Claudia am 13. September 2010 — 20 Kommentare

Neun elf

Damals saß ich wie immer in meinem Arbeitszimmer vor dem PC. Anders als heute googelte ich nicht alle halbe Stunde nach Nachrichten, sondern ging meiner Arbeit nach, einfach so und recht glücklich damit.

Da rief mich mein Kollege Michael an. Sagte: Schalt den Fernseher ein!!!!

Ich schaltete ein und sah, was Sache war. Verfolgte das alles mit, vom ersten Treffer bis zum Einsturz der beiden Türme. Rannte ins Nebenzimmer und scheuchte meinen Liebsten und Mitbewohner hoch: Guck hin, es ist unglaublich… Sah dann auch, wie unserem damaligen „Feind“ Georg Bush die Klappe runter fiel, als er auf irgend einem wohltätigen Event von den BodyGuards ins Ohr geflüstert bekam „Amerika is under attack“.

Sowas kann man nicht spielen! Der war so von den Socken, so verängstigt, so perplex – da glaub ich einfach niemandem, der 9/11 nachträglich zur Verschwörungstherorie machen will!

Alle „Kampftruppen“ der USA (FBI, CIA etc.) wolllen immer schon den Interessen der USA dienen. Nichts sonst.

Der Anschlag auf das WTC war verdammt nochmal ein böser Angriff – und nie niemals nicht eine Sache, die die USA selbst zur Interessenwahrung im Rest der Welt selbst veranstaltet hätten. Wer das anders sieht, ist aus meiner Sicht BLIND für die Wirklichkeit. Bzw. verfolgt mit dieser mutwilligen Blindheit andere Interessen – und findet natürlich genug schlichte Gemüter, die diesen Gedanken folgen.

DAS gruselt mich. Mehr als Al Kaida, Bin Laden oder andere kämpferische Iditoten dieser Welt.

Diskussion

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20 Kommentare zu „Neun elf“.

  1. Mensch, Claudia, da bist Du ja mit Emotionen bei der Sache.

    Merkst Du, wie Du die durch nichts zu beseitigende Ungewissheit über Ursachen und Hintergründe, durch extra-überzeugenwollende Vokabeln kompensierst? Du kämpfst für DEINE Wirklichkeit, weil Du sie nicht verlieren willst. :)

    Also ich weiß nicht was passiert ist, obwohl ich damals noch einen Fernseher hatte, der gerade lief, während ich bügelte (Damals bügelte ich auch noch ;)). Bald darauf habe ich den Glauben an die Wirklichkeit der Medien verloren. Genauer gesagt, habe ich den Glauben daran verloren, daß die Wirklichkeit anderer Menschen, zwangsläufig auch die meine sein muss.

    Was nun jenes Ereignis angeht, bin ich frei von Wissen und frei von Voreingenommenheit. Wenn ich daran denke, dann formt sich in mir der Gedanke: Wie ungeheuer passend kam 9/11, um einen „Krieg gegen den Terrorismus“ zu führen, der ganz vielen Leuten, insbesondere den „Kampftruppen“, seither Sinn und Erfüllung liefert. Mir fällt auch ein, wie Hitler zu Beginn seiner Feldzüge sagte: „Nun wird zurückgeschossen“, nachdem seine eigenen Leute (mutmaßlich, denn ich war nicht dabei) einen polnischen Angriff fingiert hatten.

    Psychologisch gesehen ist es ein ganz alter Hut, daß Gruppenzusammenhalt äußere Feinde braucht, die man sich einfach selbst bastelt, und es ist gute Tradition, Kriege mit einem Angriff des Feindes zu rechtfertigen.

  2. Claudia, die Verschwörungstheoretiker gabs es schon immer. Nur mit der Lupe „Internet“ wirken die nun so konzentriert.

