Claudia am 06. April 2015 — 15 Kommentare

Noch Handschrift lernen?

Der folgende Tweet wurde 226 mal retweetet und 428 mal „gefavt“. Heißt: Ziemlich viele stimmen zu:

„Schüler schreiben immer schlechter mit der Hand. Außerdem können nur noch wenige nen Kutschen-Wagen fahren oder mit 2 Steinen Feuer machen.“
Boris T. Kaiser (@DerBrainfucker)

Was meint Ihr? Ist der Verlust der Handschrift hinnehmbar, gar eine lange fällige Modernisierung im Kontext gewandelter Mediennutzung? Oder ein weiterer Schritt in die totale Abhängigkeit von technischem Gerät?

Meine eigene Handschrift kann ich schon lange kaum mehr lesen. Klar, ich schreibe ja fast nie mit der Hand. Höchstens mal ein paar Worte auf Zettel oder Flipboard.

Dennoch ist mir bei der Aussicht unwohl, Menschen könnten sich im Notfall nicht mehr über physische Zettel verständigen. Weil sie nur noch Buchstaben eintippen, aber nicht mehr selber schreiben können.

Diskussion

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15 Kommentare zu „Noch Handschrift lernen?“.

  1. Ich fand schon die vereinfachten Ausgangsschriften Mist. Die Leute haben sich damals etwas dabei gedacht, als sie Handschriften erfanden, die es einem ermöglichen in einem Fluss zu schreiben. Diese Legastheniker-Kringel, die heutzutage gelehrt werden – da wäre Schreibmaschine unterrichten wirklich sinnvoller. Die Anforderungen in der Grundschule werden immer weiter gesenkt. Später wird das nie wieder aufgeholt. Ob die Handschrift später noch lesbar ist, ist m. E. nicht so wichtig. Unleserliche Handschriften gab es immer. Wichtig ist, dass dadurch ein Schreibfluss zustanden kommt.

  2. Ältere User werden sich noch erinnern, daß es mal Schönschreiben in der Schule gab. Wenn das heute auch nicht mehr erforderlich ist, so sollte man doch ab und zu noch mal richtig schreiben. Bei mir selbst habe ich festgestellt, daß die Feinmotorik, oder wie das genannt wird, schon gelitten hat.

  3. „Handschrift“ ist ein lebenslanger Begleiter. Sind es die paar eingesparten Schulstunden wert, dass im späteren Leben noch nicht mal ein Einkaufszettel lesbar ist?

    Ich habe „Schönschrift“ in der Schule, so meine blasse Erinnerung, nie als lästig empfunden. Ganz im Gegenteil. Ich habe mich immer, auch noch heute, an meiner eigenen Handschrift immer erfreuen können. Auch bei meinem Enkelkind meine ich zu sehen, dass es mit viel Freude die Buchstaben in die vorgezeichneten Linien hinein“malt“.

    Ich weiß auch nicht, welche und wie viel alte Zöpfe abgeschnitten werden müssen, damit es der nachwachsenden Generation „besser“ geht. Aber der Verlust einer schönen und lesbaren Handschrift, glaube ich, fällt nicht unter die Grundbedingungen eines zukünftig besseren Lebens.

  4. Vielleicht kommt ja wieder einmal die Zeit, in der sich wie einst die Künstler in Paris die Menschen jeden Tag mehrere Noten/Gedanken/ zukommen lassen? Handgeschrieben, mit kleinen Zeichnungen, in Papier oder Papierfetzen, was auch immer?
    Ich selbst schrieb gerade einem Freund einen längeren Brief per Hand. Es ging recht gut, wenn auch die subjektive Langsamkeit des Tuns mich zu Schludrigkeit verführte.

  5. Es kommt darauf an, was für eine Handschrift vermittelt wird. Ich habe in der Schule (70er Jahre) die unsägliche
    „Lateinische Ausgangsschrift“ gelernt. Die ist so konzipiert, daß man sie fast ohne Absetzen schreiben kann, weshalb die Buchstaben aus lauter Kringeln und Kreiseln bestehen. Den Stift kurz abzusetzen ist weitaus schneller und flüssiger als immer diese absurden Kringel zu malen.

    Wie fast alle verwarf ich diese Schrift schon nach wenigen Jahren und begann, von den Lehrern (mit guten Gründen) geduldet, mit handgeschriebenen Druckbuchstaben, die ich noch heute (mit Ausnahme meiner Unterschrift, aber da darf man ja krakeln) verwende.

    Diese „Lateinische Ausgangsschrift“ ist sogar dann häßlich, wenn sie in „Schönschrift“ geschrieben ist. Ihr Anblick läßt sofort an Schule, 1. Klasse denken, was an sich schon alles über diese Schrift-Katastrophe sagt.
    Die heute übliche, stärker an die Druckschrift angelehnte Ausgangsschrift halte ich für sehr viel vernünftiger.

    Siehe auch eine Kolumne von Bastian Sick

  6. Dennoch ist mir bei der Aussicht unwohl, Menschen könnten sich im Notfall nicht mehr über physische Zettel verständigen.

