Claudia am 27. März 2012 — 11 Kommentare

Die morgendliche Suche nach Intensität

Liegt es daran, dass ich morgens nicht aufbreche, um einen Arbeitsplatz im Kreis von Kollegen aufzusuchen? Die mir dann erzählen könnten, was ihnen Wichtiges widerfahren ist, zuhause oder „im richtigen Leben“?

Bewusst hab‘ ich mich nie danach gesehnt, ganz im Gegenteil: ich war und bin glücklich darüber, dass ich seit Mitte der 90ger von zuhause aus arbeiten kann. Dort, wo „Leben und Arbeiten“ einander nicht krass getrennt gegenüber stehen, wie es für Angestellten-Jobs typisch ist. Dass sich junge „kreative“ freiwillig in eine neue Art Großraumbüro einmieten, um nicht allein zu sein, wundert mich eher, als dass ich sie beneide. Die Freiheit, mein Erwachen, Aufstehen, Arbeiten und Pausieren selbst zu wählen, möchte ich nicht missen – und dass ich mich dafür nicht umfangreich „zurecht machen“ muss, schätze ich als Lebensqualität.

Trotzdem: dass ich morgens erstmal allerlei Nachrichten-Strecken sichte, den Mainstream, die Blogosphäre, die „unabhängigen“ Quellen, sowie meine Blogroll und vielleicht dann noch GooglePlus – das ist wohl eine Art Ersatzhandlung. Statt realem menschlichen Kontakt will ich wenigstens wissen, was die Aufreger des Tages sind, bzw. ob ich etwas finde, dass über das gewöhnliche Geschwurbel hinaus geht; etwas, das mich tiefer berührt und mir zeigt, dass es ein „wir“ gibt, das gemeinsame Interessen hat. Bzw. viele „wirs“, aber immerhin….

Mir fällt das jetzt auf, weil ich mich gefordert fühle, damit aufzuhören bzw. es auf ein Minimum einzuschrumpfen. Ich werde die Morgenstunden brauchen, um das Buch „unverbissen vegetarisch“ zu schreiben. Der Vertrag ist geschlossen, es kann also losgehen. Früh aufstehen, schreiben, dann erst das Web sichten, danach die gewöhnlichen Arbeiten (die ich dank Vorschuss etwas herunter fahren kann) – und danach der Garten. Es bleibt jetzt ja wieder lange hell…

So sieht jedenfalls mein Plan aus. Dass ich jetzt noch blogge, zeigt, dass der Transfer in die neue Dísziplin nicht ganz einfach ist. Zum Glück ist es kein Mega-Wälzer, den ich da verfassen muss… :-)

Diskussion

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11 Kommentare zu „Die morgendliche Suche nach Intensität“.

  1. ähm… tröste dich, claudia, in einem büro mit greifbaren kollegen sieht der tagesbeginn häufig eher so aus, dass man froh sein kann, wenn man sich eine tasse kaffee aus dem automaten ziehen kann, bevor dann die tagesaufgaben schon über einen hereinbrechen. und nicht alles, was die kollegen dir ggf. erzählen, willst du überhaupt oder in dem moment gerade hören. auch wenn es natürlich viele nette gibt und auch viele nette gespräche, aber ich kenne beide welten und finde nicht, dass du von einer ersatzhandlung sprechen musst. :-) und wenn man das kollegengespräch haben will, kann man das ja auch via telefon oder netz mit anderen freelancern haben. kollegen in einem büro sind letztlich zufällig zusammengewürfelte menschen. wenn diese menschen harmonieren und auf einer wellenlänge sind, ist das ein glücksfall, aber durchaus nicht selbstverständlich. (die gruseligen witze, die mir ein früherer kollege jeden morgen vorlas, ob ich wollte oder nicht, hätte ich jedenfalls gerne verpasst. ;-) )

  2. Naja, Claudia, Du brauchst nicht Dein So-Leben zu begründen bzw. verteidigen.
    Deine Gegengründe „Die Freiheit, mein Erwachen, Aufstehen, Arbeiten und Pausieren selbst zu wählen, möchte ich nicht missen“ sind nicht ganz stichhaltig, denn das hast Du meist auch im Büro in der Hand (auch wenn es Tage gibt, wo es drunter und drüber geht, aber sicher auch bei Dir). Und meine Kollegen habe ich mir zwar nicht ausgesucht, aber bei JEDEM finde ich einige Anknüpfungspunkte und gemeinsame Interessen bzw. Standpunkte.
    Alles in allem ist es ein Gewinn, mit ihnen zusammen zu sein.

  3. Glückwunsch, das ist Super.
    Freut mich sehr für Dich dieser Vertrag,
    um das Buch “unverbissen vegetarisch” zu schreiben.

    „Früh aufstehen, schreiben, dann erst das Web sichten“

    Die frühen Morgenstunden sind mir seit etwa 1977 immer noch die angenehmsten gewesen. Geradezu perfekt, um zum Beispiel ein Buch entstehen zu lassen.
    Ich wünsche Dir allerbeste Freundschaft mit diesen Morgenstunden. Ich selbst stehe heute noch zwei, drei Mal die Woche zwischen drei und vier in der Früh auf.

