<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
		>
<channel>
	<title>Kommentare zu: Eine Art 4.Juli f&#252;r Deutschland: zum Mauerfall-Pathos</title>
	<atom:link href="http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2009/11/09/eine-art-4-juli-fuer-deutschland-zum-mauerfall-pathos/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2009/11/09/eine-art-4-juli-fuer-deutschland-zum-mauerfall-pathos/</link>
	<description>Das philosophische Webtagebuch von Claudia Klinger: mal heiter, mal absurd, gelegentlich tiefsinnig, selten öd!</description>
	<lastBuildDate>Mon, 06 Feb 2012 20:15:25 +0000</lastBuildDate>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
	<item>
		<title>Von: Peter</title>
		<link>http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2009/11/09/eine-art-4-juli-fuer-deutschland-zum-mauerfall-pathos/#comment-9802</link>
		<dc:creator>Peter</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 12:28:35 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.claudia-klinger.de/digidiary/?p=379#comment-9802</guid>
		<description>@Claudia: Es sei dir unbenommen, die DDR einen Unrechtsstaat zu nennen, zumal in deinem eigenen Blog. Ich pers&#246;nlich habe es, wie gesagt, nicht so erlebt; vielleicht, WEIL ich mich &quot;stromlinienf&#246;rmig durchgeschl&#228;ngelt&quot; habe.

Du siehst an meinem leicht ironischen Unterton, dass ich ebenfalls nicht viel davon halte, dieses Thema weiter zu vertiefen. Diesbez&#252;glich hat jeder seine Erfahrungen und ergo seine eigene &quot;Wahrheit&quot;. Der Themenkomplex &quot;DDR-Mauerfall-Wiedervereinigung&quot; ist anscheinend auch nach zwei Jahrzehnten noch extrem emotionsgeladen (wie z.B. hier http://www.stern.de/politik/deutschland/neue-kolumne-bei-sternde-schnauze-wessi-1520586.html ersichtlich), und die Debatte darum grenzt, so kommt es mir vor, fast schon an einen &quot;Glaubenskrieg&quot;.

Zur&#252;ckhaben m&#246;chte ich DDR und Mauer auch nicht. Andererseits: h&#228;tte es sie nicht gegeben, m&#252;sste man sie wohl nachtr&#228;glich erfinden. Eignen sie sich doch f&#252;r viele Menschen bestens als Projektionsfl&#228;che f&#252;r alles Dunkle und Schlechte, was sie in sich und im neuen, &quot;freiheitlich-grenzenlos-vereinten&quot; Deutschland nicht haben wollen.

Und du hast Recht: Lass uns nach vorne blicken. Schlie&#223;lich haben auch die Medien nach dem Jahrestag l&#228;ngst ihr neues Fressen gefunden: Den Tod eines bekannten Fu&#223;ballers (ich kannte ihn zwar nicht, aber das will nichts hei&#223;en, schlie&#223;lich kenne ich auch keine Stasiopfer, zumindest nicht pers&#246;nlich), &#252;ber den sich derzeit die &quot;deutsche Fu&#223;ballnation&quot; laut NTV-Originalton in &quot;fassungsloser Schockstarre&quot; befindet. Wenn diese Starre ja ausnahmsweise wenigstens mal ein paar Tage anhalten w&#252;rde...

