Claudia am 05. Februar 2009 — 9 Kommentare

Wie VW Nähe aufbaut

Wer keinen VW fährt, darf nicht aufs Werksgelände: nicht als Gast und nicht als Lieferant. Vom skurrilen Hausverbot las ich heut früh bei SPON, demnach sagte der Sprecher des VW-Werks Baunatal bei Kassel:

„Wer einmalig bei uns vorbeikommt, wird nur freundlich darauf hingewiesen. Aber von ständigen Partnern erwarten wir, dass er sich kooperativ zeigt und unsere Autos fährt,….. Wen wir beschäftigen, der soll auch uns beschäftigen. Das ist bei großen Firmen ganz normal. Viele Zulieferer wie Bosch oder Conti haben unterschiedliche Fahrzeugflotten, mit denen sie die verschiedenen Kunden anfahren.“ Damit werde Nähe aufgebaut und um Aufträge geworben. „Wir sehen darin kein Problem und unsere Partner eigentlich auch nicht.“

Das meinen die richtig ernst und praktizieren es auch so. Alle Werksdirektoren hätten das Hausverbot gewollt, doch erst der neue Chef Hans-Helmut Becker sei nun auch konsequent: „Lieferanten und Handwerker seien Partner, denen man gern helfe, von denen aber auch Hilfe erwartet werde“.

Armes, hilfsbedürftiges VW-Werk! In der Werbung sagen sie, ein VW sei nicht irgendein Auto, sondern DAS AUTO. Offensichtlich muss man es aber mit Drittwelt-Methoden unters Volk bringen (helf ich deinem Onkel, hilfst du meinem Sohn), die ich bisher allenfalls bei kleinen Krautern vermutet habe. Man stelle sich eine Wirtschaft vor, in der jeder darauf besteht, dass seine Lieferanten auch Abnehmer der eigenen Dienstleistungen und Produkte sind: man bräuchte keine Finanzkrise für den schnellen Untergang!

Irgendwelches Gerede von Marktwirtschaft und freiem Handel können sich solche Firmen jedenfalls in Zukunft sparen. Sie überzeugen nicht mit ihren Leistungen, sondern brauchen Hilfe und wollen „Nähe aufbauen“. Wer gründet eine Selbsthilfegruppe für die deutschen Autobauer?

Diskussion

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9 Kommentare zu „Wie VW Nähe aufbaut“.

  1. geile sache, das.
    als Handwerker, der mal eben eine Türe reparieren sollte,
    einer der dummerweise grade einen opel neu angeschafft hat
    (wegen umweltplakette und/oder so) kommt einem da schon mal
    ein klein wenig der TEURO gewordene Kaffe hoch, so am
    Werkstor „he hallo sie da, ja SIE da, verziehnsesichmaabbernbisschenflott
    ungommsemiddmaudowieda.“

    dann kann der handwerker/Lieferant/Kunde ja bei Opel eine tür
    reparieren, ein Teil liefern oder ein neues audo gaufen.

    dumm nur, wenn sein kundenkreis sich auf mehrer Hersteller
    von rollenden Blechhaufen (Materialverschwendungen)
    stützt, also morgens mit dem VW nach VW, dann mal kurz
    in die Werkstatt, den Opel rausgerollt, zu Opel, Aufmass
    machen, und dann, ja dann zurück in die Werstattgroßgarage, den Ford
    angeschmissen und nach Ford um ein Formular für ein Angebot
    abzuholen.
    anschließend wieder zurück zum Fuhrpark, in den MAN geklettert
    um endlich die kaputte Fensterscheibe im Großraumbüro von MAN
    auszutauschen, alles immer schön im Fahrtenbuch notieren, damit
    das Finanzamt auch auf seine Ablehnungskosten kommt und wenn dann noch
    Zeit bleibt, könnte der Daimler ja auch noch mal ne Runde rumkutschiert werden,
    Kundenbesuch beim  DAIMLER Einkauf, wegen einem Angebot aus dem
    wahrscheinlich sowiso nix wird.
    Aber man hat ja nicht umsonst alle lieferbaren Materialverschwendungen in der Garage,
    bei BMW ist ne Sicherung durchgebrannt, die Produktion steht still und leider dauert es
    etwas länger, weil Hannes, der Alt- Geselle mit dem BMW grade zu ALDI gefahren ist.

    Wohl dem, der nix mit Handwerk und verschiedenen Kunden zu tun hat.
    Lieber vollabhängig Beschäftigter Zulieferer bei einem Großen,
    der dann, nachdem er einen abgesägt hat, bedauernd zu Papa Staat rennt und die
    weltweite Finanzkrise als Anlaß fuer eine ordentliche Finanzspritze
    nimmt.

    gehts noch?
    ja. noch besser.
    bleib im Bett und verhunger.
    das ist gemütlicher und geht schneller.

    gruss
    i.m.