    Zur Überlegung selber. Wenn wir „den Amerikanern“ schon alle Schändlichkeiten der Welt zutrauen, dann würde ich sagen: den langen auch geschönt-erfundene Berichte über chemische Waffen, um Länder zu überfallen. Da müssen die nicht erst eigene Bürger umbringen.

  3. @Uwe: ich werde mich zu derlei Vermutungen nicht mehr äußern, denn ich muss keinesfalls „um meine Wirklichkeit“ kämpfen.

    Vielleicht lösche ich diesen Beitrag auch wieder, den ich allzu spontan schrieb, als ich mich an anderer Stelle über jemanden geärgert habe, den ich lange Jahre sehr schätzte – bis er mit allerlei Verschwörungstheorien daher kam und nun überall nur noch böse geheime Mächte am Werk sieht und mal diesen und mal jenen kurz bevor stehenden Untergang verkündet. Ja, das schmerzt.

  4. @Claudia
    Ich hoffe Du hast bemerkt, daß ich keine Verschwörungstheorien vertrete. :) Wenn man etwas nicht wissen kann, dann ist beides gleichermaßen albern, etwas zu behaupten, wie es zu bestreiten.

    Jemand, der den Untergang verkündet, der hat immer Recht. Es ist nur eine Frage des Zeitpunktes. ;)

  5. G.W. Bushs überzeugend verblüfftes Gesicht genügt Dir bis heute, um allen US-Amerikanischen Interessengruppen eine weiße Weste in dieser Sache zu bescheinigen? Echt? Das überrascht mich. Ich hätte Dich für skeptischer gehalten, was die Machtstrukturen in den USA anbelangt.

    Alle “Kampftruppen” der USA (FBI, CIA etc.) wolllen immer schon den Interessen der USA dienen. Nichts sonst.

    Mag sein. Aber weißt Du auch, was sie als die Interessen der USA definieren und wen oder was sie bereit wären, dafür zu opfern?

    Der Anschlag auf das WTC war verdammt nochmal ein böser Angriff – und nie niemals nicht eine Sache, die die USA selbst zur Interessenwahrung im Rest der Welt selbst veranstaltet hätten.

    Bis dato ist und bleibt das in meinen Augen auch nur ein Glaubensbekenntnis. Oder anders ausgedrückt: Solange die Schuld oder Unschuld der verschiedenen Verdächtigen nicht zweifelsfrei bewiesen wurde, gehöre ich zu den Zweiflerinnen an der offiziellen Version der USA. Oder für Dich eben zu den Blinden und Doofen, die Deinen scheinbar unerschütterlichen Glauben an die Unschuld der USA nicht teilen.

  6. Nein, natürlich nicht nur das verblüffte Gesicht. Ich müsste viele viele Seiten Text schreiben und alles aufführen, was mich in umfänglicher Auseinandersetzung in meiner Sicht der Dinge bestätigt hat – aber das würde den Rahmen hier bei weitem sprengen und war halt auch nicht die Intention dieses kurzen, recht emotionalen Eintrags.

  7. Wer mag, kann ja mal meinen ersten Diary-Eintrag nach 9/11 lesen:

    * Vom Glück mitten im Grauen

  8. @Claudia:
    Schön, dein kleiner, von Bodenständigkeit und gesundem Menschenverstand getragener Artikel zu 9/11, dem ich voll und ganz zustimme.

    @Uwe:
    Klar, prinzipiell ist ja alles möglich. Auch ich war nicht dabei, kann also – wie du – nicht wissen, „was wirklich passiert ist“.

    Allerdings finde ich, dass man auch nicht alles wissen muss. Manche Unwissenheit lässt sich m.E. ganz gut mit praktischer Lebenserfahrung und besagtem „gesundem Menschenverstand“ kompensieren. Und diese sagen mir eindeutig: Menschen, die ernsthaft behaupten, die Anschläge vom 11. September seien durch die USA selbst inszeniert gewesen, haben schlicht und einfach „nicht alle Tassen im Schrank“.

