Claudia am 17. Dezember 2013 — 25 Kommentare

Spendenaktion, erste Woche: 1965 Euro und jede Menge Sinn

Wenn morgens der Spendenstand noch genau diesselbe Summe zeigt wie abends, beschleicht mich regelmäßig die Sorge: es wird doch jetzt nicht einfach aufhören? Nicht besonders vernünftig, wer spendet schon mitten in der Nacht? Egal, eine gewisse „Achterbahn der Gefühle“ lässt sich wohl nicht vermeiden, die Freude über die erste Spende des Tages ist dann ja auch umso größer.

Spendenstand 16.12.Die ging gerade ein: 25 Euro lassen die Summe auf 1990 steigen und heben meine Stimmung weit ins Plus! Die ersten drei Projektmonate sind nun finanziert. Betterplace mailt mir „Wir gratulieren, soeben wurde Dein Bedarf zu 100 Prozent erfüllt“. Nun ja, das ist natürlich nur der erste von insgesamt vier „Bedarfen“, nur zwei davon hab‘ ich bisher eingestellt – und ich überlege nun, wann es sinnvoll ist, das dritte Projektquartal dazu zu stellen. Nicht jeder liest ja die Projektbeschreibung und manche schauen nur auf den Balken „X Prozent finanziert“. Dieser Balken würde von jetzt 50 auf 25% zurück gehen, wenn ich das 2. halbe Jahr dazu stelle.

Was motiviert auf den ersten Blick mehr? Ein Projekt, dem optisch nicht mehr viel fehlt oder eines, das noch viel Hilfe braucht?

Jedenfalls 1000 Dank allen, die gespendet haben! Eine Idee, die noch im Sommer nichts weiter war als ein blasser Gedanke, ist der Verwirklichung nun ein großes Stück näher gekommen!

Aktionen mit Sinn gegen die Bloggerdepression

Wie so oft um diese Zeit geht gerade wieder die Bloggerdepression um. Diesmal in Gestalt der „Politbloggerdämmerung“, die der Kiezneurotiker beklagt. „Die roten Schuhe“ hören auf, Feynsinn fühlt sich ausgebrannt und pausiert. Und wenn ich die Kategorie „Politik“ in meinem Feedreader durchsehe, stelle ich fest, dass ein Drittel dieser Blogs im Lauf des Jahres verstummt ist.

Woran liegt das? Zwar denke ich selbst nie ans aufhören, doch kenne ich die deprimierende Erfahrung wirkungsloser Brandreden gegen alle Übel der Welt. Reiht man zu viel Empörung hintereinander, womöglich entlang an tagesaktuellen „Aufregern“, landet man als halbwegs sensibler Mensch schnell in Zynismus, Misanthropie und Verzweiflung angesichts der nicht lange zu leugnenden Wirkungslosigkeit dieses Tuns.

Deshalb leiste ich mir hier ein Themengemisch quer durch alles, was mich bewegt. Politik ist nur ein Bereich unter vielen. Und ich blogge auch nur, wenn ich Lust habe, nicht in einem „erwarteten“ Rytmus. Dafür recht nachhaltig, nämlich seit 1999, rechnet man die Vorläufer („Homepages“, „Cyberzines“) mit, noch 3 Jahre länger.

Und nun mache ich gerade die Erfahrung freudiger Sinnhaftigkeit – trotz Groko, schwelender Finanzkrisen, drohender Freihandelsabkommen und aller erdenklichen miesen Perspektiven. Warum? Weil ich mich entschlossen habe, etwas KONKRETES zu tun: also das bloggen und die sozialen Medien zu nutzen, um ein sinnvolles Projekt zu starten, das auf den ersten und auch zweiten Blick einfach nur nützlich und hilfreich ist – für ganz konkrete Menschen.

Diese Unternehmung ergibt eine Veränderung der eigenen Filter-Bubble, die der Seele gut tut. Man bemerkt nicht mehr nur Deprimierendes (zuwenig Empörung, Aufstand, Widerstand, allgemeiner Konsumismus, uns gehts doch gut, wir haben doch nichts zu verbergen, Ignoranz, Apathie etc.), sondern trifft Menschen, Gruppen und Initiativen, die sich sehr wohl BEWEGEN: offline und online. Die sich daran machen, selber einen Missstand zu beheben anstatt nur Anklage zu erheben, dass er existiert.

Ich denke, vielen Bloggern fehlen Projekte, gemeinsame (!) Vorhaben, die auch etwas BEWIRKEN – abseits von bloßen Unterschriftenaktionen und Appellen.

Z.B. hab ich mir mal gedacht, es wäre doch höchst sinnvoll, ein „alternatives Meinungsforschungsinstitut“ auf die Beine zu stellen. Eines, das nicht so platte und oft tendenziöse Fragen stellt, dass nur Schrott dabei raus kommt, mit dem dann aber durchaus Politik gemacht wird.

Oder man rafft sich auf und macht in verschiedenen Städten Offline-Veranstaltungen zu „Freihandelsabkommen“ – als etwas langfristiger vorbereitete und von vielen Polit-Bloggern initiierte, organisierte und begleitete „Themenwoche TAFTA“.

Das sind nur Beispiele – es gäbe sicher noch viele andere gute Ideen. Und niemand hindert uns, bisher jedenfalls nicht!

Diskussion

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25 Kommentare zu „Spendenaktion, erste Woche: 1965 Euro und jede Menge Sinn“.

