Claudia am 10. Juli 2013 —

Zur geheimdienstlichen Überwachung und deren Verharmlosung

Selten machen mich politische Ereignisse derart sprachlos wie die derzeitigen Vorgänge rund um die Enthüllungen des Whistleblowers Snowden zu den Machenschaften der Geheimdienste (Prism, Tempura etc.). Wobei „sprachlos“ bedeutet: jedes Mal, wenn ich daran denke, kocht in mir eine solche Wut hoch, dass ich lieber schreien als schreiben möchte!

Insbesondere regt mich auf, wie abwiegelnd, beschönigend, zynisch-besserwisserisch und geschichtsvergessen viele Kommentatoren und Mitbürger darauf reagieren, dass unser Grundgesetz und viele andere Gesetze offenbar nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Dass im weiterern der Umgang mit Snowden zeigt, dass europäische Staaten offenbar brave, vorauseilend gehorsame Vasallen der USA sind, die – scheiß auf die ehernen Grundsätze internationaler Diplomatie! – einen südamerikanischen Präsidenten zwingen, in Wien erst sein Flugzeug durchsuchen zu lassen, bevor er deren Lufträume überfliegen darf.

Welche Eiertänze dann hierzulande Regierende über ihr Wissen bzw. angebliches Nichtwissen aufführen, überschreitet jedes Maß an Peinlichkeit, das man bisher erleben musste! Und auch der BND weiß ja angeblich nicht, woher die Informationen stammen, die von den „befreundeten Diensten“ herüber gereicht werden! (Was bedeutet schon die jeweilige Verfassung? Was der eine nicht darf, macht halt der andere…) Ich könnte kotzen angesichts dieser Volksverdummung, insbesondere, weil sie zeigt, was für ein Bild vom Bürger all diese Funktionäre haben: blöde Schafe, deren Gemüt man vor der Wahl noch mehr als sonst mit beruhigenden Worthülsen bedenken muss – und hey, das klappt ja auch wunderbar! Der deutsche Michel meint: stört mich doch nicht, dass ich komplett überwacht und meine ganze Kommunikation gespeichert wird. Ich hab doch nichts zu vebergen! Und: Wo ist der Nachteil für mich?

Nichts zu verbergen? Dann lies mal diese sieben Artikel!

Wie gesagt, ich fasse es nicht und mir fehlen einfach die passenden Worte, meinen Abscheu über das auszudrücken, was aus den westlichen Demokratien geworden ist. Deshalb folgen hier ein paar Artikel, die mir aus der Seele sprechen, bzw. auch unendlich geduldig nochmal und nochmal erläutern, „wo der Nachteil ist“ – für all‘ jene, die bereit sind, ihren Blick über den Tellerrand des persönlichen Alltags als Konsument hinaus schweifen zu lassen (auch wenn’s weh tut!).

  1. Prism Break – warum wir als Demokraten hier dringend raus müssen – Patrick Breitenbach / Karlshochschule
    „Selbst wenn die demokratisch gewählten Volksvertreter derzeit in bestem Wissen und Gewissen für das Volk handeln, so wäre die Installation eines totalitären Regimes relativ reibungslos vollziehbar. Denn die Strukturen die man dafür u.a. benötigt, sind nun bereits in voller Perfektion vorhanden: Ein direkter Zugriff auf die Gedanken- und Verhaltenswelt der Menschen ist gelegt. Der Informationsvorsprung weniger priviligierter Menschen, also die Wissensasymmetrie, ist schier endlos.“ Sehr lesenswert die vier ausführlichen Begründungen, warum die totale Überwachung ein gewaltiger SCHADEN ist!
  2. Sollten sich „anständige Bürger“ wegen der Überwachung sorgen? – Ein Erfahrungsbericht aus den Schattenkriegen Michael Blume / SciLogs.
    „Während ich also noch völlig ahnungslos meinen Arbeitsbereich aufbaute, begannen „Kollegen“ der Sicherheit schon auf eigene Faust „belastendes“ On- und Offlinematerial (einschließlich eMails) zusammen zu tragen und schließlich Journalisten sowie Oppositionsabgeordnete damit „zu füttern“.“
  3. Her mit dem Geigerzähler! Überwachung ist wie Radioaktivität. Zunächst einmal merkt man nichts. Katharina Nocun / The European
    „In vielen Generationen sind Menschen dafür gestorben, was wir einfach so auf dem Präsentierteller bekommen: Menschenwürde, Pressefreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung, Fernmeldegeheimnis, Demokratie. Kurzum: Freiheit. Wissen Sie: Jedes Mal, wenn jemand sagt: „Ich habe doch nichts zu verbergen“, stirbt etwas in mir.“
  4. Überwachungsskandal: Wer lesen kann, kann auch schreiben
    „Ein international vernetzter Überwachungsapparat ignoriert die Maßstäbe der Demokratie. Das ist doch nichts Neues, rufen im Chor diejenigen, die keinen Unterschied erkennen wollen zwischen eigenen, langjährigen Vermutungen und handfesten Beweisen. Und diejenigen, die aus unterschiedlichsten Gründen beschwichtigen wollen. Sie liegen falsch… „ Sascha Lobo auf SPON.
  5. Realismus-Kotau – Wolfgang Michal / CARTA
    Wer sich aufregt, ist naiv – Man nennt dieses Verhalten „Realismus-Kotau“. Gemeint ist die Verbeugung vor dem „Unabänderlichen“, dem „Alternativlosen“. Es ist die freiwillige Selbstaufgabe von Leuten, die ihre Resignation oder ihr Ich-will-mit-diesem-Scheiß-nicht-behelligt-werden als Realismus maskieren.“
  6. Überwachungsstaat BRD: Wie unsere Freiheit der irrationalen Angst vor dem Terror geopfert wird Jakob Jung Blog.
    „Der Preis für die staatlichen Maßnahmen gegen den Terrorismus ist also der Verlust der offenen Bürgergesellschaft. Vor dem Hintergrund der belegten Wirkungslosigkeit von Kontrolle und Überwachung auf die angebliche Gefahr durch den Terrorismus stellt sich insofern die Frage, ob nicht genau diese Entdemokratisierung der Gesellschaft und die zunehmende Reglementierung ihrer Bürger in der Absicht der Befürworter von Law & Order liegt.“ Umfassender, ins Detail gehender Artikel über Überwachungssysteme in Deutschland und deren vermeintlichen (!) Nutzen in Sachen Terrorbekämpfung.
  7. PRISM als Wirtschaftsspionagesystem Norbert Rost / Heise.de.
    Ein Artikel für alle, die nurmehr ökonomische Werte als relevante Werte anerkennen.

