Claudia am 19. Juni 2011 — 12 Kommentare

Weltkulturerbe – eine Vision (nicht nur) für Griechenland

Wo es keine vernünftigen Lösungen für ein Problem zu geben scheint, empfiehlt es sich, einfach mal ins Blaue hinein zu spinnen und das GANZ ANDERE zu denken. Nämlich den Austritt Griechenlands aus der Finanz- und Wirtschaftswelt, wie wir sie kennen – nicht aber aus der Euro-Zone!

Aber erstmal die Lage, wie ich sie verstehe:

GRIECHENLAND, die Wiege des Abendlands ist in Gefahr – und zwar in einer, die angeblich weitere Euro-Länder, ja ganz EUROPA mit in den Abgrund zu ziehen droht. Die Staatsverschuldung hat unbezahlbare Ausmaße angenommen, doch weit wichtiger als dieses recht verbreitete Problem ist, dass diese Unbezahlbarkeit nicht mehr bemäntelt werden kann: Griechenland wird auch weiterhin nicht zahlen können – deshalb der „Rettungsschirm“ und das Gezerre um weitere Milliardenkredite (an deren Rückzahlung auch niemand glaubt).

„Lasst sie doch pleite gehen!“ meinen nicht wenige, müssen sich allerdings belehren lassen, dass Griechenland so „systemisch“ ist wie Lehmann, mindestens. Sind es doch vor allem französische und deutsche Banken und Versicherungen, die in griechischen Staatsanleihen investiert sind. Lässt man sie in der Folge einer Griechenlandpleite in Konkurs gehen, verlieren evtl. auch viele „kleinen Leute“ ihre Lebensversicherungen und Bausparverträge, bei Bankenpleiten vielleicht noch mehr. Also müssen halt die Steuerzahler haften, das ist weniger spektakulär, ist abstrakter und trifft (vermeintlich) alle. Immer neue Rettungsmilliarden rüber zu schieben erscheint als ziemlich „alternativlos“.

Macht Griechenland doch zum Weltkulturerbe!

Ist nicht das ganze Finanz- und Wirschaftswesen mit seinen Blasen, seinem notleidenden Kapital, seiner Natur-vernichtenden Gefräßigkeit, seinem zweifelhaften „Fiat-Money“ und seinem hemmungslosen Naturverbrauch und Wachstumszwang lange schon ein Auslaufmodell?

Warum nicht Griechenland zum „befreiten Gebiet“ machen? Zur entschleunigten Zone, zum Laboratorium eines anderen Lebens und Wirtschaftens, das tatsächlich mal mit dem Gedanken der „Nachhaltigkeit“ ernst macht? Genau wie Naturparks eine „geordnete Wildnis“ konservieren und pflegen, könnte eine Welt jenseits des Wachstums in klar umrissenen Gebieten geprobt werden – ja warum denn nicht?

Man könnte den ganzen Staat Griechenland zum „Weltkulturerbe“ erklären und mit UNO und EU besondere Statuten aushandeln:

  • Alle Griechen bekämen ein Grundeinkommen und hätten dafür lediglich ihre Altertümer zugänglich zu halten und Touristen nett zu behandeln.
  • Staatsanleihen und andere Forderungen aus dem Ausland würden in Tagestickets (oder Wochen- bzw. Monatsflatrates) umgetauscht. Wer fortan Griechenland betritt, müsste den gesamten Zeitraum mit solchen Tickets abdecken. (Auch Angkor Wat kostet schließlich täglich Geld – für Ausländer, nicht für Kambodschaner.)

Konkurse oder auch nur große Verluste bei Gläubigern gäbe es nicht, denn die Tagestickets wären ja etwas wert. Und was jetzt als Last erscheint, etwa die extrem hohe Beamtenquote in Griechenland, wäre nun ein Vorteil: so ein Weltkulturerbe will ja auch im Detail verwaltet werden!

