Claudia am 13. August 2014 — 24 Kommentare

Mein Bücherregal – ein Auslaufmodell #Blogparade

Dörte vom Minima Muse-Blog ruft zur Blogparade mit dem Thema „mein Bücherregal“ auf. Sie wünscht sich „möglichst viele Liebeserklärungen an das gedruckte Wort“, doch fürchte ich, damit nicht dienen zu können. Bei mir ist das Bücherregal ein Auslaufmodell, das im übrigen lange schon einer in den 80gern beschlossenen Beschränkung unterliegt: Nicht mehr als vier mal 80cm Regalplatz!

Das sieht derzeit so aus:

Bücherregal

Wie Ihr seht, wird die Vorgabe ziemlich genau eingehalten, das Regal ist ansonsten Aktenschrank und Ablage – und ich hab‘ nicht extra fürs Foto etwas verändert! Aber zugegeben: im Wohn/Schlafzimmer gibt es nochmal ein Regal, mit nochmal einem Meter Bücher, die dort verstauben bis ich mich aufraffe, sie irgendwie loszuwerden.

Über ihr Verhältnis zu Büchern schreibt Dörte:

Ein Bücherregal ist ein Statement. Bücher, die wir in unserem Zuhause stehen haben, sind unsere intellektuelle Kleidung: die gedruckten Worte, in die wir uns hüllen, Tag für Tag… Und wenn ich Gäste zu mir nach Hause einlade, weiß ich, dass sie meine Bücher sehen werden.

Ja, ursprünglich ging mir das genau so. Schließlich bin ich in der Gutenberg-Galaxis sozialisiert und schleppte schon als Kind alle zwei Wochen große Taschen mit Büchern aus der Bibliothek nach Hause – so viel ich tragen konnte! Mein Wissensdurst war riesig, meine Lektüre breit gefächert. Die Möglichkeit, in fremde Welten einzutauchen rettete mich vor manchem Unbehagen im familiären Umfeld, doch suchte ich ab der Pubertät auch intensiv nach Orientierung: Wie ist diese Welt zu ertragen? Wie geht man mit Menschen um? Gibt es noch Anderes als das, was in der Schule gelehrt wird? Philosophie, Psychologie, spirituelle Systeme, Ratgeber fürs bessere Leben, Grenzwissenschaften, die „Befreiungsliteratur“ der 70ger-Jahre – ich verschlang alles, was ich in die Finger bekommen konnte. Mit 15 deprimierte mich Freuds „Unbehagen in der Kultur“ zutiefst, doch Zuzukis „Zen“ baute mich wieder auf – ohne dass ich so richtig verstanden hätte, von was er redet.

Als ich mit 19 zuhause auszog, war mir das eigene Bücherregal auch sowas wie ein „Statement“: ein demonstratives Element der Abgrenzung vom elterlichen Zuhause, das ich so früh wie möglich hinter mir ließ. Bekam ich „wichtigen“ Besuch, legte ich sogar mir besonders liebe Bücher sichtbar aus – so meinte ich besser zu erkennen, ob sich jemand nur für meinen Körper oder auch für den Geist interessiert.

Meine Bücherregale wuchsen und wurden mehr, was bei Umzügen dann in eine üble Schlepperei ausartete. Dennoch nahm ich noch alle Bücher mit als ich mit 26 meine Heimatstadt verließ und nach Berlin zog. Dort angekommen, änderte sich mein Leben schon bald drastisch: aus der nachdenklichen Sucherin wurde eine begeisterte Aktivistin: Hausbesetzungen, Stadtteilpolitik, Mieterarbeit, ich trat sogar in die AL ein, ein berliner Vorläufer der Grünen und wurde für ein Jahr Fraktionsassi im Bezirk (dann hab ich die Flucht ergriffen: Parteien waren nicht mein Ding!). Zum Lesen kam ich in diesen aktiven Jahren nicht mehr so oft, wohl aber zog ich ziemlich häufig um – welch ein Horror jedes Mal, all diese Bücher ein- und wieder auszupacken, die Kisten zwei Straßen weiter zu schleppen und dafür sechs bis zehn Leute zu brauchen!

Als dann wieder einmal ein Umzug anstand, fasste ich einen radikalen Entschluss: Nie wieder mehr Bücher als vier Regalböden voll! Ich lud Freunde und Bekannte ein, sich an meinen Regalen zu bedienen und behielt nur wenige Bücher, für deren Transport ich keine Hilfe mehr brauchte. Was für eine Erleichterung!! Mir war, als hätte ich Ballast von 1000 Jahren abgeschüttelt und wunderte mich, dass ich nicht schon früher auf diese Idee gekommen war. Schließlich schaute ich kaum je in ein Buch nochmal rein, das ich ausgelesen hatte – warum zum Teufel sollen die in Regalen verstauben? Ohne das Wort schon zu kennen war ich in Sachen Bücher Minimalistin geworden.

Heute: Ich lasse lesen…

Was heute hier mehr oder weniger zufällig noch an gedruckten Büchern herumsteht, könnte zu 80% weg. Veraltete Software- und Webdesign-Handbücher, Bücher übers Schreiben, die ich mir zu Zeiten meiner Schreibkurse angeschafft (und doch nicht gebraucht) hatte, ein paar Reiseführer (Kambodscha), Kochbücher (ungenutzt) und noch ein bisschen Philosophie, Soziologie, Spirituelles, jene wenigen Bücher, „die man nicht wegwirft“, auch wenn man nicht mehr rein schaut.

