Claudia am 03. Juli 2015 — 33 Kommentare

Der Elephant im Zimmer, den niemand sehen will

In Griechenland bekommt derzeit jeder nur 60 Euro pro Tag an den Geldautomaten, Rentner müssen mit Raten von 125,- auskommen. Die Griechenland-Krise ist auf einem Höhepunkt, alle starren gebannt auf das Referendum, in Talkshows und Medien werden die komplexen Sachverhalte, die zu diesem Desaster geführt haben, mehr als ausgiebig diskutiert. Nur ein Thema wird gar nicht erwähnt: Inwiefern ist es eigentlich „normal“, bzw. DARF es normal sein, dass eine Staats- oder Bankenpleite EIGENES GELD der Menschen in Gefahr bringt?

Klar, wenn ein Staat pleite ist, kann er keine Zahlungen mehr leisten. Dass aber gleichzeitig die Geldversorgung über die Banken zu entfallen droht, ist nicht Schuld des Staates, sondern hängt mit der verrückten Konstruktion unseres Geld- und Bankensystems zusammen. Die Griechen sollen noch ca. 100 Milliarden eigenes Vermögen haben: Bankguthaben, Sparbücher etc. – Geld, das noch nicht ins Ausland gerettet wurde. Das droht nun den „Kapitalverkehrskontrollen“ zum Opfer zu fallen, ganz einfach weil die Banken pleite sind, die keine weiteren „Ela-Kredite“ mehr bekommen. Auch bei einem „Ja“ im Referendum ist es hochwahrscheinlich, dass den Griechen weiterhin der Zugriff auf ihr persönliches Vermögen verwehrt bleibt, denn es droht ja nun erst recht der „Abfluss“ dieses Geldes, wenn die Banken unbeschränkt wieder öffnen.

Wir alle haften mit

Warum regt sich darüber außer den Betroffenen niemand auf? Was hat ein Mensch mit normal erarbeitetem Sparguthaben mit dem Finanzkasino zu tun? Doch eigentlich nichts! Dennoch haften wir mittlerweile alle für Bankenpleiten, denn nach einer 2013 verabschiedeten EU-Richtlinie, die schon weitgehend in nationale Gesetze umgesetzt wurde, haften Sparer noch vor Rettungsaktivitäten des „Rettungsschirms“. Lediglich der Einlagensicherungsfont schützt Vermögen bis 100.000 – aber davon spüren die Griechen grade gar nichts, das Geld wird einfach einbehalten mit ungewissem Ausgang (ob die einen Einlagensicherungsfont haben bzw. ob der ausreichend gefüllt ist, weiß ich nicht, bezweifle es aber).

Noch einmal: Was können einfache Bürger für das Finanzverhalten ihrer Regierungen, gar der Banken? Nichts! Zu sagen, man habe die Politiker, die all das zu verantworten haben, doch gewählt, ist kein Gegenargument. Denn wo hätten denn jemals Wähler über die Details des Finanzsystem entschieden? Dass die Banken nur minimales „Eigenkapital“ halten müssen und mit dem großen Rest der Einlagen machen dürfen, was sie wollen – hat das jemails irgend eine Bevölkerung der Welt gutgeheißen?

Demokratie schön und gut. Aber WER bestimmt, was man der demokratischen Beschlussfassung überlässt und was nicht?

Diskussion

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33 Kommentare zu „Der Elephant im Zimmer, den niemand sehen will“.

  1. Wenn der kleine Sparer nicht haften würde, würden ja die Hedgefonds haften und das geht ja nun gar nicht.

  2. Ich mag mir das gar nicht vorstellen, Claudia, mit welcher Wut im Bauch ich vor dem Geldautomat stehen würde, wenn mir dieser anzeigt:
    „Ihr verfügbarer Betrag heute beträgt: 50,00 Eur“.

    Meine Wut würde ich wohl über den ausschütten, der mir über die „freie Presse“ meines Landes als der Verursacher dargestellt würde.

    Was ich aus deinem Beitrag heraus verstehe, ist, dass das GROßE System nur funktionieren kann, wenn die kleinen Systeme, ob Finanz-, Politik-, Sozial, Demografischen … Systeme, immerfort gut ineinandergreifend laufen. Sicher, ab und zu muss mal geölt und nachjustiert werden, doch so lange es läuft, ist RUHE!.

    Wird Sand in eins der Räderwerke gestreut, wirkt es sich auf das gesamte Getriebe aus. Dabei wird man wahrscheinlich einige der ersten Störungen vorhersagen können. Aber in den weiteren Auswirkungen dieses komplizierten, über Jahrzehnte gewachsenen Riesenappartes, traut sich wohl mittlerweile keiner mehr ergebniswissend vorausschauend zu urteilen. (Obwohl immer noch viele meinen, sie wüssten alles ganz genau)

    Hätte es nur eine Schieflage oder Insolvenz „einer“, oder vielleicht auch zwei Banken, in Griechenland gegeben – wer weiß, ob das überhaupt bis hierher vorgedrungen wäre.

    Nun betrifft es aber Alle Banken eines Ganzen Landes. Dieser Fall ist genauso wenig vorgesehen, wie der Austritt eines Landes aus der EU. Fehleinschätzungen. Vielleicht auch fehleingeschätzt, weil man sich in der Entwurfszeit der EU Konstruktionen nicht vorstellen konnte, das schon wieder so bald junge Brandstifter auf die Bühne treten, die polarisierend sich als starke Retter der Nation aufschwingen, aber – weder Begabung, Talent noch Wille haben, ihr Handwerk richtig zu lernen und es auszuführen. Populistische Götter auf ihrem Egoweg in den Olymp.

    Ich schreibe das so, weil ich meine, dass es immer Wege und Möglichkeiten gibt, über Schulden zu verhandeln. Herr Franjo Pooth fährt ja heute auch wieder dicke Autos und tanzt auf Reichenparty`s – nach einem Schuldenschnitt von 91 %. Also bitte – wo ist das Problem?

  3. wenn man aufgibt sich über die Dinge aufzuregen
    und trotzdem nur noch kalte wut auf die verhältnisse
    bleibt dann kommt bei mir so ein kommentar zustande:)

    ein gespenst geht um in Europa..ah..
    ne, ein Gespinst frisst sich fett in Europa..
    arghhh, nein. Spinner bezahlen Gespenster
    in Europa.

    womöglich sinds auch Vollidioten, die sich den ganzen Sermon
    aufschwatzen lassen und schon längst nicht mehr in der Lage sind Ursache und Wirkung fein säuberlich auseinander zu halten oder besser:; zueinander in Beziehung zu stellen.

    so wie ich das meinem täglichen nachrichtenkonsum entnehme,
    schwafelt alles was ne stimme hat von “Grexit”<– (neusprechdoppelwürg)der Rest der schwadronierpinsel fabuliert über sozialismus und/oder Freiheit
    (hatten wir schon: freiheit statt sozialismus)<– ist aber nur für ältere Semester voll durchschaubar, dieser HinterhofTreppenWitz (HTW) aus der germannischen Geschichte.

    keine Sau hält Ursachae und Wirkung für belastbare Worthülsen.ist wohl auch so, die Gewinne sind längst eingefahren, die “Bad Banks” gepäppelt,
    die Investoren rundrum vollgeschmiert und der Rest von EUROpha angeschmiert.

    ich frag mich: WIE SIND DIE SCHULDEN VON GRIECHENLAND zusammengekommen?

    wer hat hier wem was verscherbelt
    und wer hat von wem wieviel abgezockt.
    wer lebt heute noch und wer ist an den
    gefressenen Penunzuen geplatzt?

    ich frag mich nicht, wer den ganzen scheiss bezahlt, das ist schon immer glasklar gewesen, nein: ich frage wer an der ganzen versifften Geschichte wieviel verdient hat.

    und : ich finde nirgens in den öffentlich zugänglichen Medien darauf eine plausibel klingende Antwort.

    die lage ist also getrübt, es hängen zwar keine gewaschenen unterhosen mehr quer über die Strasse aber auch heute erhält man von den Regieeeeerungen dieser Sippschaft sowiso keine
    Antwort.

    issses nich schön, bei einem Tässchen tee, zwei katzen auf dem schoss den Herrgott einen guten mann und fünfe grade sein zu lassen?

    gruss aus sz
    ingo

  4. @Menachem: Tsipras und Varoufakis haben alles Erdenkliche in Sachen „Verhandlungen“ unternommen und doch kamen ihnen die Gläubiger nicht einen Schritt entgegen – das ist mittlerweile wirklich vielfach belegt, auch durch Veröffentlichung des letzten „Angebots“, das angeblich „großzügig“ gewesen sein soll!
    Wenn man gewählt ist, um das bestehende Regime zu verändern, kann man nicht dessen Fortführung unterschreiben – für mich ist das sonnenklar!

    Mittlerweile hat sogar der IWF zugegeben, dass Griechenland einen Schuldenschnitt braucht, um wieder auf die Beine zu kommen. In den Szenarien der Gläubiger-Forderungen gibt es KEINE Möglichkeit, eine Schuldentragfähigkeit zu erreichen.

    Ein langer Artikel auf Telepolis fiesert das ganze Drama auseinander, von Beginng an. Ich zitiere nur einen Absatz:

    „Die derzeitigen griechischen Regierungsmitglieder werden von den Medien hierzulande wahlweise als Pokerspieler oder Spieltheoretiker verunglimpft, und als Demagogen und Lügner beschimpft. Dabei sind die angeblich so unverschämten und undurchführbaren Forderungen Griechenlands, die maßgeblich aus der Feder des Finanziministers Varoufakis stammen – der zusammen mit dem amerikanischen Ökonomen J.K. Galbraith schon seit November 2010 einen regelmäßig aktualisierten „bescheidenen Vorschlag“ zu einer grundsätzlichen und progressiven Lösung der Eurokrise veröffentlicht hat, lange bevor seine Position als griechischer Finanzminister überhaupt im Bereich des Denkbaren lag -, gar nicht so radikal.