Natürlich ist dieser Plan noch völlig unausgegoren… :-)

Ihr könnt ihn gerne weiter denken oder andere grundstürzende Alternativen dagegen stellen. Wir leben in sehr spannenden Zeiten, finde ich. SO, wie es derzeit allüberall knirscht, wird es wohl kaum noch lange weiter gehen. Oder was meint Ihr?

Diskussion

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12 Kommentare zu „Weltkulturerbe – eine Vision (nicht nur) für Griechenland“.

  1. Endlich mal jemand der eine realistische Vorstellung von LEBEN hat! Gefällt mir sehr dein Artikel!
    So von dir schon angedeutet, müssten wir dieses auf die ganze Welt ausdehnen.
    Es ist schade, das der Mensch in seiner Intelligenz, der Angst vor NEUEM mehr Gewicht gibt, als das einfache 1 + 1.
    Wir Menschen müssen eben durch Leid erfahren, obwohl wir die Möglichkeit besitzen durch den Gebrauch eines gesunden Menschenverstandes das LEBEN mit seinen Handlungen und dessen Auswirkungen so zu gestalten, unseren nachfolgenden Generationen ein lebenswertes menschenwürdiges LEBEN zu ermöglichen. Da ich ein Idealist und Optimist bin, gehe ich davon aus, dass nach dem was uns bald wiederfährt, deine Vision dann ein Anfang finden wird!
    Weiterhin viel Kraft und Lebensfreude!
    HaJoWei

  2. Die Idee finde ich gut. Aber weil die Bilderberger bei dem Vorhaben nicht profitieren, wird daraus wohl nichts.

  3. Keine Sorge, die Bilderberger haben doch bestimmt Griechische Staatsanleihen gekauft…

  4. Liebe Claudia
    Eine tolle Idee, die Du nur noch der Angee beibringen musst.
    Liebe Grüsse zentao

  5. War ich schon mal in Griechenland? Weiss gar nicht… Erinnere mich nur an einen Olivenverkäufer, der Grieche war, oder griechische Unterhändler hatte, oder sowas, keine Ahnung, jedenfalls verkaufte er mehr oder weniger erfolgreich Oliven direkt aus Griechenland. So hab ich das in Erinnerung. Und das tut er sicherlich auch heute noch. Milliarden hin oder her. Das Blöde an den Milliarden ist: dass vor allem Leute an solchen Unsinn glauben, die selber nicht einmal fehlerfrei bis tausend zählen können…

  6. Dein Plan, Claudia, hat auf seiner (griechischen) Sonnenseite eine Menge Charme und hat mir sehr gefallen. Natürlich habe ich ihn gleich für mich ein wenig weiter gesponnen. Ich stelle mir das alles dann wie folgt vor:

    Glückliche Griechen in weißen Kniehosen und roten Wämsen und lustig ungeschlacht aussehenden Schuhen vertreiben noch glücklicheren Schafen die Zeit auf sonnenverbrannten Weiden. Darauf liegen lauter umgefallene Säulen und zerborstene Kapitelle unter alten, knorrigen Olivenbäumen herum, als wäre der kleine Homer soeben noch auf ihnen herum gehüpft und hätte weinerlich nach Klytämnestra geschrien, wenn er sich die Knie aufstieß. Reiche Ausländer in angesagter Outdoor-Kleidung mit UV-Schutz filmen sie dabei mit ihren hochauflösenden Kameras oder diktieren ihre Erlebnisse in die on-line Chats ihre iPads, damit die ganze Welt etwas davon hat. Dynamische, leistungsbereite Elternpaare kosten im casual dress nach dem schweißtreibenden, nachmittäglichen Ausflug mit dem Offroader und den Mountain-Bikes zu einem abgelegenen Kloster hoch oben auf kargen Felsen vom klassisch auf Holz angerichteten Schafskäse und trinken dazu glasklaren Ouzo aus Milchglasgläsern, der ihnen eingeschenkt wird von bärtigen, alten Männern, die aussehen wie the late Alexis Zorbas und auch so lachen und riechen. Die gelangweilte Tochter im neuen Bikini aus der Edelboutique unten gleich neben der Lobby des 7-Sterne-Hotels hockt derweilen an einem Lagerfeuer am Strand, zieht an ihrer Tüte und schaut zunehmend ungeduldig einem EU-zertifiziert gesunden Gitarrenspieler beim Sirtaki-Zupfen zu, bevor sie mit ihm endlich unter den Büschen verschwinden kann, während der zusammen mit den darüber wenig erfreuten Eltern sich auf Kosten der Großeltern von den Strapazen seines vollgepackten Exzellenz-Studiums erholende Sohn einem kleinen Bauernmädchen mit Apfeltitten nicht nur sein neuestes iPhone erklärt, und wo er alles auf der Welt später einmal als Junior-Partner in der Firma seines Vaters kleinen Bauernmädchen mit Apfeltitten echt cool nicht nur seine neuesten iPhones erklären will.

