Claudia am 26. Oktober 2011 — 10 Kommentare

Hat nicht interessiert? Dann kommts halt weg.

Grade hab‘ ich den gestern hier erschienenen Beitrag zur aktuellen Datenschutz-Debatte wieder „depubliziert“. Nicht ganz vernichtet, nein, nur umgesetzt in ein anderes Blog, wo er thematisch besser passt.

Hier im Diary hat nämlich niemand etwas dazu gesagt. Obwohl es sich um eine durchaus „kantige Frage“ handelte, auf die ich zumindest Widerspruch erwartet hätte. Ja, ja, Erwartungen sind der Samen der Enttäuschungen, ich weiß – aber wer kann schon von sich behaupten, niemals solche zu hegen! Ich nicht.

Dass ich das Schweigen der Leser überhaupt zum Thema mache, erklärt sich damit, dass es ja durchaus ein Kommentar-Gespräch über den Artikel gibt: Leider nicht „hier“, sondern auf GooglePlus. Was bedeutet: keiner der dort formulierten Gedanken landet im Blog, wo er andere Leser/innen zu Beiträgen inspirieren könnte – was je nach Thema binnen Tagen, Wochen, manchmal sogar nach Jahren noch passiert.

Wogegen ein Gespräch auf GooglePlus meist nach kurzer Zeit vergessen ist, raus aus dem sichtbaren „Stream“, verdrängt von schnell einfließenden neuen Meldungen. Dem entsprechend sind die Gespräche dort eher kurz und dringen selten in die Tiefe eines Themas. Üblicher ist, dass Leute Einwände posten, die im ersten Absatz des verlinkten Artikels beantwortet werden. Geht man darauf ein, ist das regelrechter „Lebenszeit-Klau“!

Personen statt Themen

Dass es ist, wie es ist, liegt auch daran, dass in sozialen Netzwerken wie G+ und FB grundsätzlich Personen vernetzt sind, nicht Themen.

Eva Schumann kritisiert genau das in ihrem Rundumschlag „Das Internet hat auch Abgase“:

Sowohl bei Facebook als auch bei Google+ muss ich mich mit allen über alles auseinandersetzen. Wenn ich mit jemandem verknüpft bin, dann kriege ich seine Statusmeldungen, egal zu welchem Thema. Aber will ich mich mit jemandem über Politisches auseinandersetzen, weil ich mit der Person wegen Gartenfragen vernetzt bin? Nein.
Will ich bei einer Recherche für ein politisches Thema auf Seiten hingewiesen werden, die jemand gut findet, mit dem ich wegen der Begeisterung für rosa Duschhauben verknüpft bin? Nein.

Dass sich die Webwelt dahin gehend ändert, dass immer mehr Menschen immer häufiger Texte posten, die jedoch strukturell ihrer potenziellen Relevanz beraubt werden, ist ein mieser Trend. Wer bemerkt werden will, muss in hoher Frequenz Aufreger oder Witziges posten, dann steigt der Vernetzungsgrad und man kann sich auf die Schulter klopfen: Wow, offenbar trage ich erfolgreich zur Unterhaltung bei!

Das ist es aber nicht, was mich interessiert. Nicht mehr. Ich will nicht unterhalten, sondern (ok, allermeist…) das teilen und besprechen, was mir inhaltlich wichtig ist. Unabhängig von meiner Person, die allenfalls (vielleicht…) ein gewisses Vertrauen genießt, dass sie nicht mutwillig irrelevanten Schrott verbreitet.

Aber: Was „relevant“ ist, bestimmen letztlich die Leser. Dass es da unterschiedliche Resonanz auf verschiedenen Kommunikationsebenen gibt, wundert nicht, doch spielt eben auch die Frequenz und Schnelligkeit eines Mediums eine zunehmend große Rolle. Wären Blogs noch von statischen Heimseiten umgeben, wäre ihre Postingfrequenz, ihr Grad an Beschleunigung das Maß der Dinge.

Diese Zeiten sind lange vorbei. Was das für Konsequenzen hat, erleben wir gerade. Es wird trotzdem nicht zur Norm werden, dass ich Postings aufgrund mangelnder Resonanz „depubliziere: der Beitrag zum Facebook-Button war fürs Digital Diary tatsächlich etwas zu „nerdig“.