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Diskussion

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22 Kommentare zu „Zur geheimdienstlichen Überwachung und deren Verharmlosung“.

  1. @Suedelbin: danke! Ein sehr guter Blogartikel, der auch meine Irritationen und die anfängliche Sprachlosigkeit gut in Worte fasst!

  2. Und noch einer:

    Warum mobilisiert der Skandal um Prism und Tempora keine größeren politischen Proteste?
    Christopher Schmitz sieht hierin einen Ausdruck der „simulativen Demokratie“: „Die nunmehr simulierten demokratischen Prozesse sollen eine frisch renovierte Fassade intakter demokratischer Kultur präsentieren, wo die dahinterliegenden gesellschaftlichen Fundamente längst im Verfallen begriffen sind. „

  3. Ich könnte kotzen angesichts dieser Volksverdummung, insbesondere, weil sie zeigt, was für ein Bild vom Bürger all diese Funktionäre haben: blöde Schafe, deren Gemüt man vor der Wahl noch mehr als sonst mit beruhigenden Worthülsen bedenken muss …
    … ich fasse es nicht und mir fehlen einfach die passenden Worte, meinen Abscheu über das auszudrücken, was aus den westlichen Demokratien geworden ist.

    Das unterschreibe ich. Besonders weil ich selbst noch zu entspannt bin. Weil wir (nicht jeder, aber sehr viele) offenbar mehr Anspannung und Mo­bi­li­sie­rung benötigen, angesichts des leider sehr real bestehenden Ausmaßes, des hier auf uns zukommenden Syndroms.
    PS: Die Prognosen für die Bundestagswahl setzen dem ganzen Elend (fehlende Alternativen) dann noch die Krone auf.

  4. Hätten wir denn überhaupt eine Chance, Nachteile mitzubekommen, die sich aus einer (illegalen) Datensatzabfrage ergeben haben?

    Der deutsche Michel meint: stört mich doch nicht, dass ich komplett überwacht und meine ganze Kommunikation gespeichert wird. Ich hab doch nichts zu verbergen! Und: Wo ist der Nachteil für mich?

    Hatte ich schon mal einen Nachteil? Tja, die Frage verharmlost bereits das Problem, weil man ganz bestimmt nur in den seltensten Fällen realisieren wird können, ob z.B. ein nicht erreichtes Ziel, eine unerwartete Wendung im Leben, ein negativer Erfolg … nur Schicksal, allein eigenes Versagen oder das getriggerte Ergebnis einer verdammten Datensatzabfrage ist.
    Ein harmloses Beispiel wie so ein Mißbrauch funktionieren kann, liefert der abgelehnte Kredit anhand einer stillen Schufaauskunft – nur weil man z.B. in einem unwürdigen Stadtteil wohnt.
    Das Problem dabei ist, daß wir nicht mehr wissen, ob wir unseren Weg maßgeblich selbst beeinflusst haben oder just gerade mal nicht.

  5. Zwischen PRISM und Freihandelsabkommen kann man das Verhältnis von Amerika und Deutschland am besten so beschreiben:
    Wenn Obama zu Merkel sagt „Scheiß!“ dann hockt sich die Kanzlerin hin und stößt furzartige Laute aus.

