Claudia am 19. Juli 2011 — 10 Kommentare

Mir birst der Kopf….

…vor lauter Input! Na klar, ich bin selber schuld, wenn ich mich von Posting zu Posting, Artikel zu Artikel, Statusmeldung zu Statusmeldung klicke, dazwischen mal diverse Mail-Accounts checke und dann noch einen Blick riskiere, was in meinen sieben Blogs so kommentiert wurde. Bei Facebook war ich zwar schon seit zwei Wochen kaum mehr, schaue auch nur noch selten nach, was so getwittert wird, doch verschlingt statt dessen Google+ soviel Zeit, wie ich zuvor auf FB und Twitter zusammen noch nie verbracht habe.

Den RSS-Reader und die Google-News mag ich deshalb aber auch nicht ignorieren, ebenso wenig wie Rivva, die „Meme-Schleuder“ der Blogosphäre. Von all diesen Quellen aus lese ich natürlich so manchen Beitrag im einen oder anderen Blog, verfolge Kommentargespräche und klicke zu weiteren, hier verlinkten Seiten. Einmal am Tag guck ich auch noch gerne TAGESSCHAU, zur Not aus der Mediathek. Damit ich auch weiß, was das ÖR-TV für „wichtig für die Massen“ hält – inhaltlich kenne ich das Gemeldete ja alles schon.

Nein, dieser Zustand ist nicht ok! Keinesfalls darf das so bleiben!!!

Es ist auch nicht mein Normalzustand, eher bewege ich mich in einer Art Pendel- oder Wellenbewegung ‚rein in den Informations- und Kommunikations-Tsunami, um schon bald im nicht-mehr-Leistbaren zu stranden. Erst ist alles paletti, ich fühle mich wohl „im Fluss“, dann beginnt mich die allzu große Auswahl zu frustrieren: bei anhaltendem Interesse fürs Einzelne macht mich die Vielfalt zunehmend fertig. Schließlich hab‘ ich gefühlt nur noch Watte im Kopf und komme zu nichts mehr. Trotz des Wissens um andere Notwendigkeiten packe ich das Wegschauen einfach nicht. Zwar zählt mir mein Freund dann oft netterweise auf, was ich ja doch noch erledigt bekommen habe – aber hey, das sind Tropfen auf einen Strand aus heißen Steinen!

Fast verzweifelt male ich riesige ToDo-Listen HÄNDISCH auf mein Flip-Chart und rette mich dann doch immer öfter und länger in den Garten. Dort bin ich komplett offline, lege mich auf den Liegestuhl und starre in den Himmel. Beobachte das beruhigend langsame nicht per Mausklick zu beschleunigende Ziehen der Wolken, konzentriere mich auf den physischen Körper und lasse die Gedanken strömen, die zunächst wie verrückt vorbei wirbeln. Fetzen von Erinnerungen, Vorhaben, Aufgaben, Ideen, Eindrücke, Botschaften, Profilgesichter, Namen, Ereignisse, Meldungen, Meinungen, Weltzustände, und und und….

….bis langsam immer weniger nachkommt und das Gewahrsein des physichen Körpers das einzige ist, was bleibt. Ein Strömen im rechten Fuß – UND SONST GAR NCHTS. Wieder einmal bin ich gerettet!

Zurück am Monitor erledige ich dann schnell mal dies und jenes, was dringlich anliegt. Und dann, nach nicht allzu langer Zeit, gönn‘ ich mir eine „Pause“. Nur mal gucken, was grade so los ist… und der Mahlstrom hat mich wieder.

“Lesen heißt, mit einem fremden Kopf statt dem eigenen denken. Nun ist aber dem eigenen Denken, aus welchem allemal ein zusammenhängendes Ganzes, ein wenn auch nicht streng abgeschlossenes System sich zu entwickeln trachtet, nichts nachteiliger als ein vermöge beständigen Lernens zu starker Zustrom von Gedanken.”
Arthur Schopenhauer (1788-1860)

via Leanderwattig.de

Diskussion

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10 Kommentare zu „Mir birst der Kopf….“.

  1. ich bin bekennende Querleserin und ich kann bedenkenlos was Wegschmeißen,
    zb 20 ungelesene Emails von G+ ;)

    oder nur 4-5 Leute aus meinem Stream bei G+ lesen überhaupt wahrnehmen und die anderen seh ich dann nicht mal mehr,
    ich gugg in twitter rein, wenns passt, ich lese nie nach und bin dort auch mal ein paar Tage gar nicht,

    xing wurde so uninteressant, dass ich dort kaum mehr bin,

    oder ich bin so wie ab Morgen 5 Tage gar nicht bis kaum online, ich genieß das so 1mal pro Monat,
    Emails im „Kundenordner“ werden gechekt so 1mal pro Tag

    verlier ich deswegen einen Auftrag- maybe, kann sein, wäre dann eh nichts gewesen ;)

    habe ich INFO übersehen, habe ich sie eben übersehen,

    ich gönn mir allerdings auch täglich mein Hobby:
    von stricken bis Grußkarten in hochkomplexer Stempeltechnik ist da alles drin,

    das leert mich aus, macht mich frei und ermöglicht mir die nötige Distanz, um kreativ bleiben zu können

    vermutlich ist mein „mit den Händen was tun“ Dein Liegestuhl liegen –

    INFO Tsunami kenn ich nicht,
    es gibt ja auch zig Tageszeitungen und ich lese die nicht alle am Kiosk ;)