    Das erinnert mich sehr an manche Geschichten meiner Eltern und ihrer Freunde über Urlaube mit der Ente auf Kreta oder Chalkidiki, als sie jung waren und der Kapitalismus noch Spaß machte, weil er so dumm und tollpatschig daher kam, so daß die Jugend der westlich-demokratischen Industrienationen einem Mr. Jimmy Hendrix beim Quälen seiner Gitarre lauschen konnte, wenn sie nicht gerade dem Establishment lange Nasen und dicke Joints drehte.

    Nun gut!

    Schauen wir uns aber auch einmal die möglichen Seiten außerhalb Griechenlands an. Etwa einen (zugegeben fiktiven) Auszug aus einem ganz normalen Life-Ticker der Zukunft:

    Zum aktuellen Zeitgeschehen:

    Wie Reuters/AmazingStories/UP meldet, brächten die bewaffneten Patrouillenboote der Operation ‚Hellas Shield-2in1‘ innerhalb der UN-Sperrzone Adria/östliches Mittelmeer täglich dutzende bis über das Dollbord im Wasser liegende, primitive Motorkähne voller Menschen aus Ländern der EU, Nordafrikas und der Levante auf. Man käme mit dem Bergen und Anlanden der oftmals wütenden, aggressiven Insassen kaum nach. Es werde jetzt verstärkt Gerüchten nachgegangen, daß es hier und da zu gewalttätigen Angriffen auf die Besatzungen der Schiffe gekommen sei, was in einigen Ausnahmefällen zu bedauerlichen, menschlichen Verlusten unter den durch keine Anstrengung der Besatzungen zu beruhigenden Wirtschaftsflüchtlingen geführt habe.

    Der Komiker S.Raab wurde inzwischen für seine öffentliche Verwendung der von der für Ethik in der Gewinnermittlung zuständigen EU-Kommission unter Vorsitz von Frau M.Käßmann als menschenverachtend angeprangerten Bezeichnung „fukushing“ (für eine spontane und ungeregelte Verklappung störenden oder kontaminierten Materials direkt vor Ort im Meer) für diese Art der Grenzbewachung im Mittelmeer im TV-Sequel ‚Caress Me, Please Me, Hit Me‘ (früher: Wetten daß?) vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu einer dreimonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Er äußerte sein tiefes Bedauern und entschuldigte sich bei allen Menschen, die sich von seinen mißverständlichen Äußerungen verletzt gefühlt haben und kündigte an, in einer der nächsten Folgen seiner Sendung ein hochkarätiges Team aus führenden Sprachwissenschaftlern, politischen Querdenkern, bekannten Notfallseelsorgern und beliebten Spitzensportlern zum Thema ‚Wie unsere Worte unsere einzige Welt verschmutzen‘ diskutieren zu lassen.