Diskussion

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10 Kommentare zu „Hat nicht interessiert? Dann kommts halt weg.“.

  1. Der „Lebenszeit-Klau“ ist einer der Gründe, weshalb ich nicht solche „sozialen Netze“ nutze, ich habe zum Glück sehr viele Möglichkeiten, meine Freizeit für mich (das heißt, für andere mag eine erfüllte Freizeit anders aussehen, das ist in Ordnung) gewinnbringender auszufüllen, dazu gehören insbesondere das ablenkungsfreie Lesen von Büchern – keine Hyperlinks, Popups etc. – die mein Wissen bereichern („Sachbücher“) und meine Fantasie anregen (Romane) aber ich beschäftige mich auch viel mit dem Computer (Programmieren, „Internet“). Den Fernseher verschenkte ich vor Jahren.

    Da ich „soziale Netze“ im Sinne von Facebook oder Google+ nicht nutze, schrieb ich bis jetzt nichts darüber. Der zitierte Blog-Eintrag enthielt für mich zu viel verschiedenes („soziale Netze“ + Politik), ich wusste nicht, auf was ich antworten sollte und er erschien mir zu allgemein, z.B. nannte er nicht die Namen der Politker, wann hat wer wo was gesagt? Zumindest Links.

    Die Behauptung, viele interessiere nicht, was mit ihren Daten geschehe, erforderte eine Antwort, was damit geschieht, in der Länge eines kleinen Buchs, in der Hoffnung, das Interesse dafür zu wecken. Mich reizt es zu einer „bösen Antwort“, die ich nun kundgebe: Ich wäre dumm, mich nicht dafür zu interessieren, was „mit meinen Daten geschieht“ und naiv, glaubte ich, meine Vorteile überwögen, falls ich diese „Wirtschaftsprofiteuren“ überlasse. Nur fehlt mir die Zeit, das im Detail zu begründen.

    Ich stimme in dieser Beziehung mit dem Blog-Beitrag überein: Wie bestimmte Politiker mit „dem Internet umgehen“, ist bedenklich, die „böse Antwort“ wäre: Jene Politiker verstehen vermutlich nichts vom Internet, sie dürften auch keine Zeit dafür haben, oder sie wollen ihren Einfluss, ihre Kontrolle erweitern zum Nachteil der meisten. Noch „böser“: Als Programmierer behaupte ich, die meisten, die das Internet nutzen (am häufigsten bislang via dem HTTP), verstehen praktisch nichts vom Internet (manche denken vielleicht, was sie im Webbrowser sehen, sei das Internet), indes sie es gut benutzen können. Zum Teilverständnis ist eine riesige Menge an Wissen erforderlich, insbesondere über Computer, wie diese funktionieren und wie Computerprogramme funktionieren, dazu spezielle Implementierungen, Datenverarbeitung, Netzwerkprotokolle, für’s Internet im Speziellen TCP/IP und jenseits davon, wie eine „Gesellschaft in etwa funktioniert“ ausgehend von der Psychologie eines einzelnen.

    Vielleicht hielt dies mich von einer Antwort ab: Der Artikel rief in mir ambivalente Gefühle hervor: Ich halte es für schlimm, was Facebook mit den Daten unternimmt – lies einmal die letzte oder vorletzte c’t bezüglich Facebook, der Artikel lässt erahnen, wie die Technik (Facebook-Datenbank + Webbrowser-Technik) dich „bereits jetzt durchleuchten kann“ und stelle dir vor, was geschieht, falls jemand „Vollzugriff“ darauf hat, der dir schaden will und kann (dies könnte die Regierung von morgen sein – wer das nicht glaubt, hat vermutlich nie Geschichtsbücher und Psychologiebücher gelesen – oder ein „Einbrecher“ von heute). In diesem Punkt ist Kritik angebracht, allerdings nicht, wie es die zitierten Politiker umsetzen wollen (Kritik gut, Lösungsvorschlag schlecht, entweder nicht überdacht oder nicht ernst gemeint).