  1. Zur Frage, ob das 3.Quartal schon aufgemacht werden soll:

    Ich würde alle weiteren Margen erst dann hinzu schalten, wenn dieses den Finanzierungsstand nicht wesentlich unter ca. 1/3 der jeweils noch offenen Summe drückt. Große Haufen (hier: der bereits zusammen gekommene Batzen) ziehen Menschen bekanntlich mehr an als winzige Häuflein (solange sie nicht zu protzig daher kommen), und eine Aufgabe, welche ein Anschein der Endlichkeit umgibt (hier: der noch fehlende Rest), wirkt deutlich weniger abschreckend als eine, deren Ende noch in weiter Ferne liegt.

    Außerdem gibt das jenen, die vielleicht mehrfach spenden würden, wenn sich ein Projekt erst erfolgreich etabliert hat und die Spenden nicht allzu schnell aufeinander folgen müssen, die Gelegenheit, später nochmals über ihre finanziellen Mittel nachzugrübeln und den einen oder anderen Euro aus irgend einer Ecke zusammen zu kratzen.

    Zu den gemeinsamen Projekten:

    Solche halte ich nur für überwinterungsfähig, wenn sie auf realen Kontakten beruhren oder diese initiieren. Der ganze rein virtuelle Kokolores dagegen ist in meinen Augen so verbindlich wie ein ‚müssen wir unbedingt mal machen, ich rufe dich an‘ und führt bei jenen, die sich zu viel davon versprechen, leicht zu Frustration und Pessimismus.

  2. Hi Susanne,

    schön, dich wieder mal zu lesen! (Danke übrigens für das Einsetzen des Spendenwidgets auf deiner Seite!)

    Ja, ich denke auch, ich warte besser noch ein bisschen – und berücksichtige in Zukunft auch den Rat der Betterplace-Leute, sowas sogar monatsweise einzustellen!

    Zu den gemeinsamen Projekten: was du anführst, ist ja gerade der Missstand, den evtl. mal etwas mehr „gemeinsame Unternehmung“ mildern würde. Es gibt ja durchaus auch „online vermittelte“ Bekanntschaften und Freundschaften, die zu verbindlichem Zusammenwirken in der Lage wären.

    Vermutlich sind die Gründe, dass die meisten am liebsten als OneMan/OneWoman-Show vor den Bildschirmen sitzen und alleine „ihr Ding“ machen, anstatt nach wirkungsmächtigeren Optionen (online wie offline) zu suchen, so verschieden wie die Menschen selbst. Individuierung bis hin zur Isolation, weil man kaum mehr jemanden „okay genug“ findet, um sich gemeinsamem Handeln zu verpflichten?

  3. ach ja, das hamsterrad ;-)

    wenn ich das richtig verstanden habe, sind es ja wohl eher private gründe oder eine gewisse erschöpfung, die dazu führen, daß die entsprechenden blogger mal pausieren – also kein grund, den xten untergang des abendlands einzuläuten.

    es ist auch durchaus okay, wenn der eine oder andere anfängt das ständige geplärre darüber, was andere so alles „falsch“ machen, durch die langsam einsetzenden erkenntnis, daß man es nur selbst „besser“ machen kann, zu ersetzn.

    ich bin mir da sicher, daß du mit deinem praktischen projekt mehr erreichst als mit einem vierhundertsten rant darüber, wie elend das alles ist.

  4. Hallo Claudia,

    diese Aktion finde ich gut.

    Und dass es Leute gibt, die ein solches Projekt finanzieren, ebenfalls.

    Um etwas zu bewegen braucht man eben auch Geld.
    Und Geld ist nichts anderes als Wertschätzung für das, was man macht.

    Umgekehrt: Wenn niemand etwas bezahlen möchte für das, was man schreibt, ist es ihnen auch nicht wirklich wichtig.

    Darum ist es aus meiner Sicht eine gute Idee, auch etwas Kommerz in den eigenen Blog einzuweben.

    Ich z.B. blogge auch schon eine ganze Weile und habe parallel dazu mittlerweile 3 Bücher geschrieben, die ich verkaufe.

    Das erfüllt mehrere Zwecke:
    1. es fokussiert mich stärker, weil es mehr erfordert als ein paar Blog-Artikel
    2. es motiviert mich mehr, wenn Leute durch das Bezahlen von Geld ihre wahre Wertschätzung ausdrücken anstatt nur durch etwas Traffic und ein paar Kommentare, die sie ja nichts kosten.
    3. es kommt Geld herein, das zumindestens die direkten Kosten eines Blogs trägt, wenn auch nicht die ganze Zeit bezahlt, die man dafür investiert.

    Insofern könnte das über eine Spendenaktion hinaus doch auch noch eine Idee für Dich sein, eBooks über Hintergründe zu verfassen?

    Außerdem kann man noch Google AdSense und Donate-Buttons einbauen.

    Viele Grüße und viel Erfolg weiterhin
    NLPete

  5. @NLPete,

    wenn du das Projekt GUT findest, wäre es super, wenn du auch SELBER einen kleinen Beitrag leisten würdest! Jede Summe ist hilfreich und hoch willkommen.

    Wenn du mal in die linke Spalte hier schaust, siehst du mein Buch „Unverbissen vegetarisch“, das im TRIAS-Verlag erschienen ist und ganz normales Geld kostet. Das kaufen Menschen, die sich für den Inhalt interessieren, nicht weil ich hier nett blogge.

    Du darfst mir auch glauben, dass ich die drei Monate, in denen ich das Buch schrieb, übergenug „fokussiert“ war – das hab ich mir nur zugemutet, weil ich hinter der Sache stehe und es einen fairen Vorschuss als Schmerzensgeld gab.