    Reisen, Urlaub, ferne Länder:

    Nach Aussage einer Sprecherin des Ärzte-Betriebswirte-Anwälte-Germanisten-und-Assistenzärzte-für-eine-bessere-Welt Komitees häuften sich seit einigen Monaten Meldungen über in den unzugänglichen Bergen Mazedoniens gefundene Massengräber mit zumeist vermutlich während schwieriger Kletterpassagen abgestürzter Teilnehmer von Schlepperkarawanen, welche der südosteuropäischen Balkan-Mafia nach Drogen- und Mädchenhandel in den letzten Jahren ein drittes und extrem lukratives Standbein bescherten. Wie UN-Flüchtlingskommissar S.al-Gaddafi dazu erklärte, sollen in den betroffenen Gebieten nunmehr vermehrt Kontrollflüge der UN mit derzeit eigens im Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder dafür ausgerüsteten Hubschraubern vom Typ HEL-X-2000 oder unbemannten Drohnen des Herstellers Stinkwater Aviations erfolgen. Dazu sagte er die Zuteilung von weiteren 300 Millionen Dollar Sondermitteln der UN zwecks Ankauf der für die Flüge dringend benötigten Extrakontingente Flugbenzin zu. Verhandlungen einer eigens dazu gegründeten UN-Unterabteilung seines Kommissariates über eine zügigen Förderung der notwendigen Ölmengen entweder im Golf von Mexico oder in der Nordsee mit Unternehmen der Energiewirtschaft aus dem Umkreis der sogenannten Lieferwilligen würden in den nächsten Wochen auf der Karibikinsel Barbados beginnen.

    Aus den europäischen Regionen:

    Die Parlamentssprecherin Irlands und eine führende Oppositionspolitikerin Portugals verlangten in einer Talkshow von ENBC-Channel4 zum Thema ‚Ist Feminismus wieder machbar?‘ von EU-Kommissar S.Berlusconi ein sofortiges Dementi seiner bei einer privaten Feier im engeren Freundeskreis gefallenen und von einer ungenannt bleiben wollenden Schweizer Rock-Röhre an ein belgisches Skandalblatt kolpotierten Äußerung über die mangelnde Aufgeschlossenheit und Kooperationsbereitschaft irischer und portugiesischer Frauen gegenüber chinesischer Kultur, Sprache und Geschäftsleuten und deren Folgen für die dringend anstehende, wirtschaftliche Gesundung dieser äußerst problematischen Randregionen Europas. Solche Äußerungen würden die Integration Europas keineswegs voran bringen, hieß es, und Gerüchten über eine Ausweitung des Modells Hellas auch auf andere europäische Länder wie Portugal oder Irland Auftrieb geben. Die scheidende Beauftragte der EU für Migrationslenkung, A.Merkel, äußerte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Xinhua in diesem Zusammenhang, niemand habe die Absicht, Mauern quer durch Europa zu bauen. Den anhaltenden Erfolg der EU-Agenda 4aBetterLife/2020, so sagte sie wörtlich, halte aber weder das Maulen von Ochsen noch das Meckern von Eseln auf.

    Das Neueste von der Börse:

    Wie aus gut unterrichteten Kreisen auf dem internationalen Börsenparkett verlautet, erklärte nach der kürzlich erfolgreich abgeschlossenen Übernahme von Tall&Tales, deren letzte 4 Quartalszahlen weit hinter den Erwartungen der Analysten zurück geblieben waren, durch den deutlich besser aufgestellten Konkurrenten Guess, Gamble & Gossip dessen neuer CEO D.Xiao Peng, daß nach den neuesten, per modernster Fuzzy-Logik validierten und von der UN-Vollversammlung einstimmig als objektiv und neutral begrüßten Bewertungsverfahren seines Unternehmens, das als die weltweit mit großem Abstand führende Rating-Agentur in Zukunft unter dem Namen Weeh-Wil-Ran-Sac-U firmieren werde, eine weitere, drastische Herabstufung der skandinavischen Länder auf die intern von Kennern als ’suck&bite‘ bezeichnete, zweitunterste Stufe der Kreditwürdigkeit unvermeidlich sein dürfte.