Gru&#223;, Peter</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Claudia: Es sei dir unbenommen, die DDR einen Unrechtsstaat zu nennen, zumal in deinem eigenen Blog. Ich pers&#246;nlich habe es, wie gesagt, nicht so erlebt; vielleicht, WEIL ich mich &#8220;stromlinienf&#246;rmig durchgeschl&#228;ngelt&#8221; habe.</p>
<p>Du siehst an meinem leicht ironischen Unterton, dass ich ebenfalls nicht viel davon halte, dieses Thema weiter zu vertiefen. Diesbez&#252;glich hat jeder seine Erfahrungen und ergo seine eigene &#8220;Wahrheit&#8221;. Der Themenkomplex &#8220;DDR-Mauerfall-Wiedervereinigung&#8221; ist anscheinend auch nach zwei Jahrzehnten noch extrem emotionsgeladen (wie z.B. hier <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/neue-kolumne-bei-sternde-schnauze-wessi-1520586.html" rel="nofollow">http://www.stern.de/politik/deutschland/neue-kolumne-bei-sternde-schnauze-wessi-1520586.html</a> ersichtlich), und die Debatte darum grenzt, so kommt es mir vor, fast schon an einen &#8220;Glaubenskrieg&#8221;.</p>
<p>Zur&#252;ckhaben m&#246;chte ich DDR und Mauer auch nicht. Andererseits: h&#228;tte es sie nicht gegeben, m&#252;sste man sie wohl nachtr&#228;glich erfinden. Eignen sie sich doch f&#252;r viele Menschen bestens als Projektionsfl&#228;che f&#252;r alles Dunkle und Schlechte, was sie in sich und im neuen, &#8220;freiheitlich-grenzenlos-vereinten&#8221; Deutschland nicht haben wollen.</p>
<p>Und du hast Recht: Lass uns nach vorne blicken. Schlie&#223;lich haben auch die Medien nach dem Jahrestag l&#228;ngst ihr neues Fressen gefunden: Den Tod eines bekannten Fu&#223;ballers (ich kannte ihn zwar nicht, aber das will nichts hei&#223;en, schlie&#223;lich kenne ich auch keine Stasiopfer, zumindest nicht pers&#246;nlich), &#252;ber den sich derzeit die &#8220;deutsche Fu&#223;ballnation&#8221; laut NTV-Originalton in &#8220;fassungsloser Schockstarre&#8221; befindet. Wenn diese Starre ja ausnahmsweise wenigstens mal ein paar Tage anhalten w&#252;rde&#8230;</p>
<p>Gru&#223;, Peter</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Matthias</title>
		<link>http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2009/11/09/eine-art-4-juli-fuer-deutschland-zum-mauerfall-pathos/#comment-9801</link>
		<dc:creator>Matthias</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 10:43:24 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.claudia-klinger.de/digidiary/?p=379#comment-9801</guid>
		<description>Ist eine Gesellschaft bzw. der Mensch an sich gut oder b&#246;se?

Definitionen stehen in Traditionen. Traditionen stehen im soziokulturellen Zusammenh&#228;ngen. Der Sozialismus in der Theorie: erschien als die L&#246;sung f&#252;r uns alle. Wenn da der Mensch nicht w&#228;re. Ein lauter &amp; liebenswerter Egoist vor dem Herrn. Angetrieben vom Drang auf Verbesserung des Genoms. Der Kapitalismus in der Praxis: ist auch nicht das Wahre. Aber wenigstens ein Weg. &quot;Geschlossene Gesellschaft&quot;: &quot;Die H&#246;lle, das sind die anderen&quot;. Wenn die T&#252;r zur Freiheit &#246;ffnet, erschrecken alle und dr&#228;ngen wieder aneinander.
 
Am Ende steht die Erl&#246;sung in Bedeutungslosigkeit und Nothingness. Doch was solls? Wir leben hier. Nutzt den Tag!

Oder esst wenigstens Nutella mit dem L&#246;ffel. ;-)

Gru&#223;
Matthias</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ist eine Gesellschaft bzw. der Mensch an sich gut oder b&#246;se?</p>
<p>Definitionen stehen in Traditionen. Traditionen stehen im soziokulturellen Zusammenh&#228;ngen. Der Sozialismus in der Theorie: erschien als die L&#246;sung f&#252;r uns alle. Wenn da der Mensch nicht w&#228;re. Ein lauter &amp; liebenswerter Egoist vor dem Herrn. Angetrieben vom Drang auf Verbesserung des Genoms. Der Kapitalismus in der Praxis: ist auch nicht das Wahre. Aber wenigstens ein Weg. &#8220;Geschlossene Gesellschaft&#8221;: &#8220;Die H&#246;lle, das sind die anderen&#8221;. Wenn die T&#252;r zur Freiheit &#246;ffnet, erschrecken alle und dr&#228;ngen wieder aneinander.</p>
<p>Am Ende steht die Erl&#246;sung in Bedeutungslosigkeit und Nothingness. Doch was solls? Wir leben hier. Nutzt den Tag!</p>
<p>Oder esst wenigstens Nutella mit dem L&#246;ffel. ;-)</p>
<p>Gru&#223;<br />
Matthias</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Claudia</title>
		<link>http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2009/11/09/eine-art-4-juli-fuer-deutschland-zum-mauerfall-pathos/#comment-9800</link>
		<dc:creator>Claudia</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 22:56:04 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.claudia-klinger.de/digidiary/?p=379#comment-9800</guid>
		<description>@G&#252;nther S: das steht in meinem Berlinblog:

* Feste feiern zum Mauerfall
http://www.modersohn-magazin.de/2009/11/09/feste-feiern-zum-mauerfall/

@Peter: wow, was f&#252;r eine Brandrede! Du hast allerdings eine sehr selektive Wahrnehmung. Ich hab die Feier quer durch alle Kan&#228;le zappend angeschaut: da gab es Menschen jeglicher Coleur und Meinung, die da zu Wort kamen - nat&#252;rlich nicht auf der Rednertrib&#252;ne zum gro&#223;en Festakt, aber rund rum in den vielen Interviews der internationalen Presse und den seit Tagen anhaltenden TV-Sendungen zum Thema. 

Inhaltlich will ich jetzt zu deiner DDR-Beurteilung nichts weiter sagen: ich kenne jedenfalls viele, die mir einen seh glaubhaften Eindruck von den VERBIEGUNGEN beim Leben in der D&#228;D&#228;r&#228; (wie wir sie in den 80gern rotztg nannten) vermittelt haben. Und jede Menge Menschen gingen in den Knast bzw. verloren ihre beruflichen Perspektiven, weil sie sich nicht stromlinienf&#246;rmig genug durchschl&#228;ngelten, sondern offene Worte sprachen! Nicht zu vergessen die Mauertoten, die elende Bespitzelung jeder gegen jeden.. f&#252;r mich war das ein Unrechtsstaat, ohne Zweifel.

Ein andermal evtl. mehr - aber eigentlich sehe ich lieber nach vorne. Wir leben gerade in einer sehr spannenden Zeit - und sind VEREINIGT tats&#228;chlich in mancher Hinsicht besser dran!</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@G&#252;nther S: das steht in meinem Berlinblog:</p>
<p>* Feste feiern zum Mauerfall<br />
<a href="http://www.modersohn-magazin.de/2009/11/09/feste-feiern-zum-mauerfall/" rel="nofollow">http://www.modersohn-magazin.de/2009/11/09/feste-feiern-zum-mauerfall/</a></p>
<p>@Peter: wow, was f&#252;r eine Brandrede! Du hast allerdings eine sehr selektive Wahrnehmung. Ich hab die Feier quer durch alle Kan&#228;le zappend angeschaut: da gab es Menschen jeglicher Coleur und Meinung, die da zu Wort kamen &#8211; nat&#252;rlich nicht auf der Rednertrib&#252;ne zum gro&#223;en Festakt, aber rund rum in den vielen Interviews der internationalen Presse und den seit Tagen anhaltenden TV-Sendungen zum Thema. </p>
<p>Inhaltlich will ich jetzt zu deiner DDR-Beurteilung nichts weiter sagen: ich kenne jedenfalls viele, die mir einen seh glaubhaften Eindruck von den VERBIEGUNGEN beim Leben in der D&#228;D&#228;r&#228; (wie wir sie in den 80gern rotztg nannten) vermittelt haben. Und jede Menge Menschen gingen in den Knast bzw. verloren ihre beruflichen Perspektiven, weil sie sich nicht stromlinienf&#246;rmig genug durchschl&#228;ngelten, sondern offene Worte sprachen! Nicht zu vergessen die Mauertoten, die elende Bespitzelung jeder gegen jeden.. f&#252;r mich war das ein Unrechtsstaat, ohne Zweifel.</p>
<p>Ein andermal evtl. mehr &#8211; aber eigentlich sehe ich lieber nach vorne. Wir leben gerade in einer sehr spannenden Zeit &#8211; und sind VEREINIGT tats&#228;chlich in mancher Hinsicht besser dran!</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Günter S.</title>
		<link>http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2009/11/09/eine-art-4-juli-fuer-deutschland-zum-mauerfall-pathos/#comment-9799</link>
		<dc:creator>Günter S.</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 19:07:16 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.claudia-klinger.de/digidiary/?p=379#comment-9799</guid>
		<description>Liebe Claudia,

