Claudia am 06. September 2014 — 28 Kommentare

Oh bitte, erklärt mir doch mal die Schweiz!

Hallo Thinkabout, Zentao, Mylo, Rosalie – und gern alle anderen Schweizer Blogger: Erklärt mir doch mal, wie die Schweiz eigentlich funktioniert!

schweiz

Für mich ist das ein Rätsel! Hierzulande wird mit dem Hammer der Globalisierung argumentiert, um seit Jahren die Einkommen zu drücken, Sozialabbau zu betreiben und Arbeitnehmerrechte mit Füßen zu treten. Stellenabbau, Wegrationalisierung, Outsourcing, Verflachung einstiger Hierarchien in den Unternehmen, Anhebung des Rentenalters und ein schneller und tiefer Fall in ein Leben mit 391,- Euro (+Miete) als Existenzminimum für Arbeitslose ist die Realität, mit der wir hier lange schon leben. Das alte Modell mit einem erwerbstätigen „Familienernährer“ funktioniert nurmehr in den Reihen der sehr viel Besserverdienenden. Dass beide Eltern arbeiten gehen ist oft nicht mehr freie Wahl, sondern ein Muss.

Paradies Schweiz – ganz ohne Mauer drumrum!

Dagegen die Schweiz: Man kann mit einem „Halbtags-Engagement“ noch immer gut leben, wie mir eine schweizer Bekannte mal schrieb. Die Gehälter sind locker doppelt so hoch wie in DE, dafür kosten auch viele Dinge entsprechend mehr. Dem kann man aber gegensteuern, indem man in Deutschland einkauft. Ich arbeite selbst für zwei mittelständische Unternehmen, die auch in die Schweiz liefern – Dinge, die dort „ein Vielfaches kosten“, wie mir Kunden auf Nachfrage verrieten. Aus DE sind viele gut ausgebildete Akademiker in die Schweiz gegangen, weil sie dort bessere Chancen und erheblich bessere Bezahlung bekommen. Die Behörden sind überaus Service-orientiert und freundlich, wie der „Kleine Bericht aus dem Paradies Schweiz“ von Thinkabout mal wieder zeigt. Hier dagegen wird an allen Ecken und Enden gespart – und das bei einem Steueraufkommen so hoch wie nie zuvor.

Wie kann die Schweiz funktionieren? Wie können Unternehmen existieren, die von EU-Unternehmen doch locker preislich auskonkurriert werden können? Es ist doch keine Mauer um die Schweiz – wie geht das also?

Ich freue mich über Erklärungen – egal ob als Resonanz-Artikel oder Kommentare.

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Foto: © antbphotos – Fotolia.com

Diskussion

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28 Kommentare zu „Oh bitte, erklärt mir doch mal die Schweiz!“.

  1. Liebe Claudia, es sind doch sehr viele verschiedene Aspekte, die im Ländervergleich angesprochen werden.

    In den letzten Jahren habe ich, außer in Griechenland, Italien und Spanien, in fast allen europäischen Ländern gearbeitet, einschl. der Schweiz. Meine Erfahrung dabei ist, dass wir in Deutschland gar nicht so schlecht aufgestellt sind.

    Als kleine Firma muss ich selbst alles für einen Auslandsarbeitseinsatz managen. Dabei sind fast unüberbrückbare Hürden in der Schweiz (dreisprachig), und kurioser weise, in Luxemburg, zu überbrücken. Das mag einerseits an den mir bekannten und vertrauten Abläufen in Deutschland liegen. Doch anderseits, auch neben vielen unerfreulichen Erlebnissen, gibt es mittlerweile eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden.

    Es ist doch ein erheblicher Unterschied, ob wir als Touristen ein anderes Land bereisen, ober ob wir in diesem unsere Brötchen verdienen müssen. Deine Frage, ob z.B. eine Mauer um die Schweiz gebaut ist, ist da garnicht so abwägig.

    Defintiv gibt es in vielen Ländern Errungenschaften, deren praxisgerechter Mix ein Fortschritt wären.

    Doch – lassen wir jetzt erst einmal die Schweizer Freunde zu Wort kommen.