    Genau genommen ist seine zentrale Forderung – ein Schuldenschnitt, der die Schulden beträchtlich reduziert und eine an das Wachstum gekoppelte Rückzahlung der verbleibenden Schuldenlast vorsieht – ausgerechnet am historischen Beispiel Deutschlands geschult. Denn der deutschen Regierung unter Adenauer ist es 1953 gelungen, auf einer internationalen Geberkonferenz erfolgreich dafür zu werben, die deutsche Schuldenlast, entstanden durch Reparations- und Wiederaufbauschulden zweier Weltkriege, um die Hälfte zu reduzieren. Insbesondere aber mussten die Schulden nur aus laufenden Einnahmen gezahlt werden; erzielte Deutschland also keine Exportüberschüsse, musste es auch keine Schulden abbezahlen. „

    Das ist es, wozu sich die EU durchringen muss: ein Schuldenschnitt und Rückzahlung gekoppelt an tatsächliches Wachstum – unterstützt von Wirtschaftsförderung des Mittelstands (!) und damit einher gehend einer drastischen Verbesserung der griechischen Bürokratie.

    Statt dessen führen sich alle auf wie ein wild gewordener Kindergarten – und der deutsche Michel beteiligt sich begeistert am Lästern auf die angeblich „faulen Griechen“. Diese Selbstgefälligkeit und Ignoranz geht mir gewaltig auf die Nerven!

  5. Claudia, das war nicht meine Absicht, dich mit meinem Kindergarten Niveau in Rage zu bringen.

    Sorry,- wird bestimmt nicht wieder vorkommen.

  6. Der ganze Rummel (aka ‚die korrupten Griechen sollen endlich verschwinden oder ein für alle Mal zu Kreuze kriechen‘) bricht meiner Ansicht nach einzig aus einem Grund jetzt derart hemmungslos hervor: beides würde mittlerweile kaum noch groß schaden. Inzwischen haben genug private Gläubiger (Personen/Banken/Fonds) ihre bei einem Staatsbankrott zu erwartenden Verluste ausreichend weit externalisiert bzw. auf die öffentlichen Seiten hinüber geschoben, daß die Zeit der kalkulierten und daher profitablen Erpressung vorbei sein darf, weil sich der ganze Aufwand für den abnehmenden Ertrag nun nicht mehr lohnt. Genau darin (Zeit zu gewinnen, daß genug Inventar in die Rettungsboote verbracht werden konnte) lag sicherlich der wahre Zweck dieser sich seit Jahren dahinziehenden Konkursverschleppung, denn niemand kann doch wohl ernsthaft annehmen, daß eine mit dem gesamten Instrumentarium des modernen Wirtschaftsliberalismus zurecht gestutzte Volkswirtschaft jemals jene utopischen Wachstumsraten produzieren könnte, die für einen korrekten Schuldendienst notwendig wären. Den kriegen ja nicht einmal die Exportweltmeister im Norden zustande. Natürlich hat das so deutlich niemand heraus posaunt, es etablierte sich eher still als willkommener Nebeneffekt der diversen, im Einzelnen oft anders motivierten Versuche, Europa und den Euro vor einem meist etwas nebulös gemalten Schaden zu bewahren, den wirtschaftlich präzise niemand beziffern wollte, nicht einmal jene, die allein das ökonomische Kalkül an die Stelle jeder es möglicherweise transzendierenden Ratio setzen möchten.

    Eines dürfte nach kurzem Nachdenken aber jedem Menschen klar sein, der seine Kontoauszüge zu lesen vermag: selbstverständlich wird es einen Schuldenschnitt für Griechenland geben, so wie bei jedem ordentlichen Konkurs, denn anders kommt dieses Land niemals wieder auf die Beine, und selbstverständlich wird dieser Schnitt alle treffen, die sich noch Geld von Griechenland erwarten. Jedoch manche deutlich schmerzlicher als andere. Wie bei jedem Konkurs kommen private und institutionelle Anleger meist glimpflich davon, während andere ihre Existenz und ihre Arbeitsplätze verlieren. Und selbstverständlich wird als willkommener, politischer Nebeneffekt mitgenommen, die Leute von Syriza für diese Staatspleite den Kopf hinhalten zu lassen, so wie es einst der wilhelminischen Generalität mit der ihnen verhassten Republik gelang, indem sie deren Repräsentanten etwas unterschob, das sie selbst herbei geschossen hatte. In dieser Welt sammelt sich der Geruch von Schuld selten bei den eigentlichen Verursachern einer Misere, sondern zumeist bei denen, die das Unheil aussprechen und zu handhaben versuchen, statt sich so lange um klare Worte herum zu drücken, bis die eigenen Schäfchen brav ins Trockene gebracht sind.

    Ingo’s in der Tat einzig spannende (und, würden sie beantwortet, vermutlich hochnotpeinliche) Fragen („WIE SIND DIE SCHULDEN VON GRIECHENLAND zusammengekommen? wer hat hier wem was verscherbelt und wer hat von wem wieviel abgezockt. wer lebt heute noch und wer ist an den gefressenen Penunzuen geplatzt? “) aber wird niemals jemand abschließend beantworten. Daß ‚investigative Journalisten‘ (diese Bezeichnung ist, denke ich, ein klassischer weißer Schimmel, ehedem zumindest, heute müßte er vielleicht schon als ‚contradictio in adjecto‘ angesehen werden), daß also Personen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, eben solche Fragen zu stellen, für die andere Menschen weder die Zeit noch die Möglichkeiten haben, je etwas über die Wege des Geldes herausfinden werden, ist meiner Auffassung nach nicht allein deswegen unwahrscheinlich, weil ich nirgendwo auch nur im Ansatz den Versuch sehe, genau das einmal mit Nachdruck und Sachverstand anzugehen, sondern weil ich befürchte, daß diese Wege mit dermaßen wirksamen Mauern aus eben diesem Geld umgeben sind, daß sich solider Stahlbeton wie getretener Quark dagegen anfühlte. Was die Öffentlichkeit zu sehen bekommt, ist höchstens das Handgeld für den Pförtner, der die Eingangstür abstaubt und die Passanten mit einem ‚Wir werden hart daran arbeiten, daß alles gut wird‘ freundlich grüßt. Niemand aber kann mich glauben machen, daß wer hunderte Milliarden bewegen kann, nicht ein paar Milliarden dafür übrig habe, sich jene ruhige Ungestörtheit der Geschäfte zu kaufen, die in einer Welt aus Milliarden Habenichtsen eben diese ihm vom niemals voll zu kriegenden Hals halten kann.

    Für unsereins müssen wir uns wohl damit zufrieden geben, stolz immer mal wieder hinter einem Elefanten den anderen Elefanten zu entdecken, der uns die Sicht auf die schier endlose Kette von Elefanten verdeckt, die sich alle passgenau hintereinander verbergen. Nicht daß kein Mensch schreit ‚Seht her, ein Elefant!‘ ist das Problem, auch nicht, daß niemand ihn dann sieht (dagegen hat Hans Christian Andersen uns alle immunisiert). Bloß sehen wir vor lauter Elefanten den Wald nicht mehr, den sie niederzustampfen im Begriffe sind, ist es doch schon mühsam genug, mit ständig neuen, aufregenden Dickhäutern (auf Flachbettdisplays) eine Welt aufzustören, die scheint’s so lange auf der faulen Haut liegen bleibt, bis man ihr auch noch das letzte Fell über die Ohren gezogen haben wird.

    Einen schönen Sonntag allen, ich empfehle Mate-Ingwer-Tee gegen die Hitze und laßt die Hunde im Haus, ihr wißt, zu viel Ozon direkt über dem Boden!

  7. Hey Menachem!!! Du legst mir etwas in den Mund, was ich weder gesagt noch gedacht habe!

    Der „Kindergarten“ bezog sich doch deutlich auf die Verhandlungsstrategie die EU-Finanzminister, die verhandelten und verhandelten, daneben ein unsägliches Griechen-Bashing anstießen – und keinen Schritt auf die Griechische Regierung zugingen. Was ja mittlerweile belegt ist – zeitweise sah es immer so aus, als bewegte sich was, aber am Ende waren es doch immer wieder die gleichen drastischen Forderungen – vor allem ohne eine handfeste Aussicht auf Schuldenschnitt, den ja mittlerweile auch der IWF als unvermeidlich erachtet.

    Wie soll man denn so ein Verhalten nennen? Das ist doch Realitätsverweigerung par Excellence: Wir verlangen das Unmögliche, scheiß drauf, dass es nicht umsetzbar ist – wir wollen ein „weiter so“, auch wenn es die Griechen noch stärker ins Elend stürzt – ohne Aussicht auf Besserung!

    ??? Selbstverständlich schätze ich Dich und deine Kommentare – auch wenn du anderer Meinung bist. Dann wär es aber doch schön, wir würden uns inhaltlich drüber austauschen!

  8. @Ingo, @Susanne: Bin grad bei einem Sonntagsarbeitseinsatz – aber schon mal danke für Eure Beiträge, freut mich, Euch wieder zu lesen! (und ich sag auch noch was dazu, klar..)

