Claudia am 31. Januar 2015 — 2 Kommentare

Tagebuch bloggen

Ob ich das noch so könnte? Täglich loslegen, nicht genau wissend, über was ich schreiben werde? Ich komme drauf, weil Liisa auf Charmingquark gerade überlegt, ob sie ihre Tagesnotizen so forführen soll. Ja bitte, hab ich drunter geschrieben, denn ihre Texte würden mir fehlen. Dieses Tagebuch-ähnliche Schreiben hat noch was vom alten Internet. Es verströmt Wärme in der Kälte des Kampfs um Aufmerksamkeit, um Daten und ihren Schutz, um Schnelligkeit und „Viralität“, um Klicks und Likes und Shares und was da noch alles den Austausch, das Erzählen an den Rand gedrängt hat.

Mir fehlt meist der Stoff fürs Erzählen. Ich reise nicht herum, mache nicht mal Ausflüge, lebe mein Homeworker-Leben vor dem Bildschirm bis das Wetter es wieder zulässt, im Garten was zu machen. Das landet dann im Gartenblog, aber auch nicht mehr alles, denn die Dinge wiederholen sich, Jahr für Jahr. Wenn demnächst vom Süden her die Postings über Frühblüher kommen, freu ich mich dran, muss aber nicht noch eins dazu stellen, wenn sich auch hier endlich ein Schneeglöckchen zeigt.

Ich könnte ja meine Unzulänglichkeiten beschreiben, die gelegentlich wiederkehrenden Versuche, „mehr Bewegung“ in den Alltag zu bringen – meist wären das Geschichten vom Scheitern. Vermutlich reizt mich das nicht, weil es da so gar nichts gibt, mit dem ich irgendwie glänzen könnte. Schande über mich! Das Verstauben der Langhantel mit drei verschieden schweren bunten Gewichten, die weitgehend nutzlose Sprossenwand, an der ich höchstens mal Handtücher trockne, der Schwingstab, den ich zwar gelegentlich „schwinge“, aber nie solange und regelmäßig, dass es einen Effekt haben könnte – all das sind ja nicht gerade Erfolgsgeschichten. Und gefühlt schreit es mich aus allen Medien täglich an: Bewege dich! Treibe Sport! Erfasse deine Leistung und deine Fortschritte! Praktiziere die neuen Workouts fürs Büro! Bei mir erzeugt das alles höchstens ein schlechtes Gewissen und die Gewissheit, dass ich vermutlich nicht sehr alt werde. Nun ja….

Immerhin konnte ich 30 Zigaretten täglich und den Dreck, den sie mitbringen, einsparen. Meine mittlerweile vier Dampfgeräte (bekannter als „E-Zigaretten“) stehen neben dem Monitor in einem Gurkenglas, gefüllt mit recht verschieden schmeckenden Liquids – von Tabak bis Obstkorb. „Vom Rauchen zum Dampfen“ ist meine Blog gewordene Begeisterung, aber das ist ja nun auch oft genug erwähnt.

So fällt mir also nichts ein, worüber ich tagebuch-bloggen könnte. Und freue mich, dass das Anderen besser gelingt. Bloß nicht aufhören, bitte!

Diskussion

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2 Kommentare zu „Tagebuch bloggen“.

  1. Alt werden bedeutet auch, sich selbst zu wiederholen http://www.claudiakilian.de/tagebuch-bloggen-2
    .

  2. Also ich glaube, mein Alltag sieht im Moment nicht so sehr anders aus als Deiner. :-)
    Und „glänzen“ kann ich sicher auch nicht, wenn ich mich so umschaue, womit heute in der Masse der Blogs „geglänzt“ wird. Ans Glänzen hab ich tatsächlich überhaupt noch nicht gedacht. Ich schreibe einfach nur, was mir im Laufe des Tages durch den Kopf geht oder unterkommt und weiß tatsächlich nicht, was da am Ende des Tages im virtuellen Sammelkörbchen liegen wird. Ist manchmal direkt ein bisschen „beängstigend“. :)
    Du hast aber schon recht, es ist ein bisschen bloggen auf die „alte“ Art und Weise. Wie in den Anfängen der Bloggerei. So habe ich eigentlich damals auch angefangen. Über die Jahre haben sich die Inhalte des Blogs immer mal wieder verändert und jetzt bin ich also wieder beim Tagebuchbloggen. Entweder schließt sich hier der Kreis oder wer weiß, was danach kommt … ich bin gespannt. :)

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