Claudia am 01. Januar 2013 — 9 Kommentare

Alsdenn: 2013

Ich hatte mich schon damit abgefunden, mal gar nichts zum Thema Jahreswechsel zu schreiben. Statt dessen hab‘ ich mir faule Tage gegönnt und gelesen, was andere so zu diesem Anlass verfassen. Rückblicke, Wunschzettel, Vorsätze und jede Menge anklagendes oder sarkastisches Gemosere über den Zustand der Welt: sehr berechtigt, aber auch ermüdend. Empören, entlarven, anklagen, warnen – kommt mir alles vor wie aufs Gas treten im Leerlauf. Aber wie mal wieder ein Gang einzulegen sei, weiß niemand. Bzw. jeder weiß es besser als der Andere, was ungefähr denselben Effekt hat.

Grade eben hab‘ ich dann mal geschaut, was ich letztes Jahr um diese Zeit gebloggt hatte und fand die Lektüre erschreckend. Denn „Kein ordentlicher Jahreswechsel-Text“ hätte WORT FÜR WORT auch dieses Jahr gepasst – nur das optimistische Ende hätte ich dieses Jahr wohl weggelassen. Manche Potenziale verbrauchen sich eben schneller als man denkt.

ZenTAO empfiehlt uns für 2013 die Tipps von Melody Beattie („Kraft zum Loslassen“)

„Setzen Sie sich Ziele für das neue Jahr. Erforschen Sie Ihr Inneres, und machen Sie sich klar, was in diesem Jahr geschehen soll. Damit leisten Sie Ihren persönlichen Beitrag und bekräftigen die Absicht, im kommenden Jahr ein erfülltes Leben zu verbringen. Ziele geben uns die Richtung vor. Sie setzen große Kräfte frei, die auf universaler, bewusster und unbewusster Ebene wirksam werden.“

Ja, das ist sicher nicht falsch, doch „Ziele finden“ als Rezept, um im nächsten Jahr ein „erfülltes Leben“ zu führen, kommt mir schon wieder so operational vor. So Wellness-Tipp-mäßig. Als gehe es darum, dass ICH persönlich ein erfülltes Leben führen kann! Dabei gibt’s an meinem Leben auch nix zu meckern, privat ist dieses Leben durchaus erfüllt (Liebe, Arbeit, Hobby, Auskommen…). Aber: das kann doch nicht ALLES sein!

Insofern ist da etwas unerfüllt, was durch kein Rezept der Welt und in keiner Zukunft erfüllt werden kann. Jede Benennung des Vermissten wäre als Konkretisierung schon wieder falsch. (Vielleicht hab‘ ich ja „nur“ eine Art Schreibblockade?)

Um meine mentale Flaute zu überwinden, muss ich vermutlich drastische Eingriffe auf anderen Ebenen wagen. Trägheit überwinden, Routinen aussetzen, experimentieren – und dafür sorgen, dass ich auch die Energie dazu habe.

Ein „Ruck-Gefühl“ kriege ich jetzt trotz dieser Einsichten nicht hin – Jahreswechsel hin oder her.

EUCH wünsch‘ ich alles erdenklich Gute und bedanke mich insbesondere bei den unentwegten Stammleser/innen, die selbst dann noch was Sinnvolles zu kommentieren wissen, wenn mein aktueller Blogbeitrag in dieser Hinsicht schwer zu wünschen übrig lässt. Wie dieser hier zum Beispiel.

Diskussion

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9 Kommentare zu „Alsdenn: 2013“.

  1. Liebe Claudia,
    frohes Neues!
    Was muß ich lesen? ;-)
    „Insofern ist da etwas unerfüllt, was durch kein Rezept der Welt und in keiner Zukunft erfüllt werden kann“.
    Das klingt ja mächtig geheimnisvoll und auch „unverständlich“.
    Jeder Therapeut würde sich an diese Spur setzen und wohl etwas finden, das als Ursache für dieses Unbehagen gelten könnte.
    Mir fällt da spontan der Begriff Loslassen ein. Unbehagen spüre ich ob der vielen Tätigkeitsfelder, die an mir zerren. In den letzten Tagen gelang es mir, Dinge sein zu lassen, die auf meiner inneren To-Do-Liste stehen. Ich muß einfach lernen, daß mein Leben beschränkt ist. Das Vieles-wollen ist per se eine Krankheit, finde ich. Und davon muß man sich kurieren.

  2. @Gerhard: ja, jeder Therapeut würde da ansetzen – aber eben auch in jeder Stunde/Woche etwas anderes finden! :-)

    Es sind so viele Problemfelder und Konflikte in der Welt, von denen ich medial vermittelt immer mehr mitbekomme, ohne doch etwas daran ändern zu können. Wenn ich dann nur in meinen persönlichen, noch gar nicht katastrophischen Aktionsfeldern aktiv bin, gibt mir das ein Gefühl von Zerissenheit und Ungenügen. Zufriedenheit erscheint da als Illusion, als Ignoranz..

    Hat aber auch damit zu tun, wie sehr ich mich gerade auf etwas Sinnvolles konzentrieren kann oder nicht.

    Danke für deine Resonanz: Du bist der letzte Kommentierende in 2012 und der erste in 2013!