  9. Lesenswert auf ZEIT ONLINE: Was ist hier noch links?

    „Aus den Reaktionen des europäischen Establishments auf das angekündigte griechische Referendum schält sich langsam ein Ideal heraus, das die Überschrift eines Kommentars von Gideon Rachman in der Financial Times auf den Punkt bringt: „Europas schwächstes Glied sind seine Wähler“. In dieser idealen Welt entledigt sich Europa seines „schwächsten Glieds“, und die Experten bekommen die Macht, die notwendigen ökonomischen Maßnahmen direkt durchzusetzen – sofern noch Wahlen stattfinden, besteht ihre einzige Funktion darin, den Konsens der Experten zu bestätigen.“

    „Nicht nur Griechenland, auch die Vereinigten Staaten werden nicht einmal theoretisch in der Lage sein, ihre Schulden zu bezahlen, wie inzwischen öffentlich anerkannt wird. Es gibt mithin Schuldner, die ihre Gläubiger erpressen können, weil sie zu groß sind, als dass man sie scheitern lassen könnte (Großbanken), Schuldner, die die Bedingungen ihrer Schuldentilgung kontrollieren können (die US-Regierung), und schließlich Schuldner, die man herumschubsen und demütigen kann (Griechenland).“

  10. @Ingo: soviel ich mitbekommen habe, gibt es 2 Dimensionen der Schandtaten in Sachen Gelder für Griechenland:

    – einerseits der gleichzeitige Verschuldungs- & Sparzwang der „Institutionen“ (siehe den Verlauf hier)

    – andrerseits Veruntreuuung und Versickerung von Geldern bei den Oligarchen (Bau, Medien) in Griechenland, verbunden mit Aufblähung des ineffektiven Staatsdiensts und Reformstau (Reform im sinnvollen Sinn).

    Die neue Regierung wollte und will mit alledem aufräumen – und führt sogar so provozierende Dinge wie Volksentscheidungen bei staatswichtigen Fragen ein.

    Im Moment bin ich ziemlich fassungslos über die unglaublich einseitige, diskriminierende und vor krassen Falschinformationen nicht zurück schreckende Berichterstattung gerade auch der ÖR-MEdien! Hier gut zusammen gefasst: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45364/1.html

    @Susanne: Wer im Stande ist, seinen Kontoauszug zu lesen, ist leider lange noch nicht befähigt (und oft auch nicht willens) sich über die dauer-aktuelle Krise des Finanzkapitalismus eine Meinung zu bilden. Obwohl sich diese doch schmerzlich im Fehlen „normaler“ Zinsen bemerkbar macht – lange schon und ohne Aussicht auf Veränderung.

    Das System ist massiv kaputt, im Finanzkasino wird deutlich mehr Profit gemacht als in der „realen Wirtschaft“. Es ist, als habe sich im Kapitalismus mangels normalen Wachstums bei jenen Gesellschaften, die bezahlen können, ein schwarzes Loch gebildet, das alles einsaugt… Politik kann da immer nur „Zeit kaufen“ und man fragt sich, wie lange noch.

  11. Aus meiner naiven Sichtweise heraus kann jeder Währungsraum beliebig Schulden anhäufen, seit die Bindung der Geldschöpfung an ein existierendes Äquivalent zugunsten einer Schöpfung durch das bloße Versprechen einer späteren Deckung (Buchgeld) aufgegeben wurde. Zum Problem wird ökonomisch dabei lediglich der äußere Wechselkurs (da er ggf. die materiell notwendigen Importe erschwert bis verunmöglicht) und intern die soziale und politische Stabilität (weil dieses Buchgeld nicht allen Bürgern bzw. wie aktuell in der Eurozone zu sehen ist, allen politischen Bestandteilen dieses Währungsraumes gleichermaßen zufließen wird). Den entsprechend hoch- und ausgerüsteten Beruhigungsapparat (von Medien bis Polizeikräfte, i.e. Zuckerbrot und Peitsche) vorausgesetzt, ist die Dauer eines solchen ‚living on borrowed time‘ nur aufgrund der empirischen ‚Gewißheit‘ als begrenzt anzunehmen, daß in der menschlichen Geschichte noch kein solcher Apparat (ob Tyrannis oder Demokratie spielt da keine Rolle) das ewige Leben besaß.

    Eine verrückte (aber leider mir immer weniger als eine unmögliche vorkommende, je öfter sie mir als möglicher Alptraum zu Kopfe steigt) Vorstellung ist, daß für das Funktionieren eines solchen Systems weniger seine Nutznießer als die von ihm Benachteiligten (die das, was überhaupt noch an menschlicher Arbeit aufgewandt werden muß, zu leisten haben, um sich am Leben und die letzten Nutznießer bei Laune zu halten) notwendig zu sein scheinen. Die jeden meiner Ansprüche an solche Menschen, welche ein Mindestmaß an Moral, Vernunft und Stolz für sich reklamieren wollen, Hohn sprechende Bereitwilligkeit, mit der überall, unabhängig von Bildung, Glauben, Geschlecht und Alter, Menschen bereit sind, sich zu Funktionären dieses Gesamtzusammenhanges zu machen, zusammen mit den Winkelzügen, mit denen sie es sich und anderen schmackhaft machen wollen, suggeriert eine Utopie eines ‚Kapitalismus ohne Kapitalisten‘, eines Parketthandels ohne Händler, eines Profitmaximierung ohne Profiteure, kurz eines Reichtums ohne (lebendige) Reiche, der nur aus gigantischen Geldhaufen aus Buchgeld besteht, welche von anonymen Verwaltungsinstitutionen und ihnen eingeschriebenen Routinen ad infinitum vermehrt werden. Hier in Deutschland sind wir noch am Anfang des Weges (die Zerrüttung der Infrastruktur und jeder nennenswerten politischen Streitkultur, die Demontage des Bildungs-, Gesundheits- und des gesamten Sozialsystems bei gleichzeitiger Akkumulation von immer mehr Reichtum ohne real-wirtschaftliche Funktionen in immer weniger ‚Händen‘ markiert nur seine ersten Meter), aber etwa in den USA könnte man bei genauem Hinsehen schon mehr erkennen (über das schon Benannte hinausgehend etwa die krasse Militarisierung ziviler Ordnungskräfte, die quasi automatische Finanzierung des Staatshaushaltes durch Kredite der eigenen Zentralbank, die frühestens erst beim übernächsten Urknall abgezahlt sein werden, die Unmöglichkeit der beiden einzigen politischen Lager, überhaupt noch irgendeine ihrer Pseudo-Utopien durchzusetzen, um nur ein paar Punkte zu nennen).

    Das ‚too big to fail‘ gilt eben auch für einen sich krankhaft erweitert habenden Kropf, fließen durch diesen nur genug wichtige Lebensadern und Nervenbahnen. Das kapitalistische Geldsystem hat nahezu sämtliche nicht-pekuniären Verhältnisse der Abhängigkeit und Solidarität penetriert, so daß sein bevorstehendes Stocken dem ganzen System den Atem stocken läßt. Und niemand, kein alerter Wirtschaftswissenschaftler auf dem flotten Motorrad (auf dem er dann sehr symbolisch noch flotter unverrichteter Dinge wieder davon donnert), keine kalmierend sanftmütige Muttergestalt, hinter deren schlecht sitzenden Kostümen sich die schlechten Absichten, für die sie persönlich vermutlich gar nichts kann, gut verbergen lassen, und auch kein aufgeregt einander hackender Hühnerstall aus jung-dynamischen Nerds mit den neustens apps for (nearly) everything (that apps can be designed to do) scheinen auch nur die leiseste Ahnung zu haben, ob und wie sich daran etwas drehen läßt, so daß nicht passiert, was keiner will, und dennoch das geschieht, was alle brauchen.

    ‚Too small to stand up‘ – das scheinen wir alle zu sein, so sieht es aus. Das Beispiel Griechenland mag es sinnfällig werden lassen. Fast 2/3 des Volkes eines Landes, das als Wiege der Demokratie gilt (die, so weit ich weiß, allerdings damals für kaum mehr als 1/3 der Bevölkerung galt, aber das ist eine andere Geschichte) versucht so etwas wie seine menschliche Würde gegen den Würgegriff des Geldes zu behaupten, so eine Lesart der Geschichte. Und herauskommen dürfte, daß sich der Griff noch einmal für eine kurze Zeit ein klein wenig lockert, damit die Gans nicht stirbt, welche die goldenen oder vielleicht doch nur blecherner Eier legen soll. Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig, nennt sich das wohl. Eine andere Lesart sieht die frechen Nutznießer eines gigantischen Kreditbetruges darum kämpfen, nicht dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Sich waschen, ohne naß zu werden, heißt das vermutlich.

    Welche von beiden Versionen auch immer halbwegs zutrifft, ich vermag nicht den Schimmer eines Ansatzes zur Hoffnung auf so etwas wie einen ’system change‘ zu erkennen, von dem mancherorts die Rede war. Die Griechen sitzen allesamt auf einem Ast, an dem gesägt wird. Die Nai-Partei erhofft sich Rettung davon, wenn sie nur schneller und heftiger sägt. Die Ochi-Partei will eine andere Säge haben und sie selbst ansetzen dürfen. Offen gesagt weiß ich nicht, für welche Seite ich mich aus rein ökonomischen Gründen hätte entscheiden sollen. Mutiger ist das Ochi aber allemal, wenn auch vielleicht nur für ein paar Wochen oder gar Tage. Vielleicht ist eine solche Zeitspanne ja exakt jene Galgenfrist, die irgendwann jedem sozialen System als letzter Aufschub blühen wird, das sich das Kapitalismus genannte Geldsystem zwecks Modernisierung genannter Optimierung hinter dem Rücken der Akteure unterworfen hat. Womit ich Deine abschließende Frage, Claudia, am Ende meines wieder einmal einfach nicht enden wollenden Sermons überraschend doch noch quantitativ halbwegs präzise beantwortet haben könnte! ;-)

  12. Danke, Susanne – was für eine Wohltat, deinen keineswegs zu langen Text zu lesen! Dir fällt die Beschreibung des furchtbaren Verstrickungszusammenhangs und seiner bösen Folgen so wunderbar leicht – mir fehlen da oft prägnante Worte!