Oder noch nie mehr als reingeschaut hat! Seit ich in den 90gern mein Leben mit dem Internet verbandelte, sank der Bücherkonsum noch einmal drastisch. Ich komme nicht mehr dazu, meine Blogs, meine Projekte, meine Surftouren zu anderen Inseln des Nachdenkens über Leben und Welt füllen mich voll und ganz aus. Doch es ist nicht nur die fehlende Zeit, die mich von Büchern entfremdet hat: es ist auch das Ende der Suche. Dass ich in einem Buch einen neuen Gedanken fand, eine Inspiration, die über das hinaus ginge, was ich auf Lese-Touren im Netz (plus ARTE und PHOENIX) quasi als Alltag erlebe, ist ziemlich lange her. Mein Eindruck, wenn ich ein Buch aufschlage: es gibt nichts Neues unter der Sonne! Nur gelegentlich eine andere Art, etwas auszudrücken, wie etwa Sloterdijk es in seinem Buch „Du musst dein Leben ändern!“ auf ergötzliche und den Intellekt anregende Art tut. „Ende der Suche“ heißt ganz konkret auch: ich suche in Büchern lange schon keine Lösungen mehr für irgendwelche Probleme und „Erbauung“ finde ich im Garten, in der Interaktion mit den Pflanzen und anderen Lebewesen, nicht auf Papier.

Die Auseinandersetzung mit den Umwälzungen durch die Globalisierung, die Digitalisierung, die Vernetzung – an diesen Themen bin ich gefühlt viel näher dran, als wenn ich darauf warten müsste, bis ein Buch dazu erscheint. Als kürzlich Schirrmacher unverhofft starb, hab ich sein letztes Buch „EGO“ gekauft und die ersten Seiten gelesen, quer drüber mal so reingeschaut. Sicher ein tolles Buch für „Netzferne“, für mich eher langweilig. Der alarmistisch-katastrophale Ton erscheint mir trotz vieler richtiger Fakten übertrieben, der forcierte Kulturpessimismus spricht mich nicht wirklich an. Also gab ich das Buch einem lieben Freund, der viel Zeit zum Lesen hat. Das mache ich immer mal wieder so, wenn ich – selten aber doch – ein Buch gekauft habe und nicht abzusehen ist, dass ich die Muße dafür finde. Er hat es gelesen und empfiehlt mir das letzte Kapitel – mal sehen, ob ich dazu komme. So richtig vom Hocker gehauen hat es ihn nicht, sonst hätte er mir Wesentliches aus dem Inhalt erzählt, wie sonst immer, wenn ich ein Buch „zum Lesen gebe“.

E-Bücher

Das Ende der Gewohnheit, Bücher zu lesen, bedeutet nicht auch gleich das Ende des „Bücher kaufens“. Gelegentlich begeistert mich eine Rezension, so dass ich mir das Buch bestelle (und dann weiter gebe, siehe oben). Wobei ich E-Books mittlerweile vorziehe: Zwar hab‘ ich keinen Kindle, doch kann man mit der Kindle-App die Bücher ja auf jedem Gerät lesen. Bücher zum Verstauben „ins Regal zu stellen“ kommt mir mittlerweile absurd vor. Eine Zeit lang hab ich noch gedruckte Bücher gekauft und sie nach dem Lesen bzw. Lesen-lassen bei Amazon wieder verkauft. Mittlerweile ist mir das zuviel Aufwand, also nehme ich das E-Book, falls vorhanden. Zu mehr als „rein schauen“ komme ich aber auch da nicht, also werde ich wohl meinen Freund bitten, sich einen Amazon-Account zuzulegen, damit ich E-Books mit ihm „teilen“ kann. Ja, das geht!

Spannend finde ich auch das Projekt SoBooks von Sascha Lobo: Bücher im Netz lesen – und gleich mit Diskussion. Sobald es für alle offen ist, werde ich das mal ausprobieren!

Zuletzt: Bücher, die ich (noch) nicht entsorge

Das sind jetzt alles Werbelinks, die zu jenen Büchern führen, die vermutlich auch die nächste Aussortierung überstehen werden:

Von Baudrillard, Flusser, Sennett, Trungpa und Hempel hab‘ ich mehrere Bücher, die mit gleichem Recht in dieser Aufzählung hätten Platz finden können.

Diskussion

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24 Kommentare zu „Mein Bücherregal – ein Auslaufmodell #Blogparade“.

  1. Ich selber lese immer noch sehr gerne und sehr viele Bücher, in meinem Fall: Romane. Aber in der Tat seit nun mehr als zehn Jahre nur noch eBooks. Früher war mir diese Büchertapete auch wichtig, mittlerweile ist sie, also unser Bücherregal, an den Rand der Wohnung gerückt. Als mentaler Jäger und Sammler mit einem deutlichem Hang zum messie konnten wir uns noch nicht ganz trennen, aber gleichwohl: das Regal ist eher unansehnlich von allen Seiten verstopft und zugestaubt, die Bücher quetschen sich in der tiefe zweireihig und die Luft zum nächsten Regalbrett ist auch zu. Brauchen „tun“ wir das aber schon lange nicht mehr. Und ja, gerade als Haptiker liebe ich meinen eInk-eReader. (Kein Kindle, aber gleiche Darstellungstechnik…) – Und wenn die Kinder aus dem Haus sind, wir also auch umziehen werden, ziehen die Papierbüchr mit Sicherheit nicht mit.