    Wenn man sich mal eingehender mit den Verschwörungstheorien zum 11. September befasst (und dazu als Ausgangspunkt z.B. den betreffenden Wikipedia-Artikel hernimmt) oder auch mit Verschwörungstheorien im allgemeinen (bevor ich das tat, konnte ich mir beispielsweise nicht vorstellen, wie viele Menschen es gibt [es sind sehr viele, zu viele!], die vorgeben, schon einmal Kontakt zu „Außerirdischen“ gehabt zu haben), da kann einem wirklich das Gruseln kommen. Und ich frage mich angesichts dessen, vor wem muss ich wohl mehr auf der Hut sein: vor Bin Ladens al-Qaida oder den Verschwörungstheoretikern?

  9. Eine Frage habe ich: die offizielle Version der US-Medien (eine Handvoll Islamisten habe sich verschworen, um die USA an einer empfindlichen Stelle anzugreifen, und dabei mit relativ geringem Einsatz unter Hilfestellung eines reichen Saudiarabiers eine Menge schier Unglaubliches erreicht[*]) macht für euch genau was bitte zu keiner Verschwörungstheorie? (Ihr, i.e. Claudia und Peter, scheint mir über gesichertes Wissen zu verfügen, daß zumindest ich nicht habe, weswegen ich bei meinem Akzeptieren der amtlichen Version einer Verschwörung der bekannten Verdächtigen, das ich mit euch teile, allein auf jenen kindlichen Gutglauben angewiesen bin, der weiße, angelsächsische Protestanten emotional daran hindert, weiße, angelsächsische Protestanten für derart verdorben zu halten, wie zu sein sie es dunklen, arabischen Mohammedanern offenbar viel eher zutrauen.)

    [*] für unglaubliche Leistungen gibt es seit Jahren im gebeutelten Radsport das Bonmot, eine unglaubliche Leistung sei genau das – unglaublich.

  10. @Susanne:
    Die eine (offiziele US-Version) spricht von einer Verschwörung (islamistisch motivierte Terroristen [ich sage: islamistisch-antiimperialistisch motivierte T.], geringer Aufwand, große Wirkung …), was in meinen Ohren durchaus plausibel und nachvollziehbar klingt.

    Das andere sind Verschwörungs-Theorien, welche von deren Vertretern mit allerhand fadenscheinigen und an den Haaren herbeigezogenen Argumenten zu begründen versucht werden – weshalb sie wohl theoretisch bleiben und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung nur bei einem recht kleinen Teil Glauben finden.

    Auch ich habe kein „gesichertes Wissen“ zur Verfügung. Dennoch habe ich eine Meinung dazu (siehe obiger Eintrag). Und ob man sich bei seiner Meiunungsbildung z.B. auf „kindlichen Gutglauben“ oder „praktische Lebenserfahrung“ verlässt, das muss jede und jeder für sich entscheiden.

    Und dann tust du, Susanne, wie ich finde, noch etwas in diesem Zusammenhang fragwürdiges, um deine Argumentation zu bekräftigen. Du bringst die sprachliche Kategorie „Vorurteil“ ins Spiel: angelsächsiche Protestanten glauben, dass arabische Mohamedaner so und so seien und umgekehrt.

    Damit erweckst du (bei mir) den Anschein, bei der Bewertung der Ereignisse um den 11. September könne man sich ebenso nur auf Voruteile und das, was man bereit sei zu glauben, stützen.

    Man kann ja grundsätzlich alles hinterfragen (und anzweifeln). Und es gibt sicher auch viele Situationen, in denen das angebracht und angemessen ist. Allerdings: täten es zu viele Menschen und jederzeit und überall, wären wohl die Trümmer des eingestürzten World Trade Center auch heute noch nicht beiseite geräumt.

  11. @Peter
    In diesen Punkten folge ich Dir nicht:

    Auch was mir „durchaus plausibel und nachvollziehbar klingt“ als Welten- oder Geschichtsdeutung, ist nur – Theorie.