wo waren sie eigentlich am 09.11.1989 gegen Abend ?
Das t&#228;te uns interessieren.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Claudia,</p>
<p>wo waren sie eigentlich am 09.11.1989 gegen Abend ?<br />
Das t&#228;te uns interessieren.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Peter</title>
		<link>http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2009/11/09/eine-art-4-juli-fuer-deutschland-zum-mauerfall-pathos/#comment-9798</link>
		<dc:creator>Peter</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 15:36:22 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.claudia-klinger.de/digidiary/?p=379#comment-9798</guid>
		<description>W&#252;rdeloses Spektakel

Was mir vom gestrigen &quot;Domino Day&quot; explizit in Nase und Ged&#228;chtnis h&#228;ngen blieb, ist die Unmenge der Jauchek&#252;bel, die man (wieder mal - zum willkommenen Anlass) &#252;ber der verblichenen DDR auskippte. Kaum einer der angetretenen Jubelredner mochte (bewusst oder unbewusst) darauf verzichten, auf die &quot;Machenschaften&quot; des &quot;Unrechtstaates DDR&quot; hinzuweisen. Die Krone setzte dem Ganzen ein Mann auf, der so &#228;hnlich hei&#223;t wie das kapitalistische Wirtschaftssystem ist, n&#228;mlich Fritz Pleitgen. Dieser Mensch, den man offenbar als &quot;DDR-Experten&quot; (er war zu DDR-Zeiten zeitweilig als ARD-Korrespondent dort akkreditiert) eingeladen hatte, meinte, man solle doch bitte k&#252;nftig darauf verzichten, die DDR einen Unrechtsstaat zu nennen. Das w&#252;rde den Menschen, die in der DDR gelebt und gearbeitet haben, nicht gerecht werden. Statt dessen solle man doch besser &quot;Unrechtsregime&quot; im Zusammenhang mit der DDR sagen. Sorry, aber einen d&#252;mmeren Spruch als diesen habe ich lange nicht geh&#246;rt. SPIEGEL-Online (daselbst nachzulesen) nennt die Festivit&#228;ten anl&#228;sslich des Mauerfalljubil&#228;ums ein &quot;w&#252;rdeloses Spektakel&quot; - freilich aus anderem Anlass, als ich es tue.

F&#252;r mich machte dieser Tag nur mal wieder klar, dass die &quot;Mauer in den K&#246;pfen&quot; auch 20 Jahre nach dem Untergang der DDR h&#246;her ist als je zuvor. Ein &quot;Zusammenwachsen&quot; zwischen Ost und West (-Deutschland) kann m.E. erst dann gedeihlich sein, wenn auch die uns Regierenden willens und in der Lage sind, den Osten der Republik, seine Menschen und seine Vergangenheit mit n&#252;chternem Blick und Verstand zu betrachten und die DDR als das zu sehen, was sie war: kein Paradies, in dem gebratene Tauben durch die Luft flogen, aber auch nicht das &quot;stalinistische Unrechtsregime&quot;, das, so wie der damalige Bundeskanzler Kohl es gerne getan hat und wie es auch heute noch von (nicht nur CDU-) Politikern getan wird, ann&#228;hernd auf eine Stufe mit der Menschenverachtung des Dritten Reichs zu stellen ist. Die DDR war sicher keins von beiden, sondern ein Land und ein politisches System mit M&#228;ngeln und Defiziten, aber auch mit vielem, was gut war und mit dem wir froh w&#228;ren, wenn wir es heute (noch oder wieder) h&#228;tten (soziale Sicherheit, Arbeit f&#252;r alle, geringe Kriminalit&#228;t, Kinderfreundlichkeit, solides, bezahlbares Gesundheitswesen, Chancengleichheit im Bildungssystem etc. pp.). Und die DDR und der Sozialismus waren nicht deshalb zum Scheitern verurteilt, weil sie unmenschlich waren, sondern schlicht und einfach, weil sie im Verh&#228;ltnis zur &#246;konomischen &#220;berlegenheit des kapitalistischen Systems ineffizient waren.