    Google Adsense hat ich hier raus geworfen, weil sich das nur bei hohen Zugriffszahlen lohnt, die dieses Blog aus guten Gründen NICHT hat und auch nicht anstrebt. Hier blogge ich nämlich nicht fokussiert, nicht zum immerselben, suchmaschinenoptimierten Nischenthema, nicht mit Blick auf Zugriffszahlen und Affili-Einnahmen und auch nicht dafür, dass mich Menschen wertschätzen. Entweder schätzen sie, was ich über die Jahre so mache oder eben nicht. Ein bewusstes Um-zu würde die Wertschätzung ja gerade ENTWERTEN. Denn es wäre nicht mehr ICH mit alledem, was mich halt gerade bewegt – sondern kommunikatives Kunsthandwerk, mit dem sich jemand zwanghaft bzw. zu Zwecken attraktiv macht.

    Nein, hier leiste ich es mir, einfach so mit der Welt, bzw. jenen, die hier lesen und auch mal kommentieren, das „große Gespräch“ über alles, was bewegt zu führen. Und ich bin glücklich, wenn sich ab und an Kommentargespräche ergeben, die sich von den kurzen Stimmfühlungslauten in den sog. sozialen Medien drastisch unterscheiden, bzw. ganz genauso positiv abheben wie von den selbstdarstellerischen und oft Hass-erfüllten Kommentarstrecken in den Mainstream-Medien.

    Ab und an, so alle paar Jahre, will ich dann wirklich mal GELD, richtiges GELD von allen, die mich warum auch immer wertschätzen. Nicht für mich, sondern für ein Projekt, das die Welt aus meiner Sicht dringend braucht.

    Und das KOMMT DANN AUCH! Sogar binnen überschaubarer Zeit in der nötigen Menge.

    Was könnte ich mir mehr wünschen? Nichts!

  6. Dein Buch war mir entgangen, da ich das Firefox „AdBlock Plus“ standardmäßig aktiviert habe für alle Seiten.
    Und das hat die Werbung für Dein Buch ausgeblendet, die ich jetzt nach dem Abschalten für Deine Seite sehe.
    Insofern waren meine Tipps also überflüssig, wie Du ja auch dargelegt hast ;-)

  7. Tja, klarer kann man es kaum zeigen: du kommst, obwohl dich weder das Thema noch das Blog ernsthaft interessiert, um für deine Seite Werbung zu machen und deinen Keyword-Namen zu verlinken – schützt dich aber selbst vor dem Anblick der Angebote derer, die du als Werbefläche nutzt.

  8. @claudia

    aus dem alter, in dem wir unseren charakter und unsere persönlichkeit entwickeln müssten, sind wir eh raus ;-)

    deine bemerkungen über geld & bloggen etc kann ich übrigens nur unterstreichen, aber für mich ist es auch okay, wenn das jemand macht, weil er früher oder später davon leben will. obwohl ich nicht weiss, ob ein blog der richtige ansatz für so was ist.

    ansonsten hoffe ich mal, du bist guter dinge und nicht auch von dieser vorweihnachtlichen schlappheit befallen, die einen am liebsten in eine höhle treiben und die nächste woche in einen winterschlaf fallen lassen würde.

    darf ich aber nicht: morgen kommt (hoffentlch! endlich!) der zehn kilo sack voralpen rind, auf den miiiich jetzt schon verzweifelt eine woche lang sehnsüchtig wartet ;-)

    wenn schon schleichwerbung, dann richtig!

  9. @Claudia:
    In Deinem Statement stecken viel Vorannahmen.

    Auch wenn Du es momentan noch nicht so richtig erkennst:
    Ich interessiere mich sehr dafür, was Menschen dazu bewegt aufzugeben im Allgemeinen und das Bloggen einzustellen im Besonderen.
    Aufgeben halte ich generell für nicht zielführend.
    Und wer das Bloggen aufgibt, hat häufig zu Beginn etwas anderes erwartet als sich dann einstellte.

    Ich selbst denke nicht, dass ich der genialste Blogger unter der Sonne bin.
    Daher erwarte ich nicht, dass ich in absehbarer Zeit davon leben könnte.
    Denn als IT-Consultant bin ich an Einnahmen gewöhnt, die nur Topblogger erzielen.
    Und bis dahin muss ich noch einiges lernen.

    Ich habe “AdBlock Plus” schon vor langer Zeit installiert, als viele Seiten schier unerträgliche Flimmerwerbung gebracht haben, die die Seiten fast unlesbar gemacht haben und echt nervig waren. Zudem haben sie den Browser gelegentlich runtergerissen, langsam gemacht etc.

    Daher schalte ich das Plugin nur ab, wenn ich eine Seite bereits mehrfach besucht habe und gut finde.
    Um mir dann (aber auch wirklich erst dann) die Gelegenheit zu geben, bei Gefallen eine Werbung anzuklicken.

    Das würde ich auch anderen empfehlen und zwar selbst dann, wenn sie zu den Lesern meines eigenen Blogs zählen, auf dem ja ebenfalls AdSense-Werbung geschaltet wird.

    Ich trenne da: Ich bin selbst Produzent und Konsument, spiele im Netz also mal diese und mal jene Rolle.
    Bei anderen gehe ich vom selben aus.
    Daher sind die Interessen nicht immer deckungsgleich, aber ich habe volles Verständnis dafür, wenn jemand keine Werbung sehen möchte.
    Und wem mein Blog gefällt, der kann ja als kleines Dankeschön eines meiner günstigen eBooks kaufen oder seinen Werbeblocker für meine Seite gezielt ausschalten.

    Wenn Du Werbung für Dein Buch machen möchtest, würde ich Dir deswegen auch empfehlen, Links darauf direkt in Deine Artikel einzubetten und nicht in der Sidebar anzuzeigen oder so. Links in Artikeln lassen Werbeblocker viel eher drin, vor allem, wenn sie nicht von einem der bekannten Werbenetzwerke stammen.

