Claudia am 05. November 2010 — 0 Kommentare

Strukturiertes Arbeiten?

Als ich einem Kunden kürzlich nach einem längeren Telefonat eine „Telefonnotiz“ per Mail ankündigte, lobte er mich für dieses „strukturierte Arbeiten“. Tja, wenn ich keine Notiz machen würde, hätte ich schon Stunden später die Hälfte des Besprochenen vergessen – reine Notwehr also.

Der Regierung Merkel wurde während der Finanzkrise verschiedentlich vorgeworfen, sie agiere „auf Sicht“, und nicht, wie man es von einer Regierung offenbar erwartet, im Sinne eines Programms. Mir war es eher sympathisch, dass das Gepann Merkel-Steinbrück an dieser Stelle zugab, dass man eben versucht, im Augenblick das Machbare und dabei auch möglichst Richtige zu entscheiden. Für aufwändiges Subsumieren der Aktionen unter größere Leitlinien war einfach keine Zeit und bezüglich des obersten Werts „Geld retten“ konnten sich die Akteure der Zustimmung der Bevölkerungsmerheit sicher sein – und zwar bis hin zum Kleinsparer.

Was hat nun das Regieren „auf Sicht“ mit meiner Telefonnotiz zu tun? Nun, im Moment agiere ich wieder mal „auf Sicht“ und bin von unüberschaubar vielen ToDos unterschiedlicher Dringlichkeit umringt. Das ist dann immer der Zeitpunkt, an dem ich wieder mal über Strukturierung nachdenke, über neue Wochenpläne, geordnete und ungeordnete Listen oder gar „Groß-Programme“ bezüglich der Aktivitäten der nächsten Monate.

Und dann beginne ich den Tag doch mit dem, was mir grade besonders wichtig erscheint. Heute etwa der neue Beitrag über Mangelerscheinungen auf dem gerade mal zwei Wochen alten Blog „Unverbissen vegetarisch“. Schließlich kann und will ich so ein neues Projekt nicht gleich von „täglich was Neues“ hin zu wöchentlich runter dümpeln lassen. Lieber gebe ich ein anderes Blog perspektivisch auf (natürlich NIE NIE NIE das Digital Diary!).

Mein erster Praktikant

Seit gestern hab‘ ich erstmals einen Praktikanten. Ich hoffe, dass die Zusammenarbeit zur sprichwörtlichen Win-Win-Situation für beide wird. Zwar werde ich viel erklären müssen, doch schon jetzt sitzt er an einer Recherche (fürs Veggi-Blog), zu der ich selber nie im Leben die Zeit fände. Fühlt sich also erstmal gut an, doch zwingt es mich, selber wieder mehr vom „auf Sicht arbeiten“ hin zu Planung und Terminen zu finden.

Also wieder ein expliziter Wochenplan? Ich fang mal lieber mit der einfachen ToDo-Liste an. Tage im voraus fest zu verplanen gibt mir ein Gefühl der Unfreiheit, dass dazu führt, dass ich den Wochenplan doch nur nutze WIE eine ToDo-List. Kann mir einfach nicht einreden, es sei wichtig, eine Arbeit am Montag zu machen, von der ich weiß, dass sie genauso gut drei Tage später stattfinden kann. Der Praktikant mach sowieso nur Zusätzliches, da reicht es auch, wenn ich ihm die Aufgaben von Termin zu Termin zuweise.

Manchmal wundert es mich, wie ich mit meiner Arbeitsweise doch ganz gut über die Runden komme – und nun schon seit 1997, dem Beginn meiner Selbständigkeit. Klare Termine von Kunden halte ich ein, das Reich des „mal sehen, was wann klappt“ erstreckt sich quer über die Eigenaktivitäten. Wenn ich so sehe, welch umfangreiche Selbstmanagement-Systeme so manche Einzelkämper/innen nutzen, bin ich dennoch voll der Bewunderung! Allein schon das Einarbeiten in so etwas wäre bei mir nie dringlich genug!

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