  2. Danke Chräcker – schön, dich mal wieder zu lesen!

    Ja, die Printbücher sehen dem Verfall ins kalte Auge. Die Zeit, in der es sich lohnen wird, noch ein paar alte gute (!) Printbücher an Liebhaber zu verscherbeln, werden wir aber leider wohl nicht mehr erleben. Dafür gibts einfach noch viel zu viele…

  3. Liebe Claudia,
    ich schreibe fürs Buch!
    Ich habe keine „Vorzeige“-literatur. Was ich gut vorzeigen *könnte“,aber nicht tue,ist das Regal mit einer großen Zahl an Ausstellungskatalogen und Kunstbänden im Schlafzimmer.
    Hiervon wird NICHTS weggeworfen! Auch wenn ich nur selten reingreife (nachts sowieso nicht), dann erinnern mich so manche Bände an eindrückliche Ausstellungen, die ich sehen durfte und überhaupt an meine lange Phase der Kunstinteressiertheit (die mich nicht verlassen hat).
    Dann gibt es noch ein schlankes Set an Schachliteratur, aber nur mit den „very best“ meiner ehemals grösseren Sanmmlung. Ich behalte diese aus Respekt vor der Thematik an sich.
    Dann habe ich noch viel Fotografisches, Fotobände aller Art, zuletzt vornehmlich im Mikro- und Nanobereich. Diese Fotos geniesse ich in Buchform, mit kurzem, erklärenden Text anbei. Da es davon nicht viele gibt, liegen die alle vereint auf einer Kommode.
    Zuletzt lese ich ab und an Sachbücher – die will ich in Buchform! Da ich aber vielleicht nur 8-10 Bücher im Jahr anpacke (!), gibt es da das Problem des Wegstapelns kaum.
    Frühere Bücherbestände hatte ich allerdings ziemlich hemmungslos entsorgt, vor etwa 5 Jahren. Das waren meist ungelesene Bücher, mit wenig Chance auf Gelesenwerden. Geblieben ist u.a. eine (gelesene) Autobiographie von Wolfgang Kieling, die mich, wenn ich sie sehe, an so manche gute Schauspieler der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnert.

  4. Bücher sind konservierte Gedanken, die wir aufnehmen. Persistenz und Rezeption sind temporär an eine Technik gebunden. Die Papierbuch-Neuauflagen werden sich zukünftig signifikant verringern, da große Teilbereiche wie Belletristik technisch komfortabler erschlossen werden können.

    Ich habe noch sehr viele Papierbücher, obwohl ich schon größere Kartons davon verschenkte. Insbesondere Bildbände sind am schönsten auf Papier. Für Gedrucktes ohne detaillierte und farbige Abbildungen wie Romane ist E-Ink zeitgemäßer. Zeitschriften mit Fotos lassen sich recht gut auf Tablet-Computern lesen. Hier sind die deutschen Anbieter wieder am Verschlafen – nicht existent oder zu teuer (phantasieloses Festklammern an eine obsolete Technik, bis es nicht mehr anders geht – im Markt haben sich dann andere etabliert). Meine (kostenpflichtigen) Abonnements kommen aus dem angloamerikanischen Raum.

    Letztlich wird sich die für uns vorteilhaftere Übermittlung von Gedanken/Wissen/Konzepten durchsetzen. In einigen Fällen ist das ein Tonfilm: Viele Gebrauchsanleitungen sind deutlich schlechter als ein gutes Video, das den Gebrauch demonstriert (aktuelle technische Umsetzung durch Youtube etc.). Bücher sind manchmal besser zu konsumieren, falls sie vorgelesen werden (aktuelle technische Umsetzung durch Audio-Streaming – obsolet als „CD-Hörbuch“).

  5. @Gerhard, @Elmar: danke für Eure Berichte zum eigenen Umgang mit Gedrucktem und technisch anders aufbereiteten Inhalten!

    Schachliteratur hatte ich auch mal ca. 80cm! :-) Ist alles weg, weil ich die Entscheidung zur Entsorgung ganz radikal an der Nutzung festmache. Was ich ein Jahr nicht anfasse, ist definitiv nichts, was ich brauche.

    Bei der Sichtung meines Regals für diesen Artikel hab ich gemerkt, dass davon auch wieder 80% weg kann.

    Kunst- und Fotobände sind derzeit auf Papier optimal, ja. Allerdings kann ich mir Flache Monitore statt Bilder in den Zimmern vorstellen, denen man einfach zuruft: „Letzte Dokumenta!“ und schon bekommt man ein Menü der damals zu sehenen Exponate und Installationen bzw. Künstler. Dann ists auch mit den Fotobänden vorbei.