  2. Ein Versuch in Stichworten: keine Kriege, keine EU und Nato Mitgliedschaft, keine unbeschränkte ESM Bürgschaft für Staaten, die noch kaputter sind als die BRD, eine gesunde Währung, vermutlich Politiker mit etwas mehr Anstand und Verantwortung für ihre Bürger (nicht nur für eine kleine Klientel von Nutzniessern des Systems), in dem Zusammenhang nationale Souveränität, kein Besatzungsstatus, eine Grundstimmung eines Gemeinwesens, nicht die Einstellung „jeder gegen jeden“, die in der BRD schon im Kindergarten vermittelt wird, eine verantwortlichere Einwanderungspolitik, keine Überschuldung bzw. Pleitesituation (40% statt über 80% BIP Schuldenstand) mit niedriger Staatsrefinanzierung und Zinsdienst, kein bewusst ausgebauter Niedriglohnsektor, daher auch starke Binnennachfrage. Aber all dies werden sie den Politkarrieristen in der BRD nicht vermitteln können.

  3. Liebe Claudia,

    gerne möchte ich es versuchen. Aber Du knipst mit Deinem Artikel so viele Lampen bei mir an, dass ich gar noch nicht weiss, wie ich das bündeln kann. Und Tell und Menachem helfen da auch noch mit… *Lächel.
    Also, ich bitte noch um ein wenig Zeit. Antworten will ich aber hier – denn Du thematisierst das und also gehört es jetzt hierher.

    Etwas vorab: Das „Modell“ Deiner Freundin, die einige Diskrepanzen einfach mit Einkäufen ennet der Grenze ausgleicht, kann natürlich nicht Vor- und Nachteile gerecht wiedergeben.

    Für das Preis- und Kostengefälle gibt es eine ganz „einfache“ Regel: Man „darf“ nicht die Preise isoliert betrachten, sondern muss nach der Kaufkraft fragen: Wo haben Menschen mit gleicher Arbeit nach der Begleichung aller Lebenskosten mehr Geld übrig und können sich also mehr leisten?

    Es stimmt, auch hier steht die Schweiz sehr gut da. Aber es relativiert sich ein wenig. Und Menachems Einwand ist wichtig: Was Private erleben, muss für geschäftliche Projekte oder Firmen nicht unbedingt gelten. Die Bürokratie ist auch nicht immer über alle Leisten wo grösser als anderswo.

    Und noch etwas Grundsätzliches vorneweg:

    Wenn man den Erfolg der Schweiz nur damit erklärt, dass sie sich „aus Vielem raushält und mit Schwarzgeld verdient“, macht man es sich viel zu einfach. Wie Du richtig erwähnst, funktioniert auch die Industrie sehr gut, auch im Export. Es lohnt sich schon, genauer hinzusehen, womit ich nicht sagen will, dass wir so toll sind, dass wir kopiert werden sollen. Das funktioniert ja auch gar nicht. Aber vielleicht lernen wir auch leichter von anderen, weil wir uns gewohnt sind, ständig nach Optimierungen suchen zu müssen. Es gibt diesen Reflex, besser sein zu müssen als andere, um auch die Kosten bezahlt zu bekommen.

  4. Liebe Claudia
    vielen Dank für Deine Einladung.
    In meinem Beitrag frage ich mich:
    Die Schweiz erklären, kann man das wirklich? Auf jedenfalls ist das keine leichte Arbeit, ich versuche es mal, so wie ich es sehe.
    hier der Link zu dem Beitrag;
    http://zentao.wordpress.com/2014/09/08/oh-bitte-erklar-mir-doch-einmal-die-schweiz/
    Liebe Grüsse zentao

  5. Ich danke Euch sehr herzlich für die Beiträge und das Posting! (das ich jetzt erstmal lesen werd…). Es ist ein Thema, das mich schon lange interessiert und sicher werd ich auch noch was rückfragen!

    Und vielleicht haben ja noch Andere Lust, etwas dazu zu schreiben…

  6. Das ist ganz einfach: Durch ihre Banken, die zu Dumpingkonditionen Kapital aus anderen Staaten abziehen und deren soziale Verantwortung, durch hohe Staatsquoten, mit Kampfzinsen ausnutzen. Ausserdem haben die Diktatoren der Welt auch dort ihren finanziellen Rückzugsraum, was ihre diktatorischen Existenz zugleich sichert. Durch dieses Geschäftsmodell bleibt für so ein kleines Land genug Reichtum übrig. Dieser fehlt dann allerdings in den betreffenden Staaten, die zu Grunde gehen. So einfach ist das, Moral und Ethik gehen irgendwie anders, oder? ;-)

  7. Die aktuelle Schweiz wurde gut im Lied des schweizer Sängers Skor analysiert https://www.youtube.com/watch?v=rpSmHh6zIjM , so ist eben auch wahr: „Dass zum Riichsii immer öppert zahlt“.