    Meinen Gutglauben, wie ich ihn nannte, verkaufen andere als „praktische Lebenserfahrung„. Allein, dieses Etikett macht sie nicht besser noch glaubwürdiger.

    Und nicht nur ich erwecke „den Anschein, bei der Bewertung der Ereignisse um den 11. September könne man sich ebenso nur auf Voruteile und das, was man bereit sei zu glauben, stützen“. Das tust Du ebenso, s.o. „Auch ich habe kein ‚gesichertes Wissen‘ zur Verfügung. Dennoch habe ich eine Meinung dazu.“

  12. @Susanne:
    Es bringt m.E. wenig bis nichts, darüber rechten zu wollen, ob nun „praktische Lebenserfahrung“ etwas anderes oder besseres ist als „kindliche Gutgläubigkeit“ oder nicht. Zumal, wenn man sich in der Konsequenz und letztlichen Sicht der Sache eigentlich einig ist (der besagte Terrorakt war nicht von den USA selbst inszeniert – diesbezügl. sind wir uns, wenn ich dich richtig verstanden habe, einig).

    Was ich vielmehr sagen wollte, war, dass man sich irgendwann trotz fehlender „gesicherter Erkenntnisse“ (die wird es nie geben, denn was heute als gesichert gilt, ist schon morgen durch neuere Erkenntnisse überholt und nicht mehr „wahr“) eine Meinung und einen Standpunkt bilden kann und muss. Kein noch so guter Ingenieur wird die „gesicherte Erkenntnis“ (sprich 100%-ige Gewissheit) haben, dass das Schiff, das er gebaut hat, auch wirklich schwimmen wird. Dennoch kommt irgendwann der Punkt, an dem er den Pott zu Wasser lassen muss. Und das kann er trotz fehlender „gesicherter Erkenntnisse“ guten Gewissens tun, weil er sich auf seine praktische Lebens- (in diesem Falle Berufs-) Erfahrung verlassen kann.

    Und gleiches gilt, so denke ich, auch für die Bewertung geschichtlicher Ereignisse, wie z.B. der des 11. September 2001 in New York. Denn tue ich es nicht (mir eine Meinung, einen Standpunkt, bilden), weil es ja noch dieses und jenes und sonstiges zu bedenken gäbe, dann „entwurzele“ ich mich selbst, mache mich zum Opfer und anfällig für allen möglichen Irr- und Aberglauben, wie z.B. die absurden Verschwörungstheorien um 9/11.

    So sehe ick die Sache. Wenn du es anders siehst, sei dir das unbenommen. Und wenn deine Sicht praktikabler und lebensnäher ist als meine, lerne ich auch gerne von dir (wie von allen anderen Mitwirkenden hier im Forum).

  13. @Peter

    Du hast Recht. Ein ‚darüber rechten‘ bringt selten viel ohne profunde Argumente. Wenn Du aber solche krassen Aussagen wie diese: „Und ich frage mich angesichts dessen, vor wem muss ich wohl mehr auf der Hut sein: vor Bin Ladens al-Qaida oder den Verschwörungstheoretikern?“ triffst, solltest Du meiner Ansicht nach schon etwas mehr auf der Pfanne haben, sie zu untermauern, als ein vages ‚jedem sei sein Meinen unbenommen‘!

  14. @Susanne:

    Findest du meine Aussage tatsächlich so krass? Ich finde sie gar nicht krass, eher landläufig und einen „alten Hut“. Wenn du Argumente brauchst, lies sie bitte hier

    http://de.wikipedia.org/wiki/Verschw%C3%B6rungstheorien_zum_11._September_2001

    nach. Und wenn dich das nicht überzeugt (wovon ich ausgehe), werden es wohl auch meine Begründungen nicht tun.