    Für Persistenz („Daten nach dem Tod“) ist ein Unternehmen erst recht ein schlechter Ort, aber wie ich früher postete und wie es weiter oben steht („Lebenszeitklau“): Wer kann/wird heute noch lesen, was gestern geschrieben wurde, wenn er nicht annähernd das bewältigen kann, was ihn heute „überwältigt“? Dennoch sollte dies möglich sein, aber hier sollte man nicht hoffen, irgendein (profitorientiertes) Unternehmen wird dies bewerkstelligen.

  2. @Elmar:

    danke für deinen ausführlichen Kommentar! Das ist das Schöne an der Blog-Kultur, dass so etwas möglich ist. In den „sozialen Netzwerken“ fassen sich die Menschen äußerst kurz, wohl wissend, dass im Strom der vielen Nachrichten die Aufmerksamkeit für die einzelne Meldung äußerst knapp ist und ein langer Text eher übersprungen wird.

    In einem Blog gibt es keinen „Strom“. Da steht einfach der Artikel und darunter die Kommentare – und das bleibt auch so. Hier kommentieren Besucher schon mal fünf Jahre alte Texte (siehe Wie romantische Liebe zum Beziehungselend wird), auf Google+ ist fast jedes Posting nach Stunden, maximal nach ein paar Tagen „außer Sicht“ und aus dem Sinn.

    Das ist wie in den Sand schreiben – die Metapher stimmt immer noch, obwohl Facebook die Timeline als „Buch des Lebens“ eingeführt hat und möchte, dass man sich da von der Wiege bis zur Bahre einschreibt (inkl. „diagnostizierte Krankheiten“, Operationen etc.). Hilft aber nicht viel, denn wer wird schon motiviert sein, einfach mal so in den Tiefen vergangener Postings zu surfen? Dass Daten auf Festplatten gespeichert sind, sogar zugänglich, heißt noch lange nicht, dass sie jemand ansieht.

    Deine Kritik am „verlinkten Artikel“ hab ich zunächst auf den eigenen, anderswohin versetzten Beitrag zur Datenschutzproblematik rund um den Facebookbutton bezogen und nachgeschaut, ob da Namen oder Links fehlen. Dem ist nicht so, also meintest du vermutlich Evas Rundumschlag über allerlei Negatives im Internet. Der Link sollte die verwendeten Zitate belegen, nicht vorgeben, der ganze Artikel handle ausschließlich vom selben Thema! (Evas Posting find‘ ich trotz der Länge lesenswert).

    Deine Sicht auf das Internet-Verständnis vieler Politiker und der meisten User teile ich, doch ist das niemandem wirklich vorwerfbar. Die technischen Details beim telefonieren und faxen, fernsehen und Auto fahren musste man auch nicht wissen, um mit diesen Dingen sinnvoll umzugehen. Die Macht und Geschwindigkeit, mit der die Internet-Revolution herein bricht, ist für viele eine Zumutung und häufig auch Überforderung – und auch für „Kundige“ (den „Universalgelehrten“ gibts auch im Netz nicht mehr, jeder ist irgendwo auch DAU) immer wieder eine Herausforderung.

    Und lange hat die Lernverweigerung vieler Menschen auch kaum jemanden gestört. So lange sie sich raus hielten aus dem NEtzgeschehen, wurde allenfalls bedauert, dass „Berührungsängste“ weniger Online-Umsatz für den kommerziellen Sektor bedeuten. Andere Kreise belächelten die Netzbildungsfernen, spöttelten über die DAUs („kommt einer in den Laden und sagt: ich hätt gern ein Internet“) und sonnten sich in der eigenen vermeintlichen Überlegenheit.

    Vorbei! Seit „Zensursula“ gibts es fortlaufend Initiativen mächtiger Gruppen, die die Kontrolle nicht verlieren bzw. wieder gewinnen wollen. Mit „Netzsperren“ sollte es gegen Kinderpornografie gehen, wofür mal eben so eine Zensur-Infrastruktur errichtet werden sollte. Die Verlage wollen ein „Leistungsschutzrecht“ und allen Ernstes für bloße Verlinkungen ihrer Artikeltitel abkassieren.