    Viele Grüße
    NLPete

  10. @Hardy

    über „Geld und bloggen“ hab ich grade bei Peer Wandinger kommentiert, der einen seichten Artikel zum Thema Selbstvermarktung als Blogger zum Besten gegeben hat. Ist noch nicht frei geschaltet, deshalb hier:

    Was ist denn hier mit ERFOLG gemeint?

    Bloggen (auch schon vor WordPress etc.) war ursprünglich keine Variante des Gelderwerbs, sondern eine Form der Kommunikation: endlich konnte man mit “potenziell allen” ins Gespräch darüber kommen, was so alles bewegt und interessiert. Weltanschauungen, Philosophie, Alltagsprobleme, Hobbies, Politik (!)….

    Ich hab’ nix gegen Geld verdienen, auch nicht auf Blogs (hab schon 1998 eine Lanze gegen dieses totale “Reinheitsgebot” von aller Werbung gebrochen und mir sowas wie GoogleAds vorgestellt, bevor es Google gab). Aber ich finde es bedauerlich, wenn Leute heute Blogs genauso persönlich am Thema desinteressiert betreiben, wie man früher halt irgend einen 9to5-Job gemacht hat: Hauptsache Geld verdienen…

    Zum Glück gibt es immer noch viele Blogs, die im wesentlichen Selbstausdruck der jeweiligen Person sind – und nicht hauptsächlich kommunikatives Kunsthandwerk zum Zweck der “Monetarisierung”. Gerade sie machen “die Blogosphäre” aus, die aus inhaltlichen Gründen bemerkt wird.

    Was im übrigen die “sozialen Medien” angeht: sie bilden im besten Fall Beziehungen nur ab, schaffen sie aber nicht! Wer meint, tausende Follower bedeuteten real irgendwas, soll nur mal versuchen, von ihnen etwas zu FORDERN, realen Einsatz, der über retweeten und liken hinaus geht!

    “Selbstvermarktung” – nö, das ist für mich wirklich abseits aller Werte, die mir wichtig sind. Nicht ICH bin es, die wichtig ist, sondern das, was mich jeweils bewegt und was ich versuche, den Mitlesenden zu vermitteln.

    Das halte ich seit den Anfängen des Webs so – und ERFOLG ist für mich, binnen 2 Wochen 3000 Euro für eine gute Sache einsammeln zu können. Wobei “soziale Medien” allenfalls unterstützende Wirkung haben, die realen Spenden kommen zu 95% über klassische persönliche E-Mails.

    Was natürlich nicht “skalierbar” ist. Denn mit sowas komme ich denen, die mich kennen und wertschätzen nur alle paar Jahre mal… würde ich irgendwo einen Job als Crowdfunding-Verantwortliche annehmen, wäre es nicht mehr dasselbe.

    Na, das sind halt so meine Assoziationen spät nachts zum Thema “Selbstvermarktung als Blogger”. Deine Projekte, Peer, find ich rundum toll und nützlich – nur gelegentlich sind die Artikel ein bisschen oberflächlich. Bleibt ja nicht aus, wenn man über Jahre dasselbe Thema behandelt…

    ***

    Voralpenrind? Guten Appetit und schön, dass du lieber „glückliche Rinder“ isst! :-)
    Meine Verlegerin (die mich zum Buch belabert hat) hat mir eine Weihnachtskarte geschickt mit dem Spruch: „Weihnachtsgans vegan – schaffen Sie das?“

    Na klar, hatte ich aber als Thema schon letztes/vorletztes Jahr. Halt nicht Gans, aber Mock Duck, falsche Ente… toll, wie „original“ die Chinesen den Seitan hinkriegen!

    Tja, nächliche Assoziationen…

  11. @hardy:
    Ich möchte jetzt gar nicht darauf eingehen, wer von uns beider älter ist. ;-)

    Die Vorannahme, dass die geistige, körperliche oder seelische Fähigkeit zur Weiterentwicklung mit steigendem Alter abnimmt, teile ich jedenfalls nicht.

    Ganz im Gegenteil bin ich diesbezüglich erst sehr spät wirklich aufgeblüht.

    Also kannst auch Du es noch schaffen ;-)

  12. @Claudia:
    Ja, meine Artikel gehen nicht immer voll in die Tiefe, weil ich als IT-Consultant, Vater zweiter Kinder, Sportbegeisterter, Buchautor usw. usf. mächtig zu tun habe.

    Für das volle Pfund schreibe ich dann Bücher.

    Die Aufteilung erscheint mir auch sinnvoll, denn Blogartikel mit ein paar hundert Worten können ein Thema eh nicht in der Tiefe erschöpfen, sondern Interesse wecken und kleine Teilausschnitte gut beleuchten.

    Das war’s dann aber auch schon aus meiner Sicht.

    Für alles andere gibt es das gute alte klassische Buch.

    Ich selbst habe ein sehr entspanntes Verhältnis zum Geld.
    Ich sehe absolut keine Widerspruch dazu, etwas gerne zu machen und damit Geld zu machen.

    Ganz im Gegenteil:
    Wer mit dem, was er liebt, kein Geld macht, muss das dann mit anderen Dingen tun, die er weniger liebt.
    Ein Musiker, der erzählt, er würde gerne umsonst oder für’n Hungerlohn musizieren, um sich dann bei McDonalds mit’m Aushilfsjob das notwenige Geld für’n Lebensunterhalt verdienen, lebt in einer ganz anderen Gedankenwelt als ich.

    Ich habe für mein Leben gerne programmiert und gut verdient damit.
    Ich fand es interessant, IT-Consultant zu sein, und damit noch besser zu verdienen.