    Was ich im Zusammenhang unseres kleinen Disputs viel interessanter finde, ist folgende Beobachtung: Ich mache dir ein „Friedensangebot“, indem ich meine Aussagen relativiere, besser zu begründen versuche, mich auch deinem Standpunkt zu nähern suche. Aber du kannst oder willst es nicht sehen, beharrst weiter auf dem einmal gewählten Konfrontationskurs. Hmm … das ist womöglich „dein Ding“. Meines ist es hier, jetzt und in dem Zusammenhang nicht mehr, weshalb ich diesen Thread für mich an der Stelle beenden möchte. Denn alles weitere liefe wohl in der Tat nur auf ein sinnloses „darüber Rechten“ hinaus.

  15. @Peter

    Das tut mir Leid, daß Du diese Folgerung ziehst.

    Ja, ich fand Deine Aussage sehr krass, weil ich mehr Angst vor Leuten habe, die sich verschwören, um andere Menschen umzubringen, als vor denen, die solche Verschwörungen vermuten, und sei es auch fälschlicherweise.

    Ich bin selbst sehr behütet aufgewachsen und in mir steckt viel Vertrauen darin, daß ‚Staat‘ und ‚Wirtschaft‘ und überhaupt die ‚Verantwortlichen‘ nicht gar so schlimm sind, wie manche bösen Buben und Bubinnen es mutmaßen (mich sogar eingeschlossen). Und daß viele Millionen Dollar Gewinn kein Grund sein können, Menschenleben aufs Spiel zu setzen oder gar zu opfern. Ich kenne sehr gut das Gefühl, daß, wenn es einmal gar zu arg wird mit meinen Ängsten, ich nur die Augen schließen möchte, um am anderen Morgen in einem sauberen Bett aufzuwachen und in der Küche frischer Kaffee auf mich wartet.

    Dennoch glaube ich amtlichem Verlautbaren und offizieller Leseweise und herrschender Meinung nicht mehr als jeder anderen Äußerung, wenn sie meinem Denken zu sehr widersprechen. Und versuche, meine (Vor-)Urteile daraufhin zu überprüfen, ob sie Gründen entspringen – oder meinem Wunsch nach Harmonie und Geborgenheit. Eine Vermischung, die ich leider manchmal in Meinungen zu erkennen glaube, die, um zu böse Gedanken zu vermeiden, dann doch zu Blauäugigkeit tendieren, weil diese sehr beruhigend wirkt, solange alles irgendwie noch weiter geht und man selbst in seinem Alltag kaum gestört wird.

  16. Dieses Gespräch finde ich interessant. Nicht, weil es mich interessiert, wer die Twin Towers gesprengt hat, denn das weiß ich schon: Es waren Menschen, die ihren eigenen Gedanken und Ideen den Vorzug gaben, vor der Rücksicht auf andere Menschen, mit anderen Gedanken und Ideen. :)

    Wieviel sind jemandem andere Menschen, mit ihren anderen Gedanken und Ideen wert? Das ist die Frage, die ich interessant finde. Und da hat mich die Abwertung, mit der Claudia und Peter über „Verschwörungstheoretiker“ gesprochen haben, also über Leute, die andere Vorstellungen vom Ablauf der Ereignisse haben, als sie selbst, überrascht. Aus meiner Sicht ist eine Haltung, die fremde Gedanken und Ideen für doof oder krank erklärt, genau diejenige, die in letzter Konsequenz genau dazu führt, daß einem das Leben derjenigen, die so undenkbare Gedanken und Ideen haben, weniger wert wird.