  8. Wenn Du Skor genau zuhörst, beklagt er nicht nur den Einfluss der Banken, sondern vor allem auch unseren Umgang mit dem Schweizer Modell der direkten Demokratie: Wir machen die Schweiz, und unsere Trägheit oder das Abschieben von Verantwortung ist unser Bier.

  9. Insbesondere auch im Zusammenhang mit der Rassismusabstimmung alias sog. Masseneinwanderungsinnitiative erlangte Skors Song Bekanntheit und wurde zur Hymne der Gegner des Rassismus in CH.

  10. Tja, Johannes, bei uns sitzen die Gangster, welche die Gangster willkommen heissen, und deswegen sitzen wir mit fetten Bäuchen an der Sonne, nicht wahr? Darum haben wir die 42.5-Stunden Woche und sprechen uns an der Stimmurne gegen eine zusätzliche Ferienwoche aus. Wir wissen eben gar nicht mehr, wie wir das Gangstergeld noch ausgeben sollen, wenn wir noch mehr Ferien hätten.

    Und die Pharmaindustrie und die Maschinenindustrie und die Uhrenindustrie funktionieren alle mit Diktatorgeld – das bei uns jeweils viel schneller eingefroren wird, wenn Geldwäscherei vermutet werden kann, als in Deutschland, so nebenbei bemerkt.

    Wir haben tiefe Steuern, ja. Aber unser Staat leistet seine Staatsaufgaben mit unserem Geld, wir haben selbst für eine Schuldenbremse gestimmt, welche die Parlamente zum Sparen zwingt. Wir sind uns gewohnt, nicht über den Preis verkaufen zu können und haben den Platz in der Uhrenindustrie trotzdem mit einer Billiguhr zurück erobert. S’Watch it.

    Arbeitsfrieden, also Tarifrunden meist ohne Streiks, ein Auskommen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern – das sogar Discounter wie Aldi und Lidl zwingt, in der Schweiz ein bisschen fairer mit dem Personal umzugehen als sonstwo.

    Ich weiss, wir können uns das alles leisten, weil wir auf diesem fremden Geld hocken. Aber weisst Du was: Ich habe gar keine Lust mehr, auf diese Dinge einzugehen, denn genau diese Vorurteile verhindern, dass wir von einander lernen.

    Ja, die Schweiz ist kein Paradies. Aber wie ist es denn mit all den ausländischen Herstellern, die partout in der Schweiz verkaufen wollen, weil sie hier überteuerte Preise verlangen können? Wie es Claudia anklingen lässt: Das Ausland tut manchmal gerade so, als hätten wir die Schlechtigkeit erfunden. Und das ist einfach ausgemachter Blödsinn.

    Aber mir soll es recht sein. Denn ich habe gerade dieser Tage gehört, dass einer der Gründe, warum es uns doch recht gut geht, wohl immer noch der ist, dass wir oft unterschätzt werden.

    Die direkte Demokratie aber, die kann man nicht überschätzen. Man könnte nur vergessen, was sie wert ist und sie deshalb riskieren. Und das will ich nicht. Ich will mir davon gar nichts weg nehmen lassen. Denn so funktioniert Gemeinschaft: Dass man bei der einen Frage zu den Siegern gehört, und bei der nächsten Abstimmung zu den Verlierern. Das allein garantiert, dass man mit dem Teil unter 50% immer auch respektvoll umgeht.

  11. Wie man sieht, belebt eine gewisse Kontroverse die Diskussion durchaus. Ich halte nichts von allgemeinem Schweiz-Bashing, denn dort wie in anderen Ländern hat der einzelne Bürger kaum Einfluss auf z.B. das konkrete Geschäftsmodell irgendwelcher Banken – trotz direkter Demokratie. Zudem haben die USA und auch DE soviel ich weiß einiges dazu getan, dass die Schweiz nicht mehr so einfach als Steuerhinterziehungsgeld-Bunker genutzt werden kann. Und ganz grundsätzlich wären Bankgeschäfte wohl kaum durchführbar, würde man von den Banken verlangen, in jedem Fall eine ethische Bewertung der Herkunft der Gelder vorzunehmen.
    Im übrigen fällt mir dazu noch Luxemburg ein, das immerhin EU-Land ist und dennoch – so lese ich zumindest – ein zweifelhaftes, bankenlastiges Geschäftsmodell hat.

