Claudia am 09. Februar 2014 — 3 Kommentare

Vom Schreiben: Das innere Selbst ausdrücken

Diesen Text von 2007 hab‘ ich bei Aufräumungsarbeiten auf einer schon lange nicht mehr genutzten Domain aus einem alten Blog gerettet, bevor ich das Ganze löschte.

“Der vollkommenste individuelle Selbstausdruck ist die objektivste Beschreibung der Welt. Der größte Künstler ist derjenige, der auszudrücken vermag, was von jedem Menschen empfunden wird. Und wie bringt er dies zustande? Dadurch, daß er SUBJEKTIVER ist als andere. Je getreuer er sich SELBST zum Ausdruck bringt, desto näher kommt er den anderen, denn unsere wahre Natur ist nicht unser eingebildetes beschränktes “Ich”. Unsere wahre Natur ist so weit und allumfassend und zugleich so unfaßbar wie der Weltenraum. Sie ist sunyata – Leere – im tiefsten Sinn.”


Dieses Zitat von Lama Anagarika Govinda, einem westlichen Buddhisten, hat mich immer schon sehr beeindruckt. In wenigen Worten trifft er, was ich in meiner gesamten bisherigen Schreiberfahrung als das Wesentliche erkannte und erlebte. Je oberflächlicher und “weltlicher” die Themen, desto größer ist der Dissenz, desto eher prallen Sichtweisen und Lebenstile aufeinander, desto eher herrscht Kontroverse und Krieg über “den rechten Weg”, “die richtige Sicht”.

Meine eigentliche Info-Quelle bin ich selbst. Ich schreibe aus mir heraus, bringe zum Ausdruck, was sich schreiben will, was wiederum Folge von Eindrücken ist – manche Eindrücke motivieren zum Schreiben, andere nicht. Ich HÖRE in mich hinein, wenn ich schreibe, und staune manchmal, was da alles kommt. Die AUFGABE, der REIZ ist dann, es möglichst unverfälscht zum Ausdruck zu bringen – also ungestört durch Ehrgeiz und Geliebt-werden-wollen.

Hier begegne ich dem inneren Kritiker und dem Zensor, die regelmäßig allerlei Bedenken tragen und mich am schreiben hindern wollen. Es geht dann nicht darum, sie einfach mundtot zu machen und zu übergehen, sondern sie kennen zu lernen und ihnen in bewusster Auseinandersetzung das jeweilige “ok!” abzutrotzen. Nach und nach werden sie weniger militant und nicken schon mal Dinge ab, die noch vor Jahren nicht in Frage gekommen wären – steter Tropfen höhlt den Stein!

Was mir an Anagarikas Statement weniger gefällt, ist die Rede vom “großen Künstler”. Es stimmt, dass “große Künstler” ihre jeweilige Kunst aus sich heraus schöpfen, doch wäre es auf jeden Fall ein Irrweg, ein großer Künstler sein zu wollen. Der Ehrgeiz ist eine Barriere, die es verhindert, einfach nach innen zu lauschen und ohne Urteil und Einmischung wahrzunehmen, was zum Ausdruck drängt. Wer “Autor werden” will, ist bereits nicht mehr bei sich selbst (griech: auto), sondern sucht Ruhm und Ehre, schaut auf den “Markt” und in die möglichen Verwertungsschubladen, was zur Mode der Zeit passen könnte und was nicht.

Wer dagegen einfach weiter schreibt, schreibt auch immer besser, erkennt sich schreibend selbst und damit auch die Anderen, die Menschen, die Welt.

Diskussion

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3 Kommentare zu „Vom Schreiben: Das innere Selbst ausdrücken“.

  1. „…ein Irrweg, ein großer Künstler sein zu wollen.“
    Da kann man lange wollen.
    Lustige Vögel, die da meinen…und meist öde langweilig.

    Danke- habe mir den Text nochmal mitgenommen für die Mappen meiner Schreibstube!

  2. Sicher hat das Schreiben auch seine narzisstische Komponente, doch wandelt sich der Narzissmus auch…

  3. Jede Zeile, die ich schreibe, hat erst mal mit mir zu tun. Und natürlich bin ich Teil eines Kollektivs von denen viele so denken und fühlen wie ich.

    Die Zeilen weitere Menschen bereichern doch nur die Welt. Es gibt kein Wahr oder Falsch, nur Blickwinkel.

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