  6. Claudia,ob kleine Galerien irgendwann auch statt einer Ausstellungsbroschüre oder Katalog etwas anbieten können wie eine mit Text und Ton geführte Werkschau über genau die gezeigten Exponate, das ist die Frage. Ich will ja auch nicht eine DVD heimschleppen ins Regal, sondern wünsche mir das in Zukunft natürlich „immateriell“.
    Ein Buch ist auch einladend. Liegen zwei, drei verstreut auf dem Kaffeetisch oder Couch oder Kommode, dann verlockt das zum Weitermachen/-lesen. Einem ausgeschalteten Reader sehe ich nichts an.

  7. @Claudia Hach, so schön, gleich drei Geräte mit Kurbel. ;-)

    Früher bin ich in einem fremden Raum automatisch schnurstracks auf Literatur zugelaufen. Das hat sich mit dem WWW geändert.

    Mein Bücherregal gibt es nicht mehr. Verstreut, wo es Sinn macht, liegt der eine oder andere kleine Print-Stapel (Küche, Atelier) frei oder im Schrank.

    Ich hätte nur eine Externe Festplatte fotografieren können, mit den von Elmar bereits angeführten Hörbüchern, Hörspielen und mit Lesungen. Entspannend für die Augen und ein Hochgenuß für Ohrenmenschen.

    Ein Maler kam auf die grandiose Idee, ein Stück Bücherregal zu malen. Dieses Bild, früh bei eBay ersteigert, hängt im Wohnzimmer. Es ist schnell abgestaubt und federleicht, im Vergleich zu den Bücherkisten, die von Umzug zu Umzug schwerer und immer mehr wurden. Darunter verflixt viel und teure Fachliteratur, deren MHD praktisch schon mit dem Erscheinen fast abgelaufen war. Und welchen Lärm und Schaden kann ein Bücherregal verursachen, das vornüber kippt.

  8. Es ist anheimelnd, in eine Wohnung zu kommen und ein aktives Büchrerregal vorzufinden. Hier wird gelesen – was es ist, fast zweitrangig. Man findet auch Kunstgegenstände, also Zeugen von Freude an Kreativität und Schaffenskraft. Es liegen CDs haufenweise rum, angefangene Bücher, Zeitschriften, Kataloge, Broschüren.

  9. … der Gedanke, Bücherlast zu verschenken und für mich abzuwerfen, beschäftigt mich auch seit geraumer Zeit – vor allem, seitdem ich nur noch mit Leselupe lesen kann [und mit Brille sowieso]. Meine Schwester hat mir Hörbücher geschenkt, gegen die ich mich lange Zeit gewehrt habe mit dem Argument, auf Papier zu lesen sei ein Prozess, der die Vermittlung, Aufnahme und Verarbeitung von Wissen und oder Fantasie erst lebendig macht. Nun höre ich das Wort – und es reift in mir, anders als im AugenBlick des Lesens. Danke für deinen inspirierenden Gedankenbeitrag…

  10. Einige Bücher, Karin, sind nach meiner Auffassungsgabe leider nicht „zum Verzehr“ als Hörbücher geeignet, z.B. Th. Mann oder Faust. Vieles, vieles andere lässt sich dafür allerdings sehr schön als Hörbuch genießen, z.B. IQ84. Summasumarum der Preis, den ich als Bewohner einer Papierbücherfreien Homezone zahle. Allerdings, nachdenkenswert ist der Beitrag von Claudia hier sehr.

    Heute habe ich mich mit einem guten Freund lange über diesen Beitrag unterhalten. U.a. haben wir die Frage nicht für uns befriedigend beantworten können: Entschwinden z.B. die Bücher von Mann oder Schiller langfristig und endgültig auch als Kulturgut, wenn sie nicht mehr in den Regalen stehen und wahrscheinlich auch nicht als E-Books von den Kids gelesen werden? Und falls sie dadurch entschwinden – welche Auswirkungen ergeben sich daraus? Wenn, überhaupt? Und wenn, wichtig? Oder – einfach den alten Kram loslassen? Sich fahrlässig oder mutig in den Fluss der Veränderungen hineinbegeben? Wer war Schiller?

    Auch: In der Interpretation des Satzes fühle ich mich engstirnig gefangen:

    „Ein Bücherregal ist ein Statement. Bücher, die wir in unserem Zuhause stehen haben, sind unsere intellektuelle Kleidung…“

    Wenn ich Kleidung weiterhin als Metapher betrachte, finde ich drei Varianten für mich:

    1. Es gibt eine wärmende Kleidung, die überlebenswichtig für mich ist, weil sie mich vor erfrierender Kälte beschützt. Diese Kleidung steht in keinem Regal. Sie ist wie eine zweite Haut. Seltsam – so oft, und ich weiß nicht was es in mir ist, verstoß ich dabei immer wieder gegen den mir eigenen Grundsatz, dass niemand das Recht hat, einem anderen Menschen seine wärmende Kleidung auszuziehen.

    2. Es gibt weiterhin eine Kleidung, in der ich mich vor dem Spiegel betrachtend einfach „schön“ finde. Diese Kleidung lege ich für keinen zweiten oder dritten an. Nein. Sie dient nur meinem eigenem Selbstbild, fast unabhängig der Bewertung Dritter.

    3. Und es gibt die Kleidung, in der ich schön sein möchte, um Anerkennung, Liebe, Status, Bewunderung…dritter zu erhalten. Diese Kleidung ist für alle sichtbar und steht im Regal.