    Kulturspiegel:

    Unbestätigten Berichten zufolge kam es in den letzten 24 Stunden in Kopenhagen, Barcelona, London, Birmingham, Rom, Berlin, Warschau, Duisburg und Wanne-Eickel zu erneuten Flash-Lynchs vor allem jugendlicher, zumeist alkoholisierter und gewaltbereiter Menschenmengen. Vor allem die Bediensteten griechischer Restaurants, aber auch die Mitarbeiter von Ausgabestellen des Apple/4U-Konzerns, in welchen es in den Tagen zuvor zu Engpässen bei der Auslieferung der neuen Generation des Erfolgsmodells iCan/3 gekommen sein soll, waren Ziel der Anschläge. Die Polizei nahm mehrere dutzend Jugendliche, die sich nach Angaben der Behörden über den neuen Lifestyledienst ChillyChopSpanky/Islamic Revolution is Alive! zu den Lynch-Mobs verabredet hätten, in Gewahrsam.

    Zum Sport:

    Die chinesisch-amerikanische Koproduktion ‚No Countries No Man‘ (deutscher Verleihtitel: Die Leere, das Land, Berg, Tal und Meer und des Himmels glückseliger Rand) hat, wie von Analysten und Kritikern übereinstimmend voraus gesagt, bei der diesjährigen Oscar-Verleihung mit Ausnahme des Oscars für die beste weibliche Nebendarstellerin (er ging an die, wegen ihres für die gewagte Darstellung der Geliebten des Räubergenerals Song Jiang in der neuesten Filmfassung des Computerspiels Liang-Shan-Thesis/BC als sehr problematisch erachteten Alters von nur 12 Jahren hoch umstrittene, noch größtenteils unbekannte chinesische Schauspielerin E.Mu-Shi) sämtliche Preise abgeräumt. Zu dem mit 3,2-Milliarden Dollar bisher teuersten Film der Geschichte, mit freundlicher Unterstützung der für Griechenland zuständigen Zivilschutzabteilungen von MS-Security-Solutions und Lenovo Av. hauptsächlich in der Ägäis gedreht, in welchem Basketball-Alt-Star D.Nowitzki in der Rolle des big ol’Sucker ein glänzendes Comeback gelang, soll bereits der zweite Teil (Arbeitstitel: No Man No Cries No Money) mit einem prognostizierten Budget von weit über 4 Milliarden Dollar in Vorbereitung sein. Eine leicht gekürzte Fassung (No Countries No Man/nitpickers cut) wird in den nächsten Monaten während der weltweiten Direktübertragungen der Vorrundenspiele der Super-Champion Series, des Eternal-Masters-of-the-Universe Challenge, der combined&aggravated all Time all Star Top Hundred, der diesjährigen Worldchampionship (Paramount), der Worldchampionship (Sony Inc.) sowie der Worldchampionship (FIFA) in den Halbzeitpausen (nur über PayTV) übertragen.

    Naja, wer weiß, ob’s je so kommt. Utopien sind zweischneidig, aber zum Glück meistens reiner Humbug.

    ;-) Susanne

  7. Wow, Susanne! Was für ein Text! Hab‘ mich köstlich amüsiert über die grandiose Fortführung und Ausweitung meiner bisher eher flaschen Visionen für Griechenland. 1000 Dank!
    (ich protestiere allerdings aufs Schärfste gegen Lynchmobs und Massengräber: dies sollte eine FRIEDLICHE Vision einer BESSEREN Welt sein und bleiben !)

    Warum es noch kein Modell ICan gibt, wundert mich fast… :-)

  8. Ein Moment am Griechenland-Ding, das leider selten betont wird, scheint mir aber dennoch bemerkenswert: Wie eifrig vermeidend die sich saturiert und sicher Fühlenden ringsum verhalten, denen am Beispiel Griechenlands doch an sich so einprägsam vorgeführt wird, auf welchen wackeligen Grundlagen der ihnen momentan gewährte Reichtum fußt.

    Der Grundsatz ‚divide et impera‘ scheint auch heute noch bestens zu funktionieren.

    Was stört es mich, wenn andere aus dem Baum heraus fallen, auf dessen solidem Ast ich so bequem sitze. Sind sie doch alle selbst Schuld, die sich dümmlich bequem auf weniger soliden Ästen niedergelassen haben und nur so taten, als ob. Mir dagegen geht es prima da, wo ich die Beine baumeln lasse, und mein Ast ist der Beste und wird niemals brechen und meine Zukunft wird party for ever sein, ehrlich und wahr!