    Diesen beiden und weiteren Auseinandersetzungen ist gemeinsam, dass man tiefer ins Technische einsteigen muss, um mitdiskutieren zu können. Vor der Teilhabe an der Debatte steht eine Lernkurve, die vielen zu hoch ist. Das ist bedenklich, denn so können sie nicht erkennen, wo in einem strittigen Punkt die je eigenen Interessen liegen. Und folgen womöglich den großen Vereinfachern, die mit falschen Analogien und Metaphern ihre „Lösungen“ durchbringen wollen.

    Dagegen hilft weder spotten noch resignieren, nur immer wieder erklären, informieren, verständlich beschreiben – und selber bereit sein, das eigene Verständnis lernend zu erweitern, bzw. zu „updaten“.

    Was den Zugriff auf meine Spuren im Web angeht, so löscht mein Browser beim Ausschalten alle Cookies (auch die LSOs). Wie sollte da ein aussagekräftiges „Profil“ entstehen, das mehr Infos enthält als über diesen begrenzten Zeitraum? Gebunden an unterschiedliche IPs, die vom Zugangsprovider rollierend zugeteilt werden? (Klär mich auf, wenn ich falsch liege… die gedruckte CT hab ich nicht, werde also an die Artikel nicht kommen).

    Wenn ich allerdings einlogge, nehme ich bewusst in Kauf, dass ab da alles „protokolliert“ wird. Und ich poste sowieso meistens „so öffentlich wie möglich“, nutze die SNs also eher Blog-ähnlich, nicht um Intimitäten oder sehr Privates auszutauschen.

    „Wer kann/wird heute noch lesen, was gestern geschrieben wurde, wenn er nicht annähernd das bewältigen kann, was ihn heute “überwältigt”?“

    Was für ein treffender Satz!

  3. @Claudia:
    „Erwartungen sind der Samen der Enttäuschungen“

    Gefällt mir, nehme ich in meine Zitate Sammlung auf. Von dir?

  4. Hallo, ich für meinen Teil widerspreche der Begründung, in sozialen Netzen wie Google+ gingen Beiträge eher unter als in einem Blog, denn die Profilseite zeigt die alten Beiträge an. Wenn ich jemand Interessanten entdeckt habe, so schaue ich gerne mal dessen alte Beiträge durch, auch seitenweise. Zusätzlich gibt es sicher bald die Möglichkeit gezielt im Stream einer einzelnen Person zu suchen. All das entspricht in etwa einem Blog. Es kommt eben darauf an, wie man das Medium nutzt.

  5. @alle:
    Meine Beobachtungen in G+ und FB-Personenprofil: Die Leute wollen unterhalten werden. Poste/Share ich ein witziges Cartoon, dann kriege ich viele +1 und das Ding wird weiterverteilt – und das geht sogar über einen Zeitraum bis zu 10 Tagen und länger. Ist ja auch verständlich angesichts der Informationsflut, die auf uns alle einprasselt – ein Cartoon ist schnell konsumierbar und Lachen tut gut und entspannt (außerdem ist ein Cartoon oft auch ohne die entsprechenden Sprachkenntnisse verständlich). Ein Artikel dagegen, an dem ich 3 Tage überlegt und geschwitzt habe, interessiert manchmal gar keinen oder zumindest reagiert niemand. Auf den letzten dann doch – Danke an Claudia (und noch ein paar andere), dass ihr euch interessiert habt ;-).

    Ich als Bloggerin mag auch lieber, wenn im Blog kommentiert wird, so bleibt auch für Seitenbesucher, die über eine Suchmaschine oder einen Link außerhalb von G+/FB kommen, die Diskussion verfolgbar und er/sie kann mitdiskutieren.
    Als Leserin vergesse ich es aber auch ab und zu, wenn ich auf einen Blogbeitrag über einen G+-oder FB-Link komme. Ist aber auch logisch, denn da bin ich ja über die Verbindung und die Kommunikation mit einer Person auf den Artikel (Blogpost) gekommen und nicht über eine Recherche o. ä. Für den Blog ist das zwar eher negativ, aber für die Beziehung zu der Person bzw. den Personenkreis, der im gleichen Circle ist, könnte es in dem Moment eher positiv sein (überlege ich jetzt mal beziehungstheoretisch ;-)). Vor allem, verliert man die Diskussion, wenn man sich einmal dran beteiligt hat, nicht so leicht aus den Augen. Am besten wäre es, wenn der Kommentar sowohl im Blog als auch im Stream erscheinen würde. Aber mit so einer Querverbindung würde man natürlich auch wieder Zugriff auf den Blog durch ein externes Unternehmen erlauben müssen … andere Diskussion.

