Claudia am 14. Februar 2012 — 6 Kommentare

Alle Blödheit geht vom Volke aus

In der letzten Zeit hab‘ ich öfter mal dran gedacht, einen Blogbeitrag zum Thema „Wie ertragen wir all den Mist, der in der Welt vorgeht?“ zu schreiben. Immerhin tut es gut, wenigstens schriftlich die eigene Ratlosigkeit und die angesichts der täglichen Nachrichten immer wieder „aufpoppende“ Wut auszusprechen.

Dass so ein Posting dann doch nicht zustande kam, liegt an meinem Hang zum Konstruktiven: Bloßes Schimpfen und Jammern – was soll das helfen? Vermutlich würden Kommentare geschrieben, die ganz individualistisch die Segnungen weitgehender Ignoranz preisen, was mich dann nur noch weiter runter zieht. Obwohl ich mich selbst durchaus gelegentlich abwende und manche Sauerei gar nicht mehr mitlesen mag, finde ich das falsch und mag es nicht unterstützen.

Abgesang auf den Home demens

Einen in Sachen Menschheits-Bashing weniger enthaltsamen Weg hat der humanistisch orientierte Autor Michael Schmidt-Salomon gewählt. Seine Streitschrift „Keine Macht den Doofen“ ist „eine Generalabrechnung mit dem globalen Irrsinn, gnadenlos in Inhalt und Form, wohl eines der radikalsten Bücher, die je geschrieben wurden“, wie es der HdP (humanistischer Pressedienst) ankündigt.

Der ansonsten als Religionskritiker bekannte Autor gibt an, sich beim Schreiben keine Gedanken gemacht zu haben, wie seine Analysen des Weltgeschehens (insbesondere mit Blick auf Wirtschaft, Umwelt, Finanzkrise etc.) beim Leser ankommt. Er habe den inneren Kritiker ausgeschaltet, der ungefilterten Radikalität zuliebe. Vom „Homo sapiens“, dem weisen/wissenden Menschen will er denn auch nicht mehr sprechen, sondern prangert den „Homo demens“ an, der einfach irre sei und seinen Wahnsinn mittels der „Schwarmdummheit“ (!) noch verstärke.

Gefallen hat mir insbesondere die im Interview mit HdP formulierte Sicht auf Verschwörungstheorien (die mir in ihrer mentalen Schlichtheit auch oft den Glauben an den intelligenten Funken im Menschen rauben):

„Das Grundproblem jeder Verschwörungstheorie ist doch, dass den vermeintlichen „Verschwörern“ nicht nur größtmögliche moralische Hartherzigkeit, sondern eine geradezu übermenschliche Intelligenz angedichtet wird. Mit diesen Mythen räumt „Keine Macht den Doofen!“ gründlich auf. Ich zeige, dass es eben nicht am fehlenden Weltethos, sondern an fehlender Intelligenz liegt, dass die Dinge noch immer so sind, wie sie sind. Die erschütternde Wahrheit ist: Wir sind nicht zu böse, sondern bislang einfach nur zu blöde, um gerechtere Verhältnisse zu schaffen. Idiotischerweise haben wir ein System geschaffen, das die Rationalität des Einzelnen mit tödlicher Präzision zur Grundlage eines kollektiven Irrsinns macht, der uns Entscheidungen treffen lässt, die innerhalb des Systems als „klug“, ja sogar „vernünftig“ erscheinen, obwohl sie in Wahrheit von atemberaubender Dummheit sind.“

Wer also durchs Lesen krasser Brandreden den eigenen Ärger über die Zustände besser erträgt, ist mit gerade mal 5,99 Euro für die 128 Seiten sicher bestens bedient. Mehr zum Inhalt des Buches findet sich in der ausführlichen Rezension von Matthias Krause.

Diskussion

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6 Kommentare zu „Alle Blödheit geht vom Volke aus“.

  1. doof? klar! blöd? logo! trotz allem sollten wir nicht vergessen, dass noch vor paar generationen leute in fasnachtsähnlichen kutten darüber befunden haben, wer leben darf und wer brennen muss, und niemand hat darüber gelacht oder gar fragen gestellt … mit der doofheit ist das so eine sache – sie ist wie alles übrige zutiefst relativ, und ganz anbei darf und mag auch an dieser stelle vermerkt sein, dass es keine zeit der bisherigen menschheitsgeschichte gibt, in der ich persönlich lieber leben möchte als exakt der jetzigen

  2. Die meisten Menschen haben keine Ahnung von den Dingen die ihr eigenes Leben betreffen. „Die“ lesen keine Inhaltsangaben von Lebensmitteln, Beipackzettel von Medikamenten, interessieren sich ausser Aussehen und Geschmack nicht für ihre Nahrungsmittel und wählen nach Aussehen und Sympathy die Politiker. Die Liste liesse sich endlos verlängern. So gesehen ist die Blödheit grenzenlos.

  3. ja,die blödheit ist grenzenlos und riesig. das allerdings schließt nicht aus, da0 es einige menschen gibt oder geben kann, die diese massenblödheit, die ja auch nicht vom himmel gefallen ist, für sich ausnutzen.
    nebenbeu bemerkt: diversen obskuren verschwörungstheorien stehe ich durchaus kritisch gegenüber, gezieltes und abgesprochenes handeln, welches kriminelle machenschaften durchaus einschliesst, halte ich dagegen für wahrscheinlich.

  4. Ich bin Optimist.
    Ich bin davon überzeugt: Es wird einmal intelligentes Leben auf diesem Planeten geben.
    Die Erde hat einfach zu viel Potenzial, als dass sie sich mit unserer Spezies zufrieden geben müsse.

    Gruß
    Ralf

  5. Ich finde es ganz unerheblich, für wie schlau oder doof ein Mensch sich selbst oder die anderen Menschen HÄLT. Wie schlau oder wie doof er IST, das zeigt ihm sein Befinden.

  6. @Uwe: ich sehe ja nicht, wie bloßes Befinden Rückschlüsse auf Intelligenz zulässt – schließlich leiden sowohl dumme Menschen als auch schlaue…

    Aber die „Blödheit“ ist m.E. auch nicht der entscheidende Faktor -ich hatte zwar Lust, das Buch vorzustellen, teile aber seine Sicht nicht. Denn es ist ja gerade DER SKANDAL, dass die Menschen trotz fortgeschrittener Intelligenz und Erkenntnisfähigkeit sich nicht im Stande fühlen, den Erkenntniseen entsprechend zu handeln. Das liegt NICHT an der Blödheit, sondern an der archaischen Triebstruktur, die wir nicht einfach „aus dem Kopf“ überwinden können – punktuell ja, aber meist nicht nachhaltig. Und schon gar nicht alle gleichzeitig…

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