    Varoufakis scheint eine Art „Theorie des Ganzen“ zu haben, bzw. gehabt zu haben – liegt sogar in Buchform vor (5 Euro, „Ein bescheidener Vorschlag…“). Ich habs nicht gelesen, nur ein paar böse Kommentare überflogen, die meinten, da betreibe einer „Voodo-Economics“ und letztlich sollten nur immer die anderen zahlen (es gab natürlich auch begeisterte Stimmen, die hab ich nicht gelesen).

    Nun frag ich dich: Was sind denn UNSERE bzw. die weltweit herrschenden Economics anderes als „Vodoo“?? Geld aus Nichts zu schaffen und damit zu jonglieren – hey, das konnten die alten Alchimisten nicht, die tatsächlich noch an Zauberei glaubten! (Stichwort „das große Werk“).

    Was die „Galgenfrist“ angeht, so lese ich ja seit 2008 die Kassandras immer mit: jene Stimmen die, ganz unterschiedlich motiviert, aufs Stolpern und Stottern des Systems starren, analysieren, prognostizieren, warnen… ihre jeweiligen Süppchen drauf kochend. Währen der große Rest der Medien ganz andere Themen auf der Agenda hat, von #GNTM über #Grexit bis #hotpantsverbot.

    Selten mal verschränken sich diese Meme-Ströme, so dass mehr Menschen mehr Zusammenhänge wahrnehmen. Grade könnte es wieder mal so sein..

    Was aber fehlt, ist tatsächlich eine Alternative. Die ist eben nicht mal THEORETISCH in Sicht…

  13. Dieses Sermon ist big.

    Ich habe wenig verstanden: Nur das: Daß die Person, die Susanne heißt, über ein außerordentliches Talent verfügen muß, das mir aber gleichzeitig merkwürdigerweise irgendwie verschwendet erscheint (doch das ist mein Befinden).
    Die Tiriaden dieser Person Susanne gleichen sich fürwahr nie, nur im „Trend“ als solchen, den ich als pessimistisch zu bezeichnen mir erlaube, aber die gleichzeitig in der Wortwahl, Bilderwahl, Szenenaufruf-Wahl, Gedankenwahl, Stänker-Wahl unübertroffen ist und sich darin niemals nicht und unter keinen Umständen wiederholt.
    Jedes Bild erscheint frisch, jeder Pinselstrich neu und niemals aus dem Duden geholt. Ein Universum in sich (ein bisschen dick aufgetragen, ich weiß).
    Verstanden habe ich, wie gesagt wenig, muß ich auch nicht. Gelesen habe ich es dennoch.

    Zu guterletzt: Susanne is back and that’s the good news!

  14. @Claudia, Du hast prägnante Worte!

  15. hallo Susanne:)

    jahaul!
    wie ich diese sprache liebe!
    Claudia weiss, wie sehr ich texte schätze,
    lange Texte, klare Texte und Texte die einem das Selberdenken als unbedingt notwendige Zugangsvoraussetzung zum Sondervergnügen deiner Parforce Ritte durch den
    politischen Urwald dieser Welt machen.

    danke dafür:)

    manchmal stell ich mir vor , da sitzt ein Mädel
    vor einem Textgranitblock und ziseliert mit Stichel, Haarpinsel und dann, wenn mans nicht erwartet, mit einem doppelseitigen Beidhänder (4,25Kg, reiner Stahl) die Figuren aus dem unförmigen Etwas heraus,- dass es eine Freude ist sich die weggemeisselten Brocken rund um die Skulptur herumliegend vorzustellen:)

    Textphönixe aus Gewitterschlacht und Verdammnis:)
    chinchilla und charybdis oder so ähnlich:), verzeih mir
    meine akademische unbildung:)

    den griechen (also den richtigen griechen, die noch hand,Fuss und kopf zum selbsterhaltenden überlebenskampf benutzen wünsche ich „interessante Zeiten“
    die zweifelsohne heranbrechen werden, der Spruch:

    du kannst manche leute manchmal zum Narren halten,
    aber du kannst nicht alle für immer für dumm verkaufen

    hat in der Wiege der Demokratie seine Wiedergeburt erfahren.
    ich finds auf eine eigenartig zwingend anmutende Art bemerkenswert, wie sich die menschgemachten Verhältnisse verändern (können) wenn die Menschen auf ihr ureigenstes Minimum reduziert werden und gar nicht mehr anders können als „mensch zu sein“.

    die „Troikanischen“ Herrenreiter/Innen werden hoffentlich
    an dieser von ihnen inszenierten volksvergackeierung
    endlich mal hautnah mitbekommen, dass es schlichtweg nicht
    möglich ist mit zu kurz geratenen Beinchen so ein gigantisches Kartenhaus aus unwahrheiten aufrechtzuerhalten.

    Earl grey, first flush.

    gruss aus sz
    ingo

  16. Es folgt, statt eines jeden Optimismus lähmenden Bezuges auf eine scheußliche Wirklichkeit, eine frisch gewagte Utopie, diesmal ganz ohne Theorie und mit der Absicht hier eingestellt, das endlos lange Lamento im Internet nicht völlig an Boden verlieren zu lassen!

    Btw: Ein Lob für Sprache freut mich natürlich immer, lieber aber wäre mir, es beträfe das, worauf sie abzielt. Denn der Macht der Sprache korrespondiert leider zu oft die Ohnmacht der Sprechenden. Daher störte es mich nicht im geringsten, wenn die Feinheiten des sprachlichen Ausdrucks um Längen hinter den Schönheiten des Ausgedrückten her hinkten, und ich läse gern einmal so etwas wie die folgenden, einen süßen Traum umschreibenden Sätze, welcher leider nie Wahrheit werden wird. Es ist, um angemessen bescheiden zu erscheinen, kein Geniestreich eines Einzelhirns, sondern eine Gemeinschaftsproduktion mehrerer Vernichter von Ouzo, Retsina u.a. weniger grausam schmeckender, jedoch unbenannter bzw. heute Morgen, als ich es, der Nachwelt ein Zeugnis für die Ausweglosigkeit des späten Kapitalismus zu hinterlassen, aufschreiben wollte, aus medizinischen Gründen ganz eigenartigerweise unbenennbarer Weine, dazu viel Schafskäse und Unmengen von Oliven und Weißkohl (u.v.m.). Tapfere Verächter der schnöden Realität, die sich in ihrem destruktiven Konsum wenigstens ein wenig solidarisch fühlten und, nachdem etwa ¾ der Vernichtung erfolgt war, ein kollektiver Drang nach anarchischer Produktivität sie packte, der ihre am Weltgeschehen verzweifelnden Geister zu erstaunlicher Aktivität aufputschte.

    Überraschender Coup: Griechische Notenbank flutet den europäischen Binnenhandel mit einer neuen Währung, der NeaDrachme, welche jederzeit und in jeder beliebigen Valutierung aus einfachem Schreibpapier unter Zuhilfenahme eines Bleistiftes, Fineliners, Füllfederhalters oder Kugelschreibers direkt vor Ort und bei Bedarf hergestellt werden kann. Aktueller Wechselkurs bei Einlieferung vor Ort in Athen ist 1 NeaDrachme zu 1 Euro.

    Katastrophensitzung der EZB: Die NeaDrachme etabliert sich quasi über Nacht als inoffizielles Zahlungsmittel zwischen Privathaushalten in der Eurozone, eine Entwicklung, die ausgehend vom griechischen Mutterland und den südeuropäischen Krisenländern Portugal und Spanien mittlerweile auch den europäischen Norden erfaßt hat, während alle hektischen Versuche, durch massenhafte Aufkäufe von NeaDrachmen durch die großen europäischen Notenbanken am hartnäckigen Unwillen der Besitzer der neuen Währung zu scheitern scheinen, ihre einhellig in der gesamten europäischen Qualitäts-Presse als ‚populistische Papierwährung‘, deren Stabilität nach übereinstimmender Expertise führender Volkswirte ‚in den Sternen‘ stünde, abqualifizierte Währung gegen harte Euro, Dollar, Pfund Sterling oder sogar Schweizer Franken herzugeben!

    Aus der Welt der Wissenschaft: Eine bisher unbeachtet gebliebene und nummehr auf der Enthüllungsplattform ’science leaks‘ veröffentliche, wissenschaftliche Studie belegt: Eine Diät aus Schafskäse, Oliven, Ouzo und Retsina vermindert die Anfälligkeit für regierungstreue Propaganda um rund 2 Prozentpunkte auf der nach oben offenen LM-Verdummungsskala (1 Prozentpunkt dieser Skala entspricht der Wirkung des täglichen Konsums eines offiziell zu den Leitmedien zählenden Qualitätsproduktes) und vergrößert die subjektiv gefühlte Lebensfreude um mindestens 3 Punkte auf der WJEMJ-Skala (1 Punkt der Wat-jeht-et-mir-juht-Skala entspricht der Verminderung der Lebensängste, welche der Verzicht auf den täglichen Konsum eines offiziell zu den Leitmedien zählenden Qualitätsproduktes mit sich bringt)!

    Aktuelle Börsenmeldungen: Auf den internationalen Nahrungsmittelbörsen stiegen die Kurswerte von Schafskäse-, Oliven-, Ouzo- und Retsina-Werten schon kurz nach Eröffnung um fast 8 Punkte. Insider sprechen von einer gezielten Baisse-Spekulation bisher unbekannter Anleger, die über offenbar unbegrenzte Währungsreserven in der neuen NeaDrachme verfügen. Der bekannte Börsenanalyst Quovadis Varoufakis (nicht verwandt mit dem gleichnamigen, ehemaligen griechischen Finanzminister) verwendet den von ihm geschaffen Begriff des Stier-Marktes für eine Spekulationsblase, die ihre Wucht aus der Implosion einer anderen Spekulationsblase, hier jener auf den sogenannten ‚Grexit‘, gewinnt. Dollar, Pfund Sterling, Schweizer Franken sowie endlich auch Renminbi, Yen und Rupie geraten immer mehr unter den Druck der großen, institutionellen Anleger, erledigt doch inzwischen ein Großteil der privaten Haushalte Europas seine Einkäufe mit der neuen, aus einfachsten Mitteln herstellbaren NeaDrachme.