    Und ich finde es toll, mich ins Bloggen, Bücherschreiben und bald auch Podcasten und Hörbücher aufnehmen reinzufummeln.

    Und das Beste daran:
    Es wird mir noch viel mehr Spaß machen, wenn ich fett Geld mache damit.

    Denn das ist die höchste Form der Anerkennung, die Menschen in unserer aktuellen Gesellschaftsform vergeben.

    Ein paar aufmunternde Worte, ein feuchtwarmer Händedruck, Mausclicks oder was immer manche Leute als wichtige Währung im Internet bezeichnen, kostet niemanden etwas und ist daher auch weit weniger wert als bare Münze.

    Mache Dein Angebot kostenpflichtig mit nur einem einzigen Euro im Monat und dann siehst Du, wie hoch die Wertschätzung der Leute für Deine Beiträge wirklich ist.

    Also ICH traue mich das momentan noch nicht :-)))

    Wie gesagt: Die altdeutsche Sicht, dass Arbeit für Geld hart sein muss und keine Spaß machen darf und Hobbies kostenfrei für andere sein müssen, halte ich für ziemlich antiquiert.

    Auch dies frühmorgendliche Gedanken, bevor ich mein nächstes Nickerchen halte.

  13. Ha!

    Fast die Gelegenheit versäumt, Dich zu fragen, was Du unter oberflächlich verstehst und wovon Du mehr lesen möchtest.

    VG
    Peter

  14. @NLPete: das war ein ZITAT eines Kommentars bei Peer Wandinger – bezog sich nicht auf dich, sondern auf den kommentierten Artikel, der ja oben auch verlinkt ist.

    Ansonsten sehe ich aufgrund deines längeren Kommentars: du scheinst überhaupt nicht zu verstehen, was ich meine! Wir reden komplett aneinander vorbei.

    Neuer Versuch:

    Zwei stehen in der Schlange an der Kasse und kommen ins Gespräch. Person A fängt damit an, redet ein bisschen vom vorweihnachtlichen Konsum-Marathon, zwei drei Leute hören zu, Person B nickt zustimmend, was Person A ermuntert, weiter zu reden. Dann kommentiert Person B, vielleicht auch noch C und so plaudert man bis man dran ist.

    Warum um Himmels Willen sollten B und C der A etwas BEZAHLEN, um „Wertschätzung“ auszudrücken? Wertgeschätzt wurde A durch die Aufmerksamkeit, das Zuhören, die Kommentare. BEZAHLUNG und auch jeglicher Wunsch danach wäre geradezu absurd!

    Ebenso ist Bloggen zunächst keine „Geste des Geldverdienens“ sondern Kommunikation. Nix gegen Einbindung irgendwelcher werblichen Elemente, solange das die Kommunikation NICHT STÖRT. Vor allem aber sind Blogtexte für mich keine WARE, für die man bezahlt werden will, sondern Gesprächsbeiträge zu Fragen des persönlichen und allgemeinen Interesses. Wobei sich dann immer erst nach Veröffentlichung heraus stellt, wen es tatsächlich interessiert oder auch nicht.

    Ausführlicher dazu:

    Über Texte als Ware und Gespräch

  15. Verstanden zu haben glaubte ich, dass wir über die Frage reden, inwieweit man „das Recht hat“, für Bloggen Geld zu nehmen.

    Das hängt für mich stark vom Wert für den Leser ab.

    Beantworten kann man das meiner Meinung nach ganz einfach, indem man „bloggen“ austauscht durch „Brötchen backen“, „Auto reparieren“, „Fußboden wischen“ und vieles anderes mehr.

    Viele dieser Dinge kann man:
    1.) nur für sich selbst machen im eigenen Haus, Garten, Werkstatt etc.
    2.) für Freunde und Bekannte umsonst machen als guter Mensch
    3.) für Fremde kostenlos machen als Charity-Aktion
    4.) für Geld machen, um Geld zu haben für den Austausch von Waren und Dienstleistungen.

    Bloggen ist genauso eine Tätigkeit wie viele andere auch.
    Ich kann bloggen für den Spaß und/oder für Geld.
    Das eine ist nicht besser oder schlechter wie das Andere, sondern unterscheidet sich lediglich darin, wie viel Zeit und Energie ich aufwenden kann.
    Vollzeitblogger kann man nur werden, wenn man entweder vorher ein Vermögen gemacht oder geerbet hat, von dem man leben kann.
    Oder man macht Geld mit seinen Artikeln.
    In diesen Fällen hat man die Möglichkeit, seine ganze Energie ins Bloggen zu investieren und richtig gut zu werden.

    Ansonsten eben nicht, weil man sich auf ein oder zwei Stündchen hier und da beschränken muss und damit kommt man nicht sehr weit.

    Es ist also nur eine Frage der persönlichen Wertung, wie wichtig einem das Bloggen ist und ob man es so gerne macht, dass man davon leben will.

    Wenn nicht, ist Hobby-Blogging allemal ein guter Zeitvertreib und besser als Fernsehen.

  16. @claudia

    >> Voralpenrind?

    hey, das ist ein riesensack trockenfutter für miiich ;-)

    das einzige übrigens, das hier von allen katzen (wir haben vier) weggefuttert wird wie von unsereins popcorn. kann ich dir nur ans herz legen, wenn du auch eine katze hast, es ist offensichtlich köstlich (weil, wie ich rausgefunden habe, kein fischmehlanteil drin ist, es gibt katzen, die das nicht mögen). und, wenn man ihn in diesen portionen kauft und sich bis an die haustür liefern läßt, tatsächlich „ein gutes geschäft“.