Die Menschen sind im Sommer und Herbst 1989 nicht in erster Linie deshalb auf die Stra&#223;e und in die Botschaften gegangen, weil sie mehr Demokratie und Mitbestimmung wollten (man frage mal zehn x-beliebige Leute, ob sie die Bedeutung des Begriffs &quot;Demokratie&quot; erkl&#228;ren k&#246;nnen!), sondern weil sie endlich auch 100 Sorten Senf und 100.000 Sorten ... (das Wort mit &quot;Sch&quot; am Anfang) kaufen k&#246;nnen wollten. Das konnte man z.B. daran sehen, dass nach dem Mauerfall in den Warenh&#228;usern des Westens ungleich mehr DDR-B&#252;rger anzutreffen waren als an den Runden Tischen des Ostens. Stefan Heym, DDR-B&#252;rger und bekannterma&#223;en kein Verfechter des &quot;real existierenden&quot; Sozialismus in der DDR, hat mal gesagt (in etwa): &quot;das DDR-Volk hat nach der Wende seine Seele an den Grabbeltischen von Hertie und Karstadt verramscht&quot;. Wie Recht er hatte ...

Ich jedenfalls hatte in den 31 Jahren meines Daseins in der DDR zu keiner Zeit das Gef&#252;hl, dass mir permanentes Unrecht geschieht (und schon gar nicht mehr, als ich es heute habe), nie wurde ich gefoltert, eingekerkert, mit dem Tode bedroht. Und ich war richtig entt&#228;uscht, als ich nach der Wende meine Stasiakte anforderte und feststellen musste, dass ich nicht einmal bespitzelt wurde (wo doch, die Zahlen kann man &#252;berall nachlesen, zu Hochzeiten 180.000 DDR-B&#252;rger offizielle oder inoffizielle Mitarbeiter dieses Vereins waren, also ca. jeder hundertste in der DDR).

Und ich vermute, dass es wie mir Millionen anderen ehemaligen DDR-B&#252;rgern geht, die keine Hurraschreier waren, aber auch keine ach so mutigen Oppositionellen, sondern die einfach ihr Leben gelebt und ihre Arbeit gemacht haben, und die sich durch die arroganten Spr&#252;che und die &quot;Siegermentalit&#228;t&quot; der heute M&#228;chtigen im Zusammenhang mit der DDR pers&#246;nlich beleidigt und diffamiert f&#252;hlen. Aber das scheint wohl dem Wesen des Menschen (insbesondere dem des &quot;Homo Politikus&quot;) irgendwie immanent zu sein, dass man &quot;dem B&#246;sen&quot; immer einen Namen, eine Adresse geben will, weil man glaubt es damit &quot;dingfest&quot; zu machen und sich nicht mit den eigenen Schattenseiten auseinander setzen zu m&#252;ssen. Die Wirtschaftskrise und die Kalamit&#228;ten, in denen das kapitalistische Weltsystem stecken, erscheinen doch gleich ein wenig ertr&#228;glicher, wenn man sagen kann: guck mal, damals in der DDR, wie schrecklich das war.