    Ich fürchte, es bleibt uns als BloggerInnen erst einmal nichts anderes übrig, als immer wieder darauf hinzuweisen, dass man sich über einen Kommentar im Blog besonders freuen würde. Gut finde ich übrigens Blogs – wie deinen hier Claudia, wo man sich bei Neueinträgen benachrichtigen lassen kann. Das brauch ich auch!!!

    @Claudia: Liebe Claudia, die Schreibweise meines Nachnamens ist „Schumann“

  6. Er ist (teilweise?) abzurufen: http://www.heise.de/ct/artikel/Facebook-1354429.html Im wesentlichen geht es darum, dass Facebook sich bemüht, alles über die Benutzer herauszubekommen. Stimmt der technisch uninteressierte oder unerfahrene Benutzer zu, das heißt vermutlich, praktisch jeder, übermitteln Webdienste und Programme („Apps“) alle möglichen Daten an Facebook. Zitate aus dem verlinkten Artikel:

    Dabei dienen Web-Dienste als Informationszuträger, die Aktivitäten des Benutzers automatisch und fast in Echtzeit an Facebook melden: „Volker Weber hörte ‚Troubles’ von Alicia Keys bei Soundcloud“, „Volker Weber las ‚The No. 1 Danger of Using Facebook’ bei Yahoo!“, „Volker Weber sah ‚Two and a half men’ bei Netflix“. Der Benutzer muss dafür also weder Facebook besuchen, noch einen Like-Button oder ähnliches drücken.

    So konnte ein Sportler zum Beispiel mit dem Dienst Runtastic eine Statusmeldung bei Facebook absetzen lassen, wenn er einen Trainingslauf absolviert hatte.

    Eine Nike-Anwendung etwa soll die Jogging-Strecken mitloggen, der Rezeptdienst Foodily gibt weiter, welches Rezept der Facebook-Nutzer gerade kocht, Spotify und Soundcloud melden, was er hört, Yahoo News und das Wall Street Journal teilen mit, was er liest.

    Ich frage mich, was „zur Hölle“ geht das Facebook an. Vielleicht stört mich das im Moment nicht („wen interessiert das?“ „was soll schon geschehen, falls das jemand weiß?“, …), aber es gibt keine Möglichkeit und schon gar keine Garantie, dass ich diese Daten anschauen kann (was weiß Facebook über mich?) und auch löschen kann ich diese nicht. Selbst falls Facebook dies anböte, was ohne Zwang nie der Fall sein wird, kann ich nicht sicher sein, dass es dabei korrekt vorgeht (alle Daten präsentiert). Es braucht nicht viel Fantasie, wie mir anhand vermeintlich harmloser Aktivitäten in anderen Kontexten (Zeiten, Regierungen, Umständen) „ein Strick um den Hals“ gelegt werden kann aufgrund solcher Veröffentlichungen („… können wir die Bezahlung der Krankenhausrechnung nicht übernehmen, Sie gehen zu riskanten Freizeitbeschäftigungen nach, die die Ursache für Ihre Lage sind …“; „Aufgrund Ihrer xyz-Einstellungen und Besuchen der z-Veranstaltungen sehen wir uns gezwungen, Sie in Sicherheitsverwahrung zu nehmen“; „August verbringt der in Madagaskar seinen Urlaub. In seiner Wohnung in x-Stadt, y-Straße ist eine wertvolle HiFi-Anlage“; … könnte pausenlos weiteres konstruieren) . Dass ich „zustimmen“ muss, gilt nicht als Berechtigung, alleine aufgrund der fehlenden Kontrollmöglichkeit. Es ist wahrscheinlich, dass niemand die Tragweite einer solchen Zustimmung überblicken kann oder dies versucht.

