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Claudia am 27. Oktober 2008

Sieben Gründe, die Finanzkrise zu mögen

  1. Anders als sonst hat die Welt auf einmal ein gemeinsames Thema: die Finanzkrise lässt niemanden unberührt, auch wenn noch keine Folgen im persönlichen Leben spürbar sind. Man spricht mehr miteinander – das gilt für Staaten genauso wie für Personen, am Arbeitsplatz und auch ganz privat. Es ist wie an der Bushaltestelle: wenn der Bus ausfällt, beginnen die Wartenden miteinander zu reden.
  2. Die Finanzkrise ist lehrreich und lässt viele aus ihrer interesselosen Lethargie erwachen: auf einmal ist es spannend, zu lesen, wie die Finanzwelt verfasst ist und was da alles statt findet – und man kommt aus dem Staunen nicht heraus!
  3. Die neoliberale Ideologie und ihre Meinungsführerschaft in den letzten 15 Jahren ist am Ende. Wer jetzt noch “mehr Kapitalismus wagen” will, macht sich lächerlich. Mit dem reuevollen Auftritt von Alex Greenspan ist vergangene Woche der letzte wichtige Apostel “vom Glauben abgefallen”.
  4. Das “Heuschrecken-Geschäft” ist zum Erliegen gekommen, da es nicht mehr möglich ist, mit billigem Geld auf Pump Firmen zu kaufen, um sie dann auszuschlachten bzw. im Sinne des “Shareholder Value” (und sonst nichts!) neu zu formieren.
  5. Auf einmal wird sichtbar, wie schnell und effektiv Politik agieren kann, wenns brennt! Die Bereitschaft der Regierten, ein “geht nicht” oder “viel zu teuer / nicht finanzierbar” einfach so hinzunehmen, schwindet.
  6. Es gibt keine “heiligen Kühe” mehr, über alles kann wieder ganz grundsätzlich diskutiert werden – sogar über die “Systemfrage”.
  7. Die Verwundbarkeit unseres Wohlstands und unserer arbeitsteiligen, weitgehend von außen und dem “Rest der Welt” abhängigen Lebensweise wird deutlich: wir können uns nicht mehr so einfach abwenden und sagen, das Elend anderer gehe uns nichts an.

Wer mag, kann die Aufzählung in den Kommentaren fortsetzen!

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16 Reaktionen zu “Sieben Gründe, die Finanzkrise zu mögen”

  1. dirk schreibt:

    “Das Kapital” wird wieder gelesen.

  2. SuMuze schreibt:

    Hoffentlich aber nicht mit dem selben Resultat wie beim letzen Mal!

  3. Dominik schreibt:

    9. (kapital-lesen zählt auch):
    Per Brief die Tilgung privater Schulden bei Steinbrück einfordern:
    http://milliardenhilfe.de/wp-content/uploads/steinbrueck_30_web.pdf

  4. Thomas Kreis schreibt:

    Hoffen wir, das die Resultate der Krise nicht vernichtend fuer uns werden. Mir gefaellen die Kommenatre von Claudia. Ja, die Medien haben genug Themen. Hoffentlich moegen mindestens sie die Finanzkrise.

  5. Patrick schreibt:

    Interessante Ansätze, die die Menscheit unter Umständen durch höheren Gesprächsbedarf tatsächlich etwas zusammenwachsen lässt! Wie in allen Dingen gibt es meist positive und negative Erkenntnisse, doch bei der Wirtschaftskrise überwiegen wohl eindeutig die negativen! Wie schnell die Politik plötzlich reagieren kann hat mich auch gewundert^^

  6. i.m. schreibt:

    Die Finanzkrise als Attentat auf die
    Finanzwirtschaft, die Boersen, den Kapitalismus
    an sich.

    Tja, Ehre wem Ehre gebührt, wer solange in den Wald
    reinschreit, der wird die Äste schon in s Gesicht bekommen
    obwohl die eigentlichen “schuldigen” immer noch
    im Amt am Würgen sind.

    Die Hedge fonds haben sich gerade mit der VW Aktie
    gewaltig verspekuliert, anstatt zu fallen wie es sich für
    ein verrufenes, gebeuteltes, fast aufgekauftes (Porsche)
    unternehmen der realen warenwelt gehört, STEIGT
    diese Aktie um 85 % an einem einzigen Handelstag.
    (ändert damit den DAX nachhaltig und wird von der
    Börsenaufsicht jetzt mehr als argwöhnisch durchleuchtet)

    Ob die Hedges jetzt auch Staatsknete für die
    erlittenen Spekulationsverluste erhalten?