  11. @Kurbelursel: die drei Handkaffeemühlen sind Relikte einer kurzen Phase, in der ich mal glaubte, doch noch „Sammlerin“ werden zu können. Hat nicht lange angehalten, ich bin nicht mehr wirklich fähig, mich intensiver mit materiellen Dingen zu beschäftigen (außer im Garten). Aber die drei Mühlen dürfen erstmal bleiben.. :-)

    Ein „gemaltes Bücherregal“ anstatt eines echten ist eine witzige Idee!!

    @Karin: zu Hörbüchern hab ich bisher keinen Bezug herstellen können – aber vielleicht kommt das ja noch, wenn ich wirklich anfangen muss, die Augen vor zuviel Monitor-Gucken zu schonen. Der Gedanke, der mit Abstand DAVOR kommt, ist allerdings der an die Diktat-App bzw. Audio-Blogger-Formate.. :-)

    @Gerhard: Klar, CDs sind es nicht – aber wie gesagt: ansprechbare Monitore an den Wänden… die könnten ja auch auf Wunsch zufällig Gewähltes aus einem Fundus anzeigen, so zur Inspiration.

    @Menachem: ein interessanter Aspekt, dein Gedanke an die klassischen „Kulturgüter“. Ja, wer ist Schiller? Mir fallen da die Worte „Räuber“ und „Glocke“ ein – das wars aber auch schon. Und ich bin doch nicht blöd, oder? :-)

    1973 hab‘ ich Abitur gemacht (im damals innovativen hessischen „Kunstzweig“ mit Hauptfach Kunst). Was im Deutsch-Unterricht als Zwangslesestoff vorkam, hat es damit quasi auf eine Negativ-Liste geschafft: Stoffe, die im selbstbestimmten intellektuellen Leben dann faktisch nicht mehr vorkamen. Wobei ich damals eine Leseratte war!

    Schiller ist aber auch wirklich ein Negativbeispiel. Ich hab noch nie jemanden kennen gelernt, für den Schiller eine Rolle in der geistigen Auseinandersetzung mit der Welt spielte. Positiveres Beispiel: Goethes Faust (Teil 1). Damit können auch heutige Schüler noch kreativ umgehen und die Geschichte wird auf vielfältige Weise kulturell tradiert.

    Griechische Tragödien und Heldengeschichten werden (wie auch manch anderes klassisches Kulturgut) auch über Filme und Comics weiter gegeben. Begeistert war ich von Polanskys Macbeth, ein opulentes Drama mit Originaltexten aber moderner filmischer Aufbereitung – toll!

    Hast du nicht Lust, mal eine Bücherliste zu posten, die zu jeder deiner 3 Kategorien ein paar Büchertitel enthält? Das fände ich sehr interessant! :-) Eignet sich glatt auch für eine „Blogparade“!

  12. Die Vorteile des digitalen ‚Buches‘ gegenüber dem papiernen sind meiner Ansicht nach evident und werden letzteres mehr oder weniger schnell zum residualen Besitzstand von Randgruppen machen – sowie zu einem Luxusprodukt, da die Kosten der Herstellung und des Vertriebes mit dem sinkenden Umfang der Auflagen überproportional steigen, vergleichbar dem noch handwerklich gefertigten Warenangebot fürs gehobene Beamtentum, welches etwa ein Vertrieb wie manufaktum seinen zahlungsfähigen Kunden bietet.

    Leser nicht-elektrischer, nach Druck nicht mehr spur- und mühelos ihrem Inhalt nach veränderlicher Bücher werden dann vielleicht vor allem Menschen sein, die die Quellen ihres (vermeintlichen) Wissens nicht in die Hände anonymer Dienstleister (oder noch weit geheimerer Dienste) legen wollen, sondern sie handfest im Regal stehen haben möchten. Und natürlich jene, für die der immaterielle Differenzierungswert von Waren bedeutsam ist, etwa um einen sozialen Status zu dokumentieren oder andere, eher individuelle Eitelkeiten zu befriedigen. Vielleicht gibt es auch noch den einen oder anderen Ästheten, welcher die spezifische Texturierung, die ein gut gefülltes Bücherregal einer Wand aufprägt, zu schätzen weiß.

    Die einzige Ausnahme, die ich sehe, welche sich aus der Art der Informationen ergibt, die das Buch vermitteln soll, könnte die Lyrik bieten, denn ein dort recht häufig anzutreffendes und manchmal geradezu konstituierendes Beharren auf einer bestimmten Form und Gestaltung der Erscheinungsbildes, sowohl was den Zeilen- wie den Seitenumbruch betrifft, ist womöglich mit der Flexibilität des digitalen displays, das sich verschiedenen Formaten, Auflösungen und auch Lichtverhältnisses anpaßt, anstelle der Fixierung der Druckseite beim Druck nur schwer vereinbar.

