Claudia am 18. Dezember 2013 — 0 Kommentare

Da draussen ist die Liebe nicht ganz tot!

Grade hat mir ein Freund den Link zu einem Video geschickt, versehen mit einer „Trigger-Warnung“. Da ich weiß, dass er dem inflationären Gebrauch solcher Warnungen eher kritisch gegenüber steht, war ich tatsächlich gewarnt – und hab es mir angesehen.

Seit einer guten Woche sitze ich vor dem Monitor und sammle Spenden für das Übersetzungsprojekt zu Gunsten jener Flüchtlinge und Migranten, die es bis zu uns geschafft haben. Gestern hab ich mal fast nichts in dieser Richtung unternommen und prompt kam der bisher recht kontinuierlich fließende Spendenstrom ins Stocken – und meine Stimmung sackte auch ein wenig ab…

Und dann DIESES VIDEO!!! Es ist wirklich KRASS, die Warnungen sind angebracht. Es heißt LAMPEDUSA-Blues und zeigt Gewalt, Elend, übelste Behandlung von Geflüchteten durch Polizei und Militär – ist aber nicht etwa geschmacklos/horrormäßig aufbereitet. Es berührt das Herz, aber zum Glück nicht den Magen, sonst würde ich es hier nicht verlinken.

lampedusa-blues

Der Song (von COR) dazu ist mitreissend – so in der Art mancher Ton-Steine-Scherben-Songs. Zitat:

Das Paradies ist VOLL!
Und was DIE bloß von uns wolln?!
Hier passt kein Mensch mehr rein
das Glück verbrauchen wir allein.

Der Refrain ändert sich von Strophe zu Strophe ein wenig, am Anfang heißt es:

Wenn ich hör wie die Menschen hier reden
dann wird mir schlecht und ich muss mich für sie schämen
denn da draußen sterben Kinder und Frauen.

Am letzten Satz möcht‘ ich dann doch Kritik üben: Auch Männer sterben in den Kriegs- und Krisengebieten, in den „gescheiterten Staaten“ und Hunger-Regionen der Welt. Dass hier nur das Sterben von Frauen und Kindern beklagt wird (sogar gesungen von einem Mann!) klingt ein wenig so, als sei es um die Männer nicht schade. Als könne man die locker auf der Flucht ertrinken lassen, Hauptsache Frauen und Kinder werden gerettet.

Wut und Liebe

Ansonsten ein tolles Werk! Eines von der Art, das wütend macht – und wär ich Mitte zwanzig, hätte ich glatt Lust, auf die Straße zu gehen und irgend etwas Drastisches zu tun gegen die gesättigte Ignoranz unseres Staats, der sich am liebsten fein raus hält und alle und alles auf „sichere Drittländer“ abschiebt, bzw. das mit allen Mitteln versucht.

Am Ende des Videos heißt es dann

Wenn ich hör wie die Menschen hier reden
dann wird mir schlecht und ich muss mich für sie schämen
denn da draußen ist die Liebe schon tot.

Zum Glück stimmt das so nicht, jedenfalls nicht ganz. Es gibt durchaus Unterstützung, viele helfen den Geflüchteten, individuell oder im Rahmen von Initiativen bürgerschaftlichen Engagements.

Und seit 12. Dezember haben bisher 51 liebevolle Menschen zusammen gut 2000 Euro für das Übersetzungsprojekt gespendet, dass es den trotz alledem hier Angekommenen erleichtern soll, mit dem deutschen Behördendschungel zurecht zu kommen.

Das ist halt das, was ich im vorgerückten Alter besser kann als auf der Straße Zoff machen – und ich lade Euch zum Mittun ein! Es fehlen noch 1.880 Euro fürs erste halbe Jahr.

Das ist doch gar nicht sooo viel!

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