  6. 27.07. Demo-Aufruf: #StopWatchingUs – Wir alle sind Edward Snowden:

    Es ist an der Zeit, dass wir unseren inneren Aufstand auch äußerlich sichtbar machen. Flächendeckend! Bitte ladet alle eure FreundInnen ein, sagt es weiter und bringt euch in die Orga ein!

    http://occupy99.de/2013/07/stopwatchingus-wir-alle-sind-edward-snowden/

  7. Ich war zuerst mehr sprachlos und schockiert als wütend. Und ich wollte fair sein, abwarten, wie die verantwortlichen Politiker reagieren, bevor ich urteile – hätte ja alles erfunden sein können. Aber erst hörte man wenig und dann nur scheinheilige Empörungen – denn tatsächlich beziehen die sich auf die Verwanzungen von Botschaften und EU-Gebäuden, nicht auf die Verletzung der Bürger- und Menschenrechte (das Recht auf Privatsphäre). Die Regierung scheint das in Ordnung zu finden, dass man Daten deutscher Bürger und Unternehmen ausspionieren darf, wenn die Server nicht in Deutschland stehen. Man könnte fast meinen, es hat Methode.

  8. @Eva: Ja, ich fand es auch entlarvend, dass sie sich erst aufregten, als sie merkten, dass auch sie bespitzelt werden – der Bürger ist offensichtlich egal, bzw. mit dessen Überwachung ist man einverstanden!

    Ja klar hat das Methode! Die sogenannt demokratischen Staaten (so muss man das ja mittlerweile benennen!) haben alle hübsche Gesetze und Verfassungen, die die EIGENEN Bürger schützen. Das ist allerdings leicht zu umgehen, indem die „Dienste“ eben zusammen arbeiten: was der eine nicht darf, reicht der andere rüber…

    Für mich ist das das Ende der „westlichen Werte“, bzw. unsere Regierenden zeigen, dass ihnen diese am Arsch vorbei gehen. Und damit haben sie jedes Recht verwirkt, Russland oder China oder irgendwelche anderen Despotien moralisch zu kritisieren!

    An den „westlichen Werten“ war gerade DAS der wesentliche Punkt: dass sie nämlich universelle Geltung beanspruchten – und nach meinem Empfinden immer noch ZU RECHT. Mögen auch postmoderne philosophische Weicheier alles relativieren: für mich gibt es „unveräußerbare Menschenrechte“ – und jetzt wird überdeutlich, dass die Regierungen das nicht so sehen. Siehe Rechtswegsgarantie versus Guantanamo.

    Wir sind dabei, in die Barbarei zurück zu fallen.

  9. Ja, kann ich nur sagen, das sehe ich genauso. Und ich frage mich auch, warum sich so wenige der üblichen Aktiven in den sozialen Netzwerken darüber aufregen. Und die Haupterklärung, die ich dafür habe ist, dass sie bei diesem Thema nicht von den Meinungssoldaten der großen USA-Konzerne aufgeheizt werden, weil die den NSA voll unterstützen. Heute in den Nachrichten wurde nur der Name Microsoft genannt, doch Snowden sagt in seinem 2.ten veröffentlichten Interview, dass Google, Apple, Microsoft und Facebook dem NSA direkten Zugriff aufs Back-End gäben.

  10. Bermerkenswert auch, dass dieser Artikel viermal soviel Zugriffe wie sonst bekam – aber kaum eine/r sagt was!

  11. Der „Tellerrand des persönlichen Alltags als Konsument“, Claudia, ist, so fürchte ich, der einzige dauerhafte Umkreis des (modernen) menschlichen Geistes. Es herrscht ja rundum ohne viel Widerspruch die Ide(ologi)e, daß aus der möglichst unbehinderten Allokation von Eigennutz ein nach jedem denkbaren Kriterium Optimales für das Gesamte erwachse, und dieser Chor ist mittlerweile wunderbar eingeübt. Was sollte daher konkret an aufmüpfigen Reaktionen von den ‚deutschen Micheln‘ (oder den britischen, französischen, italienischen, spanischen, griechischen…) erwartet werden?

    Daß sie sich nicht um ihre Altersrente, die Hypothek fürs Haus, die Kosten der Ausbildung ihrer Kinder, den Zustand von Garten und Wagen, die Sicherheit am Urlaubsort usw. usf. zu scheren haben, sondern in Pulks auf die Straße strömen und Schilder schwenken, um dort, o Graus, gar die (vermeintlich) an allem Schuldigen an der nächsten Laterne aufzuknüpfen?

    Das kann es doch nicht sein, das wäre ja Realität 1.0, das geht heute gar nicht mehr und haut auch (hier) niemals hin. Das Polster des Astes, auf dem jemand sitzt, ist der beste Garant dafür, ihm denselben unauffällig unter dem Hintern absägen zu können. Und wenn das mediale Dauerfeuer der letzten Jahre, das aus allen Richtungen unentwegt auf die von Stress und Mobbing auf der Arbeit erschöpfte Menschheit hernieder prasselte, eine Einsicht bewirkt hat, dann doch wohl die eine: nichts von dem, womit Medien oder Gremien, Kaffeesatzleser oder Simulationstheoretiker drohen oder vor dem sie warnen, kein Waldsterben, kein Endzeitszenario und kein millenium bug sind (bisher) jemals real passiert. Wir leben alle (noch), sind wahlweise die glücklichen Gewinner oder die noch einmal davon Gekommenen, und für jede Gefahr, die unsere Schlafzimmer verwüsten könnte, wartet irgendwo ein gut bezahltes Expertenteam, das sie mittels talk shows und G-8/12/20-Treffen schlangenzüngig bis zum nächsten Sendetermin bannt.