    Neueste Meldung: Aktueller Wechselkurs bei Einlieferung vor Ort in Athen ist 1 NeaDrachme zu 1.000 Euro.

    Krisensitzung der Regierungschefs der Eurozone: Im Gespräch ist ein Verbot von Papierwährungen jeder Art, flankiert von einem Verbot jedes direkten Naturalientausches und einem strikten Gebot bargeldloser Zahlungen auch bei privaten Transaktionen. Als Notmaßnahme zur Stützung des unter Druck geratenen Euros wird dieses von den führenden europäischen Banken einhellig begrüßt. Ein Sprecher der europäischen Liberalen kritisierte, daß damit undifferenziert auch vertrauliche Zuwendungen ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt würden, eine Sprecherin von ‚lobbyste-sans-frontiers‘ erklärte, daß damit das gerade in den inoffiziellen Kontakten zwischen Wirtschaft und Politik schlummernde Modernisierungspotential verloren ginge, ohne welches die europäische Wirtschafts- und Währungsunion sinnlos einer populistischen Willkür unterworfen und damit letztlich zum Scheitern verurteilt wäre.

    Neueste Meldung: Daimler-Benz kündigt an, daß sämtliche S-Klasse Modelle ab sofort mit einer deutlich erhöhten Zuladung ausgeliefert werden, da insbesondere in Brüsseler Kreisen die sehr begrenzte Kapazität der unter Lobbyisten oft als ‚Scheckbuchschleuder‘ verspotteten Baureihe ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist. Die neuen Modelle verfügten über einen Code-gesicherten und feuergeschützen (bis Gefahrenklasse 3) Bargeldsafe mit einem Fassungsvermögen an Bargeld von je nach Währung im Wert von mehreren hunderttausend Euro oder – wahlweise – einem auch gegen extreme Hitze gesicherten Schubladensafe etwa für Kunstwerke oder elektronische Medien. In der klassischen T-Version sei der Einbau beider Zusatzmerkmale möglich.

    Durchbruch bei IT-Sicherheit: Das von einem Team internationaler Spezialisten unter Leitung des bekannten griechischen Kryptologen Sokrates propagierte Ersatzprotokoll ‚Marathon Revision 2.0.15‘ für das unter Experten als hoffnungslos veraltet und unsicher geltende TCP/IP hat mit seiner neuesten Odysseus-Implementation auf dem südeuropäischen Festland schon wenige Stunden nach seiner Einführung einen Marktanteil von 73% in den sozialen Netzwerken und 79% im E-Mail Verkehr erreicht. Sokrates etwas sophistische Anmerkung, daß der Aufwand der Entzifferung von unter Marathon zwangs-chiffrierten Texten zwar minimal sei (genauer: bis auf sinnentstellende Schreibfehler fast gleich Null), dennoch aber aufgrund der Belanglosigkeit von 99,9% aller heutzutage verschlüsselten Texte sich weder volks- noch betriebswirtschaftlich jemals rechnen werde, ist inzwischen von der europäischen Vereinigung der Sprach- und Softwareschützer EVASCHMUTZ als sicherheitspolitisch höchst bedenkliche Meinung und heißer Kandidat für das Unwort des Jahres 2015 angemeldet worden.

    Mecklenburg-Vorpommern: Erste Versuche, Industriebrachen in Olivenbaumschulen umzuwandeln, stoßen in der verbliebenen, einheimischen Bevölkerung auf breite Skepsis. Auch sieht man die Gewinnung von Schafskäse aus der Milch der Restbestände an Kühen sehr kritisch. Die Destillation von Ouzo aus Leitungswasser und Retsina aus Brackwasser dagegen erweist sich als überraschend einfach, wie der heute morgen für Nachfragen der Redaktion leider nicht zur Verfügung stehende Sprecher des Landwirtschaftsministerium von einer mitternächtlichen Pressekonferenz seines Ministeriums twitterte: Spr.d.MfLW Mecklenburg-Vorkommen @AtzeMeckPomm #mcretsina kommt 1a sauber, #mcouzo knallt 1a prima, #mcvorpomm is back *lollo*

    Neueste Meldung: Aktueller Wechselkurs bei Einlieferung vor Ort in Athen ist 1 NeaDrachme zu 1.000.000 Euro.

    Aus der Gerüchteküche: Nachdem in den frühen Morgenstunden ein uns allen aus den letzten, aufregenden Tagen nur zu gut bekannter Motorradfahrer elegant die Einfahrt zur Tiefgarage des Kanzleramtes meisterte, scheinen sich die Gerüchte um einen baldigen Wechsel in den Reihen der Bundesregierung zu bestätigen. Die von BMW jüngst für das Bundeswirtschaftsministerium entwickelte Version der BMW K 1600 Executive (mit verdoppelter maximaler Traglast und tiefem Eintritt) scheint damit das Nachsehen zu haben gegenüber der krachend die steilen Betonrampen des Regierungsviertels hinunter donnernden, weitaus schnittigeren Ducati 1299 Graeca (mit zwei extra Ablagefächern für den Hochgeschwindigkeit-erprobten Kugelschreiber Montblanc ‚Athos‘ und das exklusive 24gr/qcm Schreibpapier ‚NeaPapyros‘), die uns mit ihrem kernigen Motorklang auf wunderbar lautstarke Weise gar nicht dezent auf eine baldige Neubesetzung des mittlerweile auch in Hauptstadtkreisen als – in wirklich jeder Hinsicht – kaum noch tragbaren, jetzigen Amtsinhabers vorbereiten sollte.

    United Kingdom: Das britische Unterhaus erlebt eine seiner schwärzesten Momente. In einer hitzigen Debatte mußte die Regierung Ihrer Majestät eingestehen, daß die Olivenvorräte in Downing Street No.10 in den letzten 24 Stunden auf den niedrigsten Wert seit des bisherigen, zum Silver-Jubilee gemessen Tiefststandes gesunken sind, und zwar infolge eines in der Geschichte der Royal Navy einmaligen, soldatischen Versagens des Kapitäns des Versorgungstenders ‚H.M.S Portobello‘, welcher aus Piräus kommende statt direkt den Londoner Hafen anzulaufen, seine aus Oliven, Schafskäse, Ouzo und Retsina bestehende Fracht zuvor in wesentlichen Teilen bereits an den Inhaber der im Stadtteil Gravesend beheimateten, griechischen Lebensmittelkette ‚Scontos‘ verscherbelte, weil dieser, so seine spätere Begründung, ihm statt ’some dirty rotten Euros‘ mehrere Billionen ’sweet little sixteens‘ (das sich im Eastend rasch einbürgernde Wort für die NeaDrachme) geboten hätte.

    Neueste Meldung: Der republikanische Präsidentschaftskandidat (Wichtig: weiß einer, wer von den bigotten Bushbubis diesmal dran ist? Bitte hier unbedingt vor Veröffentlichung dann den richtigen Vornamen einsetzen!!!) Bush kann sich durchaus einen Rückzug sämtlicher us-amerikanischen Truppen aus Afghanistan vorstellen, sollten sich mögliche Reparationsforderungen der Taliban sowie eimiger in Karachi ansässigen Import-Export Formen an die internationale Koalition gegen die Achse des Bösen – ebenso wie die Pensionszahlungen an Kriegsveteranen der us-amerikanischen Streitkräfte und ihre Hinterbliebenen – in NeaDrachmen begleichen lassen. Das, so Bush, würde dem us-amerikanischen Präsidenten ausreichend Dollar an die Hand geben, um den vielen mit Brettern vernagelten Geschäften wieder zu einer dem amerikanischen Traum gemäßen Prosperität zu verhelfen, die er abends immer auf Fox-News im Hintergrund zu sehen bekommt und als „not fitting the spirit of nine-eleven (or was it seventy-six, correct that before printing, thanks my buddy)“ empfindet. Hillary Clinton, heiße Anwärterin auf den demokratische Gegenspielerpart, empfahl daraufhin, das Geld lieber in eine brandneue Kollektion Cocktailgläser für den abendlichen Pre-Fox-Drink zu investieren, dem aktuellen Trend unter New-Yorker Bankstern hin zu Ouzo und weg von Bourbon folgend.

    Neueste Meldung: Wegen der starken Nachfrage nimmt die griechische Zentralbank ab sofort keine Fremdwährungen (außer Restbeständen an alten Drachmen) mehr entgegen. Letzter Wechselkurs bei Einlieferung vor Ort in Athen war 1 NeaDrachme zu 1.000.000.000.000 Euro.

    Ach ja, zu schön, um wahr zu sein…

  17. :)

  18. gab es ein Emoticon für Mega-Applaus? Das ist das erste Mal, dass ich die depperten Händeklatsch-Gifs aus manchem Forum vermisse…

  19. Sie will nicht wegen ihrer Sprache geliebt werden, (denn für sie scheint es „nur“ ein Werkzeug zu sein), aber können wir uns das immer aussuchen?

  20. Susanne schrieb:

    „Ein Lob für Sprache freut mich natürlich immer, lieber aber wäre mir, es beträfe das, worauf sie abzielt.“

    Damit weist Susanne – in meinem subjektiven Verständnis – nicht darauf hin, dass sie lieber „anders geliebt“ würde.

    Ganz im Gegenteil denke ich, dass Susanne es schätzt, genau DAFÜR geliebt zu werden! Das ist ihr Talent und es ist schön, wenn beim Ausleben des eigenen Talents andere das erkennen und schätzen.