    Eine andere Überlegung wäre sicherlich der Ressourcenverbrauch, falls nicht demnächst Ersatzmaterialien für die Produktion elektronischer Apparaturen gefunden werden, so daß eine massenhafte Verschwendung seltener Rohstoffe, wie sie etwa die Unmengen an tragbaren Überwachungsendgeräten (Telefone, laptops, tablets usw.) darstellt, sowie ein steigender Energiebedarf den für eine rasche Substitution des klassischen Buchmarktes notwendigen Preissturz der digitalen Bücher erschwerte. Der eher moralische Appell an Rücksicht auf nicht nachwachsende Ressourcen wird sich dagegen erfahrungsgemäß nur bei sehr hartgesottenen Prinzipienreitern durchsetzen, ein möglicherweise hinderliches schlechtes Gewissen kann bei der Masse der Verbraucher mit irgendwelchen Bio-Labels auf die übliche Weise sediert werden, bei den treuen Anhängern von trendy Marken wie etwa Apple ist nicht einmal das noch notwendig.

  13. Und was ist mit „Fülle“ (das gute alte Wort)? Was ist mit dem, der, um sich beständig zu erbauen, um sich rum Bücher schart als Ausdruck eines inneren Reichtums und einer kaum fassbaren Weite? Er ordnet sie nie in Bücheregale als eine Art Tapete (wie eben beschrieben), sondern hat sie überall verstreut, aber durchaus thematisch geordnet, eine wahre Flut an erspriesslichem und Ergötzlichem.
    Mach das mal mit Online-Content!

  14. ‚Fülle‘ bezieht sich nach meinem Verständnis eher auf das Aus-Füllen eines Gefäßes als auf das Aus- oder Um-Kleiden seiner Wände oder Umgebung. Selbst wenn dieses strukturiert erfolgt, muß die Struktur ‚verinnerlicht‘ sein, soll sie irgendwie benutzt werden können. Was ebenso gut mit einem für Außenstehende chaotisch erscheinenden Desktop (Ordner und Subordner und Symbole wild durcheinander) oder einer wuchernden Link-Liste etwa in der Favoritenleiste des Browsers geschehen kann wie mit Bücherstapeln, die allenthalben sich auftürmen.

    Die genaue Gestalt des Ausdrucks einer Fülle ist eine Frage des persönlichen Stils, denke ich.

  15. Freude an „Fülle“, so wie ich sie kenne, ist eine Freude über die Mannigfaltigkeit an Möglichkeiten, sich an den Ausdrücken in Kunst, Literatur, Musik, Philosophie und Wissenschaft zu bereichern und sogar selbst auch etwas beizusteuern.
    Ein Büchernarr, der, wenn er in seine Wohnung zurückkehrt, dort sichtbar einen riesigen Fundus an Erbauendem, zu beforschendem vorfindet, hat sicherlich „mehr erlebte Fülle“ als einer, der seine Kiste anwirft, um dort seine Linkliste laufen/schnurren zu lassen.
    Eine Linkliste zu Musik etwa kann schier endlos lange laufen (das ist leicht zu erreichen), bis sie zum „Bottom“ kommt. Das erfreut einen kaum, ist eher lästig, also lassbar.
    Würde stattdessen beim Runterrollen der Leiste jeweils eine markante „Episode“ ertönen, würde man dann doch der Fülle anheim fallen, aber halt sehr seriell. Ein Meer an Büchern um einen herum aber würde denselben in ein kleines Universum einbetten, wann immer der Blick über sie schweifen würde, auch gedanklich.
    So ist es aber leider nicht bei mir bestellt, aber um die Möglichkeit der Bejahung von „Fülle“ weiß ich, kenne natürlich auch die Kehrseite eine solchen Ausrichtung. ;-)

  16. Daß ein „Meer an Büchern um einen herum … in ein kleines Universum einbetten [würde, S.S.], wann immer der Blick über sie schweifen würde, auch gedanklich“ ist meiner Ansicht nach nur dann der Fall, wenn die Signale, welche das Meer aussendet, i.e. Autoren-Namen und Titel, dem schweifenden Blick etwas bedeuten. Ein Meer aus bedrucktem Papier tut das nicht per se, weswegen üblicherweise Bücher so drapiert werden, daß der geneigte Bewunderer wie der intensive Nutzer Titel und Autoren auf den ersten Blick erkennen kann, sie stehen also mit dem Rücken zum Betrachter im Regal oder liegen mit der Titelseite nach oben auf dem Tisch.

    Diese Quelle gedanklicher ‚Fülle‘ (die nicht-elektrische ‚Neonreklame‘ der Buchumschläge) ist, darauf wollte ich oben hinweisen, nur eine unter vielen möglichen Quellen. Auch eine playlist kann eine solche Funktion ausüben, ein bunter desktop und eine wilde Jagd durchs surfer paradise im Netz. Welche davon jemand sich nun aussucht, ist rein subjektiv, wobei mich persönlich die kunstvoll chaotisch arrangierte Präsentation von Büchern manchmal weniger an kulturelle Fülle erinnert als an das Werk eines guten image Beraters und eines Tages vermutlich ihr Pendant in einer surveillance app finden wird, die andere accounts danach bewertet, welche Daten wie zugänglich für sie vorgehalten und wie oft geklickt werden, sei es lokal auf den Überwachungsendgeräten oder in der cloud. Was allerdings ein klein wenig ehrlicher ausfallen würde, da diese app nicht das bloße Vorhandensein, sondern die Verkehrsdaten auswertet. Dessen Analogon bei Büchern (Hat überhaupt jemals jemand darin gelesen? Und wenn, wie weit, wie oft und mit welcher Aufmerksamkeit?) nur klappt, wenn der Besitzer vergißt, ab und zu Staub zu wischen, oder seine Bücher verdächtig akkurat aufgereiht präsentiert.