    Ich weiß nicht, ob das alles System hat – in dem Sinne, daß ein master plan dahinter steckt. Ich glaube das nicht, denn zwar stelle ich mir die Mitmenschen oft ziemlich fies und gemein vor, denke aber doch ungern, daß sie dermaßen teuflisch geschickt sein können. Ich bin jedoch, wie dieser Text zeigt, leidenschaftliche Anhängerin von Verschwörungstheorien, allerdings solchen, in denen immer gleich ein ganzer Haufen verschiedenster Banden von Bösewichtern, die alle wenig oder gar nichts voneinander wissen, gegen-, mit- und unabhängig voneinander vor sich hin werkelt. Was nebenbei gesagt, mein Favorit für eine glaubwürdige und schlüssige Erklärung des gelungenen Abrisses auf Kosten der Versicherungswirtschaft (aka der Steuerzahler) von so maroden Gebäuden wie wtc1,2 und 7 ist, aber das führt nun wirklich zu sehr ab, ich wollte es nur wieder einmal erwähnen, um nicht aus der Übung zu kommen).

    Ich nehme also mit Fleiß an, daß alles, was um mich her passiert, im Endeffekt zwar nicht von einem einzigen Superhirn erdacht wurde, aber doch letztlich harmonisch irgendwie zusammen fließt und eine Wirkung entwickelt, die bisher lediglich in meist eher unzusammenhängenden Details diskutiert und oft nur in Ansätzen wahrgenommen werden kann – aka die Auswirkungen ‚des‘ Internets, ‚der‘ neuen Kommunikationstechnologien, die galoppierende Demontage des bürgerlichen Subjekts in der Literatur und der Schlange an der Kasse beim discounter, das Versagen der Demokratie (westlicher Prägung) angesichts der Probleme einer übervölkerten Welt oder etwa die mal ‚clash of cultures‘, mal ‚faulender (Spät-)Kapitalismus‘ genannte Aussicht auf die kommenden Kriege um Wasser und Luft und all dieser sicher hinlänglich bekannte Kram.

    Da ist es doch (im Sinne einer kontinuierlich gesicherten Zufuhr von 250V-50Hz Wechselstrom für die Lebenserhaltungssysteme des netzaffinen Teils der gegenwärtigen Planetenbewohner ) in unser aller Interesse, wenn jene Menschen, die nicht bloß immer rascher sich vermehrendes Geld aus den Taschen harmloser (Bank-)Kunden zusammen kratzen, sondern noch richtig handfest eßbare Waren produzieren, sich vom Theaterdonner wie den wirklichen Stürmen kaum so sehr deprimieren lassen, daß sie etwa früh morgens nicht mehr zum Dienst oder spät abends zur Nachtschicht erscheinen, weil sie gerade irgendwo gegen irgendetwas protestieren. Oder?

    Denn sonst wäre der Traum vom dolce vita tatsächlich schon aus. Ist er aber nicht nicht. Das heißt, zumindest nicht für alle. Denn was wir gerade erleben (Drohnen, die selbst entscheiden werden, ob sie mich oder meinen Nachbarn abmurksen, das schrankenlose Abhören und Speichern jedweder Kommunikation, als hätte der ewige erste Vorsitzende des jüngsten Gerichts höchstpersönlich die Absicht, später nach dergestalt akkumulierter Aktenlage zu entscheiden, die vielen hoffnungsfroh angeleierten Revolutionen samt der gegen sie nicht minder tatkräftig ausprobierten Methoden, sie abzuwürgen oder, besser noch, vor sich hin köcheln zu lassen, die in Permanenz etablierte Abfolge höchst gewinnträchtiger Krisen, welche eine nach wie vor unverschämt statthabende Umverteilung von unten nach oben, von den vielen hin zu den wenigen so hübsch kaschieren, die schleichende Privatisierung zentraler sozialer Funktionen wie Sicherung der Infrastruktur, Forschung, Erziehung, Ausbildung, Polizei und Verteidigung), das ist alles sicherlich nicht von einer einzigen (langen) Hand geplant, gewollt und vorbereitet, so teuflisch und übermächtig (hoffe ich) ist (noch) niemand, aber das Ziel, um das es dabei gehen könnte, scheint mir doch langsam Gestalt anzunehmen.