    Aber das ist hier ja gar nicht Dein Thema, wie ich soeben bemerkte ;-)) Du schriebst ja nur über Umnutzung vorhandener (Arbeits)-Zeitspannen. – Okay, vielleicht magst Du meinen Einwurf dann ja als zu erprobende Möglichkeit checken, wenn Dir eine so unchristliche Aufsteh-Zeit nicht zu brutal erscheint.

    Mach`s gut, Hermann

  4. Hab noch was vergessen.

    Sehr früh aufstehen, um kreativ zu sein
    oder die ruhigen Stunden anderweitig zu nutzen

    …Immer nur Ohne Wecker.

    Wenn die Zeit Dich liebt, weckt sie Dich, wenn sie Dir am meisten dienlich sein kann – ganz von allein ;-))

  5. @Gerhard: weder begründe, noch verteidige ich in diesem Artikel irgendwas – ich ERZÄHLE! :-)

    Übrigens hab ich auch schon Zeiten in „Büro-Jobs“ verbracht – das war ein vergleichsweise reglementiertes Leben, das mir seinen Rythmus aufzwang. Himmelweit von dem entfernt, was ich lebe, seit ich selbständig und physisch alleine arbeite!

    Und nö, Tage an denen es „drunter und drüber“ geht, erinnere ich definitiv nicht. :-)

  6. @Hermann: zwar besitze ich einen Wecker, muss ihn aber in seiner Weckfunktion zum Glück nicht benutzen. (Ich stell ihn, wenn ich mal mittags einen Zahnarzttermin habe, den ich nicht vergessen will…).

    Bin übrigens keine „um jeden Preise gerne Spät-Aufsteherin“. Ich kann ebenso gut im Früh- wie im Spätrythmus arbeiten, besser fühle ich mich, wenn ich früh beginne. Der Nachteil ist halt: wenn man es einmal durchbricht und es richtig spät wird, dauert es wieder Tage, bevor sich der Frührythmus stressfrei wieder einspielt.

  7. Hallo Claudia,

    erst mal Gluckwunsch zu deinem neuen Auftrag. Ich bin gespannt auf das Buch. Vielleicht sind ein paar geeignete Rezepte für meinen Arbeitgeber dabei. Unsere Gäste fragen immer mehr nach vegetarischen Gerichten. Jetzt zur Biergartensaison ist die Gemüsequiche der Renner. Im Winter wars Tofugulasch, na ja das muss man mögen.

    Das Büro zu Hause erfordert eine Menge Disziplin – Hut ab! Für mich war das nix. Ich hab‘ zwar echt viel gearbeitet aber manchmal kam es vor, dass ich am Abend immer noch im Schlafanzug da saß. Jetzt gehe ich wieder jeden Morgen pünktlich aus dem Haus, das bekommt mir besser. :-)

  8. @Christa:

    „Im Winter wars Tofugulasch, na ja das muss man mögen.“

    Will man ein Gulasch, das schmeckt „als wie…“, dann darf man nicht TOFU, sondern sollte texturiertes Sojafleisch (Würfel) verwenden. Damit kann man Gulasch kochen, das NICHT als vegetabil erkannt wird! (Wenn dem nicht so ist, konnte der/diejenige es nicht richtig kochen).

    Sei versichert, so ein Rezept kommt ins Buch – ist aber auch schon vorher auf dem Blog unverbissen-vegetarisch.de zu lesen. Ich werde, extra für dich, nochmal ein eigenes dort posten.

    Im übrigen hab ich eine Broschüre „Vegetarisch für Profis“ oder so ähnlich – da sind Küchenchefs in der Gastronomie und in Kantinen die Zielgruppe. Ich such es mal raus, vielleicht ist das was für dich!

  9. Hallo Claudia,

    oh, da freuen wir uns d’rauf. Wir sprachen heute in unserem Mittwochsmeeting drüber. Die vegetarische Küche wird immer mehr nachgefragt bestätigte unser Küchenchef. Allerdings die einfachen ursprünglichen Gerichte, Linsen Graupen usw. Gute Kochbücher sind rar meinte er. Er vermisst auch oftmals Infos über die Herkunft der Gemüse, die Aufzucht oder wie es wächst. Fenchel meinte er, weiß zum Beispiel keiner wo er steht.

    Das Gasthaus-Team aus Mannheim ist gespannt und wünscht dir eine gute Feder.

  10. @Christa:

    hier gibts die „Vegetarisch für Profis-Brochüre“ zum Download. Da steht natürlich wieder viel MEHR drin, als Du vermutlich brauchst – es ist aber eine gute Grundlage für Gastronomen, die der zunehmenden Veggie-Nachfrage entgegen kommen wollen.

    Man kann sich die Broschüre auch gedruckt schicken assen (3 Euro)

    Ein interessantes Experiment wäre – neben üblichen Gemüse-lastigen Alternativen – tatsächlich auch mal das vegane (=komplett pflanzliche) Gulasch-Gericht, das schmeckt wie normales Gulasch – die Verblüffungserfolge sind immer wieder toll zu sehen!

    Wie gesagt: dafür das Rezept alsbald – natürlich für den kleinen Rahmen. (Sowas ist übrigens drastisch billiger als jede Art Fleisch…)

  11. Danke Claudia,

    Fettuccine, Spaghetti, Lasagne, geschmorte Bohnen, gefülle Paprika, Spargel alles was das Herz begehrt, lecker! Oh ich bekomm‘ Hunger!

    Ich leite den Link an unser Küchenteam weiter. Leider ist die Druckausgabe derzeit nicht verfügbar.

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