Ich w&#252;rde mir f&#252;r den Jubel, der uns in einem knappen Jahr, n&#228;mlich am 3. Oktober n&#228;chsten Jahres, zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung, erneut ereilt, w&#252;nschen, dass man etwas sachlicher und mit mehr Verstand und Gelassenheit auf die j&#252;ngere deutsche Vergangenheit zur&#252;ckzublicken kann. Wobei das wohl ein Wusch bleiben wird …</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>W&#252;rdeloses Spektakel</p>
<p>Was mir vom gestrigen &#8220;Domino Day&#8221; explizit in Nase und Ged&#228;chtnis h&#228;ngen blieb, ist die Unmenge der Jauchek&#252;bel, die man (wieder mal &#8211; zum willkommenen Anlass) &#252;ber der verblichenen DDR auskippte. Kaum einer der angetretenen Jubelredner mochte (bewusst oder unbewusst) darauf verzichten, auf die &#8220;Machenschaften&#8221; des &#8220;Unrechtstaates DDR&#8221; hinzuweisen. Die Krone setzte dem Ganzen ein Mann auf, der so &#228;hnlich hei&#223;t wie das kapitalistische Wirtschaftssystem ist, n&#228;mlich Fritz Pleitgen. Dieser Mensch, den man offenbar als &#8220;DDR-Experten&#8221; (er war zu DDR-Zeiten zeitweilig als ARD-Korrespondent dort akkreditiert) eingeladen hatte, meinte, man solle doch bitte k&#252;nftig darauf verzichten, die DDR einen Unrechtsstaat zu nennen. Das w&#252;rde den Menschen, die in der DDR gelebt und gearbeitet haben, nicht gerecht werden. Statt dessen solle man doch besser &#8220;Unrechtsregime&#8221; im Zusammenhang mit der DDR sagen. Sorry, aber einen d&#252;mmeren Spruch als diesen habe ich lange nicht geh&#246;rt. SPIEGEL-Online (daselbst nachzulesen) nennt die Festivit&#228;ten anl&#228;sslich des Mauerfalljubil&#228;ums ein &#8220;w&#252;rdeloses Spektakel&#8221; &#8211; freilich aus anderem Anlass, als ich es tue.</p>
<p>F&#252;r mich machte dieser Tag nur mal wieder klar, dass die &#8220;Mauer in den K&#246;pfen&#8221; auch 20 Jahre nach dem Untergang der DDR h&#246;her ist als je zuvor. Ein &#8220;Zusammenwachsen&#8221; zwischen Ost und West (-Deutschland) kann m.E. erst dann gedeihlich sein, wenn auch die uns Regierenden willens und in der Lage sind, den Osten der Republik, seine Menschen und seine Vergangenheit mit n&#252;chternem Blick und Verstand zu betrachten und die DDR als das zu sehen, was sie war: kein Paradies, in dem gebratene Tauben durch die Luft flogen, aber auch nicht das &#8220;stalinistische Unrechtsregime&#8221;, das, so wie der damalige Bundeskanzler Kohl es gerne getan hat und wie es auch heute noch von (nicht nur CDU-) Politikern getan wird, ann&#228;hernd auf eine Stufe mit der Menschenverachtung des Dritten Reichs zu stellen ist. Die DDR war sicher keins von beiden, sondern ein Land und ein politisches System mit M&#228;ngeln und Defiziten, aber auch mit vielem, was gut war und mit dem wir froh w&#228;ren, wenn wir es heute (noch oder wieder) h&#228;tten (soziale Sicherheit, Arbeit f&#252;r alle, geringe Kriminalit&#228;t, Kinderfreundlichkeit, solides, bezahlbares Gesundheitswesen, Chancengleichheit im Bildungssystem etc. pp.). Und die DDR und der Sozialismus waren nicht deshalb zum Scheitern verurteilt, weil sie unmenschlich waren, sondern schlicht und einfach, weil sie im Verh&#228;ltnis zur &#246;konomischen &#220;berlegenheit des kapitalistischen Systems ineffizient waren.</p>
<p>Die Menschen sind im Sommer und Herbst 1989 nicht in erster Linie deshalb auf die Stra&#223;e und in die Botschaften gegangen, weil sie mehr Demokratie und Mitbestimmung wollten (man frage mal zehn x-beliebige Leute, ob sie die Bedeutung des Begriffs &#8220;Demokratie&#8221; erkl&#228;ren k&#246;nnen!), sondern weil sie endlich auch 100 Sorten Senf und 100.000 Sorten &#8230; (das Wort mit &#8220;Sch&#8221; am Anfang) kaufen k&#246;nnen wollten. Das konnte man z.B. daran sehen, dass nach dem Mauerfall in den Warenh&#228;usern des Westens ungleich mehr DDR-B&#252;rger anzutreffen waren als an den Runden Tischen des Ostens. Stefan Heym, DDR-B&#252;rger und bekannterma&#223;en kein Verfechter des &#8220;real existierenden&#8221; Sozialismus in der DDR, hat mal gesagt (in etwa): &#8220;das DDR-Volk hat nach der Wende seine Seele an den Grabbeltischen von Hertie und Karstadt verramscht&#8221;. Wie Recht er hatte &#8230;</p>