    Wenn man sich einmal von seiner (da man auf der falschen Seite des Zaunes steht, verständlichen) Empörung frei macht und die Sache nüchtern betrachtet, etwa bei einer Flasche eines guten Weines, deren Einkaufspreis (den natürlich irgendeine NGO zahlte, falls nicht gerade ein Staatssekretär bei der Hand war, der gerne einsprang) einem dutzend Familien im Jemen ein Jahr lang ein Leben wie Gott in Frankreich ermöglichen würde, dann sollte man früher oder später auf den Trichter kommen, daß das eigentliche Ziel recht simpel in der Beantwortung einer einzigen Frage zu sehen sein dürfte:

    Wie kann sichergestellt werden, daß auf einem immer weniger bewohnbaren Planeten eine immer größere Zahl von immer weniger voneinander zu isolierenden Menschen eine immer größere Konzentration der Produkte ihrer Arbeit in immer weniger Händen akzeptiert und für legitim, ja sogar für wünschenswert hält, solange zumindest, bis jene, die sich für die Elite des Ganzen halten, ein bequemes Schlupfloch gefunden haben, durch welches sie vor dem ganzen Schlamassel, den sie angerichtet haben, ungeschoren davon kommen können?

    P.S. In der Wahl der Mittel, dieses Ziel zu erreichen, wird sich niemand (der Entscheidungsträger) von falschen Sentimentalitäten beeinflussen lassen – wenn es ums Eingemachte (Neusprech: das Systemrelevante) geht, ist kein Anteil am gesellschaftlichen Produkt zu groß und wird keine der zukünftigen Generationen bis ins tausendste Glied (der Gott des alten Testaments läßt grüßen) verschont bleiben – schließlich geht es ums Überleben der Ameisenkönigin, da kann der Schwarm aka der Einzelne durchaus auch einmal, zweimal, dreimal, naja, wo wir gerade dabei sind, sagen wir: immer gegen seinen Willen zum Opfer-Bringen herangezogen werden (wozu es äußerst günstig wäre, wenn er davon sehr wenig bis gar nichts, die das Opfer bei ihm Abholenden über ihn jedoch sehr viel bis alles wissen)

    Mannomann, jetzt höre ich aber lieber auf, sonst fällt mir noch ein, was mir am lieben Gott und seiner Kreation schon immer missfallen hat, diesem alten Schwerenöter, und der hört ja bekanntlich seit dem ersten Tag der Schöpfung einfach alles…

  12. Danke Susanne, mal wieder ein wundervoller Beitrag von dir!!

    „Jene“ haben allerdings das Problem, dass es keine solventen Schuldner mehr gibt, die für die weitere Geldvermehrung sorgen könnten. Auch die Zinslast muss künstlich auf Niedrigniveau gehalten werden, sonst bricht alles zusammen. Und es mangelt an Käufern, wenn die Massen verarmen. Das dringend erforderliche Wachstum schwindet dahin… Die „systemischen Risiken“ bzw. in Altsprech die inneren Widersprüche des Kapitalismus holen so „jene“ doch irgendwann ein.

    Wie sich das dann konkret darstellt, weiiß ich auch nicht. Angenehm wird es sicher nicht.

  13. @Susanne
    Ja, auch von mir eine Danke für Deinen tollen Beitrag, der mir (schon vor ein paar Tagen) ein hoffnungsvolles Lächeln in das Gesicht zauberte.
    Gruß

  14. Kritik, die nicht verstanden
    als Lob wird oft empfunden.
    Nein, Susanne sagt’s
    nicht unumwunden.

    Kluge Worte gießt sie
    schön in Form.
    Dahinter blitzt Verstand,
    enorm.

    Sie verschwört die Theorie’n,
    spielt mit ihren Phantasie’n,
    rutscht vor niemandem
    auf Knie’n.

    Sie erklärt uns, weshalb die Welt
    sich dreht,
    wie die Wut im Bauch entsteht
    und wohin der Kapitalismus
    geht (wenn er denn geht).

    Zu Snowden sagt sie nichts.
    Ist das Büblein ihr zu blass?
    Weiß der nicht, was er will,
    hat schon alles ausgeplaudert
    und ist deshalb still?

    Der denkt sich wohl: im Dschungel
    (Venezuela) gibt’s Moskitos,
    ich bin nicht Bond
    und Scheremetjewo ist schön.
    Ach wär ich nur zuhaus geblieben.

    Susanne macht es anders:
    Sie allokiert nicht Eigennutz,
    sie schmeißt die Worte
    in den Himmel,
    fängt sie wieder auf, ohne dass
    sie fallen in den Schmutz.

    Sie sprengt (in Gedanken nur)
    das WTC.
    Nein, das tut nicht weh.
    Sie baut’s auch wieder auf
    und setzt gleich noch
    ein paar Etagen obendrauf.

    Und aus der Übung kommt sie
    nicht (dank Claudias Weblog).
    Mannomann, jetzt ist aber
    Schacht im Schicht
    (oder war es umgekehrt?)

  15. @alter ego von Peter

    Vermutlich entgeht mir der genaue Punkt Deiner Zeilen (die mir ansonsten gefallen), wenn sie in mir den Eindruck hinterlassen, daß Deine Bereitschaft, Dich auf den Inhalt von Aussagen einzulassen, davon gefördert wird, sollten sie eher unbeholfen formuliert vorgetragen werden.