    Nehmen wir also als gegeben an, dass die Steuern des Bankensektors und der von Thinkabout genannten florierenden Industriezweige dazu führen, dass der Staat relativ reich ist, also auch den Bürgern gute Sozialleistungen und staatliche Services garantieren kann.

    Zudem können diese Arbeitgeber gute Löhne zahlen und haben bisher offensichtlich darauf verzichtet, diese mit dem Globalisierungsargument nach unten zu drücken.

    Ein wichtiger Faktor des Wohlstands ist vermutlich auch die Kleinheit der Schweiz mit nur gut 8 Mio Einwohnern. Auch DE hat etliche prosperierende Industrien, doch der Staat muss mit deren Steuern zehnmal soviel Bürger mit staatlichen Leistungen bedienen – kein Wunder, dass das nicht so üppig ausfällt wie in der Schweiz.

    Dann scheint auch das größere Wir-Gefühl zu Buche zu schlagen, in dem Sinne, dass auch international agierende Unternehmen in der Schweiz nicht mit allen Mitteln nach „Steuervermeidung“ streben, sondern das ihre beitragen, ihre prosperierende Schweiz auch so zu erhalten. (Das ist eine These, ich weiß nicht, ob da was dran ist).

    Allerdings wundert mich, dass es Lidl und Aldi gibt – neben Schweizer Unternehmen wie Migros. Auch auf anderen Gebieten können ausländische Unternehmen sicher deutlich billiger anbieten – warum also macht das der Schweiz nichts aus? Wie kann irgend ein Schweizer Gartenhaus-Anbieter seine Häuser noch verkaufen, wenn man sich doch halb so teuer eins aus DE liefern lassen kann?

    Das ist mir immer noch ein Rätsel….

  12. Thinkabout, Direktdemokratie ist eine feine Sache, möchte ich auch haben, und sicher hat auch die Schweiz wie jedes Land ein paar Branchen, die gut laufen. Diese alleine könnten jedoch Bund und die vielen Kantone keinesfalls auf diesem Niveau finanzieren. Die Finanzierung läuft über die Banken und Niedrigssteuersätze für reiche Ausländer, deren Steuerkraft dem Ausland entzogen wird, mit massiven Auswirkungen auf deren Stabilität und Sozialsysteme. Fazit: Es gibt positive Seiten in CH, wie in jedem Land, aber auch beachtliche Schattenseiten mit global sehr gravierenden Auswirkungen. Da wäre es fast zynisch, die diplomatische Seite CHs zu betonen, hat sie doch viele dieser Konflikte durch ihre Finanzpolitik gerade kräftig befeuert.

  13. Mal ein paar Fakten:

    „Die Industrie ist exportorientiert. Schwerpunkte sind Chemie und Pharmawirtschaft, die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie Feinmechanik (v.a. Uhren und Schmuck). Daneben hat sich die Schweiz erfolgreich im Bereich der Umweltschutztechnologien etabliert.

    Im Dienstleistungssektor waren im 3. Quartal 2013 rund 3 Millionen Erwerbstätige beschäftigt. Der Finanzsektor ist mit einem Anteil von 10% am BIP (2012) und ca. 210.000 Arbeitsplätzen (6% der Beschäftigten) noch immer eine wichtige Säule der Wirtschaft (in Deutschland 5,2%, in Luxemburg 28,3% des BIP 2011). Derzeit befindet sich der Bankensektor auch aufgrund ungeklärter Fragen im Bereich der Besteuerung mit den USA und verschiedenen europäischen Ländern im Umbruch. Daneben steigen die Einnahmen aus dem internationalen Rohstoffhandel (Transithandelsgeschäfte). 2010 generierte der Rohstoffhandel erstmals größere Exporteinnahmen als die Finanzdienstleistungen.“

    Quelle: Auswärtiges Amt

    http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Schweiz/Wirtschaft_node.html

  14. Wie immer fehlt die Statistik über den Beitrag von Steuerflüchtlingen und Fremdkapital durch Discountsteuersätze zu den Haushalten in den Kantonen und damit dem Wohlstand in CH.