    Die Reichweite des eigenen Wissens und der eigenen Betroffenheit ist sehr gering. Nur über weniges und kleines, an der Größe der Erde oder gar an der des Weltraumes gemessen, kann sich ein Mensch eine auf eigener Erfahrung basierende Ansicht bilden. Den Großteil seiner Ansichten und Wertungen bezieht er ganz unbemerkt aus seiner kulturellen Umgebung, früher aus der Bibel, heutzutage aus einer standardisierten Medienumgebung. So richtig klar scheint es den wenigsten zu sein, daß sie deshalb in einer vorgefertigten Matrix leben, die ihnen vielleicht das Gefühl von Sicherheit in einer (für jeden gleichermaßen gültigen) Wirklichkeit vermittelt, daß diese Wirklichkeit aber im wesentlichen eine gedankliche Konstruktion ist, die auf bewußten und unbewußten Vereinbarungen basiert. Aus diesem Grund kann man unendlich lange darüber streiten, wie etwas „wirklich“ ist und noch besser darüber, wie etwas „wirklich“ war, deshalb werden Gedanken und Ideen anderer Menschen für abwegig erklärt, deshalb mangelt es an Toleranz und deshalb leiden viele an ihren eingebildeten Wirklichkeiten.

  17. Ja, jeder hat halt so seine Aufreger und Punkte, bei denen einem die Hutschnur hoch geht. Sorry, wenn ich mit meinem zu emotionalen und in Teilen abwertendem Posting einigen auf den Schlips getreten bin!

    Klar hab ich mich umfänglich mit all diesen „anderen Sichtweisen“ auseinander gesetzt, schließlich schaue ich auch auf Jugendjahre zurück, in denen die USA für mich der Hort alles Bösen waren. Damals wär ich auch „Verschwörungstheoretikerin“ gewesen, aber sicher doch!

    Meinen Artikel „nach 9/11“ hab ich hier (s.oben) verlinkt, da kann man lesen, wie sehr es mich angekotzt hat, wie sich Betroffenheit und Leid in kriegerische Stimmung verwandelte. Das ging (und das steht nicht im Beitrag) bis in alle Foren und Mailinglisten hinein. Ein von mir technisch betreutes Autorenforum hat es gesprengt, die Hälfte trat aus, es wurde zeitweise ganz geschlossen.

    Ich hab eine Menge Artikel, Texte und Videos zu allen Aspekten des Vorfalls konsumiert. Darunter dann auch (z.B. auf PHOENIX) sehr sorgfältig gemachte detailreiche Wiederlegungen der Argumente derjenigen, die allen Ernstes meinen, die USA würden eine solch heftige Selbstverletzung veranstalten – im Zentrum dessen, was es doch zu verteidigen gilt. Und mit Menschen als Opfern, die für den Staat und die „herrschenden Konzerne“ wie auch Geldmächte ja doch verdammt wichtig waren. Es saßen ja keine kleinen Buchhalter im WTC… (hinzu kam: viele, die sowas vertraten, glaubten auch gleichzeitig, es hätte nie eine Mondlandung gegeben und die USA hätten auch Landungen von Außerirdischen vertuscht etc. usw.)

    So hat sich meine Sicht der Dinge also nochmal stabilisiert – wozu sicher auch beiträgt, dass mir viele Medien der Verschwörungs-Theoretiker eher wie Hass-Predigten vorkamen und Einzelpersonen, die ich in dieser Hinsicht besonders wahrnahm, mich regelrecht erschütterten (und diskussionsfreundlich im Blick auf Gegenargumente waren die, vorsichtig gesagt, gerade nicht!).

    Cui bono? / Wem nützts? Ich kam zum Schluss, den Cräcker oben in den einfachen Satz goss: um einen Krieg anzufangen, müssen die USA nicht im eigenen Land massenhaft eigene Leute umbringen.

    Dass ich mich hab‘ hinreissen lassen, das Thema hier nochmal zu bringen, hab ich schon bedauert. Ich lösch aber auch nix mehr, wenn es schon Kommentare gibt – und wie ich sehe, seid Ihr alle zum Glück trotz verschiedener Positionen äußerst zivilisiert im Umgang. Danke dafür!!!! Das ist bei dem Thema selten…

    Und jetzt wünsch ich allen eine schöne Woche! Die Arbeit ruft…

  18. @Susanne:
    Doch nochmal: Danke für deine Erklärung. Jetzt kann ich deine Denke (und Bedenken) besser nachvollziehen. Jedoch bin ich (immer noch) der Meinung, dass, wenn man z.B. in der Sache 9/11 den „amtlichen Verlautbarungen“ Glauben schenkt, es weniger mit Blauäugigkeit zu tun hat als vielmehr mit Vernunft und Realitätssinn.