    @peter

    [..] Ganz im Gegenteil bin ich diesbezüglich
    [..] erst sehr spät wirklich aufgeblüht.

    ahem, ich eben schon sehr früh und das programmieren des eigenen gehirns gehört für mich jedenfalls schon seit den späten 70ern zu den selbstverständlichen dingen, von denen ich damals schon wusste, daß das in 20 jahren mal langsam in der öffentlichkeit ankommen wird. ist es ja offensichtlich, auch wenn es nicht mehr die lehren des guten dr. timothy leary sondern nlp heißt ;-)

    es ist einfach ein angebot und ein spektrum von einsichten das deshalb an mir vorbeigeht, weil es zu meiner grundausstattung gehörte, bevor es populär wurde.

  17. @hardy

    Ja, die Menschen entwickeln sich unterschiedlich.

    Zwischen Dr. Leary und NLP würde ich noch insofern unterscheiden, als Leary Verhalten mit Hilfe synthetischer Drogen verändern wollte.

    NLP ist insofern für mich ein Schritt nach vorn, weil der Anwender seine körpereigenen Substanzen nutzt und bei der Erzeugung guter Zustände gezielt freisetzt.

    Das hat weniger Nebenwirkungen und ist insofern besser.

    Und billiger als beim Drogenhändler isses auch noch. :-)

  18. nlpete, ich lege dir mal den film „the substance“ ans herz, damit wir beide wissen, wovon wir reden. nlp ist aus dem entstanden, was die hippies und leary zb. in sachen programmieren des eigenen gehirns angedacht hatten und es ist natürlich okay, die substanz aussen vor zu lassen, wenn man auch den spirituellen teil ausblenden und es auf seine reine funktionalität reduziert haben möchte.

    nicht mein ding, wenn ich ehrlich bin, irgendwie kastriert und seelen-los. aber, darum ging es mir, ein alter hut für einen alten hippie, nichts, was man mir noch lang und breit erklären müsste.

    hier ist halt der „drogendealer“ durch den nlp-adepten ersetzt worden, teil eines marktes, auf dem sich die scharlatane nur so tummeln, die mal einen kurs besucht haben, so wie sich manche als reiki-meister(in) am fundus dessen was esoterik eigentlich sein könnte, bedienen.

    wirklich nicht mein spielfeld.

    zumal ich mal mit einer solchen person verheiratet war, die heute seminare in lebensgestaltung gibt – und ihr eigenes nicht auf die reihe bekommt.

  19. Ich nutze LSD doch auch.

    Denn der Titel meines Blogs heißt
    „NLPete – Episches Lifestyle-Design“

    Und LSD ist die Abkürzung für LifeStyle-Design :-)))

    Ich bin kein Hippie, dachte jedoch immer, dass die sich eher treiben lassen und Ziele setzen und verfolgen uncool finden.

    NLP dagegen dient genau dem und der Vervollkommnung des eigene Selbst.
    Während der Hippie eher Erfahrungen sucht und auf sich einwirken lässt anstatt sich selbst wirklich bewusst zu designen.

    Das jedoch nur meine Wahrnung.
    Die Wahrheit kann ganz anders aussehen.

    Und es kann ja auch NLP-Hippies geben.

    Wir definieren wir die dann? ;-)

  20. @claudia

    sorry für die abschweifung ;-)

    @nlpete

    ach ja (langertieferseufzer)

    du „dachte(st) jedoch immer“ … und ja, die „wahrheit“ sieht wie immer anders aus, als man sich das so denkt.

    die „wahrheit“ … meine … sieht eher so aus: die hippies haben das internet erfunden. klar, das waren die militärs, die ja sooooo einfallsreich waren … einfallsreich genug, lsd freaks einzustellen, die sich das ding vorstellen und es programmieren konnten.

    am „design“ ihres „lifestyles“ sind sie allerdings zero interessiert, weil … naja, was interessiert mich, wie ich meinen style so forme, daß er möglichst kompatibel ist zu einer welt, die nicht an erkenntnis und wissen, wohl aber am möglichst reibungslosen funktionieren in einer auf produktivität ausgerichteten gesellschaft interessiert ist?

    nichts.

    ich bin mitte der 80er zum programmieren gekommen, weil … naja, timothy leary damals (sic!) behauptete, daß eigentlich nur menschen mit der lsd-mutation in der lage seien, diesen raum zu betreten und die grateful dead mit „the well“ das erste soziale netzwerk betrieben, lange bevor ich auch nur „compuserve“ buchstabieren konnte. also weit vor 1992 … vorher haben wir uns päckchen mit kassetten in einer „händischen“ tauschbörse quer über den planeten zugeschickt.

    scharf gemacht hatte mich ein schweizer blatt namens „sphinx“, das auf dem cover ein modem abbildete und verkündete, daß in absehbarer zeit die ganze welt über diese dinge miteinander kommunizieren werden. lieblingsthema der sphinx: psychedelische drogen.

    alle programmierer, die ich damals kannte, waren kiffer und lsd-freaks btw.

    ja, ja, wir haben uns schon immer „treiben lassen“ …

    sorry, nlpete, aber auch wenn dir das nicht so ganz klar ist, im grunde bist du die reparaturwerkstatt des „alten“.

    wir hippies stellen uns nicht nur seit 40 jahren etwas „neues“ vor, wir haben es schlicht gemacht und eigentlich spielt der rest der welt mittlerweile nach „unseren“ regeln, nennt es freeware, open source, soziale netzwerke.

    hippiestoff pur.

