Claudia am 06. Februar 2011 — 8 Kommentare

Für ein Recht auf Gesicht – zur Burka-Debatte

Der Streit um die Burka ist ja nun auch hierzulande angekommen. Eine Mitarbeiterin des Bürgeramtes Frankfurt/Main wollte nur noch vollverschleiert zum Dienst antreten, was ihr aber untersagt wurde. Nun gibt es ein offizielles Burka-Verbot für den hessischen öffentlichen Dienst. Und ich finde das richtig so.

Warum? Weil ich einem Menschen, dem ich im öffentlichen Dienst und auch in der privaten Wirtschaft treffe, ins Gesicht sehen können will. Ich will sehen, wer er oder sie ist, will das Lächeln, die Zornesfalten, den Trübsinn, die Fröhlichkeit und vieles mehr aus der Mimik ablesen können – und nicht einer vermummten Gestalt gegenüber stehen, die mich zwar sieht und mein Befinden erkennen kann, mir aber dieses Erkennen verweigert.

Ich empfinde das als verunsichernd und feindselig, noch bevor ich überhaupt zum rationalen Nachdenken komme. Mein Gegenüber will sich verstecken, mir sein Gesicht nicht zeigen – es misstraut mir also. Dieses Empfinden sehe ich nicht als etwas, das ich mir aus Multi-Kulti-Begeisterung abtrainieren sollte, sondern als spontane menschliche Empfindung, die ihren guten sozialen Sinn hat. Wir wollen sehen, mit wem wir es zu tun haben – und der Blick ins Gesicht ist dafür unverzichtbar (ein Kopftuch jedoch unproblematisch).

Die Debatte, die zum Thema Burka geführt wird, kreist üblicherweise um frauenrechtliche Aspekte oder wird als „antimuslimisch“ verstanden. Mir geht es um nichts von alledem und mein „Recht auf Gesicht“ bezieht sich nicht allein auf die Burka oder den Nijab (mit offenem Schlitz für die Augen). Ich möchte im Bürgeramt auch keinem Tuareg mit gesichtsverdeckendem Schal (siehe Foto) begegnen – und Fetischisten mit Gummimaske sind da ebenso falsch.

Masken gehören für mich zum Karneval und nicht ins normale Miteinander-Leben, aber wer privat so rumlaufen will: bitteschön! Das kann ich als Großstädterin tolerieren, wenn ich es auch nicht toll finde und mich mit Vermummten sicher nicht befreunden würde.

*

Siehe dazu auch:

Burka in Hessen – zur Bebilderung des Burka-Themas;
Burka-Woman – umstrittenes Video eines pakistanischen Komikers; Geht HUMOR bei diesem Thema?
Frankfurt im – äh – Burkaschock

Diskussion

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8 Kommentare zu „Für ein Recht auf Gesicht – zur Burka-Debatte“.

  1. Wenn ich an den Anlagebetrüger Harksen denke, so wurde aus seinem Gesicht und seiner Mimik nur das herausgelesen, was man lesen wollte. Dollarzeichen. Wenn bei den Papieren zu einer KFZ-Anmeldung auch nur ein Buchstabe fehlt, dann wird das Auto nicht zugelassen, mit oder ohne Burka.

    Was anderes ist es, das es ein sehr ungewohntes Bild ist. Und warum sollte man sich daran gewöhnen müssen, kann man sich auf sein Gastgeber Recht berufen und die Dinge damit einfach und schnell aus der Welt schaffen.

    Klar ist für mich, das ich mich in so einer Situation auch erst einmal schwer tuen würde und es sehr gemischte Gefühle in mir hervorrufen würde. Obwohl ich auch einen gewissen Reiz darin verspüre zu erfahren, mit welchen Mitteln sich Emotion und Toleranz in diesem Eiertanz durchzusetzen versuchen.