    Ich glaube, das ist ein Mißverständnis: Niemand schlägt ernsthaft vor, Kindern gar keine Handschrift mehr zu vermitteln, sondern nur noch Tippen zu lehren. Das wäre absurd.
    Es geht allein um die Frage, ob es einen Sinn hat, eine separate, von der Druckschrift stark abweichende Schreibschrift zu vermitteln, wie die oben erwähnte oder eine ähnliche. Ich meine: Nein. Handschrift muß vor allem alltagstauglich sein, leicht zu lernen und zu merken.
    Dann kann der Fokus nämlich mehr auf wichtigeres gelenkt werden: Rechtschreibung, Grammatik, Stil, Inhalt.

  7. Nur fürs Protokoll: Ich finde schon, dass die Schule neue Kulturtechniken vermitteln sollte. http://www.sudelbuch.de/2014/kulturtechniken-2.0-kommandozeile-texteditor-versionskontrolle

    @Arnd Das mit dem Tippen wollen wohl die Finnen machen. Finde aber die Quelle gerade nicht.

  8. Ich fände es sehr bedenklich, wenn die nachfolgenden Generationen keine Handschrift mehr erlernen würden. Es gibt verschiedene Lerntypen. Ich habe zunächst meine Vorlesungsmitschriften hübsch am Computer mit LaTeX gesetzt. Das sah toll aus, aber hängen blieb dabei nur wenig. Ich habe gemerkt, dass ich mir Dinge am besten merken kann, wenn ich sie einige Male mit der Hand abgeschrieben habe.

    Ohne diese Möglichkeit wäre mir das Lernen von komplexen Dingen wie etwa langen und schwierigen Beweisen für Klausuren sehr viel schwerer gefallen.

    Ob die von mir damals in den 70ern (nicht) erlernte lateinische Ausgangsschrift die richtige Basis ist oder eine andere, kann man sicher diskutieren. Aber es sollte ein flüssiges Schreiben ermöglichen, Druckschrift tut das nicht.

    Ich selbst habe krankheitsbedingt die meisten schönen Schreibübungen verpasst und meine eigenen Krakel entwickelt.

  9. @juh: Ich glaube, das muß ein Mißverständnis sein. Wie sollte das gehen – da müßte ja während der ganzen Schulzeit von der ersten Klasse an alles an PCs gemacht werden, in jedem Fach, jeder Aufsatz, jede Klassenarbeit. Wäre gar nicht praktikabel, selbst wenn die Schulen da so gut augestattet sind.
    Zum flüssigen Schreiben – ich bin der Meinung daß die Kringelkreisel der Lateinischen Ausgangsschrift den Schreibfluß viel schlimmer ausbremsen als ein kurzes Absetzen. Aus dem Grund benutzt die ja jenseits der Grundschule praktisch niemand mehr.

  10. Ja sicher, es wird nicht gleich ganz auf Tippen umgestellt, das ist schon klar!

    Ich finde allerdings, dass verbundenes Schreiben leichter ist als abgesetzte Druckbuchstaben tippen. „Kringelkreisel“? Die Schreibschrift, die ich gelernt habe, hat halt alle Buchstaben durch Auf- und Abstriche verbunden – ich fand es überhaupt nicht schwer, das zu lernen.

    Immer wieder liest man, dass ganz allgemein das Niveau in der Grundschule immer mehr gesenkt werde. Ob das stimmt? Und warum wohl?

  11. Also ich finde es immernoch sehr wichtig die Handschrift zu lernen. Man muss sich doch auch mal ohne Handy und Co. etwas notieren können. Das ist ein Stück Grundbildung, die jeder Mensch haben sollte.
    Genauso komisch wäre es, wenn man sagen würde, in 20 Jahren müsste keiner mehr lesen lernen, denn Computer könnten es einem ja vorlesen…

  12. „In der Handschrift lesen“…
    Ich denke auch an Faksimile-Bücher, oft recht kostbare Stücke, die ich ab und an kaufte, etwa von Frida Kahlo oder Henry Miller.

  13. Als Krankenpfleger schreibe ich noch sehr viel. Letztens brachte es einer auf den Punkt: „Pflegst du schon, oder dokumentierst du noch?“

    Handschriftlich zu bleiben bedeutet auch eine allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben. Ich jedenfalls bemerke eine anders geartete Konzentration, wenn ich schreibe anstatt zu tippen.

  14. @Markus.

    grade in der Pflege könnte ich mir Apps gut vorstellen, die das Dokumentieren erleichtern / zeitlich verkürzen. Einfach ankreuzen – ginge das nicht? Die App müsste natürlich aller üblichen Pflegehandlungen erfassen…

    ?

  15. Sehr vieles wurde schon auf den Computer verlagert. Früher mußten wir Sturzprotokolle, Scorings, Labor- und andere diagnostische Anforderungen u.v.m. auf Zettel ausfüllen. Trotzdem bleibt der Pflegebericht und Erfassungen am Patientenbett (Mobilisations- und Flüssigkeitsbilanzierungspläne) bislang immer noch der handschriftlichen Dokumentation überlassen. Was ich sagen wollte: Ich schreibe täglich bzw allnächtlich mit der Hand.

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