    Zu Herrn Snowden vermag ich nichts zu sagen, was nicht woanders ausgiebigts nachzulesen wäre. Höchstens, daß mir gruselt, wenn ich mich in seine Lage zu versetzen versuche und mir seine Zukunftsaussichten vor Augen führe. Was leider wohl das Ziel der Kampagne um seine Person ist: andere Menschen davon abzuhalten, ihrem Gewissen zu folgen.

    Immerhin aber kann an den Aussagen zur Frage, ob sein Land Herrn Snowden aufnehmen sollte, sehr schön deutlich abgelesen werden, welche Prioritäten und Interessen hinter dem jeweilige Sprecher stehen und – im Falle der sich demokratisch nennenden Länder – welche Einstellungen die sie hegenden Gruppen gegenüber dem angeblichen Souverän des demokratisch verfaßten Gemeinwesens aufweisen.

    Und um aus Begeisterung für sie an Deine Verse (und mein enormes Wissen um die Weltäufte des Kapitalismus) anzuknüpfen:

    Niemand soll wissen, was man tut,
    noch, was geschieht.
    Weil der am Abend besser ruht,
    der nicht zu vieles sieht.
    Nicht dem, der munter in ihr lebt,
    gehört die weite Welt:
    wenn erst der Kuckuck auf ihr klebt,
    gehört sie ganz – dem Geld.

  16. Was mich an der ganzen NSA-Prism-Geheimdienst-Debatte, je länger sie andauert, stört bis nervt, ist deren in großen Teilen vorhandene Scheinheiligkeit und Verlogenheit sowie ein m.E. zunehmend fehlender Realitätsbezug.

    Unwillkürlich drängt sich mir der Vergleich mit der Zeit während und nach dem Ende der DDR auf. Da hätte man nach dem, was die bundesrepublikanischen Medien so kolportierten, auch leicht den Eindruck gewinnen können, dass es dort (in der DDR) nur zwei Sorten von Menschen gab: die eine Hälfte war bei der Stasi, die andere wurde von ihr bespitzelt. Tatsächlich war es aber nur fast genau jeder hundertste DDR-Bürger, der als hauptamtlicher oder sog. informeller Mitarbeiter mit der Stasi zu tun hatte.

    Und Fakt ist auch, dass heutzutage weit weniger spioniert und gespitzelt wird als noch zu Zeiten des Kalten Krieges. Es wurden in D, Europa und weltweit nicht nur Armeen abgewickelt, sondern auch zigtausende Mitarbeiter von Geheimdiensten. Überall im Land, insbesondere entlang der ehemaligen Staatsgrenze zwischen DDR und Bundesrepublik, kann man heute die verfallenden Reste von Lausch- und Abhörstationen finden.

    Ich denke, dass die ganze Sache so hochgepuscht wird und sich zum medialen Sommerlochfüller zu entwickeln scheint, hat viel mit der dem Menschen ureigenen „Faszination am Bösen“ zu tun. Das Dunkle, Böse, der Schatten, die ja jedem Menschen immanent sind, werden gerne ins Außen projiziert. Und je geheimnisvoller und unfassbarer diese erscheinen, um so größer ist der Lustgewinn.

    Oder wie sonst ließe sich erklären, dass die Mainstream-Medien sich täglich aufs neue in die wildesten Spekulationen ergießen, was wohl NSA, BND & Co. über uns Bürger wissen oder nicht wissen. Und niemand macht sich die Mühe, mal die Fakten und das, was als gesichert gelten kann, zu sondieren. Und viel ist es ja wirklich nicht, was Herr Snowden da „in seine Pfeife geblasen“ hat.

    Niemand weiß, ob die in der 40-seitigen Powerpoint-Präsentation enthaltenen Pläne über das Prism-Projekt, die er da abgegriffen und dem „Guardian“ zugespielt hat, und auf die sich 80% der ganzen Whistleblowerei stützen, nicht bloß etwas sind, was lediglich in der Phantasie irgendwelcher NSA-Leute existiert (kein Geheimdienst der Welt wäre so blöd, einem jungen, unerfahrenen Greenhorn und zudem noch externen Mitarbeiter, wie Mr. Snowden, Zugang zu Bereichen zu gewähren, in denen es um wirklich politisch brisante Dinge geht).

    Also muss der SPIEGEL seine Titelgeschichte über den NSA und Herrn Snowden auf so „bahnbrechende“ Erkenntnisse stützen, wie „westeuropäische Geheimdienste und der NSA ’stecken unter einer Decke'“ und „auch der BND verwendet amerikanische Schnüffel-Software“. Nur gut, dass wir das jetzt wissen.

    Und am lautesten quiekt und beschwert sich über eine angebliche Verletzung ihrer Privatsphäre durch Metadaten sammelnde Geheimdienste jene Spezies, so mein Eindruck, die jeden Pups und jede noch so nichtssagende Hirnblähung auf Facebook und in ihren Blogs postet. Das sollen aber auf keinen Fall BND, MAD und Verfassungsschutz lesen, sondern bitte schön nur die 937 „Freunde“ und „Follower“. Man will ja schließlich weder sich noch seine Familie zum „gläsernen Menschen“ machen.

