Claudia am 16. November 2012 — 11 Kommentare

In Memoriam: Ullas letztes Foto

Mit den Erinnerungen an meine vergangenen Schreibkurse kam auch die Erinnerung an Ulla de Pellegrini, die fast alle Kurse mitgemacht hat. Sie war eine mutige Frau, die sich traute, auch einfach mal nach Afrika auszuwandern – und nach einem Jahr zurückzukehren, mit nichts als einer Tasche, und nochmal neu anzufangen.

Sie hat viel zur Stimmung in den Kursen beigetragen, schrieb offen über alles in ihrem Leben, das Schöne und das weniger Schöne. Das tat sie auch in ihrem Blog, das mittlerweile verschwunden ist. Dort hat sie bis fast zu ihrem letzten Tag gepostet – und als sie dann am 5.November 2007 mit 61 starb, schrieben Leser/innen noch viele Monate lang liebe Abschiedsworte.

Unser Leben ist in Sand geschrieben

Ulla lebte bereits viele Jahre mit einem inoperablen Hirnaneurysma als ich sie kennen lernte. Alle, die das wussten (sie machte kein Geheimnis daraus), bewunderten ihre Stärke. Immerhin ist das ein Leben „unter dem Fallbeil“: im Grunde kann sowas jederzeit platzen, bei bestimmten Anstrengungen zum Beispiel, ganz abrupt ist dann Schluss.

Ullas letztes Foto

Sie lebte dennoch kein Leben „mit Rücksicht aufs Risiko“, sondern wollte lieber genießen, was es zu genießen gab, so lange es eben währte. Und sie hatte recht damit, denn gestorben ist sie nicht am Aneurysma, sondern an Bauchspeicheldrüsenkrebs – die niederschmetternde Diagnose bekam sie im Februar 2007.

In ihrem letzten Jahr erlebte sie noch die Freude, Frieden mit ihren erwachsenen Kindern zu schließen (mit denen sie lange uneins war. Sie machte mit ihrem Sohn eine letzte Reise nach Frankreich, ans Meer – und seltsamerweise ist die „Fußspur im Sand“ das letzte Foto, das es von ihr im Internet gibt.

Ja, sie war eine begeisterte Fotografin! Und so gibt es noch viele Bilder von ihr im Web – neben Flickr auch auf Fotolog.net, bei der Foto-Community und Africanews.com. Zudem gibt es Gedenkseiten und sogar einen „Fan-Club Love-to-Ulla“.

Wer viel gibt, lebt länger…

Eigentlich wollte sie mir die Festplatte mit ihrem Bildern vermachen. Es ist dann aber nicht dazu gekommen, ich wollte die Nachkommen – nach einem kurzen Kontakt – nicht weiter damit belästigen. Ist ja auch gar nicht nötig: die Bilder sind im Web, zu tausenden!

Wir schreiben unser Leben in den Sand, doch im Netz halten sich die Spuren etwas länger. Allerdings nur dann, wenn wir unsere Schätze weiträumig verteilen. Ihre eigene Domain Altweibersommer wurde nämlich „frei gegeben“ – und wie das dann halt so passiert, von einem Domaingrabber aufgepickt und „umgenutzt“ (zeigt jetzt auf eine Sex-Seite mit älteren Semestern. Ich glaube, Ulla wäre nicht mal sauer gewesen!) Dennoch: das lasse ich auch mir eine Lehre sein und werde zusehen, meine Texte wieder mehr auf die Reise zu schicken.

Danke Ulla! Du warst eine wunderbare Frau!

Diskussion

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11 Kommentare zu „In Memoriam: Ullas letztes Foto“.

  1. Oh ja, Ulla war ein echtes Original. Neugierig auf das Leben, wagemutig, geradeheraus, kreativ, offensiv und sie ließ sich nicht klein kriegen von den Schicksalsschlägen, die ihr das Leben brachte. In der Erinnerung vieler im Internet lebt sie weiter, bis die (wir) dann auch nur noch Erinnerung bzw. Geschichte sind. Wie lange die virtuellen Erinnerungen bestehen bleiben? Das ist wohl tatsächlich sehr unterschiedlich. Ich habe in all den Jahren so einige, die ich nur über das Internet kannte, sterben „sehen“. Von manchen finden sich immer noch Spuren im Netz, von anderen ist dort nichts mehr zu finden (und das hat nicht immer mit der vorher stattgefundenen „Streuung“ zu tun). In wie vielen Herzen sie dennoch Spuren hinterlassen haben (und sei es „nur“ über die virtuellen Wege), weiß keiner.

    Einen schönen Nachruf hast Du da geschrieben!

  2. Ojaa. Altweibersommer, der war jahrelang täglich für mich.

  3. Bewegend!

  4. @Liisa: worauf meinst du, kommt es noch an außer der „Streuung“?