    Was die Datenspuren angeht, so ist der Cache nur eine Möglichkeit. Abgesehen von Programmen (die personenbezogene Daten speichern), die der Webbrowser aufruft und die nicht seiner Kontrolle unterliegen – hier hast du den Flash Player indirekt angesprochen, das ist gerade einmal ein Programm – gibt es weitere Möglichkeiten des „personenbezogenen Trackings“, deren Aufzählung und wichtiger – Erläuterung – „den Rahmen sprengt“, Google sollte hier weiterhelfen.

    Es wird ständig neues entwickelt und was dies konkret durchführt und was das für Folgen haben kann, lässt sich kaum noch überblicken. Ist eines halbwegs verstanden, gibt es schon etwas anderes neues. So sollen die Webbrowser zukünftig Daten in Datenbanken speichern oder „tun dies bereits“. Das „zukünftige Web“ soll noch „interaktiver“ werden, das heißt, es ist nicht mehr zu benutzen ohne JavaScript oder einer ähnlichen Programmsteuerung. Und dass dies, das Ausführen von Programmen in Webbrowsern, Ursache für unzählige Probleme war, sollte jeder wissen (Viren, Trojaner etc. wurden darüber „eingeschleust“).

    Warum ist die Standard-Einstellung nicht, dass ich Erlaubnis zu gewähren habe, sondern dass ich alles explizit und mühevoll verbieten muss? Außerdem habe ich habe wenig „Lust“, ständig dem destruktiven Vorgehen verschiedener Sites entgegenzusteuern, das sollte Aufgabe der Browserprogrammierer sein, nicht meine.

    Dieses „offene“ Vorgehen führte dazu, dass heute vieles nicht funktioniert (vorausgesetzt seitens der Site-Ersteller), falls der Webbrowser nicht „offen wie ein Scheunentor“ eingestellt ist. Beispielsweise schlägt dann die Bezahlung fehl, z.B. benötigt Mastercard JavaScript-Erlaubnis für ihre SecureCode-Anwendung für verschiedene URIs, die Navigation funktioniert nicht usw.

  7. @Elmar: danke für die Erläuterungen und den Link! Klar kann man nicht dauernd jedes mögliche Detail erklären, aber „jedes mal ein bisschen“ geht ja schon. Von mir wirds gewiss keine Erlaubnis zum „smarten sharen“ ohne meine aktive Beteiligung geben, aber vermutlich werden jede Menge Leute drauf abfahren und wers nicht macht, verschwindet tendenziell in der Versenkung bzw. aus der Aufmerksamkeit.

    Bezüglich G+ hab ich gestern zum ersten Mal so ein Follower-Tool zur Recherche benutzt, wie sich die Anzahl jener entwickelt, die einen „einkreisen“. Über 30 Tage sah ich einen kontinuierlichen Anstieg, mal auch wieder 1 oder 2 weniger – und einen „Bruch“ mit plötzlich 7 Abgängen. Nun wurde ich neugierig, welches Posting wohl so kantig, nervig oder auch banal gewesen sein könnte, dass diese im Vergleich hohe Anzahl Leute abspringt.

    Also zurück geblättert zu diesen Tagen – und, oh Wunder: ich hatte da einfach mal 3 bis 4 Tage GAR NICHTS gepostet. DAS war also der Grund! Man kann sich vorstellen, wie das auf Leute wirkt, die keine eigenen Blogs betreiben und das Geschehen einigermaßen gelassen betrachten. Menschen, deren Webpräsenz sich im wesentlichen auf googeln, shoppen, banking und FB beschränkt. Da gilt dann: Poste was das Zeug hält, sonst wirst du ausgeschieden – klar, dass „Smart sharing“ dann geradezu eine Erleichterung darstellt!

    @Eva: hab deinen Namen korrigiert, sorry! Das Plugin für die Benachrichtigungen gibts hier:
    http://www.infogurke.de/gurken-subscribe-to-comments/

    Ich stelle die Kommentare auf G+ bei eigenen Blogpostings jetzt meist ab, in der Hoffnung, dann werde hier mehr kommentiert. Funktioniert natürlich nur teilweise, da ja geteilt und dann „dort“ diskutiert werden kann. Selber poste ich meist öffentlich, nicht in speziellen Kreisen – es dient also wenig spezifischer Beziehungspflege.