    gebastelt von antriebslosen gesellen, die einfach keine lust mehr hatten, ihr leben so designen, daß sie gut funktionierende bestandteile einer durch und durch sinnentleerten alten welt sind. nlp ist sozusagen die kastrierte version und so sinnig wie scientology, wenn es auf spiritualität oder der „erweiterung des bewusstseins“ verzichtet

    wie gesagt: „the substance“. lass es dir von dem film erklären. auch nett „die wilden wurzeln des world wide web“, lief mal auf arte.

    ich denke, du bist da auf einen zug aufgesprungen und kennst den bahnhof nicht, von dem er losfuhr. an diesem bahnhof bin ich, sind die hippies beheimatet.

    wir sind bloß nicht daran interessiert, unser leben damit zu finanzieren. das überlassen wir den geschäftstüchtigen adepten von osho/baghwan. was ich nicht verurteile, versteh mich nicht falsch, der erleuchtung ist ja bekanntermaßen egal, wie du sie erlangst, aber mir ist die relation zwischen den ideen der hippies und nlp von tag eins seiner existenz an bewusst und vor 20 jahren hätte ich noch vor freude getaumelt, wenn jemand das wort fallen gelassen hätte.

    heute ist es nur eine spielart auf dem markt der „selbstoptimierung“, der es nicht um ein „erweitertes bewusstsein“ geht sondern nur um stromlinienförmiges funktionieren in einer welt, in der esoterik quasi schon zum betriebssystem gehört.

    kleines ps: ich lege dir mal das buch „die sanfte verschwörung“ von marilyn ferguson (1980) ans herz. das war sozusagen die „roadmap“. mit dem, was heute daraus geworden ist, tue ich mir allerdings schwer, weil alles zu einem marktplatz verkommen ist.

  21. Und ich füge noch an: Ich hatte NIE etwas dagegen, mit Bloggen AUCH Geld zu verdienen, wie man anhand des oben zitierten Kommentars hätte erkennen können, denn da ist mein Essay über das Rendezvous von Kultur und Kommerz von 1998 verlinkt.

    Nebenbei darf eh jeder machen, was er/sie will – im Rahmen der Gesetze.

    Mit Blogtexten, die für mich Gesprächsbeiträge sind, will ich persönlich kein Geld verdienen, finde das so absurd wie im Beispiel vom Plaudern an der Kasse gezeigt (und kaufe auch selber keine Texte hinter Bezahlschranke – Texte sind nun mal nicht knapp).

    Aber ich bin glücklich, dass die Werschätzung der Mitlesenden und Kommentierenden gelegentlich auch mal zum Mitspenden führt, wenn ich ein gutes Projekt vorstelle und selber verfolge. Dafür nochmal DANKE – das Spenden sammeln wird auch noch eine Zeit lang weiter gehen.. :-)

    Und nun habt alle schöne Zwischenjahrestage!

  22. @hardy:
    Du kennst meine Bio natürlicht nicht.
    Nur so viel: Ich bin Informatiker, habe mit Dutzenden Programmiersprachen auf vielen Plattformen wie Macintosh, Atari, Unix, Windows etc. programmiert.
    War bei vielen Technologien stets einer der ersten (z.b. hatte ich eine CompuServe-ID im tausender Bereich, d.h. 4 Ziffern mit einer 1 am Anfang).
    Ich kenne das alles ganz genau und die handelnden Personen, von denen ich viele, insbesondere aus Berkeley, sehr geschätzt habe.

    Das eine hat mit dem anderen jedoch nur bedingt zu tun.

    Und vor allem:
    NLP wird von mir und den Leuten, die ich kenne, nicht für „das reibungslose Funktionieren“ eingesetzt, sondern zur Verbesserung der eigenen Persönlichkeit und der Fähigkeiten.
    Wer sich darunter nur berufliche Fähigkeiten vorzustellen vermag, denkt etwas zu schlicht.

    NLP bringt Dir Freiheit durch Verständnis Deiner Selbst und anderer Menschen.

    Anstatt einfach nur auszusteigen aus was auch immer steigst Du ein.
    Also ein Wechsel weg von der „Weg von“-Motivation vieler Hippies hin zu einer „Hin zu“-Motivation der Selfhacker zwecks Steigerung der Selbsterkenntnis und der persönlichen Fähigkeiten auf allen Ebenen.

    Es gibt natürlich ein paar Leute, die NLP zielgerichtet einsetzen wie die Hardseller-Fraktion.
    Die sind aber seltener als manch einer glaubt, der stets nur das Negative in neuen Entwicklungen sucht und dem Alten anhängt im Sinne des „früher was alles besser“.

    Früher war lediglich vieles anders.
    Nicht notwendigerweise besser.

  23. nlpete

    beim compuserve-sch****längenvergleich komme ich auf eine .255 am ende ;-)

    versteh‘ mich nicht falsch, ich hänge nicht dem alten an und schon gar nicht der idee, das früher alles besser war, weil ich weiss, daß es nicht so war. mir geht es um die ideengeschichte und da nimmt viel mehr seinen ursprung bei den hippies, als man das heute allgemein so annimmt. was viel damitzu tun hat, daß menschen über hippies reden – und keinen blassen schimmer haben, daß sie nur die mißverständnisse der 70er nachplappern, wie sie damals in den medien herumgereicht wurden. die sind quer durch die bank falsch.

