die“

  9. Lustig finde ich auch noch, dass Du bei dem Thema „Ernst gemeinte Frage“ davor schreiben musst.

  10. Das muss wohl sein, wenn man deutlich machen will, dass es kein üblicher „Läster-Artikel“ ist, von denen es ja nicht wenige gibt.

    Grundsätzlich stehe ich der Bemühung um eine „geschlechtergerechtere Sprache“ freundlich gegenüber. Der Verweis aufs generische Maskulinum, das ja ALLE meine, ist nicht länger haltbar seit Untersuchungen ergeben haben, dass bei den Nennungen von „Ingenieuren“ oder „Ärzten“ tatsächlich eine Gruppe Männer imaginiert wird. Allerdings – und das ist für mich ein wichtiger Stolperstein – ecken fast alle Formen irgendwie an, der Gedankenfluss wird unterbrochen zu Gunsten irgendwelcher Gedanken über eben dieses „Sprachhandeln“. Und das nervt, so berechtigt es ist. Ich will in aller Regel einen Inhalt diskutieren, der damit nichts zu tun hat. Verwende ich dann eine aneckende Form, konterkariere ich mein Anliegen, setze eine Hürde, eine Ablenkung.

  11. Aus der Szene der Befürwort_er*Innen heraus wird genau das Anecken und Nerven als erwünscht bewertet. Ich sehe das anders, denn damit tritt der eigentliche Inhalt in den Hintergrund.

    Das Thema wird ja schon seit Jahrzehnten diskutiert, und bisher hat keine Variante sich auf breiter Basis durchgesetzt.
    Der Grund ist m.E., dass diese Stile zwar den Anspruch haben, zu integrieren, tatsächlich aber Abgrenzung signalisieren. Diese Schreibweisen signalisieren auf den ersten Blick die Zugehörigkeit dex Verfass_x zu einer bestimmten Szene; Leser/innen aus dem bürgerlichen Lager, sollten sie aus irgendeinem Grund überhaupt über einen solchen Text stolpern, hören auf zu lesen.

    Eine integrative Sprache müsste aber theoretisch quer durch die gesellschaftlichen Milieus hindurch konsensfähig sein. Das ist bei den vorliegenden Vorschlägen illusorisch und auch offensichtlich nicht gewollt. Was wir brauchen würden, wäre eine Sprache, in der sich ein frommer Christ aus dem Schwarzwald und einE Aktivist_*In aus Friedrichshain austauschen können, in der sie sich zumindest verstehen, einigen werden sie sich nicht.

    Es sind Sprachcodes entstanden, die nur noch Eingeweihten zugänglich sind. Vor ein paar Wochen kursierte dieser Text durchs Netz – allenthalben nur zur Volksbelustigung vorgeführt, niemand wusste so recht, um was es geht.

    Ironischerweise ist die Form, die den Lesefluss am wenigsten stört, die radikalste: Das generische Femininum. Es muss nur eingehend erklärt werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Eine generische Form ist m.E. erforderlich, um die ewigen Pronomen-Stolpersteine, mit denen der/die VerfasserIn ihre/seine LeserInnen ins Stocken bringt, raus zu bekommen. In der taz-Variante des Binnen-I werden die Pronomen, so ich das richtig gesehen habe, bereits generisch feminin benutzt, das ist genau so flüssig lesbar wie das traditionelle Maskulinum.

    Wenn es nach mir ginge, würde ich vorschlagen: Männer benutzen das generische Femininum, Frauen das Maskulinum. Das würde mal etwas geradezu revolutionär neues, noch nie dagewesenes ausdrücken: Gegenseitige Wertschätzung.

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