    Aber weit mehr als diese Ego-Bestätigung geht es Susanne eben doch um „die Sache“. Wenn ein Gespräch verstummt, indem ihr nurmehr alle applaudieren – dann ist sie vermutlich eher bedrückt, als glücklich über den heller leuchtenden Glorienschein.

    Das Thema „Macht der Sprache“ korrespondiert für mich grade mit einem Artikel, den ich bemerkenwert finde: Über die Macht des weiblichen Körpers im politischen Kampf.

    Mal lesen:

    Es ist Zeit, den Nacktprotest von Frauen zu überdenken

    Die Analogie führe ich jetzt nicht weiter aus – sondern bin gespannt, was Ihr darüber denkt.

  21. Das sehe ich anders, liebe Claudia:“Aber weit mehr als diese Ego-Bestätigung geht es Susanne eben doch um “die Sache”“. Das ist doch meines Erachtens eine Schutzbehauptung. Es geht ihr m.E.. auch um die Sache, aber auch um das koboldhafte Spielen mit der Sprache.
    Egobestätigungen können wir alle nicht aus dem Wege gehen. Jeder ist darauf aus … und wenn der Egothrill verklausuliert daher kommt: Er ist am Wirken allezeit.

  22. Sprache kann vieles sein zwischen dem Funken, der das Feuer entfacht, und der Decke, welche die Glut erstickt. Und klar, mit ihr zu spielen schmeichelt der Eitelkeit. Angesichts einer Welt, die Sprache erstickt, um ihre Feuer zu schueren, ist fuer mich Sprache vielleicht eines der letzten Momente der Behauptung dagegen, dass alles wie Eins wird, und dieses Eine wird schlecht.

  23. Ich frage mich, wie um die Weltgeschehnisse wissende Menschen früher aufs Ganze schauten? Waren sie vielleicht sogar positiver gestimmt als unsere Zeitgenossen? Und wenn ja , wieso?
    Ich gebe zu, dass ich eher pessimist bin, kenne aber Leute, die allerlei schläge erlitten haben und dennoch den Kopf oben gehalten haben. Es gehört offenbar auch eine Art Ignoranz dazu, guten Mutes durchs leben zu laufen.
    Your take on this, Susanne?!

  24. @Gerhard: Wie ‚aufs Ganze‘ geschaut wird, ist sicherlich von vielen Faktoren, subjektiven wie intersubjektiven, abhängig. Ich denke, daß ‚wir‘ (die Bürger_innen des Landes Netz_ist_an) über Blickmöglichkeiten auf ein ‚Ganzes‘ verfügen, die jene unserer Vorderen an Zahl und Reichtum des Details um Größenordnungen übertreffen. Worin Segen und Fluch gleichermaßen liegen, so daß sich etwas, das ich mangels eines besseren Wortes als ‚Nettorealität‘ bezeichnen muß, ‚heute‘ anders, aber keineswegs wesentlich besser präsentiert als ‚früher‘ (worunter ich hier einfach mal die Zeit vor den sozialen Netzwerken, vor Twitter, Blogs und all den Meinungsforen der Online-Versionen von Printmedien und TV-Kanälen nehme).

    Heute findet sich (sofern nur gesucht wird) zu jeder Behauptung die Gegenbehauptung, zu jeder materialen Quellenunterfütterung der faktenreiche Widerspruch, zu jeder detaillierten Expertise die noch detailliertere Gegendarstellung und zu jeder missliebigen Meinungsäußerung die bis an die Grenzen zur Beleidigung (und oft darüber hinaus) gehende Abwertung derselben. Was daraus die zu zum User gewordenen Menschen über ‚Realität‘ lernen können, ist ein aus Schamanen und Trollen, Avataren und Fakes, getürkten Beweisen und treuherzigen Behauptungen angerührter Brei, in dem nur am Ende noch das eigenen Wunschdenken, die Wiege der altgewohnten peer-group, die ganz persönliche filter-bubble und ein Rest von wehmütig verklärter Vergangenheit eines sanfteren ‚Früher‘ Inseln der Sicherheit suggerieren, die nur ungern als Weltanschauung bezeichnet werden, weil dieses Wort so verpönt ist, die aber genau das sind: eine subjektive Weise, Welt anzuschauen, die sich einer mit dem Elan von Ertrinkenden herbei gesehnten und daher mit der Intensität eines Evangeliums gefühlten Intersubjektivität bedient, um Objektivität vorzugaukeln.

    Und was eignet sich besser, die eigene Position als die einzig richtige, als alternativlos hinzustellen und die Reihen hinter solch einer ‚Objektivität‘ zu schließen, als jede Kritik an der eigenen Rede als sachlich ungenügend zu desavouieren, indem man die Naivität des Laien durch den Jargon des Experten und das Unwissen der Vielen durch das Geheimwissen der Wenigen entkräftet? Womit immunisiert sich die eigene Weltsicht endgültiger, als indem jeder abweichenden Meinung die Diagnose einer Devianz verpaßt wird, jeder allzu hartnäckigen Alternativerklärung das Etikett einer ins Psychotische spielenden Verschwörungstheorie aufgeklebt und jeder missliebigen Sichtweise der Verdacht einer bezahlten Meinungsmache untergeschoben wird?

    Das meine ich, wenn ich von einer Welt rede, die Sprache erstickt, um ihre Feuer zu schüren. Neu ist das alles (zumindest dem Prinzip nach) sicherlich nicht, aber die schiere Masse im Verein mit der Schwierigkeit, sich dem allen zu entziehen, um etwa Reservate eines sachlich-kühlen Nachdenkens und geduldigen Abwägens zu finden bzw. sich zu bewahren, scheint mir doch eine neue Qualität heraufzubeschwören, die für mich darin liegt, das das Urteilen und Meinen, das Berichten, Deuten und Erklären keine produktive, kritische Vielfalt von Gesprächsfäden, sondern im Gegenteil eine destruktive, unkritische Einfalt von letztlich sprachlosen (aber nie lautlosen) Glaubensgrundsätzen erzeugt.

    Und das ist schlecht! Es ist, nach dem Ausgang der Menschen aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit, vielleicht nichts anderes als der Eingang in eine selbst ausgesuchte (um das mir auf der Zunge liegende ‚rasch angeklickte‘ zu vermeiden) Unmündigkeit. Und das ignorieren mag ich nicht, schon gar nicht, um mein kleines, privates Glück in Ruhe genießen zu können. Obwohl ich durchaus guten Mutes bin, dieses noch eine Weile mit Freude (und Freunden) tun zu können.

    Ich weiß aber nicht, wie lange ich das noch können werde. Und ob andere nach mir Ähnliches noch sehr lange werden tun können. Ich weiß auch nicht, was ich dagegen unternehmen kann, und ob das, was ich bereits probiere, überhaupt irgend etwas bewirkt oder nur mich beruhigt, indem es für eine Weile verhindert, daß ich meinen Kopf sinken lasse, da ich mit Jubelschrei immer mal wieder einen Elefanten als einen Elefanten enthüllt sehe. Ich fürchte, irgendwann werden sich alle an die vielen Elefanten hier im Zimmer gewöhnt haben, denn jede neue Enthüllung bedeutet ja weniger Aufregung, und was den einen ein Elefant ist, das ist den anderen eine Mücke – und noch wieder anderen ist es bloß ein Kamel, welches das Gras frißt, das über einer Sache gewachsen war, die für wiederum ganz andere der furchtbare Schoß ist, der fruchtbar noch blieb, aber für manche dagegen ist es der Mutterboden, aus dem ihre Blüten sprießen, deren Duft sie betäubt, und so weiter und so fort…

  25. @Danke, Susanne, für die Ausführlichkeit. Ich kann dem nicht so viel hinzufügen, da ich meinen Kopf aus diesen Dingen rauszuhalten pflege, eher also meinungsarm bin, wiederum weil ich nicht glaube, viel wissen zu können, was so vor sich geht.

    Gerade dachte ich, was ist das für ein Gattung, in der Du schreibst? „Rant“ wäre zu weit gefasst und trifft es auch nicht, weil Dein Rant ja in einer ganz spezifischen Sprache, die den Rant sozusagen umwandelt,geschrieben ist.
    Was es ist, weiß ich nicht. Vermutlich nichts, was man irgendwo lernen könnte. Ein Eigengewächs sozusagen.

  26. „Heute findet sich (sofern nur gesucht wird) zu jeder Behauptung die Gegenbehauptung, zu jeder materialen Quellenunterfütterung der faktenreiche Widerspruch, zu jeder detaillierten Expertise die noch detailliertere Gegendarstellung und zu jeder missliebigen Meinungsäußerung die bis an die Grenzen zur Beleidigung (und oft darüber hinaus) gehende Abwertung derselben. „

    Heißt das nun, dass wir nicht mehr im Stande sind, eine eigene Meinung zu generieren?

    Ich erinnere mich: VOR Digitalien endeten Streitgespräche oft wegen „ungesicherter Fakten“, die nötig gewesen wären, um die Frage „informiert zu entscheiden“. Heute gibt es viel viel mehr Infos, es gibt die „Leaks“, die sogar ans Licht bringen, was geheim bleiben sollte – man findet zu allem auch immer weitere „Infos“, im Grunde könnte man mit „lies mal das!“ ewig weiter machen.

    Wirklich?

    Nehmen wir mal das Beispiel meines Gesprächs mit dem User rote_pille. (Sein Nick fordert geradezu dazu auf, ihn als Beispiel zu nehmen, steht doch die „rote Pille“ dafür, dass man Realität und Wahrheit gegenüber Wunschdenken, Selbstbetrug und Illusionen (blaue Pille) bevorzugt.)

    Rote_Pille postet hier gegen meine Flüchtlings-freundliche Weltanschauung gerne „Infos“, die beweisen sollen, dass Flüchtlinge meist böse Abzocker und Kriminelle sind, die sich hier auf Kosten der Bevölkerung bereichern. Er meint, im Besitz der Wahrheit zu sein, wogegen ich offenbar uninformiert Träumereien anhänge.