<p>Ich jedenfalls hatte in den 31 Jahren meines Daseins in der DDR zu keiner Zeit das Gef&#252;hl, dass mir permanentes Unrecht geschieht (und schon gar nicht mehr, als ich es heute habe), nie wurde ich gefoltert, eingekerkert, mit dem Tode bedroht. Und ich war richtig entt&#228;uscht, als ich nach der Wende meine Stasiakte anforderte und feststellen musste, dass ich nicht einmal bespitzelt wurde (wo doch, die Zahlen kann man &#252;berall nachlesen, zu Hochzeiten 180.000 DDR-B&#252;rger offizielle oder inoffizielle Mitarbeiter dieses Vereins waren, also ca. jeder hundertste in der DDR).</p>
<p>Und ich vermute, dass es wie mir Millionen anderen ehemaligen DDR-B&#252;rgern geht, die keine Hurraschreier waren, aber auch keine ach so mutigen Oppositionellen, sondern die einfach ihr Leben gelebt und ihre Arbeit gemacht haben, und die sich durch die arroganten Spr&#252;che und die &#8220;Siegermentalit&#228;t&#8221; der heute M&#228;chtigen im Zusammenhang mit der DDR pers&#246;nlich beleidigt und diffamiert f&#252;hlen. Aber das scheint wohl dem Wesen des Menschen (insbesondere dem des &#8220;Homo Politikus&#8221;) irgendwie immanent zu sein, dass man &#8220;dem B&#246;sen&#8221; immer einen Namen, eine Adresse geben will, weil man glaubt es damit &#8220;dingfest&#8221; zu machen und sich nicht mit den eigenen Schattenseiten auseinander setzen zu m&#252;ssen. Die Wirtschaftskrise und die Kalamit&#228;ten, in denen das kapitalistische Weltsystem stecken, erscheinen doch gleich ein wenig ertr&#228;glicher, wenn man sagen kann: guck mal, damals in der DDR, wie schrecklich das war.</p>
<p>Ich w&#252;rde mir f&#252;r den Jubel, der uns in einem knappen Jahr, n&#228;mlich am 3. Oktober n&#228;chsten Jahres, zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung, erneut ereilt, w&#252;nschen, dass man etwas sachlicher und mit mehr Verstand und Gelassenheit auf die j&#252;ngere deutsche Vergangenheit zur&#252;ckzublicken kann. Wobei das wohl ein Wusch bleiben wird …</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Claudia</title>
		<link>http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2009/11/09/eine-art-4-juli-fuer-deutschland-zum-mauerfall-pathos/#comment-9797</link>
		<dc:creator>Claudia</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 11:25:14 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.claudia-klinger.de/digidiary/?p=379#comment-9797</guid>
		<description>Ich danke Euch f&#252;r die Kommentare! Hab das Fest auch zuhause am trockenen TV verfolgt und fand es sehr gut: insbesondere, dass beim kurzen Bahrenboim-Konzert als Drittes St&#252;ck das mega-gruslige Opus 46 von Sch&#246;nberg zum Gedenken an die Reichspogromnacht gespielt wurde (A Survivor from Warsaw for Narrator, Men&#039;s Chorus and Orchestra ). Brandauer war als &quot;Narrator/Erz&#228;hler&quot; sehr beeindruckend, der ganze Schrecken kam in Ton und Erz&#228;hlung, wie auch der extrem dissonanten Musik gut r&#252;ber - ein ber&#252;hrendes Zeichen gegen das Vergessen inmitten des freudigen Freiheitsfestes! Klasse!</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich danke Euch f&#252;r die Kommentare! Hab das Fest auch zuhause am trockenen TV verfolgt und fand es sehr gut: insbesondere, dass beim kurzen Bahrenboim-Konzert als Drittes St&#252;ck das mega-gruslige Opus 46 von Sch&#246;nberg zum Gedenken an die Reichspogromnacht gespielt wurde (A Survivor from Warsaw for Narrator, Men&#8217;s Chorus and Orchestra ). Brandauer war als &#8220;Narrator/Erz&#228;hler&#8221; sehr beeindruckend, der ganze Schrecken kam in Ton und Erz&#228;hlung, wie auch der extrem dissonanten Musik gut r&#252;ber &#8211; ein ber&#252;hrendes Zeichen gegen das Vergessen inmitten des freudigen Freiheitsfestes! Klasse!</p>
]]></content:encoded>
	</item>
</channel>
</rss>

