Claudia am 11. August 2012 — 4 Kommentare

Medaillenplan? Sportsoldaten? Na, wir haben es ja….

Aha, die deutschen Olympioniken haben also die Vorgaben des „Medaillenplans“ krass verfehlt, den das Bundesinnenministerium mit den Sportverbänden im Zuge der Zuwendungsverhandlungen vereinbart hat. Was folgt jetzt daraus? Müssen die Fördergelder etwa zurück gezahlt werden?

SPIEGEL ONLINE schreibt über die Summen, um die es hier geht:

„Neun Bundesministerien finanzieren mit rund 240 Millionen Euro pro Jahr Maßnahmen auf dem Gebiet des Sports. Der größte Anteil entfällt auf die Spitzensportförderung durch das BMI – es stellt 132 Millionen Euro aus Steuermitteln bereit. Aus dem zweitgrößten Sportetat, dem des Verteidigungsministeriums, werden die Hundertschaften von Sportsoldaten alimentiert, in diesem Jahr mit 63 Millionen Euro. Außerdem wurden sechs Millionen aus dem BMI-Einzelplan für die Olympia-Vorbereitung verwendet.

Tatsächlich aber kommt viel mehr zusammen, weil viele Zurechnungen unklar bleiben und auf anderer Ebene ebenfalls Steuermittel in den Spitzensport fließen. Eine umfassende, nachprüfbare Auflistung aller Zuwendungen – lokal, regional, bei Bundespolizei und Zoll – existiert nicht. Das ist in anderen Ländern anders, etwa in Großbritannien und Dänemark. Dort sind Zuwendungen und Medaillenpläne öffentlich.“

Normalerweise gehöre ich nicht zu jenen Radikalen, die meinen, der Staat solle sich aus allem weitestmöglich heraus halten, aber hier gäbe es – ginge es nach mir – einen totalen Förderstopp. Der Staat sollte – wenn schon – Breitensport aus Gründen der Gesundheit fördern, nicht aber diese kaputte Welt des Spitzensports, der Korruption, des Dopings, der krassen Selbstbeschädigung der Athleten aus Ehrgeiz, und nicht zuletzt: der nationalen Eitelkeiten.

Sportsoldaten: Ein Leben für BMX

Was denn wohl „Sportsoldaten“ sind, hab‘ ich mich beim Lesen des Artikels dann noch gefragt. Inwiefern dient es der Landesverteidigung (meinetwegen bis zum Hindukusch), dass das Verteidigungsministerium die Sportlerkarrieren ganzer Hundertschaften fördert? Offenbar ist das eine naive Frage, denn darum geht es nicht, wie die Süddeutsche erläutert:

„In den wenigsten olympischen Disziplinen können Sportler von Prämien oder Sponsorengeldern leben. Die Anstellungen bei Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll sind quasi das Vehikel, mit dem der Staat seinen besten Athleten ein bezahltes Vollzeit-Training finanziert. Dass manch einer seine pazifistischen Einstellungen überdenkt angesichts dieser Verlockung, liegt da auf der Hand.“

Diese braucht man offenbar gar nicht in Frage zu stellen. Luis Brethauer, 19-Jähriger Sportsoldat sagt: „BMX ist mein Lebensinhalt, und die Bundeswehr gibt mir die Möglichkeit, mich ganz diesem Lebensinhalt zu widmen.“

Na Glückwunsch! Wenn ein Harz4-Empfänger sagen würde, sein Lebensinhalt sei der Naturschutz und die Erhaltung der Artenvielfalt, würde ihm schnell die „Förderung“ entzogen, weil sein ehrenamtliches Tun ihn ja von der Hatz nach dem Arbeitsplatz abhalten könnte. Dabei sehe ich dieses Engagement als weit gemeinnütziger an als ein „Leben für BMX“!

Die Städte driften der Pleite entgegen, können ihre Straßen nicht mehr reparieren, schließen ihre Bibliotheken und Jugendzentren, aber da ganz oben gehts um „Medaillenpläne“, koste es, was es wolle.

Ach ja, jeden Tag finde ich neue Gründe, so langsam richtig staatsverdrossen zu werden.

Diskussion

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4 Kommentare zu „Medaillenplan? Sportsoldaten? Na, wir haben es ja….“.

  1. Angeblich motivieren Spitzensportler zum Breitensport.

  2. Sportsoldaten finde ich allerdings immer noch sympatischer als die anderen Soldaten. Von mir aus können wir aber die ganze BW abschaffen. Uns erobert keiner, niemand muss unsere Landesgrenzen verteidigen. Wir sind schon erobert und besetzt.

  3. ich würde jedem satz des beitrags beipflichten. voll sogar.

  4. Wie kannst du es wagen, einen ALG II Empfänger mit einem Spitzensportler gleichzusetzen? Das wäre zwar im Sinne des GG, aber es kann sich nun mal kein Politiker mit ihm medienwirksam in Szene setzen. Und da die Kalkulation nicht aufgegangen ist, wir jetzt endlich mal nachgefragt, was wieder so merkwürdige Dinge wie die Causa Deutschlandfunk und Jens Weinreich nach sich zieht.

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