  15. Johannes meint: „Wie immer fehlt die Statistik über den Beitrag von Steuerflüchtlingen und Fremdkapital durch Discountsteuersätze zu den Haushalten in den Kantonen und damit dem Wohlstand in CH.“

    Wenn er also keine gesicherten Zahlen hat – warum nimmt er dann den Einfluss und die Bedeutung als gegeben an, und zwar in eienm solchen Ausmass, dass wir für das Unglück der ganzen Welt verantwortlich sein sollen? Ich bin es leid. Ich mag diese ewige Klischee-Haltung nicht mehr beantworten. Claudias statistische Werte mögen jenen einen Fingerzeig geben, die dafür empfänglich sind. That’s it.

    Wahrscheinlich sind wir ja auch an der Finanzkrise schuld und an der Niedrigzinspolitik der EZB, die dazu führt, dass die Staaten immer mehr Geld aufnehmen „können“, um dann bei der geringsten Erhöhung hops zu gehen.

    Wie gesagt: Ich klinke mich – zu diesem Thema – wieder mal aus.

  16. Thinkabout, nicht bockig sein. Die Fakten sind nunmal so, die Schweizer Kantone finanzieren sich im Steuerunterbietungswettbewerb über ausländische Privatvermögen und ebenso über in diese verlagerte ausländische Firmensitze mit Niedrigststeuern, das ist nun kein Geheimnis. Das machen auch andere Staaten, wie Irland, aber eben auch CH. Würden alle europäischen Staaten, zu denen CH zählt, sozial die gleichen Steuersätze haben, sähe es in den CH-Haushalten gravierend anders aus, denn wer zieht schon freiwillig in die kalten Berge, wenn er das sonnige Meer haben kann. :-)

  17. Übrigens alleine Auslandsvermögen liegen 2 Billionen, allerdings nur Franken, auf den Banken des kleinen Staates: http://www.srf.ch/player/tv/eco/video/auslandsvermoegen?id=ca9fb416-bf99-4042-b8d9-4907cc2a38b8

  18. Ich ganz persönlich finde, faire Kritik ist uns Schweizern immer Willkommen. Doch diese pauschalen Beschuldigungen an uns Schweizern finde ich unfair.
    Die Schweiz besteht nicht nur aus Banken und die Schweizer sind offen und fair, vor allem zu den vielen Deutschen, die in Deutschland keine Zukunft haben,(Harz 4 ) und sehr gerne in die Schweiz kommen.
    Die Schweiz hat ein sehr faires Steuersystem, im Gegensatz zu Deutschland, welches direkt zur Steuerflucht einlädt. Es sind bei Euch, wie auch bei uns, die kleinen, welche die volle Steuern zahlen, die Reichen verschieben einfach ihr Geld woanders hin und das ist nicht die Schuld der Schweiz. Das die Schweiz vieles richtig macht, zeigt der Wunsch vieler Deutschen, nach mehr Mitbestimmungsrechten. Hört doch auf auf die Schweiz ein zu schlagen, macht es einfach besser. Das geschieht bisher aber nirgendwo.
    Hier noch Mals der Link zu meinem Beitrag

    http://zentao.wordpress.com/2014/09/08/oh-bitte-erklar-mir-doch-einmal-die-schweiz/

    Liebe Grüsse zentao

  19. Es war klar, dass das Thema hier aufkommen würde – wäre es nicht gekommen, ich hätte es forciert. Weil es nun mal dazu gehört und mich durchaus interessiert, was / wieviel an der „Klischeehaltung“ dran ist, welchen Stellenwert dieser Finanzsektor tatsächlich hat und inwiefern er für die hohen Gehälter und guten Sozialleistungen verantwortlich zeichnet.

    Schon bei geringer Recherche fällt mir dabei eines auf: Die Schweiz wird seit Äonen stets in dieser Art gebasht – und niemand spricht von Luxemburg, wo das alles doch ganz offensichtlich viel krasser ist! Auch England wird in aller Regel nicht auf deren ausgeufertes Finanz-Casino reduziert – aber die Schweiz ständig.