    Gleichgültig aber, welche Form ich betrachte (und es gibt schon sehr seltsame Bücherberge, von den Überraschungen, die in der digitalen Welt noch kommen werden, ganz zu schweigen) ist der irgendwie, irgendwann mit welchem Resultat (‚kapiert‘ – ‚ignoriert‘ – ‚zu Schlagworten amalgamiert‘) verarbeitete Inhalt der Bücher in meinen Augen das Entscheidende, nicht, ob die Bücher im Regal, auf dem Tisch oder dem Fußboden ihr Dasein fristen oder im Reißwolf endeten – wie ebenso, ob es überhaupt gedruckte Bücher waren, durch die der Inhalt erstmalig ins Bewußtsein kam, oder irgend ein anderer Nürnberger Trichter ;-)

  17. Wow, was für ein gutes Gespräch! Und ich war voll in Arbeit versackt…

    Erstmal ein aktueller Link zum Thema

    Protestbrief gegen Amazon Der Deutsche Buchmarkt geht an der eigenen Arroganz zugrunde – Warum ich die Petition gegen Amazon nicht unterschreibe.

  18. Gerhard schrieb:

    „Ein Büchernarr, der, wenn er in seine Wohnung zurückkehrt, dort sichtbar einen riesigen Fundus an Erbauendem, zu beforschendem vorfindet, hat sicherlich “mehr erlebte Fülle” als einer, der seine Kiste anwirft, um dort seine Linkliste laufen/schnurren zu lassen.“

    Wie Susanne schon ausführlicher kommentiert hat: kommt drauf an!

    Ich hab zu keinem Zeitpunkt „beschlossen“, dass mein Bücherregal mir uninteressant werden möge. Es war so ein schleichender Prozess der Verlagerung von Interessen. Als ich damals in den 80gern die Menge auf 4 x 80 cm beschränkte, konnte ich das ja nur tun, weil ich schon gemerkt hatte, dass ich diese vielen Bücher nur noch „rumschleppe“. Damals war mein rund um die Uhr währender Aktivismus der Grund, der mich den Büchern entfremdete: es gab ja soviel Spannenderes, Wichtigeres, Freudigeres, Abenteuerlicheres zu tun als rumliegen/sitzen und lesen! :-)

    Später bin ich dann nicht mehr so richtig rein gekommen ins Buch lesen, die Lebenserfahrungen blieben mega-spannend, auch NACH meinem Stirb&Werde-Wendepunkt – gewisse zeitlose Bücher las ich zwar nochmal und staunte, was ich jetzt alles verstand – aber SO VIELE sind das nicht, bzw. es sind immer wieder diesselben „Meme“ von verschiedenen Autoren. Da war ich also schnell wieder durch – und dann kam das Internet und ich war erneut voll beschäftigt. So viel zu lesen… und zu schreiben!

    Was ist überhaupt der Sinn eines Buchs, das man gelesen hat? Klar, es gibt diese Bücher, die man alle 10 Jahre mit Gewinn nochmal lesen kann, weil man erst dann zu einer neuen Stufe des Verständnisses heran gereift ist. Aber das sind wenige, zeitlose Werke, die sich an Suchende wenden und über „das Wesentliche“ schreiben, keine übliche Belletristik, keine einfachen Ratgeber, keine Sachbücher.

    Apropos Sachbücher: sie haben zuerst jede Relevanz und Berechtigung, gedruckt zu erscheinen, verloren. Ganz einfach weil die „Entwicklung der Sachen“ viel zu schnell geht, als dass die Buchmarktzyklen da hinterher kämen!
    Was bleibt ist Historisches, Kunstbändet etc.

    Auch Lyrik, wie Susanne sagt. Leuchtet mir sofort ein, denn zur schönen Wortkunst passt auch gut ein materielles ebenso schönes Outfit! Vor allem als Geschenk…

    Die Idee, ein gemaltes Bücherregal an die Wand zu hängen, finde ich lustig!

    Tja, so assoziiere ich daher – und stoppe jetzt lieber mal! :-)

  19. @Susanne, da ich einen solchen Bücherfreund kenne, also weiß, wovon ich spreche, kann ich sagen: Der hat seine Bücher nicht verteilt auf alle möglichen und unmögliche Plätze, um zu beeindrucken (höchsten sich selber), um alles griffbereit zu haben. Das sind bei ihm alles Autoren, die ihm etwas sagen und zu denen er sicher immer Profundes verlautbaren kann.Diese Bücher sind thematisch zueinander geordnet und da es Themen gibt wie Sand am Meer, wäre eine „Bibilothek“ schwerlich in der Lage, das so zu präsentieren…natürlich, auch, weil jedes Zimmer nur 4 Wände hat.
    Also dieser Mensch KENNT das, was sich da türmt.
    Und ich glaube auch erwähnt zu haben, daß ich sein kleiner Bruder bin. Ich habe eine reichlich umfassende Kunst-Bände-Sammlung, die a) kaum einer gesehen hat und b) zu 85 % von mir gelesen und geschaut wurde. Und zu diesen Bänden gesellen sich als innere Vermerke Erinnerungen an glückliche Momente meines Lebens wie etwa die Ausstellung 1991 Oberhausen über den Skulpteur Ipoustéguy. Also kein totes Material, was da zusammmengetragen wurde, sondern eine Art Schau an Feiern des Lebens, denn all das hatte mich befruchtet und mir gut getan.
    Eine Linkliste im PC, die endlos schnurrt, besitze ich im übrigen auch, aber dem messe ich keinen Wert zu, bestenfalls zeigt sie mir eine gewisse Konstanz und Beharrlichkeit im Bemühen, einem bestimmten Gebiet etwas abzuringen. Aber ich könnte, angeregt durch Dich, natürlich jemand in meine Wohnung bitten, um ihm genau diese schnurrende Katze zu präsentieren. Der würde dann vielleicht allerdings nur befinden: „Seltsamer, alter, schräger Kauz“, also lasse ich das lieber.