    Überhaupt Beziehungen: über ein Blog fällt es mir wesentlich leichter, mir Menschen zu merken, was ja die Voraussetzung für jegliche Beziehung ist. Eine eigene Publikation vermittelt durch Machart und Design viel mehr „Aufhänger“ und unbewusst wahrgenommene Unterschiede als die im wesentlichen immer gleiche Präsentation von Postings und Personen auf G+. (Meine gute alte „Homepage“ claudia-klinger.de belasse ich seit Jahren im optischen Charme der 90ger: zwar will ich da „eigentlich“ lange schon was neu machen, aber so lange mir nix Spezifisches einfällt, ist DAS besser als ein irgendwie „heutiges“ Design, das aussieht wie jede Menge andere auch.

    Hier in den Kommentaren dient mir der Link unterm Namen als wichtige Hilfe, um jemanden im Gedächtnis zu behalten bzw. wieder zu erkennen. Schon da zeigt sich die Janusköpfigkeit von Transparenz versus Überwachung: Da mag sich jemand nicht „vorstellen“, weil er keine persönlichen Datenspuren hinterlassen will – voll ok, heißt aber auch, dass der Beziehugnsfaktor kaum Chancen hat, sich zu entwickeln.

    @Relax: ja, darüber hab ich schon viel geschrieben. Aber natürlich verbreiten auch viele Andere diese Einsicht, ob mit den gleichen Worten, weiß ich nicht.

    @Thomas:
    klar, wenn man an einer Person spezifisch interessiert ist, schaut man schon mal. ABER das ist eine ganz andere Ebene als die inhaltliche Debatte im Rahmen einer aktuellen Netzöffentlichkeit. Letzteres dient der Meinungsbildung und übersetzt sich bei Anwachsen einer „Welle“ sogar gelegentlich in folgenreiches Handeln – wogegen das Personen-spezifische Lesen eher ist wie früher Poesie-Album gucken. Fürs aktuelle Geschehen irrelevant.

  8. Nur weil einer meint, wow, 180 PS, das ist ja ein tolles Auto, muss ja nicht jeder diesen gleichen Anspruch an ein Auto haben, um es toll zu finden. So, @Claudia, sehe ich das auch bei „sozialen“ Netzwerken. Was ist „sozial“ und nur, weil es einem Netzprodukt als Adjektiv vorangestellt wird, kann es auf keinen Fall Allgemeingültigkeit für 7 Milliarden Menschen erheben.

    Für mich ist weder Xing, G+, FB, Twitter.. ein soziales Netzwerk. Ich habe mich nie in diesen Bereichen aktiv eingebracht – wobei ich auch nachvollziehen kann, so wie ich es jetzt aus einem Bericht gehört habe, das es durchaus, besonders auch für junge Menschen wie auch für Personen mit anderen Intentionen als meine, tatsächlich ein „soziales“ Netzwerk darstellt. Hier trennen sich aber auch schon Generationen, die mit sehr unterschiedlichen Kommunikationsmodellen aufgewachsen sind.

    Ich könnte das zeitlich garnicht bewerkstelligen, mich in diesen Netzwerken mit der Aufmerksamkeit zu bewegen, die ich meine, die von mir erwartet wird, wie auch ich sie erwarte.
    Ich empfinde das so, wie du es schon oben beschreibst: Über die Themen finde ich zu den Menschen und zum Gedankenaustausch. Da können mich z.B. 2 Beiträge aus blogs tagelang beschäftigen. Da ist dann verarbeitungstechnisch bei mir kein weiterer Platz für 100, 200 .. Bekanntschaften.

    Mit dem Alter verändern sich vielleicht auch die Ansprüche, wobei das absolut keine Bewertung ist, sondern wirklich nur ein anderer Anspruch, ein anderes Ansprechen, ein anderes Besprechen.

    Und für diese vielen unterschiedlichen Ansprüche hat das Internet mit Sicherheit reichlich genug Platz – die man sich suchen muss, wenn man sie haben möchte, und bestimmt auch finden wird, wenn man es will.

    Jeder nach seiner facon.

  9. Gut gesprochen, Menachem!

    Gruß
    Gerhard

  10. Vielen Dank, Gerhard. Es ist doch immer leichter, einen Standpunkt aufzubauen in dem Wissen, jemand steht neben dir.

    Viele Grüße,
    Menachem

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