  5. z.B. auch auf die „Empfänger“ des „Gestreuten“. Es gibt eifrige Sammler, die einfach nur sammeln und wenn jemand dann „weg“ ist (ob nun tot oder aus anderen Gründen aus dem Netz verschwunden) weiterziehen und keinen Gedanken mehr an den „Streuer“ verschwenden. Und es gibt andere, die vergessen über dem Gesammelten auch den „Streuer“ nicht. Und natürlich hängt es auch von der Qualität des „Ausgestreuten“ ab. Wer zwar tausende Bilder gestreut hat, die aber so oder ähnlich auch an zig anderen Stellen im Netz zu sehen sind, bleibt weniger in Erinnerung als jemand der es z.B. verstanden hat, über Themen zu schreiben, die Menschen bewegen und ihnen eine Art „Mehrwert“ zu geben (durch besondere Authentizität, eine Bereitschaft zur Offenheit ohne dass es in blosses Seelenstriptease ausartet, hilfreiche Gedankengänge, Tipps, was weiß ich). Und die Vernetzung innerhalb des Internets spielt natürlich auch eine Rolle. Viele Vernetzungen erhöhen einerseits die Chance, dass unter den Kontakten welche sind, die einen in Erinnerung behalten, aber eine Garantie ist das auch nicht. Kontakte sind nicht gleich Kontakte und Zahlen nicht alles. Ich kann 1000de Follower haben und doch schnell vergessen sein und ich kann unter Umständen nur 50 Follower haben aber genau die richtigen und werde unter Umständen „ewig“ nicht vergessen. … so in der Art meinte ich das.

  6. wie geht das?
    Es ist gerade ein paar Tage her, dass ich an die website von Ulla gedacht habe. Ich war früher auch häufig auf ihrer Seite. Und nun schreibst du heute diesen Beitrag?
    Ich glaube in unseren Gedanken sind wir irgendwie alle miteinander verbunden.
    Nachdenkliche Grüße,
    helen

  7. […] Vor kurzem hat mich ein Eintrag bei Claudia Klinger nachdenklich gemacht. Da ging es darum, wie schnell Einträge und Texte verschwunden sein können, wenn wir gestorben sind. (Ha ha, auch wieder so ein Mythos: Das Internet vergisst nichts.) Aber das Nachdenken hat mich dann doch nur zu dem Punkt gebracht, dass das dann auch nicht schlimm wäre. Von mir muss nichts mehr weiterexistieren, wenn ich tot bin. Nichts materielles und nichts virtuelles. Ist schon alles richtig so. Bewusst wurde mir aber auch: wäre schade, wenn die Sachen vorher verloren gingen und dann gebe ich Claudia wieder recht: Texte sollten verstreut werden, wenn sie nicht nur für sich selbst geschrieben sind. Verstreut in alle Winde. November 24th, 2012 in Gedanken, Rund ums Bloggen | tags: Bloggen, Erinnerung, persönliches Schreiben, Schreiben, Tagebuch […]

  8. An dieser Stelle mal eine ganz dicke Scheibe Brot für alle unsere stillen (und natürlich auch die lauten) Leser. Ich weiss nicht, ob Ihr Euch bewusst seid, wie sehr das Gespür, dass Ihr da seid, uns bestärkt, Themen und Energie finden lässt.
    Das Internet ist eine scheinbar so flüchtige Welt – und doch bietet sie jede Möglichkeit, Verbindungen zu halten, die alles Mögliche überdauern können – weil man einander an Dinge führen kann, die für immer Teil von uns bleiben.

    Es ist spannend ein Suchender zu sein.

    Und es ist ein Trost, als solcher nicht allein unterwegs zu sein.

  9. Ich schließe mich Kurt an und danke Euch allen herzlich, dass Ihr hier immer wieder malein paar Sätze hinterlasst!

  10. Ich habe Ulla de P. nie kennen gelernt, und kannte sie doch recht gut. An meinem Geburtstag 2007 wurde sie beerdigt.
    Immer wieder denke ich an sie, an ihre vielen schönen Bilder, an ihre wunderbare Art, zu schreiben, uns an ihrem Leben teilhaben zu lassen.
    Ich habe damals zum ersten Mal einen Menschen liebgewonnen, den ich „nur“ über das Internet kannte – sie hat einen immerwährenden Eindruck hinterlassen.
    So habe ich sie heute hier wieder gefunden.
    Warum das so ist? Warum wir so empfinden, so erinnern, so festhalten? Keine Ahnung…
    Manche meinen, der Mensch hat eine Seele – und die lebt ewig!
    Ich denke, das stimmt!

  11. Ich habe Ulls über das skorend Kompasd Forum kennen- und schätzengelernt
    Ja, sie war eine bewundernswerte Frau. Ich werde sie nie vergessen.
    Ich sende Ulla liebe Grüße ins Regenbogenlland.

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