Claudia am 29. August 2014 — 7 Kommentare

Das Wesentliche – für D.

Vom Atem, Odem des Lebens, ist leicht singen und sagen;
Verdauen dagegen ein schamhaft beschwiegenes Muss.

Auch das Herz muss schlagen, damit da ein Mensch sei
und es braucht Hirn im Kopf, meist überschätzt.

Zerfressene Lunge, Gedärm im Streik,
stolperndes Herz und wirre Gedanken –
schon sind Geld, Ruhm, Güter und Liebe dahin.
Waren nie wichtig, waren glitzernder Schaum
auf der großen Welle, die zurückfällt ins Meer.

Atmen, verdauen, herzschlagen –
im Stolpern und Schwinden begriffen
spät bemerkt als das Wesentliche.

Einfach da sein, keine Wünsche,
Froh, wenn nichts geschieht.

Draußen die rasende Welt,
Gefräßiges Strampeln in Alt- und Neuland.
Man will MEHR, was denn sonst?

Erst wenn die Schmerzen kommen und bleiben
halten wir ein.
Nurmehr da sein,
atmen, verdauen, wahrnehmen,
froh, wenn nichts geschieht.

Diskussion

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7 Kommentare zu „Das Wesentliche – für D.“.

  1. Ergreifendes und wesentliches Gedicht.
    Aber: „…schon sind Geld, Ruhm, Güter und Liebe dahin.
    Waren nie wichtig“ – das halte ich für kurz gegriffen. Im aktiven, unbedrohten Leben sind diese Dinge wichtig: Man kämpft um Geltung und Ansehen, weil sie da hingehören. In dem geschilderten vegetativen Zustand sind diese natürlich nicht wichtig..man ist ja da auch ein anderer.

  2. Erst aus der späteren Perspektive des nurmehr-müsam-Atmenden ist das so gesehen.

    und es muss ja was zum Kritisieren bleiben :-) Bin ja keine Dichterin!

  3. Ach Du hast das geschrieben?! Ich fand das gut!
    Es ist wie in der Kunst: „Wer gut zeichnen kann, kann auch gut malen“ oder so ähnlich.

  4. Wär es nicht von mir, hätt ich doch die Quelle angegeben!

    Es entstand in Resonanz auf die Mails eines lieben Freundes, dem es lange schon gar nicht mehr gut geht.

  5. [..] Einfach da sein, keine Wünsche,
    [..] Froh, wenn nichts geschieht.

    wo, claudia, hast du die kamera vesteckt?

    das beschreibt messerscharf, wie ich mich gerade fühle: stupidly happy

  6. Abgesehen von dem Krankheitsfall, liebe Claudia, ist mein Wunsch, meist zum Feierabend, genau der: Nichts denken, nur einfache Dinge tun, existieren – fast vegetativ. Das mal zwei Stunden durchzuhalten, müsste sehr heilsam sein.

  7. Das zu lesen
    macht irgendwie
    die Luft zum Atmen
    kostbarer!

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