  2. Danke für diesen grandiosen Beitrag! :-))

  3. Finde das Einige sowie zu sehr verhaetschelt werden in der angeblichen, ich mag das Wort gar nicht mehr aussprechen. Aber ich befuerchte, wenn das alles vorueber ist, dann werden weit mehr Arbeitnehmer am Exitenzminimum leben als vorher und die Gewinne sprudeln um so kraeftiger. Die laengst ueberfaellige Steuerreform wird ein weiteres mal verschoben, weil ja ers mal die Kosten fuer dieses hausgemachte Dingens aufgebracht werden muessen.

  4. Über Google Stichwort -Selbständigkeit- zu Claudia Klingers digital diary … :-)
    Ursprünglich war ich auf der Suche nach Infos über Selbständigkeit, 53 und keine vernünftigen Angebote oder man wird auch noch beschissen. Deine Geschichte hat mich in meinem Entschluß bestärkt. Danke!!!
    Die Auto Mafia hat überall die Finger drin, mit Hilfe verlogener Politiker auch in den Staatskassen. Jetzt kommen die Bank und Versicherungsmanager auch noch drauf, das man die doofen Steuerzahlenden Schaafe noch mehr scheren könnte. Eine hinterhältige Art der Lohnkürzung. Allmosen für die armen Reichen die sich noch über einen lustig machen. Aber der Erfolg gibt ihnen Recht, mit dem Deutschen Michel lässt sich alles machen.
    Anstatt mal geschlossen mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, zerfleischt er sich lieber gegenseitig.

  5. Ich hatte erst kürzlich über „Gehorsam“ nachgedacht, und dein Beitrag hier regt mich immer wieder auf, wenn ich daran denken muss.
    Ich würd ja nichts sagen, wenn einer bei VW am Band, der absolut und wirklich toll viel Ahnung hat, wie das Getriebe in den Motor kommt, so eine Idee als Verbesserungsvorschlag abgibt. Würde ich sagen, Klasse, der Mann denkt mit. Aber dann schlussendlich die Losung auszugeben, nur VW`s dürfen noch auf`s Betriebsgelände, dass kann doch in so einem Konzern keine Einzelentscheidung sein, wo in Team`s lange darüber diskutiert wird, welche Farbe darf das Klopapier haben, damit die Menschen nicht von der Arbeit abgelenkt werden.
    Wer hat also zu so einer hirnrissigen Entscheidung alles „Ja“ gesagt, in der ein scheinbar wirtschaftlicher Vorteil den Imageschaden nicht aufwiegen kann?
    Ich würde sie gerne einmal kennen lernen, die Menschen, die diese Entscheidung getroffen haben. Bis dahin will ich versuchen, mindestens zu 50 % an die Unschludsbehauptung zu glauben, denn:
    „Sie wissen nicht was sie tun“

  6. doch, SIE wissen was sie tun:)
    http://www.volkswagenag.com/vwag/vwcorp/content/de/investor_relations/faqs.html
    http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/volkswagen-brechen-ertraege-weg-319192/
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/vw-ist-nur-die-spitze-eines-eisbergs;937193
    http://www.forum-china.de/de/termine/cur2008.pdf
    http://www.volkswagenag.com/vwag/gb2007/content/de/corporate_governance/structure_and_business_activities__part_of_the_management_report_.html
    SIE sind überall, niemand ist von IHREN Entscheidungen und
    Taten unabhängig, jeder ist in der Schlinge, hier und anderswo.
    man merkt es nur nicht gleich und unmittelbar, wir sind (ob wir wollen oder nicht) ein Teil davon.
    DER (Alp) Traum der Macht ist in uns allen, mehr oder weniger,
    Gier, Geld, Geltungsbedürfnis, und alles unter dem warmen Deckmantel
    des Gemeinwohls, wessen Gemeinen auch immer.
    AVE Caesar, morituri te salutant.
    :)

  7. Regelungen und Gesetze sind dazu gemacht, die Masse im Zaun zu halten. Fuer einige sind sie Ansporn, sie zu brechen … gottseidank, sonst gaebe es keine Veraenderungen, keine neuen Staaten und Gesellschaftsstrukturen. Wer Gesetze schafft, muss immer damit rechnen, dass solche zu Aenderungen fuehren werden.

  8. och, soweit ich weiß ist ein Lambo gern gesehen (gehört zum Konzern). Wenn aber die Kollegen aus München (von BMW) kommen, dann kommen die mit dem BMW und mit nix anderes. Dafür dürfen die Stuttgarter mit dem Daimler kommen, oder mit dem Porsche. Wird schon irgend gehen. Aber ich gehe in den Tante-Emma-Laden auch nicht mit der Tüte des Nachbargeschäfts. Geschäftsleute schauen da immer ein bischen böse.
    ist halt so
    ~ottmar~

  9. Wie schlecht ist denn das?!?! Du fährst kein VW? Du kommst hier nicht rein! Nur Stammgäste! Eine solch gezwungene Identifikation mit dem Betrieb, kann doch nicht zu was gutem führen? Andererseits müssen die Leute in den Modeläden auch die Klamotten tragen, die man dort kaufen kann. Wär ja nicht gut, wenn der Käufer einen Verkäufer fragt, woher er das schicke Oberteil hat und dieser dann auf die Konkurrenz verweisen muss. Aber was VW da abzieht, ist doch etwas übertrieben…..
     
     
     
     

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