  20. Dank Dir Claudia.
    „Was ist überhaupt der Sinn eines Buchs, das man gelesen hat?“
    Für mich ganz deutlich, was es mir bedeutet hat und wie es sich einreiht in meine leben. Es trägt sozusagen als Appendum ein Stück Leben mit sich rum.
    Ich erwähnte hier die Biographie von Wolfgang Kieling, die ich ZWAR gelesen hatte, aber die mir umsomehr etwas bedeutet, weil ich Schauspielkunst schätze und so manches Eindrückliche an ihr erleben durfte. (Da finde ich, sind viele Schätze der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verloren gegangen).
    Also ist ein Gewinn von Büchern, die man im Angesicht sieht oder um ihre Existenz weiß, der, von Kreativität, Idee, Lust und Freude zu berichten und diese Dinge auch an mich weitergegeben zu haben. Sie sind einfach ein Stück meines Lebens!Greifbar sind sie und sie bestätigen das Schöne.

    Aber ich gebe jetzt auch zu, daß so ein Memorandum auch im PC errichtbar wäre. Man müsste sich dergestalt bemühen! Damit das lebendig Ganze sichtbar wird.

  21. Lieber Gerhard, ich meine es deutlich spüren zu können, welche innere Freude dir deine Bücher bereiten. Ich finde das wunderschön und ich glaube, wenn „das“ ein Buch seinem Leser geben kann, hat es sein Optimum erreicht.

    Auch ich habe, ähnlich wie du, einen Freund in Leipzig, der historisch sehr belesen ist. Ich kann ihm stundenlang zuhören und nenne ihn manchmal meinen „Privatdozent“. Wenn er zu erzählen beginnt meine ich auch zu spüren, wie er dabei in eine eigene innere Reflektion tritt und nochmals Zusammenhänge neu zu verorten sucht. Diese leider sehr seltenen Tage sind eine Bereicherung für uns beide.

    Empfindlich reagiert mein sensibles Gemüt allerdings immer dann, wenn angelesenes Wissen als Faktenschleuder benutzt wird, um einen intellektuellen Unterschied herzustellen und diesen mich auch dann spüren lassen will. Mit diesem Bücherwissen wird dann gewuchert wie mit einem materiellen Gut. Je mehr der eine davon hat, je ärmer der andere.

    Sprache und deren Schönheit war nie meins. Warum das so ist, möchte ich nicht weiter erörtern. Meine Gehirnhälften springen bei Zahlen und visuellen Eindrücken an. Musik, in einfacher und trivialer Form, können in deren Rhythmus meinem Körper derart antreiben, dass es mich immer wieder erstaunt.

    Mit der Anzahl und dem Inhalt von Büchern mag es einen intellektuellen Zufluss beim Leser geben, der nach meinem Empfinden allerdings oft mehr „benutzt“ als „genutzt“ wird.

  22. Menachem, ich kenne tatsächlich kaum jemanden, der Buchwissen nicht als Waffe benutzt. Einen solchen meine ich zu kennen, ähnlich Deinem Freund in Leipzig, der auf so etwas offenbar verzichtet. Unlängst, bei einem der seltenen Zusammenkünfte, kam ein sehr belesener Bekannter an unseren Tisch und es ergab sich eine kleine Sondierung der Wissensinhalte des anderen. Mein Freund stieg sehr schnell aus, wie ich stark vermute, aus Desinteresse an Kämpfen irgendwelcher Art.
    Unser Ego spielt uns halt einen Streich: Einerseits geht es uns um Verstehen der Dinge dieser Welt, aber gleichzeitig bietet sich immer prachtvoll die Möglichkeit, damit zu fechten. Und wer will schon nicht gerne gewinnen? Es kommt aufs Ego an!

  23. Danke für deine klaren Worte, Gerhard.
    Du hast natürlich Recht. Auch ich benutze meine Waffen. Es sind eben andere, womit ich mich in dieser Erkenntnis jetzt auch bereit erkläre, die Friedenspfeife anzusünden \o/

    Schönes Wochenende wünsche ich dir noch :)

  24. […] eine Erleichterung!! Mir war, als hätte ich Ballast von 1000 Jahren abgeschüttelt […]“ (Claudia Klinger, die in den 80ern zur Bücher-Minimalistin wurde und diesem Prinzip seitdem treu geblieben ist […]

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