  3. Etwas spät wünsche ich Dir, Claudia, und natürlich allen Deinen Lesern alles Gute für 2013.

    Da Du es mit dem (los- und übrig-) ‚lassen‘ zu haben scheinst, was mich bei Deiner sonst von mir so bewunderten Gelassenheit in allen Fragen des Lebens und der Welt und so weiter verwundert zurück läßt, überlasse ich Dir im Folgenden mit den besten Wünschen eine kleine Läßlichkeitsliste (Einträge mit ‚*‘ könnten zu kleinlicher Kritk Anlaß geben, ich beließ sie dennoch in der Liste), die selbstredend unter dem Gesichtspunkt der Vollständigkeit sehr viel zu wünschen übrig läßt. Und damit lasse ich nun das Geschwafel endlich sein und verlasse das Feld, um besagte Liste ungestört auf die Leser wirken zu lassen :

    ablassen
    anlassen
    auflassen
    belassen
    besser lassen*
    bleiben lassen*
    cherubine besser in ruhe lassen*
    dalassen
    dortlassen
    dranlassen
    draußen lassen*
    drinlassen
    einlassen
    erlassen
    fahren lassen*
    fortlassen
    freilassen
    ganz lassen*
    gehen lassen*
    gelassen*
    gerade lassen*
    herablassen
    heile lassen*
    in Ruhe lassen*
    janz lassen*
    jaulen lassen*
    jubeln lassen*
    jucken lassen*
    kommen lassen*
    laufen lassen*
    lieber lassen*
    liegen lassen*
    Luft lassen*
    machen lassen*
    maulen lassen*
    nickeln lassen*
    niederlassen
    oder besser doch lassen*
    praktisch sein lassen*
    quasseln lassen*
    quaken lassen*
    quatschen lassen*
    rackern lassen*
    ranlassen
    reinlassen
    rieseln lassen*
    runterlassen
    rüberlassen
    riechen lassen*
    sein lassen*
    so lassen*
    tun lassen*
    unterlassen
    überlassen
    verlassen
    weiter lassen
    x für’n u vormachen lassen*
    y einfach mal hinten anstehen lassen*
    zerlassen
    zulassen
    zusammen lassen*
    zum Ende kommen lassen*

  4. Herrliche Möglichkeiten…
    Ich entscheide mich, das mich jucken lassen allenthalben rein- oder rauszulassen…
    Und noch was:
    Das Blog lässt mich häufig vorbeischauen, -lesen; manchmal für länger. Selten lässt es mich ratlos, weil mir ein Thema „zu hoch“.
    Ein x für ein u macht es nie vor, finde ich.
    Gruß von Sonja

  5. @Susanne: hach, freut mich, dass du auch noch hergefunden hast! Danke für die lassen-Arie, sie macht mir deutlich, dass es DAS grade nicht ist.

    „Da Du es mit dem (los- und übrig-) ‘lassen’ zu haben scheinst“

    nö, ganz im Gegenteil, ich such‘ neue Ansatzpunkte zum hinfassen, zugreifen, mich einbringen.

    Ist doch furchtbar, wenn ein Jahreswechseltext 2011 wortgleich in 2012 passt! :-)

    Obwohl meine Assoziation „Schreibblockade“ mir im nachhinein falsch vorkam, komme ich mittlerweile drauf, dass die Idee durchaus was hat. Die „möglichen Themen“ langweilen mich, ich hab zunehmend das Gefühl, zu allem schon alles gesagt zu haben – und das hier ist ja kein Propaganda-Medium im Dienste irgend einer guten Sache, bei dem Wiederholungen ok wären.

    Das Digital Diary geht 2013 ins 14.Jahr – und gewiss werde ich hier nicht anfangen, etwas zu schreiben, nur weil schon lange nichts mehr kam – oder so. Eine inhaltliche Flaute bringt mich dann aber doch auf die Spur anderer Themen – bzw. auf Ursachen für Schreibhemmungen, die mir als solche gar nicht bewusst waren.

    @Sonja: Freut mich, dass du hier mitliest, manchmal für länger gar… :-) Aber bitte sag mir doch mal Bescheid, wenn du was als „zu hoch“ empfindest, so will ich eigentlich nicht schreiben!

  6. Liebe Claudia,
    hast Du erst 2000 mit dem Digital Diary angefangen? Zuvor musst Du ja sicher auch schon einen ähnlichen Blog geführt haben?!
    Mit dem Internet habe ich mich, so erinnere ich mich gerade, auch etwa um diese Zeit erst richtig beschäftigt, aber damals lief mir das digital diary natürlich noch nicht über den Weg.

  7. @Gerhard: Das Diary startete im März 1999, von Blogs sprach man erst ab 2003, soweit ich mich erinnere. Davor hatte man Homepages, Webprojekte, Cyberzines – hier mein vorheriges Hauptprojekt „Missig Link“ (archiviert).

    Wow, das waren noch Zeiten! Händisches coden, Kommentare per E-Mail…. alles viel langsamer, aber auch sorgfältiger. Und unterschiedlicher im Design: jede Webseite ein Abenteuer!

  8. Dann geht es irgendwann im März 2013 ins 15te Jahr!!
    Also bitte nicht tiefstapeln!

  9. Ja. Auch ich bin etwas schlaff. Derzeit. Hach. Kaum zu fassen. Im Prinzip. Der Ruhm lässt wie üblich auf sich warten, und meine Lider werden schwer unter den ungeweinten Tränen kollektiv-soziomorpher Melancholie. Doch eines bleibt gewiss – Moment, Tel

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