Claudia am 07. Mai 2011 — 0 Kommentare

Der Rauchstopp als Lebens-Check und Abenteuer

Was ist der Nutzen des Rauchens? Da muss ich nicht lange nachdenken, um ein paar typische „Vorteile“ aufzuzählen: die vermeintliche Entspannung, die Pause, das „sich was gönnen“, der HALT, den die Kippe manchmal gibt, die geistige Anregung oder auch Beruhigung – und natürlich die „Gemeinschaft der Raucher“ in vielerlei Formen.

Bei jedem sehen diese nützlichen Funktionen ein wenig anders aus – und deshalb muss auch jeder seine ureigene Art des Ausstiegs finden.

Jede einzelne Situation, bei der man bisher eine Zigarette brauchte, kommt zwangsläufig auf den Prüfstand: Was mache ich „anstatt“? Oder evtl. auch gleich: Will ich das überhaupt weiter so machen?

Rauchen stabilisiert das WEITER SO

Hebt man den Blick vom Detail und schaut das Ganze an, so ist es doch so: die Kippen stabilisieren den Status Quo, der gerade unser Leben ausmacht: Arbeit, Beziehung, Familie, Hobbys, Art der Freizeitgestaltung – alles geht in einem Raucherleben seinen Gang mittels 20 bis 40 Zigaretten pro Tag.

BETÄUBUNG jeglichen Frusts, BERUHIGUNG bei Ärger und Konflikt – alles ist halb so wild, wenn man erstmal eine rauchen kann.

Wenn der Mörtel zerbröselt

Bei meinen früheren Aufhörversuchen hab ich gemerkt: wenn ich die Kippen weglasse, dann ist es, wie wenn der Mörtel eines komplexen Bauwerks auf einmal zerbröselt und seine Stützkraft verliert. Wenn ich nicht wieder rauche, wird es zusammen brechen – und das wollte ich NICHT.

Damit war der „Rückfall“ programmiert, denn ein Leben wie das meine (im wesentlichen vor dem Monitor sitzend) konnte ich mir ohne die tägliche Betäubung des Körpers nicht wirklich vorstellen. Es mochte GESÜNDER sein, anders zu leben – aber ICH hatte nun mal am meisten Spass, Freude und Erfolge, indem ich in die Tasten haute. Da konnte ich einfach keinen wachen, sensiblen Body brauchen, der mir dauerns signalisiert: steh doch mal auf!

Die Zigarette war ganz klar die Betäubungspille für die „Hardware“ (Körper/Gefühle), um mein Leben in der „Software“ (Gedanken/Ideen) überhaupt erst zu ermöglichen.

Aufhören um länger zu leben? Welches Leben denn bittschön??

Natürlich WOLLTE ich in diesem Zustand gar nicht mit dem Rauchen aufhören – also waren auch engagierte Versuche sinnlos und nur sehr kurzfristig wirksam.

Der Neubau, der das Alte umfasst

Mein Leben vor dem Monitor änderte sich dann aber doch: mittlerweile hab ich schon ein paar Jahre mit meinem Liebsten einen Garten, der mir eine ANDERE FREUDE macht als der „Erfolg“ in den virtuellen Welten. Dorthin fahre ich mit dem Fahrrad – zweimal 20 Minuten hin und zurück.

Ich BRAUCHE also den Körper wieder mehr als früher. Zudem wurden die Defizite durch das Jahrzehnte lange Rauchen immer deutlicher und leidvoller.

Ganz ohne Plan bin ich nun spontan in mein „Rauch-Moratorium“ hinein geschlittert – und jetzt ist schon eine rauchfreie Woche rum. Fast ganz ohne Entzugserscheinungen, auf jeden Fall ohne „Schmacht“.

Ich nehme mir nichts weiter vor, als der Lunge eine Pause zu gönnen. Wie ich lese, sollen deutliche Regenerationsschritte nach etwa drei Monaten erfolgt sein. Ich bin gespannt, besser fühle ich mich nämlich jetzt schon!

Und was das Gebäude des Lebens angeht: es gibt auch solche, die keinen Mörtel benötigen. Weil nämlich die Formen der Bestandteile so gut ineinander passen, dass sie von selber halten.

Will man mit dem Rauchen aufhören, bleibt letztlich nichts anderes übrig, als es DAHIN zu bringen! Alles andere endet im Rückfall oder in der Suchtverschiebung. So gesehen, kann man glatt froh sein, Raucher (gewesen) zu sein – denn Nichtraucher werden nicht auf derart heftige Art in die richtige Richtung geschubst.

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