    mir ist diese Finanzkrise suspekt. Ein rundum-Kommentar
    (Finanzkrise, Finanzkrise) für alle schwächelnden Unternehmungen
    reicht um unternehmerische Fehlentscheidungen zu verschleiern,
    oder zu vertuschen.

    eine Regierung, der es ansonsten für “humane” Dinge ständig an
    flüssigen Mitteln fehlt hat von heute auf morgen aus dem nichts
    heraus 500 .ooo .ooo ooo.00 Euro zur Verfügung, ich glaube
    euch garnichts mehr. Schön ist es auch den Trittbrettfahrern der
    Krise zuzusehen, mangels besserer Tätigkeit wird jetzt eben auf Verlust spekuliert und damit Gewinn gemacht, Bussines as usual.

    gehts noch??
    ja klar. jetzt erst recht.
    seht euch nur mal den vorgang der Geldgeschaefte an,
    das hat mit normaler Geschäftstätigkeit zwischen real existierenden Wirtschaftspartnern (Markt) doch überhaupt nichts mehr zu tun.

    solange die Möglichkeiten an der Börse (finanztechnischer Art)
    dieselben bleiben, werden immer die rd 80% irrealen Werte
    den Gang der Dinge bestimmen. (Finanzpyramide–>
    ca.9% der Umsätzue beziehen sich auf reale Werte, der Rest
    ist heisse luft aus Versprechungen und Spekulationen)

    kalle hätte im Kapital das Kapitel
    “sie werden trotzdem weitermachen und alle zum Narren halten”
    anfügen sollen, dann waere es eventuell doch mehr als nur
    ein Versuch gewesen.

    gruss
    ingo

  7. Michael schreibt:

    Finanzkrise? Das <a href=”http://www.google.de/search?hl=de&q=Peak+Oil&btnG=Google-Suche&meta=”>eigentliche Desaster</a> hat doch noch nicht einmal begonnen.

  8. Michael schreibt:

    Ähm – kein HTML-Code erlaubt.. sorry…

  9. Claudia schreibt:

    @michael: wieso, man kann doch einen Link setzen? (markieren, das Linkzeichen anklicken, URL in Maske eingeben…)

  10. i.m. schreibt:

    globales ölfördermaximum
    peak oil bei wikipedia ein artikel schockt “niemand”.es gibt kein endgültiges desaster, es sei denn im kopf jedes einzelnen und damit kann man
    immer noch gewinne machen.
    aber das  macht die finanzkrise  auch nicht anders
    one fits for all.
    lasst uns genuesslich angst haben und geniesst die show.
    oder:
    zahlen und froehlich bleiben:)

  11. Ralf Bodemann schreibt:

    Liebe Claudia,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag!
    “Krise” heißt u.a. auch “Wendepunkt”.
    Du hast sehr schön einige positive Wendungen dieser Krise herausgestellt.

    Gruß
    Ralf

  12. Michael schreibt:

    @i.m.: Wenn Du bei Wikipedia nachschaust, schockt Oil Peak natürlich niemand, weil dort nur der Begriff selber erklärt wird, nicht die Folgen.
    Mehr z.B. hier; oder in meinen Notizen (mit mehr Links zum Thema).

    @Claudia: Das mit dem Link sollte ich jetzt auch hinkriegen – ich bin gewohnt, direkt HTML-Code zu tippen, ohne den Luxus eines Knöpfchens :-)

  13. Nina schreibt:

    Hab so ein Eingabefeld bei WordPress auch noch nie gesehen was ist das für ein Plugin?

  14. Claudia Klinger schreibt:

    @Nina: das ist TinyMCEComments

  15. Chris schreibt:

    Eine schöne Liste, jede Krise hat eben auch den Vorteil, dass sie neues und besseres schaffen kann.

    Der Kapitalismus ist trotzdem weiterhin die beste bisher bekannte Methode, die Wirtschaft zu organisieren und wird weiter bestehen bleiben. Die ganze Krise basiert ja auch nicht auf einem Fehler des Wirtschaftssystems, sondern auf zu wenig Transparenz der einzelnen Teilnehmer des Systems (und auf der Tatsache, dass die USA die Position des USD als Welt-Leitwährung in den letzten 50 Jahren schamlos ausgenutzt haben, um über ihre Verhältnisse zu leben auf kosten der übrigen Welt).

    Beides wird sich ja hoffentlich in nächster Zeit ändern…

  16. Lofwyr schreibt:

    Der Kapitalismus ist nur dann eine sinnvolle Gesellschaftsform solange er nicht alle Bereiche des Lebens umfasst. Wichtige Aspekte wie Energie, Finanzen oder Gesundheit sollten in den Händen des Staates bleiben und auch dort nur unter strengen Regulierungsauflagen (Auch staatliche Banken sind ja schließlich betroffen). 

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