  2. Ich denke auch, das Kommunikationsfähigkeit, und da gehört in unserer Kultur in unserem Land die nonverbale Kommunikation per Gesichtsmuskeln eindeutig dazu, eine Einstellungsvoraussetzung ist.

    Ich bin zur Zeit gegen allgemeines Verhüllungsverbot, weil es nur dazu führen wird, das Männer ihre Frauen dann eben gar nicht mehr auf die Strasse lassen würden.

    Aber in den von Dir skizzierten Berufesfeldern darf die von mir mit skizzierte Berufsvoraussetzung, so finde ich, in der Tat gestellt werden.

  3. Ich bezweifle, dass es in Frankfurt oder Berlin tatsächlich ein „Gebot“ des Mannes ist – denn z.B. diese Frau ist ja vorher durchaus schon unverschleiert arbeiten gegangen. Und sie wollte dann eine ordentliche Abfindung.
    Man müsste die Burka-Anhängerinnen fragen – so lange kann ich nur vermuten, dass sie eher von „religiösen Gründen“ und persönlicher Entscheidung sprechen würden (ähnl. wie beim Kopftuch).

  4. hat zwar nichts mit „Burka“ zu tun, aber sehr viel
    mit der Gesellschaft die sich daran „stösst“:)

    ein Bäcker wirbt auf seiner homepage mit einem
    (dunkelhäutigen) Kind seiner Mitarbeiter für ein
    Kuchenprodukt aus seiner Fertigung.
    so weit, so gut (oder auch nicht gut, sei’s drum)

    Jemand, der nichts besseres zu tun hat,
    sieht,liest,regtsichauf, (veni,vidi,vici)
    entfacht einen erneuten- leicht verfrühten-
    „saudurchsdorf-Abtrieb“
    die anderen jemands, (-die diesem unterfangen gefolgt sind
    -wahrscheinlich weil sie auch nichts besseres zu tun hatten-) lärmen mit und schwupps: die „medienrepublik“
    hat einen neuen Skandal im Wasserglas.
    ist schon erstaunlich wer zu diesen -mitschwätzern-
    gezählt werden will (liste aus dem Zitat vom Bäcker
    ersichtlich). Brot und Spiele.
    …dielernensnie..

    Ja, unsere Gesellschaft (die die diese Gesellschaft durch Veröffentlichen von Meinungen zu einer Kulturgemeinschaft
    schmieden wollen), besteht -meiner meinung nach- aus einer
    unsumme zu hoch bezahlter Nichtstuer deren lautes Wortgeklingel auf hohem Niveau verschleiert, dass
    unser Jammerniveau zu hoch ist. viel zu hoch.

    auch „eins extra“ beteiligt sich am Aufmerksamkeits Haschmich -wenn auch nur am Rande- mit einer kurzen Meldung
    in den laufenden Nachrichten.

    ————–>zitat vom Bäcker:)—>
    http://www.baeckerei-raddatz.de/index.php?option=com_content&view=article&id=345&Itemid=227

    Mit Unverständnis nehmen wir die Beschimpfungen und Rassismus-Beleidigungen zur Kenntnis und bedanken uns für das große positive Feedback, das dem entgegensteht.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christoph Raddatz
    Prokurist

    Veröffentlichungen zum Thema:

    * Sächsische Zeitung
    * Zeit
    * Welt
    * Focus
    * MDR
    * Spiegel (Diskussion)
    * n-tv
    * N24
    * Stern
    * BILD
    * DD-Inside
    * web.de (Diskussion)
    * Lausitzer Rundschau
    * Tagesspiegel
    * Facebook Gruppe Sputnik Dresden
    * Harlem Store
    * Shortnews
    * Morgenpost
    * RP-Online
    * süddeutsche.de
    * Frankfurter Neue Presse
    * Blick.ch
    * Berliner Morgenpost
    * Leipziger Volkszeitung
    * Neue Presse
    * noows
    * BZ
    * AZ-Online
    * Antenne Brandenburg
    * DAPD
    * DPD
    <————-Zitat ende

    wohl dem der keine Meinung hat.
    :)
    gruss
    imsz

  5. Schon seltsam, wohin PC so führt… ich verstehe schon nicht, warum ein dunkielhäutiges Kind („Hautfarbe Schoko“) nicht für Schokolade werben darf. Diskriminierung wäre doch erst, wenn man jemandem negative Eigenschaften aufgrund seiner Hautfarbe unterstellt – aber doch nicht, wenn man diese nur benennt oder wie in dieser Werbung „passend nutzt“.