  2. Mir geht es da zur Zeit sehr ähnlich. Ich muss mich oft zusammennehmen, um nicht vollends in diesem „Sumpf“ zu versinken. So wie jetzt. Kindergeburtstag steht an und muss jetzt endlich los…

    Aber ist das nicht auch irgendwie das Ziel dieser Netzwerke?

  3. @Monika: im Prinzip mach ich das ganz ähnlich wie du. Habe also keinen Anspruch auf „Vollständigkeit“ beim Rumlesen, bzw. nur in den Haupt-Mailaccounts, wozu GMail nicht gehört.
    Und trotzdem verführt mich die Vielfalt eben immer wieder zu extremem Info-Hopping. Nicht immer, aber phasenweise – oder immer öfter?

    Ja, etwas PHYSISCHES tun ist unverzichtbarer Ausgleich – und deshalb hau ich jetzt auch WIRKLICH gleich ab in den Garten! :-)

    @svennii: alle Medien wollen gelesen werden, alle Veranstaltungen wollen Besucher – aber das heißt noch lange nicht, dass ich dem folgen müsste. Bzw. es ist mir ein Graus, wenn ich da einen Sog verspüre, der mich von anderen wichtigen Dingen abzieht.

  4. Mir gehts auch so, dass sich Input- und Output-Phasen abwechseln. Deswegen schaffe ich es auch einfach nicht, regelmäßig zu bloggen. Manchmal vergehen Wochen, ohne dass es mich in den Fingern juckt, über irgendwas zu schreiben. Ein andermal würde ich am liebsten nur schreiben und empfinde das ganze Social-Rauschen nur als lästig. Meistens kann ich nicht genau sagen, warum ich mich gerade in der einen oder der anderen Phase befinde. Doch derzeit gibt es einen klaren Grund, und das ist der gleiche wie bei dir: Google+. Seit das Ding online ist, befinde ich mich in einer Input-Phase. Mit Ausnahme eines Artikels, der aber auch nichts anderes behandelt als Google+, habe ich die letzten Wochen über nichts schreiben können. Nur Status-Postings und Kommentare. Davon durchaus viele. Aber das sind einfach Schwimmbewegungen im reißenden Input-Strom. Diese neue Plattform überflutet einen derartig mit Input, dass man neue Strategien entwickeln muss, das zu bewältigen. Im Klartext: man wird künftig noch mehr ausblenden müssen, und mit dem Gefühl, nur zufällige Fetzen mitzubekommen, wird man sich noch stärker arrangieren müssen.

  5. @Claudia,
    Du gibst Dir ja selbst die Antwort:
    „Erst ist alles paletti, ich fühle mich wohl “im Fluss”, dann beginnt mich die allzu große Auswahl zu frustrieren…“

    So arbeitet ja Sucht, daß sie sagt: „Ist doch lecker hier!“ Und zieht Dich damit rein…und lässt Dich nicht mehr los.
    Typisch ist ja auch, daß man die gemachte negative Erfahrung vergisst und sich alsbald erneut „beschummeln“ lässt.

    Ich kenne das auch.

    Nun frage ich Dich: Was tun?
    Dein Garten ist eine gute Antwort. Vielleicht hilft auch eine strenge Dodo-Liste, um sich wirklich mit auch anderen Dingen zu beschäftigen (beschäftigen zu müssen).
    Was kam eigentlich bei Deinem Artikel „Vielleicht gibt es nur eine Sucht in 1000 Gestalten“ raus? Das war doch ein ähnliches Thema?!

  6. @Stefan:

    auf den Punkt! Ja, das ist es… und das lässt dann auch hoffen, dass man es auf Dauer in den Griff bekommt! :-)

    @Gerhard:

    mit den „Lust- und Bedürfniswelten eines Säuglings, der an der Mutterbrust saugt. Und sich so SICHER, GEBORGEN, GELIEBT und ANGENEHM BEFRIEDIGT fühlt“ (siehe Artikel) hat das für mein Empfinden jedenfalls nichts zu tun. Sowas kenne ich nur von stofflichen Süchten (trinken, essen, rauchen…).