    Nun nehme ich zu jedem seiner Links Stellung und kann aufzeigen, dass es sich um „Halbwahrheiten“ handelt, die wichtige Teile der „Info“ weglassen, weil von den jeweiligen Quellen Demagogie und nicht Information betrieben wird.

    Um informiert zu sein, muss ich immer alle Seiten hören, den Kontext kennen und den Stellenwert (!) beachten, den ein Fakt in Bezug auf seinen größeren Kontext hat.

    In diesem Fall bedeutet das für mich: Natürlich sind Flüchtlinge keine besseren Menschen und unter ihnen gibt es – genau wie unter Einheimischen – einen Prozentsatz Krimineller und Unsympathen verschiedenster Coleur. Na und? Für mich kein Grund, als reichster Staat Europas keine Flüchtlinge aufzunehmen, denn das ist ein Gebot der Menschlichkeit, die zu jenen Europäischen Werten gehört, die ich verdammt nochmal nicht missen will!

    Dazu gehört auch, zu sehen, in welcher Lage und mit welcher Geschichte Flüchtlinge zu uns kommen, die evtl. geeignet ist, aus einem friedlichen Charakter etwas ganz anderes zu machen. Hinzu kommt, dass es „Straftaten“ gibt, die nur Flüchtlinge begehen können, da ihre Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt ist und dieser Tage sogar ein Gesetz verabschiedet wurde, das quasi alle Fluchtumstände kriminalisiert – mit Ausnahme „legaler Einreise“, die es in DE faktisch kaum mehr gibt.

    Dies alles bedenkend bleibe ich bei meiner flüchtlingsfreundlichen Einstellung und halte sie für RICHTIG. Ereignisse wie in Freital und anderswo sind soziale Katastrophen, denen ich ziemlich fassungslos gegenüber stehe. Was soll man da machen? Diese Leute hatten allermeist nie Kontakte zu Flüchtlingen und Migranten, sie agieren frei „aus dem Bauch heraus“ und sind neidisch auf Leute, die alles verloren haben und verfolgen sie mit ihrem Hass.

    Auch hier muss ich beachten, warum sie wohl so geworden sind – vielleicht Marginalisierte, die ihr eigenes Gefühl der Wertlosigkeit, Perspektivlosigkeit und Sinnlosigkeit im Hass gegen Fremde kompensieren? Als leichte Opfer von Demagogen, die ihr eigenes (rechtsradikales) politisches Süppchen kochen. Gerade deshalb ist die Politik (und auch die Andersdenkenden) gefordert, hier klare Kante zu zeigen und solchen Ausschreitungen Grenzen zu setzen. Die andrerseits wohl nur zustande kommen, weil schon auf vielen Feldern „Politikversagen“ vorliegt, denn grundslos sind die Leute ja nicht so drauf.

    Sorry, das ist lang geworden und man könnte es als Abschweifung betrachten. Doch wollte ich aufzeigen, dass es sehr wohl möglich ist, Meinung und Haltung zu gewinnen und zu bewahren – trotz endloser „Infoströme“ und Unsicherheiten über Quellen.

    Gerhard schreibt:

    „Ich kann dem nicht so viel hinzufügen, da ich meinen Kopf aus diesen Dingen rauszuhalten pflege, eher also meinungsarm bin, wiederum weil ich nicht glaube, viel wissen zu können, was so vor sich geht.“

    Doch, man kann „viel wissen“. Besser als je zuvor!

  27. @Claudia: Das (“Heißt das nun, dass wir nicht mehr im Stande sind, eine eigene Meinung zu generieren?“) behaupte ich gar nicht, vielmehr stimme ich Dir zu, wenn Du schreibst, „dass es sehr wohl möglich ist, Meinung und Haltung zu gewinnen und zu bewahren – trotz endloser ‚Infoströme‘ und Unsicherheiten über Quellen.“ Weniger sicher bin ich mir allerdings dort, wo solche Meinungen und Haltungen als „RICHTIG“ gehalten werden. Und noch unsicherer dort, wo es darum ginge, zwischen ihnen abzuwägen, gar einander zu überzeugen – ohne daß eine Meinung/Haltung von den einen den anderen aufgezwungen würde! Ein Konflikt entsteht ja nicht dadurch, daß mehrere Parteien unterschiedlicher Meinung sind, obwohl sie eine geteilte Wahrheit besitzen, sondern dort, wo jede Partei ihre distinkte Wahrheit zu besitzen meint, die sie mit ‚guten‘ Gründen als den anderen Wahrheiten ‚überlegen‘ ansieht. Hier bräuchte es Wege des Abwägens, die ich – in der mir zugänglichen Wirklichkeit zumindest – leider nicht erkennen kann. Man pocht auf seinen Standpunkt und wirft sich wechselseitig Dummheit, Ignoranz, Demagogie und ein bloß partikulares Interesse vor, während man für sich selbst Aufgeklärtheit und den Standpunkt eines ein allgemeinen Interessen reklamiert, von dem herab alle Anfeindung sich quasi selbst disqualifiziert.

    Am Beispiel ‚Flüchtlinge‘ steht auf der (mir selbstverständlich um Klassen sympathischeren) Seite der Anspruch, daß eine Gesellschaft Toleranz und Solidarität auszuüben habe, und zwar gerade dort, wo Fremdheit und Hilfsbedürftigkeit sie schwierig und kostenintensiv werden lassen. Auf der anderen Seite steht der Anspruch, daß die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft, was Toleranz und Solidarität betrifft, insgesamt durch ihre Ressourcen begrenzt ist und solche Leistungen zugleich deutlich asymmetrisch verschiedenen Klassen von Mitgliedern abverlangt werden, was bei denen die Angst nährt, daß eine Überlastung der Gesamtgesellschaft vor allem zu ihren Lasten gehen wird, die sich ohnehin schon zu den Benachteiligten zählen. Zwischen beiden Standpunkten zu vermitteln bedarf es meiner Ansicht nach mehr als eher moralische Argumente gegen die zumeist ideologisch bemäntelten Gründe der um ihren Besitzstand Fürchtenden oder ein – von ihnen als geheuchelt empfundenes, da meist konsequenzloses – Verständnis für deren ökonomisch handfesten Gehalt, welches an ihrer Situation und den zukünftigen Aussichten selten viel ändert. Schließlich gehört es wohl zu den ältesten, kollektiven Erfahrungen der ‚kleinen Leute‘, daß ein Appell an ihre Solidarität in der Regel heißt, daß jemand von ‚Oben‘ in ihre Tasche greifen will, um für sich selbst etwas zu ermöglichen, von dem sie selten etwas anderes mitbekommen als mehr Arbeit, Mühe und Verzicht.

    Andererseits sind diese scheinbar einfachen Gegensätze selten ‚rein‘ im Alltag wirksam. Wer einmal erlebt hat, was sich während des Versuchs etwa in einer Kirchengemeinde, ganz praktische Hilfe für Flüchtlinge zu leisten, von Geld- und Sachspenden angefangen bis zur Unterbringung von Familien oder Einzelpersonen in privaten Haushalten, etwa an stark divergierende Bereitschaften zu Toleranz und Solidarität heraus kristallisiert, der wird mir womöglich darin zustimmen, daß es Menschen gibt, deren abstrakte ‚Meinung‘ zunächst ziemlich egozentrisch erschien, die aber in konkreten Fällen erstaunlich bereitwillig und umfangreich Hilfe leisteten, während es ebenso solche gibt, die zwar hehre Worte im Munde führten, denen sie aber kaum ausreichend Taten folgen ließen. Das, was auf der Ebene des Ideologischen so scharf getrennt scheint und unter sozialem oder politischem Druck zu extremen Handlungen führen kann (die zumindest mich erschauern lassen), ist auf einer eher persönlichen Ebene nicht immer so eindeutig ent-mischt.

    All die Tweets und Kommentare, die gern als Beleg für kollektive Haltungen des Scheußlichen herangezogen werden und die auch mich tief enttäuschen und verunsichern, was meine Sicht der Spezies Mensch angeht, versuche ich mittlerweile – unter Einsatz von ein wenig Selbstzureden, um meinen Seelenfrieden zu retten – für sehr zweifelhaft zu halten. Ihrem Sprachduktus nach wie der geballten Häufigkeit, sobald aktuell benötigt, nach scheint es mir vielleicht so zu sein, daß sich dergleichen beliebig zu jedem Thema und in jeder Färbung durch ein wenig Provokation oder Geld ‚erzeugen‘ läßt und da, wo es sich nicht um bezahlte Meinungsmache handelt, oft vielleicht Ausfluß eines wohl in jeder Gesellschaft vorhandenen Stänkerpotentials aus mit ihrer persönlichen Realität grundsätzlich Unzufriedenen ist, welche aus der gefühlten Intensität ihrer Meinungsäußerung einen psychischen Gewinn (etwa ein Gefühl einer gestalt- und aufwandslosen Omnipotenz oder einer momentanen Versöhnung mit einem abstrakt Allgemeinen) zu ziehen versuchen.

  28. Ich glaube nicht, dass es sich bei den „Perlen aus Freital“ um bezahlte Meinungsmache handelt, also um eine Variante der „Nashibots“, denen von manchen die gesamte Kritik der westlichen Ukraine-Politik zugeschrieben wird.

    Dass im Konkreten, bei persönlichem Kontakt mit Flüchtlingen, so mancher „Hater“ unter Umständen hilft, wogegen manche Redenschwinger es beim Reden belassen – ja, das halte ich für wahr. Aber das hilft ja nicht in Situationen, in denen Menschen sich zusammen rotten und Flüchtlinge bedrohen, nur einfach weil sie da sind. Einen „von denen“ kennen lernen wollen sie ja gerade nicht!