    Aber nach dem nächsten … (das Wort schreibe ich besser nicht aus, sonst lese ich nach dem Absenden des Postings statt meinem Text womöglich wieder: ‚Achtung, dieser Kommentar muss erst noch durch den Administrator freigeschaltet werden!‘) mit Dutzenden Toten behält man sich doch gerne das Recht vor, die unfähigen Behörden, die das doch hätten im vorhinein erkennen müssen, verantwortlich zu machen. Das meine ich mit Verlogenheit der Debatte.

    Für Parteien und politische Gruppierungen, die nach der nächsten Wahl gerne mehr zu bestimmen hätten, ist der „NSA-Skandal“ natürlich ein durch die Luft fliegendes Brathähnchen. Sie müssen nur noch das Maul aufmachen und schlucken. Und der sich so gerne als „mündig“ gebende Bürger bläst kräftig mit ins Horn, statt mal seine tumben grauen Zellen in Bewegung zu setzen und sich zwei, drei eigene Gedanken zu machen.

    Und dass der „Skandal“ nicht all zu skandalös sein kann (sprich ausgesprochen dünne Faktenlage), sieht man auch daran, dass auch Wochen nach dessen Ins-Rollen-Kommen immer noch keine „Politikerköpfe gefordert“ werden. Das tut man doch schnell, gerne und üblicherweise sonst bei wesentlich kleineren Anlässen.

    Es liegt mir wahrlich fern, Firmen, Geheimdiensten oder wem auch immer einen Freibrief für das Sammeln und Ausspähen digitaler Daten auszustellen. Aber man möge doch bitte erstens die Kirche im Dorf lassen und zweitens Phantasie und Wirlichkeit voneinander trennen.

    @Susanne: Sprachliche Unbeholfenheit favorisiere ich nicht. Dennoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass deine Beiträge eher mono- als dialogisch orientiert sind und Verstanden-Werden nicht unbedingt das höchste deiner Ziele ist.

  17. @Susanne nochmal: Sorry, hatte es vorhin vergessen: Vielen Dank für dein Lob meiner kleinen Reimerei. Freut mich, dass es dir gefallen hat :-)

  18. @Peter

    mir gefällt Einfallsreichtum und Gereimsel allemal. Gerne gehe ich also auf einige Deiner Punkte ein, die mir als zweifelhaft vorkommen.

    Die Behauptung, “…Fakt ist auch, dass heutzutage weit weniger spioniert und gespitzelt wird als noch zu Zeiten des Kalten Krieges…“ ist mutig, aber sehr wenig durch Tatsachen unterstützt. Die vielen aufgelassenen Lauschlabore an der ehemaligen Grenze zwischen BRD und DDR sowie die vielen entlassenen Lauschgehilfen auf beiden Seiten untermauern sie nicht, sondern bebildern nur eine Aussage, deren Gehalt konterkariert wird durch die seit jenen Tagen um Größenordnungen gesteigerten technischen Möglichkeiten der Überwachung und des Mitschnitts elektronisch vermittelter Kommunikation.

    Das Verhalten der Mainstream-Medien läßt sich je nach persönlichem Geschmack aus vielen Faktoren heraus erklären, be- und ver-urteilen, einordnen und auch abkanzeln. Eine ‚Faszination des Bösen‘ gehört sicherlich dazu. In diesem Falle (Geheimdienste und die Reichweite ihrer Aktivitäten) ist es allerdings extrem schwierig, ‚Fakten‘ im Sinne von ‚durch unabhängige, dritte Stellen belegte Aussagen‘ herzuzeigen.

    Ich denke, es ist gerade hier weniger die objektivierbare ‚Faktenlage‘, die so bedrückend auf mich und andere Menschen wirkt, als die Atmosphäre der Unsicherheit und der fehlenden, eigenen Kontrolle darüber, was mit meinen Daten, Mitteilungen und Bewegungen (sowohl in der Öffentlichkeit als auch im privaten Bereich) eigentlich passiert.

    Die Wirkung einer systematischen Bespitzelung ist ja leider nicht allein materialer, physischer Art, sondern nicht minder im Ungreifbaren von Vermutungen, Gerüchten und Ängsten angesiedelt und dort womöglich ungleich stärker, was, davon bin ich, ohne es mit den oben angesprochenen Fakten belegen zu können, überzeugt, eine der weiteren Absichten der gesamten Veranstaltung ist.