    Auch wäre ich wohl längst untergegangen, wäre mein „Leben online“ seit 1996 allein mit Sucht-Kategorien zu beschreiben. Und würde nicht alles in allem stabil, schuldenfrei und mit halbwegs regelmäßigem Einkommen in der Welt stehen und frisch-fröhlich neue Ufer erkunden! :-)

    Trotzdem sind solche Phasen durchaus „suchtartig“, doch zum Glück geht das auch wieder vorbei. „Strenge ToDo-Listen“ nützen nichts, denn ich bin ja meine eigene Chefin und kann „prokastinieren“, was das Zeug hält. Kundentermine halte ich durchweg ein, doch hab ich vornehmlich Kunden, denen es auf den Tag nicht ankommt – ich empfinde es ja gerade als das Angenehme, dass es lange schon gelingt, da keinen großen Stress erleben zu müssen, wie ihn so viele Menschen in ihrer Berufstätigkeit erleiden.

    Den Stress mach ich mir anderweitig selber, wie man sieht!

    Und jetzt mal ein großes DANKE allen, die hier immer wieder kommentieren! Ihr helft mir dabei, mich immer wieder ruhig im stillen Auge des Orkans wieder zu finden!

  7. @Claudia,
    von den „Lust- und Bedürfniswelten eines Säuglings“ habe ich in meinem Kommentar nicht gesprochen.
    Solche Süchte wie das „Immerhingehen“, obwohl man es doch besser weiß, haben m.E. andere Wurzeln als die Süchte des Säuglings.
    Irgendwie ist es offenbar unangenehm, eine „Leere“ zu verspüren, mit sich allein zu sein, etwa in einer Arbeitspause, also geht man schnell an sein gewohntes Zeug und trollt sich aus diesem Gefühl.

    Aber ich fühle mich nicht in dem Stand, mehr als meine Meinung hier kundzutun. Rat, Analyse ect überlasse ich anderen.

    Gruß
    Gerhard

  8. auch ich mühe mich mit dem overflow herum und versuche, den blick für das wesentliuch nicht zu verlieren. und auch die zeit dafür nicht. ein problem scheint mir in der wiederholung zu liegen, infos, die zeitversetzt über mehrere kanäle wieder und wieder kommen. twitter, facebook, rss-feed. das wegklicken nervt mich fast mehr, als das schicke neue g+ zu durchschauen.

    ich denke, ich werde anfangen aufzuräumen. (wobei ich gerade eben schon daran gescheitert bin, die diaspora für mich einfach abzuschaffen. obwohl ich da kaum bin, weder mitlese, noch etwas schreibe, konnte ich doch nicht von ihr lassen. tja. ; )

  9. Bis ich gestern abend seit langem wieder richtig ins Netz konnte und deinen Beitrag las, @Claudia, gebe ich zu, hatte mich der Hype um Google+ auch erreicht und ich freute mich sogar darauf, mich erstmals in einem social network aktiv einzuloggen. Noch nicht mal so sehr, weil ich google mag, eher, weil ich facebook und all die anderen nicht mag. Google+ als Protest.

    Doch durch deinen Beitrag hier hatte ich mich nun entschlossen, nicht an Google+ teilzunehmen. Ich weiß, wie Stunden mit diesen Dingen zerrinnen können und ich bin mir sehr unsicher, ob ein social network wirklich annähernd unsere sozialen Bedürfnisse erfüllt, oder, ob die virituelle Welt nicht sogar das Bedürfniss nach wirklichen und realen sozialen Beziehungen erst entfacht und die es aber dann leider nicht erfüllen kann.

    Doch, was soll ich sagen? Schaue ich heute abend seit über 3 Jahren erstmalig in meine google emails, liegt dort eine Einladung zu Google+.

    Ich habe auf „Bestätigung“ geklickt. Ich lass mich überraschen. Ein bisschen (viel) spiele ich sogar mit dem Gedanken, es beruflich zu nutzen. Das würde mir echt Spaß und Freude machen. Die Möglichkeiten sind ja schon enorm.

  10. @Menachem: ja, toll – ich hab dich schon bemerkt!

    So ein Gefühl des Zugeschüttet, auseinander gerissen und in alle Windrichtungen zerstreut zu werden, hab ich phasenweise immer mal wieder. Es vergeht aber, sobald sich neue Routinen und Prioritäten heraus gestellt haben!

    Im Moment ist der Druck der Veränderung halt wirklich KRASS – und dem begegne ich dann schon mal mit „gefühltem Stupor“ (der ja nicht real ist, denn tatsächlich tu ich doch so allerlei… ), bis sich alles etwas „gesetzt“ hat.

    Wir brauchen ja diese Mega-Instrumentarien, die da heran wachsen. Das Gespräch der Vielen mit den Vielen MUSS organisiert und auf immer neue Weise ausprobiert und „skaliert“ werden – ja was denn sonst?

Was sagst Du dazu?

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