    @Uwe:
    Auch Toleranz sollte, wie ich finde, irgendwo eine Grenze haben. Und wenn ich eine Idee für dumm, widersinnig, realitätsfern halte (wie z.B die Verschwörungstheorien um den 11. September), dann sage ich es.

    Und wenn sich die Person, die einen solchen Standpunkt vertritt, dadurch agbewertet fühlt, dann ist es halt so. Ich weiß, dass sich alle möglichen Verschwörungstheorien insbesondere in Esoterik-Kreisen großer Beliebtheit erfreuen. Und weil ich mich in dieser Szene ein bisschen auskenne, ist mir auch bewusst, dass die „Matrix“ der Anhänger derselben meist wenig mit eigenständigem Denken zu tun hat, dafür umso mehr mit dem unreflektierten Nachplappern dessen was irgend weilche „Gurus“ und Leute, die sich für „erleuchtet“ halten, vebreiten. Ein idealer Nährboden für Verschwörungstheorien und sonstige Absurditäten. Dummheit ist immer potentiell gefährlich, ob sie nun Bomben wirft oder nicht.

  19. @Peter
    Du hast ganz Recht mit dem, was Du sagst, nur sehe ich keinen Unterschied darin, WEM jemand nachplappert und WESSEN Theorien er übernimmt. Insofern sind politische oder wirtschaftliche Kreise nicht anders als Esoterik-Kreise, nur größer vielleicht und mit offiziellem Anstrich. ;)

    Ich ziehe durchaus in Betracht, daß so mancher Guru zu so manchen Themen Ansichten hat, die für mich nützlicher sind, als die der größeren Kreise, welche ihr „Expertenwissen“ in Zeitungen und Fernsehsendungen verbreiten.

    Die jeweils etwas überheblichen Exemplare jedweder Kreise diskreditieren die Ansichten anderer Kreise dann gerne mal als Dummheit, und die besonders rigorosen Exemplare mancher Kreise tendieren sogar dazu, Absurditäten oder Dummheiten ausrotten zu wollen, nur weil sie mit den eigenen nicht deckungsgleich sind. Ich glaube nicht, daß das die Lebensqualität in Summe verbessert. :)

  20. Ohne da noch Öl ins Feuer gießen zu wollen… mein Lieblingsargument gegen die meisten Verschwörungstheorien (so auch diese) ist immer noch die Wahrscheinlichkeit auf der Basis bisheriger Geschichtsforschung und eigener Erfahrung.
    Anders ausgedrückt: Wie wahrscheinlich ist es, dass riesige bürokratische Apparate, die ständig und immer wieder an den unmöglichsten Stellen die blödesten Fehler machen, weil Menschen nun einmal Fehler machen, die sich bei der Größe solcher Institutionen (Geheimdienste etc.) potenzieren, auf einmal eine (den Verschwörungstheoretikern zufolge) so ausgeklügelte, doppelbödige und unbeweisbare Aktion zustande bringen (und dabei nebenbei auch noch die heilige US-Moral mit Füßen treten, nach denen unschuldige US_BÜRGER geopfert werden)?
    Antwort: Praktisch Null.
    Nachhaltiger Kosten/Nutzen-Faktor nicht berücksichtigt.
    Ja, die republikanischen Fanatiker wären vielleicht verrückt genug, so etwas zu überlegen (kann man jeden Tag auf Fox-News sehen) – aber sie sind nicht unfehlbar genug, um so etwas ungestraft und unbeobachtet in die Tat umzusetzen. Selbst Tricky Dick Nixon hat es nicht geschafft – und der war wirklich „gut“ in solchen Sachen.

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