    Dabei finde ich es persönlich sogar besser, wenn Diktatoren-Gelder und andere zweifelhaft erworbene Vermögen in der Schweiz liegen bzw. verwaltet werden. Von den Schweizern nehme ich nämlich an, dass sie kooperieren würden, wenn die Politik entsprechende Rechtsvorgaben setzt und dann auch den Rechtsweg geht.

    Was ich noch immer nicht weiß: Egal wieviel Quintillionen von Schweizer Banken verwaltet werden – diese Banken werden sich wohl für den Dienst in irgend einer Weise bezahlen lassen bzw. Gebühren nehmen. Und die Steuern, die sie auf diese Einkommen zahlen, sind dann Teil der 10% am BIP. So what? Das ist dann eben einer der florierenden Sektoren, aber wahrlich nicht der einzige.
    Steuerkonkurrenz unter Staaten ist nun keine alleinige Schweizer Erfindung. Immerhin haben dort auch die Bürger was davon, denn ich lese, dass auch die MwSt. nur 6% beträgt!

    @zentao: vielen Dank für deinen hoch interessanten Artikel über die Geschichte der Schweiz mit den vielen Links!
    Das ist ein schöner Startpunkt für Ahnungslose (wie mich), um sich weiter einzulesen.

    Ganz allgemein finde ich, dass das Internet leider kaum dafür genutzt wird, dass die Bürger Europas miteinander über ihre unterschiedlichen Staatlichkeiten und deren Handeln diskutieren.

    Aber solches Unterfangen geht leider auch unter Gutwilligen schnell in die falsche Richtung bzw. wird „ungenießbar“.

    Und zwar weil man sich halt oft den vorgeworfenen Schuh selber anzieht und sich (nun mit dem eigenen Staat identifiziert) auch noch DARAUF reduziert fühlt, wenn das eigene Land wegen irgendwas angeprangert wird.

    Ich würde es auch nicht mögen, wenn ich in irgend einem Forum als Deutsche vornehmlich wegen „unserer“ (sic!) Waffenexporte angesprochen würde.

    Klar bin ich gegen Krieg, gegen Gewalt, gegen Waffengebrauch und jegliche Förderung dieser widerlichen Aspekte menschlichen SoSeins. ABER ich lebe eben auch „davon“, indem ich in DE doch ein gewisses Niveau an Sozialstaat und Rechtsstaatlichkeit erwarten kann und sogar vielerlei Fördertöpfe für dies & jenes, auf die man potenziell zugreifen kann, wenn man die eigene Berufstätigkeit in entsprechde Richtungen konfiguriert.

    Das Mach-was-mit-Medien-Prekariat ist es NICHT, dass dies alles bezahlt! Und von den Wirtschaftszweigen und Unternehmen, die das Geld rein bringen, istfür mich nicht nur die Rüstungsindustrie kritikwürdig.

    Was ich sagen will: Wir sollten in solchen Gesprächen davon ausgehen, dass in jedem europäischen Land die Menschen einen Unterschied machen zwischen sich und dem eigenen Staat (im Wort „eigen“ deutet sich das Auseinanderfallende ja deutlich an). Auf dieser Beobachter-Ebene sollte man ins Gespräch kommen und über bessere oder schlechtere staatliche Vorgehensweisen reden.

    Das – schon schwer genug – genügt aber nicht. Man muss auch die gegebenen Bedingungen und die Geschichte des jeweiligen Landes kennen bzw. berücksichtigen. Z.B. sehe ich, dass die Schweiz mit einem angesichts ihrer Kleinheit deutlich großformatigerem (!) Zuwanderungsgeschehen umzugehen hat als Deutschland, das sich mit „sicheren Drittstaaten“ umgibt und das als Argument nimmt, sich aus der Verantwortung zu stehlen und die Probleme der Südschiene zu überlassen.

    Von daher beurteile ich Minarett- und Ausschaffungs-Voten anders, bzw. habe mehr Verständnis für solche Reaktionen, als wenn dergleichen in DE geschähe (wobei in manchen Punkten ja traurigerweise angenommen werden darf, dass die Entscheide ähnlich ausgingen – nur werden wir hier nicht gefragt).