  6. Ich hab auch erst gedacht: das ist doch übertrieben. (Sage allerdings auch noch Negerkuß zu einem… äh, Negerkuß…) – aber als ich mir dann die Werbung angesehen habe, fand ich die auch zumindest unglücklich. Über dem (in der Tat süßen) propperen Jungen steht groß „Aktion“ und darunter groß Schokotraum, rechts daneben, wie als zweites Produkt, dann noch ein Kuchen, auf den ersten Blick wie „auch(!) noch kaufbar“ wenn man es zum Schokotraum dazu haben will.

  7. mich störte, dass unsere hochwohlgebohrene Edelpresse- landschaft diesen Fall überhaupt in die Schlagzeilen gebracht hat; mittlerweile hat sich meine Meinung ein klein wenig geändert: (nach lesen der Kommentare/Berichte bei den aufgeführten Meinungsverbreitern)

    Meinung/ Nachrichten müssen gemacht werden, die Zeitungen/
    Nachrichtensendungen hungern nach aktuellem stoff.

    im grunde ist es -meiner Meinung nach- nahezu gleichgültig WAS berichtet wird, den jungs und mädels der Hofberichtserstattung muss alles recht sein was nach meinung der Hofberichterstattung (embedded Journalism)
    eine Nachricht wert ist.

    „im westen nichts neues“
    die Bäckerei hat an Bekanntheitsgrad zugenommen,
    kostenlose Werbung, eine Fingerübung im Mediendschungel.

    „Just another day in paradise“

    „der amerikanische Teilnehmer wurde vorletzter
    unser Starathlet belegte hingegen einen herausragenden
    zweiten Platz!“

    wer nur diese Nachricht liest und kennt freut sich
    (falls er bei „unser“ gemeint ist)
    wer den ganzen Kuchen kennt (Teilnehmerzahl:2)
    freut sich über die gelungene Propaganda
    und „seine“ herausragenden Mitarbeiter in der
    Öffentlichkeitsarbeit.

    „the show must go on“
    leben wir schon so tief im showbusiness,
    dass uns alles kalt lässt; dass wir alles
    hinnehmen, keine fragen stellen,
    einverstanden mit der besten aller möglichen welten?

    ich habe letzte woche in Hannover eine vollverschleierte Frau einen Kinderwagen schieben sehen. dachte an den Artikel
    hier von claudia und musste ganz tief im innern klammheimlich grinsen.

    „was zählt,ist was hinten bei rauskommt.“
    ich denke, was zählt ist was wir von der Wirklichkeit
    tatsächlich mitbekommen und wie wir selbst mit diesen
    Wirklichkeiten umgehen. für mich selbst zählt immer
    mein tatsächliches „gegenüber“, real, anfassbar, unmittelbar
    in der gegenwart. alles andere ist nur schmückendes Beiwerk,
    ein hauch Ewigkeit, ein Raunen der Geschichte.

    gruss
    imSZ

  8. So schnell wird das eigene Gemüt zum gesunden Volksempfinden. Jetzt ist aber Schluss mit Lustig! Wir haben ein Recht darauf, dich zu erkennen! Zeig uns dein wahres Gesicht oder geh uns aus den Augen! Dein Recht endet, wo wir uns in unserer spontanen Empfindsamkeit verletzt fühlen. Unsere Toleranz übringens auch.

    Ich bin für Maskentanz.

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