    Darüber (die Bespitzelung) beschweren sich meines Wissens nun nicht nur auf Twitter, Facebook und ähnlichen Plattformen ‚pupsende‘ Individuen, sondern auch Menschen, die diesem Treiben in den sogenannten ’sozialen Netzwerken‘ durchaus kritisch gegenüber stehen und sich dort jeder Teilnahme enthalten. Wenn ich etwa annehmen muß, daß ich, wann immer ich mein Zuhause verlasse und mich für Handyfotojunkies und Überwachungskameras sichtbar mache, in ein System von automatischen Zuordnungen gerate, welches im Endeffekt alle meine öffentlichen Handlungen und Äußerungen zu einer ‚Akte‘ vereinen kann, die Unbekannte über mich anlegen und pflegen, fühle ich mich bedrängt, behindert und verfolgt, ohne daß ich dazu das genaue Ausmaß der elektronischen Rekonstruktion meines Daseins in der Hand halten oder beweisen können muß.

    Denn Phantasie und Wirklichkeit auseinander zu halten gelingt leider nicht immer. Letztlich ist ‚die Wirklichkeit‘, so wie ich sie spüre und zu wissen meine, unter anderem gerade ein Produkt meiner Phantasie und nicht lediglich ein abgreifbares Sich-aneinander-Reiben von ‚harten‘ Elementarteilchen, die ein hinreichend gewiefter ‚Natur‘-Wissenschaftler ‚objektiv‘ feststellen könnte, wenn er nur die richtige Apparatur dazu verwendet.

    Meine (zugegeben vielen) Ängste und Einbildungen konstituieren meine ‚Wirklichkeit‘ nicht weniger als die Überweisungen auf mein und von meinem Gehaltskonto oder die Eintragungen über meine Person beim Einwohnermeldeamt. Sie sind also ernst zu nehmen, wenn es um meine Freiheit und Selbstbestimmung geht. Und von dem, was im Moment über die NSA diskutiert wird, wie ebenso von dem, was sich jeder denkende Mensch über die Möglichkeiten einer durch Internet-Knoten vermittelten Kommunikation plus Bilderkennung plus automatischen Datenabgleichen plus was weiß ich noch alles selbst ausrechnen kann, werden meine Ängste und damit meine Wirklichkeit ganz vehement berührt!

    So, ich hoffe, daß dank der enormen Wucht meiner Argumente hiermit zugleich der Eindruck widerlegt wurde, mir ginge es vor allem um Mono- und weniger um Dia-loge. Ob ich allerdings immer (korrekt oder wenigstens ausreichend) verstanden werde, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich versuche halt, mich auf die mir als am verständlichsten erscheinende Weise auszudrücken. Mehr, denke ich, kann ich nicht leisten.

  19. @AlterEoo/Peter: ich mag Gereimtes und freu mich über den neuen Poeten! :-)

    Deinem zweiten Langkommentar möchte ich allerdings widersprechen: Wenn Bürger selbst entscheiden, dies und jenes mit der Welt zu teilen, dann ist das GANZ ETWAS ANDERES als wenn Geheimdienste ALLES total überwachen, was sie eben NICHT veröffentlichen: private Mails, persönliche Computer/Handys, jegliche Kommunikation. Und jeder hat einiges, was man nicht gerne öffentlich sähe: die Bankvorgänge, die Steuererklärung, die Vorgänge mit Ärzten und Rechtanwälten, die Kommunikation mit Behörden aller Art – aber auch alles, was man nur recht intim mit engen Freunden oder Partnern teilt.

    Regt Euch nicht auf, Ihr zeigt doch sonst soviel, ist definitiv ein beruhig-dich-Bürger-und-gewöhn-dich-an-den-Überwachungsstaat-Argument, das ich komplett kontraproduktiv finde. Und dass die Presse das Thema auswalzt, finde ich besser als nichts angesichts der Duldungsstarre vieler Bundesbürger_innen!

    Das Snowdens Infos echt sind, ist für mich offenkundig, denn sonst wären sie dementiert worden – sind sie nicht, von niemandem!

    Was mich nervt am Presse-Geschehen ist die übliche Zentrierung auf politische Köpfe: wer hat wann was gewusst?

    Mir fehlen Erhellungen des Verhältnisses USA/Europa/Deutschland – und von einem „Qualitätsjournalismus“ hätte ich erwartet, dass wenigstens EINMAL irgendwo hinterfragt worden wäre, mit WELCHEM RECHT ein Land aus der Ferne den gültigen Pass eines Bürgers „für ungültig erklären“ darf! Soweit ich weiß, gilt ein Pass bis zum Ablaufdatum und garantiert gibt es dazu auch internationale Konventionen und Vereinbarungen.

    Dieses ganze Duckmäusertum gegenüber den USA, die sich ja seit 9/11 weitgehend als Rechtsstaat verabschiedet haben, finde ich ätzend! Und ich hätte gerne mehr Aufklärung über die faktischen Abhängigkeiten, die das begründen. Allein, dass der Innenminister HIN REIST, anstatt den Botschafter einzubestellen…

    Was die immaterielle Wirkung der Überwachung angeht, stimme ich dir in allem zu. Und finde es skandalös, dass die Regierenden nicht im Traum daran denken, das Grundgesetz zu schützen, sondern die Bürger allen ernstes auf „schützt selber Eure Daten“ verweisen, wie gerade geschehen.

  20. […] Zur geheimdienstlichen Überwachung und deren Verharmlosung […]