    Na, genug für jetzt, ich ufere aus… :-)

  20. Es gibt in allen Staaten positive und negative Seiten. Positiv in CH ist die Entspanntheit und Gemütlichkeit der Menschen und Berge, die Chance für guten Skiurlaub, den Singsang des Dialekts finde ich kantonsabhängig angenehm, Züri ma ich besonders aufgrund seiner kulturellen Vielfalt und vor allem die Direktdemokratie überzeugt. Negativ ist der asoziale Finanzbereich und seine negativen globalen Auswirkungen und der extreme Nationalismus vieler Schweizer. Licht und Schatten gibt es überall.

  21. Und nicht vergessen, das Bankensystem hat zahlreiche Ableger im Ausland und weiteren Steueroasen, die dort weiter ihr Unwesen treiben und im BIP garnicht auftauchen.

  22. Es ist jetzt eine ganze Weile her, und im Ergebnis stelle ich genau das fest, was mir immer wieder auffällt: Werden Fragen zur Schweiz und ihrem Erfolg gestellt, so reduziert sich die Diskussion sehr schnell auf den Finanzmarkt und die Moral. Im Endergebnis lernt niemand dazu, wir Schweizer wollen uns den ausgelatschten Schlammschuh auch nicht schon wieder anziehen – und alle gut gemeinten Fragen bleiben ohne Antwort.

    In meiner Berufstätigkeit lebe ich übrigens genau davon saumässig gut: Ich werde mit meinem Schweizer Hintergrund immer wieder unterschätzt, was es mir viel leichter macht, mich zu behaupten. Ich sollte mich also nicht beklagen. Aber ein wenig peinlich finde ich diese immer gleichen Reflexe schon.

  23. Ein wenig ist das aber auch ein sehr allgemeines Phänomen, das nicht nur schweizer Themen trifft: das Haar in der Suppe wird gesucht, gefunden, ordentlich skandalisiert – die vielen Rosinen im Kuchen sind kaum der Worte wert.

    Und die Schweiz hat ziemlich viele Rosinen – da spielt dann auch noch der Neid rein.

  24. Ich habe oft den Eindruck, Thinkabout, dass in diesem Austausch hier, wie auch in dem innerdeutschen Ost-West Austausch, genau die Menschen alles bis ins Detail wissen, die noch nie dort waren. Eine geführte Bustour durch Berlin reicht dann aber auch meist schon aus, um der Meinung zu sein, als Experte mitstreiten zu können.

    Ich kenne die Schweiz vornehmlich nur als Urlaubs- und Transitland, und wenige male über meine Arbeit. Was ich also nur noch dazu sagen kann ist, dass sich mein Schweizer Bild über die wunderschöne Landschaft und die großzügige und herzliche Gastfreundschaft der Schweizer geprägt hat.

    Das ich in jedem Ausland etwas beobachte was mir fremd ist, dass hat mir dank dieses Beitrages von Claudia und der Diskussion hier nochmals klar gemacht, dass das so selbstverständlich sein sollte, wie es auch bei Mann und Frau ist. Und – trotzdem kann es funktionieren.

    Mit herzlichen Nachbarschaftsgrüßen,
    Menachem

  25. Eine allgemein gültige Aussage, @Menachem! Man maßt sich manchmal Sachen an…
    Ich erklärte mal jemand, wie schwer es manchmal Musiker in Deutschland haben..und das nur, weil ich hie und da mitbekommen hatte, daß einige für einen Appel und ein Ei spielen. Der „Gelegenheitsmusiker“ offenbarte mir in disem Kurzen Gespräch nicht, daß er ein prominenter Musiker war und sehr fern solcher Erörterungen.Er lies mich gewähren.

  26. Es gibt sie ja doch noch, @Gerhard, und ich dachte, sie wären schon fast ausgestorben: Die Menschen mit Taktgefühl, so, wie der von dir beschriebene Musiker. (Wobei ich „Taktgefühl“ für einen wunderschönen Begriff halte, passend zum Musiker. Harmonie, Schwingungen, Resonanz, Gleichklang, Zusammenspiel….).

    Schade, schade, schade. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es immer weniger Musiker gibt :)

  27. @Menachem, „Taktgefühl“ ist auch so ein altes, fast nicht mehr genutztes Wort. Eine ebenso altes Wort ist „apart“, das ich sehr selten, aber doch ab und an nutze, wenn ich eine Frau besonders „ansprechend“ finde. Heutzutage kennt man wohl andere Begriffe…

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