    „tune in, turn on, drop out“ kann nur jemand mißverstehen, der in einem koordinatensystem festhängt und sich nicht vorstellen kann, daß es andere gibt. ich bin mit einem veränderten koordinatensystem „alt geworden“, in dem die kritische betrachtung dessen was ist, auch der eigenen person, per se dazugehört.

    ich kann mich halt nicht mit den heilsversprechen, sei es der heute praktizierten variante von esoterik oder der nlp, anfreunden, weil es einen ganz einfach zu verstehenden grundirrtum gibt, der im wesentlichen darauf hinausläuft, daß jemand, bei dem die versprochene heilung/veränderung nicht eintritt, im grunde „selbst schuld“ ist.

    das ist ein grundevangelischer gedanke, in dem „der herr“ fleiss belohnt und dabei die ausgeblendet werden, die – warum auch immer – eben nicht belohnt werden. in der esoterik ist es ein „du musst nur fest daran glauben“ bei der nlp ist es ein „du musst nur hart genug an dir arbeiten“. das scheitern, das fortbestehen der krankheit wird dem nicht stark genug glaubenden oder arbeitenden selbst angelastet.

    wie gesagt, ich glaube ja daran, daß der mensch sich und seine gedanken selbst programmieren kann und das auch sollte. in der milden variante ist es einfach die kraft des positiven denkens.

    aber, um mal einen denkansatz der nlp konkret herauszugreifen: „wahrheit“ liegt in der kommunikation nicht in dem, wie der empfänger das versteht, was der sender artikuliert hat. manchmal ist der empfänger schlicht nicht in der lage zu verstehen, was gesagt wurde ;-)

    die annahme, daß wahrheit beim empfänger liegt, bedeutet für den sender, daß er so lange an sich arbeiten sollte, bis der empfänger verstanden hat. was er ja vielleicht nie kann und damit ist das ganze arbeiten zeitverschwendung.

    es ist nicht so, wie du vielleicht immer noch mutmaßt, daß ich nicht weiss, was NLP ist, vor 20 jahren hätte ich noch darauf geschworen … heute betrachte ich dieses „etwas aus sich machen“ als eine ziemliche mogelpackung, weil ich partout nicht daran glaube, daß es etwas „richtiges“ gibt. es gibt nur menschen, die so sind, wie sie sind, weil sie entscheidungen treffen. sie können dabei marshall rosenberg kommunikation, also der gewaltfreiheit, anwenden (von der sich ja vieles in nlp wieder findet) und das ist tatsächlich zum vorteil der interagierenden personen, aber …

    … naja, sie werden nicht „besser“ dadurch und im grunde, weiß niemand wirklich, was denn nun „besser“ ist. bsi das mal jemand überzeugend für mich definiert hat, bin ich der, der ich bin und soweit im frieden mit mir.

    warum sollte ich etwas daran ändern?

    @claudia

    wie gesagt, für mich ist das okay. ich halte bloß blogs für nicht das richtige medium dafür, weil – nehmen wir mal die technikblogs – hier oft an einem gewissen punkt der „blogger“ so mit material gepampert wird, daß er am ende nicht mehr von dem erzählt, was er sich so denkt, sondern als vertreter von marken auftritt – aber immer noch für sich die attitüde des „ich finde persönlich, daß …“ beansprucht, die dann aber eben nicht mehr stimmt.

    ansonsten ist geldverdienen absolut okay ;-)

  24. Die verschiedenen Formen der Selbstveränderung und Selbstverbesserung sind doch in den 70gern der „nächste Versuch“ gewesen – für alle, die weder Lust auf den „langen Marsch durch die Institutionen“ hatten noch auf Radikalisierung und deutschen Herbst, aber immer noch die Sehnsucht nach dem Anderen, der lebbaren Alternative zum Spass-befreiten 9-to-5-Job mit Karriere, Haus, Familie…

    NLP ist ja nicht grade brandneu und steht in einer Reihe mit einer ganzen Menge derartiger Konzepte und Systeme. Schön, wenn jemand eine Zeit lang für sich da was raus zieht – für mich war das jedoch alles eher schnell uninteressant, denn ich finde viel spannender, was ich BIN bzw. werde, OHNE dass ich „mich mache“.

    Das ist aber auch erst das Fazit lange gelebten Lebens mit etlichen Selbstveränderungs/verbesserungsversuchen – zum Glück ist diese Phase des Machertums so um die 40 zu Ende gekommen. Diese allein von Verstand und Willen getriebenen Methoden schließen – so sehe ich das heute – das Geheimnis des Lebens weitestmöglich aus. Es geht um Kontrolle und das Erreichen von Zielen, nicht ums Erforschen, Erfahren, Staunen…

    Aber ein gutes Thema! In den im anderen Thread von Sonia erwähnten Jahreswechsel-Schreibkursen hatten wir mal das Thema „Kraft zur Veränderung“ – immerhin 10 Tage lang.

    Und es lässt uns ja alle nie ganz los! Wissend, dass ich „aus dem Kopf“ nicht einfach etwas wählen kann, was mal wieder Zentrum eines bewegenden Engagements sein könnte, hab ich einige Jahre im immerselben Verlauf etwas Unbestimmbares mehr und mehr vermisst. Wie sich das dann doch geändert hat, bzw. welche Art Anstoß ich der Sache gab, erzähl ich gerne mal in einem Blogpost – passend zur Jahreszeit! :-)

  25. @claudia

    [..] Diese allein von Verstand und Willen getriebenen
    [..] Methoden schließen – so sehe ich das heute – das
    [..] Geheimnis des Lebens weitestmöglich aus.

    hey, wo kann ich das unterschreiben?

    ich bin ja absolut dafür, daß man auf sich selbst so etwas wie eine aussenperspektive zu bekommen sucht und auch ein bißchen „strategisch“ denkt (mmaw hasst dieses wort, aber ich hab‘ kein besseres), also die möglichen konsequenzen des eigenen tun’s abwägt und mal die varianten durchsspielt …

    aber im grunde würde ich mal sagen: das sehe ich (haar)genau so, claudia ;-)

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