  9. Stimmt. Keine Party währt ewig. :(
    Aber manche sind länger und lustiger, als andere. :)

  10. Ich denke, dass es an den „strukturellen Defiziten“ in Griechenland liegt, dass sich z.B. Bundesbürger wenig mitbetroffen fühlen: Korruption, Abwesenheit von „Staatlichkeit“, wie wir sie kennen, kaum durchsetzbare Besteuerungsmöglichkeiten, diverse sehr bequeme Arbeitsplatzarrangements in einzelnen Berufen und Sparten. (Auch die Akropolis hat erst neuerdings bis 18 Uhr geöffnet, schloss früher immer schon nach 2 Stunden um 12 Uhr Mittags, wie ich hörte). All das ergibt gefühlt eine völlig „andere Situation“ als die in DE – obwohl auch hier die immense Verschuldung wächst und wächst…

  11. @Claudia

    Das denke ich auch. Es ist halt wie damals mit Florida-Rolf – pikante Details prägen sich eher ein als unangenehme Zusammenhänge und schaffen auf diese Weise eine eigene ‚Wirklichkeit‘.

    Korruption und undurchsetzbare Besteuerung sind allerdings nichts originär ‚Griechisches‘, darüber haben sich schon die Beamten des alten Hamurapi im Zweistromland auf tausenden von Tontafeln echauffiert. Die ‚Abwesenheit von Staatlickeit‘ nennen wir bei uns übrigens Schattenwirtschaft, die kannst du etwa täglich auf jeder größeren Baustelle und bei fast jeder privaten Modernisierungsmnaßnahme bewundern, fals du dich nicht so dumm wie die Gewerbeaufsicht oder der Zoll anstellst.

    Allerdings behagt mir Deine Formulierung „diverse sehr bequeme Arbeitsplatzarrangements in einzelnen Berufen und Sparten“ nicht sehr.

    Ich halte ‚bequeme Arbeitsplatzarrangements‘ für ein sehr erstrebenswertes Ziel. Damit stehe ich sicherlich nicht allein, wie schon der erste, flüchtige Blick auf Berufe und Positionen, die über die notwendigen Mittel verfügen, genau solche Arrangements für sich zu erreichen, zeigt.

    Und wenn ökonomische Rücksichten in einer Region, die weder von Krieg noch von Naturkatastrophen zerrüttet und daher von einem Mangel an Waren, Dienstleistungen oder Infrastruktur bedroht ist, es ‚erzwingen‘ (i.S. von: ‚diese Politik ist alternativlos‘), daß solche Arrangements (die ich ‚menschengerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen‘ nennen würde) für eine Vielzahl von Menschen nicht möglich sind, scheint mir an diesen Rücksichten etwas ganz und gar nicht zu stimmen.

  12. @Susanne: stimme dir voll zu und halte „sehr bequeme Arbeitsplatzarrangements“ für ein erstrebenswertes Gut!

    Wenn aber dann der Eindruck entsteht, man werde „alternativlos“ gezwungen, per Rettungspaket anderen ein Niveau zu finanzieren, das man selber nicht genießt, dann ist Schluss mit lustig. Verständlicherweise.

    Was die Schattenwirtschaft angeht, so sagt der Name ja schon, dass sie der „Schatten“ von etwas (=normale Wirtschaft) ist. Nach alledem, was man von Griechenland liest, ist sie dort eher Mainstream – und ein gesetzmäßiges effektives Verwaltungshandeln ist gar nicht wirklich etabliert.

    All das müsste uns aber nicht tangieren und ist eben auch nicht der Grund für die „alternativlosen“ Rettungspakete.

    Gezahlt werden muss, damit alles so weiter gehen kann und die Spargelder, Gewinnbeteiligungen und Vermögensansprüche breiter (und nicht nur reicher!) Kreise, die über Banken und Versicherungen auch in Griechischen Anleihen stecken, nicht den Bach runter gehen. Und damit die deutschen UBoote bezahlt werden können…

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