    Danke für das Teilen deiner Methode der Selbsttröstung. Ja, das leuchtet mir ein:

    „…Ausfluß eines wohl in jeder Gesellschaft vorhandenen Stänkerpotentials aus mit ihrer persönlichen Realität grundsätzlich Unzufriedenen ist, welche aus der gefühlten Intensität ihrer Meinungsäußerung einen psychischen Gewinn (etwa ein Gefühl einer gestalt- und aufwandslosen Omnipotenz oder einer momentanen Versöhnung mit einem abstrakt Allgemeinen) zu ziehen versuchen.“

    Das Internet ist gewiss ein Verstärkungsmechanismus für die Machenschaften solcher Menschen. Denn „aufwandslos“ kann man sich als „Volkes Stimme“ gerieren… und erntet kaum Widerspruch, denn wer hat schon Lust, in solchen Gruppen, Foren, Blogs`die Gegenrede zu schwingen? Oft löschen sie sowieso alles, was nicht passt – und verstärken so den Eindruck für Dritte, Ihre Meinung sie „die herrschende“.

  29. als ob nur der staat dort pleite wäre. die banken sind es auch. die leute trauen ihnen nicht und würden das ganze geld abziehen (welches kurzfristig nicht verfügbar ist). die kontrollen versuchen das zu verhindern, bis das vertrauen wiederhergestellt ist. wahrscheinlich ist der crash nicht mehr weit und die banken werden gar nicht mehr öffnen.
    das geldsystem haben sie wohl auch nicht verstanden: das „geld“ auf der bank ist eigentlich nur eine forderung gegenüber der bank. wenn die bank sich verzockt hat, muss die forderung abgeschrieben werden, denn sie ist uneinbringlich. die sichtguthaben sind nur zu einem kleinen prozentsatz bar verfügbar. wenn ein staat pleite geht ist das besonders schlimm, da dann alle anleihen ihren wert verlieren, und alle banken haben meistens einen teil in diese anleihen investiert.
    eigentlich müsste man die leute geld abheben lassen bis die bank nicht mehr zahlen kann und pleite geht. eigentlich. aber von marktwirtschaftlichen grundsätzen hat man sich bzgl. des finanzsektors schon lange verabschiedet. und außerdem haben die politiker auch angst.
    wenn ihnen die zustände im finanzsystem nicht gefallen, dann müssen sie entweder:
    -das geld bar zu hause halten oder
    -das geld bar im schließfach halten oder
    -einfach irgendetwas damit kaufen.
    wenn die bürger das geld an banken geben, die nur minimales eigenkapital halten, dann heißen sie das implizit gut. die regierungen wollen die banken nicht dazu zwingen sich mehr eigenkapital zu beschaffen, denn das ist teuer, und das system ist schon sehr fragil…
    vertrauen sie übrigens nicht auf den einlagensicherungsfond (gibt es den in gr. überhaupt bzw. garantiert er dort wirklich bis 100k?). wenn eine großbank stirbt ist dieser definitiv auch pleite. da sind ja nur ein paar mrd drin, und die guthaben gehen in die billionen. das ist nur ein placebo. die staatsgarantie von merkel übrigens auch.

  30. Woher wissen Sie, dass ich „Geld nicht verstanden“ hätte? Genau davon handelt doch der Artikel, unter dem Sie hier kommentieren!

    Die große Frage ist, was daraus folgt. Bargeld zuhause haben kann es doch nicht wirklich sein! Was bezahlt man denn hier noch in bar? (Wir sind doch nicht Griechenland…). Den Späti in Berlin, den Bäcker vielleicht…

    Das Geld seiner Wertbindung zu entledigen, war irgendwann in den 70gern mal eine gute Problemlösung. Die „Virtualität“ des Geldes (=“der Möglichkeit und Kraft nach vorhanden“) ist in vieler Hinsicht praktisch. Niemand hat aber je darüber demokratisch abgestimmt, ob man das so haben will! Mehr noch: man hätte ohne intensive Befassung gar nicht kundig darüber abstimmen KÖNNEN (deshalb haben sie uns gar nicht erst gefragt).

    Im Grunde wurde dieses Vorgehen durch Garantien gerechtfertigt: Wir machen in Sachen Geld, was wir wollen – garantieren Euch aber Eure Spareinlagen, wenns knirscht im System.

    Dieser Deal wurde seit Zypern und mittlerweile in Gesetze gegossen gekündigt. Hat nur kaum jemand bemerkt, bzw. das war nie ein „Aufreger“. Jetzt haften Sparer und Kontoinhaber als „Gläubiger der Banken“ noch VOR irgendwelchen staatlichen Rettungsschirmen (blieb ja auch nichts anderes übrig, da die Staaten bis an den Anschlag verschuldet sind).

    Mal schauen, ob das alles angesichts der „ewigen Finanzkrise“ bleibt, wie es ist. Tipp: Lesen Sie den Artikel, unter dem Sie kommentieren!

  31. ich habe den artikel gelesen. wieso glauben sie, dass ihre spareinlagen früher garantiert waren? wer kann spareinlagen denn garantieren? das geld zur auszahlung muss doch erst eingetrieben werden, und wenn fehlinvestiert wurde – ist es futsch. der staat zahlt keine spareinlagen aus, nicht mal bei systemrelevanten instituten, sondern schüttet sie mit geld zu damit es gar nicht zum bankrott kommt.
    die bail-in gesetze dienen dazu, banken zu sanieren. eigentlich müsste man sie pleite gehen lassen und abwickeln, weil sie insolvent sind. aber das will man nicht, um das system zu retten, also macht man schon präventiv der haircut. wenn so ein bail-in gemacht wird, stehen ihre spareinlagen aber sowieso nur noch auf dem papier. es sind forderungen die sie nicht eintreiben können. das wurde durch die bail-outs bisher vertuscht, aber beim nächsten mal werden die wohl einfach das dezimalkomma um eine oder zwei stellen weiter nach links verschieben um das problem zu lösen.
    was für mich daraus folgt ist dass man alles aus dem system holen muss was man hat, und das am besten noch bevor es das nächste mal knirscht, denn das könnte das letzte mal sein. schauen sie nach griechenland, denn das ist die zukunft.

  32. Ich bin davon ausgegangen, dass meine Ausführungen als Kritik an jenem Finanzsystem verstanden werden, das die Vermögen der Individuen vom Wohl und Wehe der Banken abhängig macht. Das mindeste wäre, Geschäftsbanken von Investmentbanken wieder komplett zu trennen, so dass eine „Pleitegefahr“ minimiert wird. „Mit Geld zuschütten“ ist auch eine, aber eine schlechte Lösung, da sich die Staaten dadurch noch weiter verschuldet haben.

    Dass man „das System retten“ will, ist doch selbstverständlich – und letztlich immer wieder die einzige Hoffnung. All die Kritiker, die den Crash lieber hätten und sich nur drum kümmern, ihr persönliches Schäfchen ins Trockene zu bringen, tragen zur Lösung für die Allgemeinheit (das GEMEINWOHL!) definitiv gar nichts bei!

  33. sie können das finanzsystem nicht retten. die, die das system kontrollieren, haben es in den sand gesetzt, das hat jahrzehnte gedauert. das problem besteht nicht darin, dass geschäftsbanken und investmentbanken nicht getrennt sind oder darin, dass irgendwelche gesetze nicht streng genug sind. das problem ist die exzessive verschuldung, die sich durch die jahrelange manipulation des zinssatzes nach unten gebildet und außerdem noch einen gigantische vermögenspreisblase erzeugt hat. die zentralbanken und die regierung, die vorgeben das system zu stabilisieren/regulieren sind die größten treiber dieser entwicklung gewesen, weil sie den sozialstaat und kriege und somit ihren machterhalt auf pump finanzieren wollten. ein marktwirtschaftliches kreditsystem, in welchem die verschuldung durch reale ersparnis begrenzt wird und wo höhere zinsen verlangt werden haben die dafür ausgehebelt.
    wenn sie den beweis dafür wollen, brauchen sie sich nur einen verschuldungschart anzusehen. die kurve geht exponentiell nach oben, die änderungen in der regulierung bremsen oder beschleunigen sie nicht. die regulierung ist sinnlose bürokratie, die hauptregulatoren, nämlich der zinssatz und die eigene verantwortung im falle des scheiterns wurden für die großen banken schon lange abgeschaltet. diese regulatoren kommen vom markt selbst, solange sich die regierung nicht einmischt, und werden durch politik und zentralbanken vollkommen außer kraft gesetzt.
    da ist nichts mehr zu retten, das zinsniveau kann nicht mehr normalisiert werden, da die schulden sonst untragbar werden. es ist für die nicht mal möglich die zinsen um 0,25% anzuheben. die us-zentralbank spricht schon sehr lange von einer zinsanhebung, aber sie trauen sich nicht das zu tun. es muss resettet werden. überall, auf der ganzen welt und nicht nur in griechenland.
    die da oben interessiert es nicht, was die menschen dabei verlieren, wenn die sich genügend vorbereitet haben lassen sie das system einfach fallen und es ist ihnen gleichgültig was aus den menschen wird oder wer von den leistungen des früheren systems abhängig geworden ist (rentner, arbeitslose etc.), die danach unfinanzierbar sind. wahrscheinlich werden die daran noch ordentlich verdienen. es ist besser wenn man versucht sein eigenes vermögen zu bewahren, damit nicht der ganze reichtum am ende in den händen dieser leute ist und man später auch selbst handlungsfähig bleibt. sie werden niemandem helfen können falls sie selbst hilfe brauchen.
    die kritiker, zu denen ich mich auch zähle, hätten den crash nicht „lieber“, sondern „lieber früher“, weil sie den crash für unvermeidlich halten und glauben, dass das finanzsystem danach ein besseres sein wird. ein blick auf die verschuldungscharts reicht um zu verstehen, warum wir so denken.

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