Claudia am 30. September 2008 — 11 Kommentare

Drei Stimmen zur Finanzkrise

Aus aktuellem Anlass hier ein paar bemerkenswerte Artikel zur Lage:

  • FAZNet: Wege aus dem Desaster: „Doch werden sich die Anleger auch daran gewöhnen müssen, dass in freien Märkten die Krise kein Unfall, sondern selbst ein wichtiges Regulierungsmittel ist. Wer Krisen in Zukunft ganz verhindern will, tut dies um den Preis der wirtschaftlichen Freiheit. Dies stünde in völligem Widerspruch zu einem Zusammenwachsen der Weltwirtschaft und der vielen neuen Freiheiten, die damit für die Bürger verbunden sind.“ Meine Frage: Welche „vielen neuen Freiheiten“ sind denn das, bzw. WELCHE BÜRGER sind hier gemeint?
  • Joachim Jahnke: Von der neoliberalen Globalisierung zur Weltwirtschaftskrise II – Eine komplette Analyse von Entstehungsgründen und Ausmaß der globalen Krise mit 45 Schaubildern.
  • WOZ (Schweiz): Noch zuckt er – „Der Kapitalismus steht nackt. Schauen wir hin!“ Im Unterschied zu den derzeit florierenden „untergangsgeilen“ Katastrophenbeschwörern ist das immerhin ein recht nachdenklich gehaltener Artikel.

Was würde eigentlich geschehen, wenn „Verbraucher“ (ja, auch die Amerikaner!) und Unternehmen wieder dahin kämen, sich erst dann etwas Neues zuzulegen, wenn das Geld dazu vorhanden ist? Warum nicht Investitionen AUS GEWINNEN finanzieren anstatt ständig Kredite aufzunehmen? Krisen wie diese könnte es dann gar nicht geben.

Diskussion

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11 Kommentare zu „Drei Stimmen zur Finanzkrise“.

  1. wenn man sich mit der älteren generation unterhält, kommen da interessante dinge zum vorschein. z. b. dass eine familie mit alleinverdienendem vater noch in den 50ern so lebte, wie man es heute keinem hartz IVler mehr zumuten würde. dass einfache wintermäntel eine investition waren und ein begehrtes weihnachtsgeschenk. dass grundsätzlich über monate und jahre auf eine neuanschaffung gespart wurde und nicht auf pump gekauft. im lauf der jahrzehnte hat sich da, von der werbung und der industrie gepusht, eine konsummentalität entwickelt, die nur auf pump funktionieren konnte und irgendwann zusammenbrechen muss, und DAS wiederum kann nur heilsam sein. schließlich hat der handel damals auch überlebt – allerdings könnte es gut sein, dass ein paar ketten und geschäfte über den jordan gehen werden und die wirtschaft insgesamt schrumpft. da aber auch die geburtenrate sinkt, sollte das eigentlich kein großes problem sein???

  2. (vorsicht, der vorherige kommentar enthält ein bisschen provokative polemik… ;-) dass das nicht so problemlos abgehen kann, ist mir selbst klar. aber der ganze kommerz geht mir langsam auf den keks.)

  3. Ich habe auch unlängst über die Krise gebloggt.  Das Festhalten an Doktrinen wäre jetzt ebensosehr verkehrt wie  den Banken komplett aus der Krise zu helfen – ohne eine Veränderung zu fordern. Letzentlich ist es vielleicht die ständige Erwartung auf Wachstum, Wachstum, Wachstum, dass Unternehmen dazu verleitet Invesitionen aus komplexen Finanzierungen zu leisten und somit deren Riskien zu verteilen. Tatsächlich wachsen auch biologische System nicht weiter wenn eine Sättigung erreicht ist – es sei denn System ist erkrankt.

  4. mir ist sowiso spanisch, dass die usa ihren
    Haushalt derart überschulden können;
    allein die 700 milliarden finanz“hilfe“, heute vom
    congress gekippt, sind eine frechheit gegenüber allen
    privatpersonen und KMU’s denen ebenjene beholfenen
    institute gezeigt haben, was eine nicht ausreichende
    Kreditwürdigkeit ausrichten kann.
    ich meine, wenn ein Unternehmen, das über die Topleute der Branche verfügt über einen derart langen Zeitraum nachweisbar misswirtschaftet,
    mit pauken und trompeten den bach runter gehen sollte.
    gewissenlos sind diese Finanzkraken eh also sind ehrbezeugungen
    oder „hilfskredite“ dort am m.e. völlig falschen Platz.
    gruss

  5. Hallo,
    Altmeister Goethe sagt im Faust I: „… ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft“,
    und es steht wohl irgendwo im Faust II: „Was Schaden schien, war letztlich oft Gewinn“.
    Dem ist wohl nicht viel hinzuzufügen – Menschen lernen offensichtlich nur „unter Schmerzen“.
    So gesehen ist jede Krise ein Gewinn.
    Gruß Hanskarl

  6. als teil von jenem apparat,
    der ständig nur an gutem spart
    fühl ich ein wenig säuerlich
    dat janze ist bedäuerlich.

    da schaffste, machst,
    dat janze jahr
    übrig bleibt,- wie sunderbar-,
    nur’n loch im haushalt,
    WUNNE BAR!

    un die, ja, DIE, die anneren
    die dauernd nix als wanneren
    sin größer, heller, mit’m geld viel fixer,
    se fall’n dann tief, die armen *ixer.

    wiso sollt ick arme sau
    die aus den wolgn falln betrauern
    die mir früher schon gepredigt
    dass nur bares ware echt erledigt

    so bleibt mir nur
    selb-anners goethgens hieb
    des einen uhl die nachtigall.

  7. Nun bin ich auch strikt gegen den Eingriff des Staates, bei der selbstverschuldeten Krise. Das Beispiel HRE hat mich aber eines besseren belehrt. Wie kann der Staat (Merkel, Steinbrueck) einer Bank die Unterstuetzung zusagen, die durch Ihre Tochtergesellschaft in Dublin (hat in guten Zeiten noch nicht einmal Steuern in D bezahlt) in die roten Zahlen gekommen ist. Mindestens einige Auflagen haetten kommen muessen, Fuer jeden zugeschuterten € sollte der Gegenwert an Aktien des Unternehmens an den Staat gehen. Will das keiner, dann gibts auch nix.
    Aber die Zukunft wird sich so gestalten: es werden weniger Institute uebrig bleiben und wenn alles vergessen ist, dann wird an der Gebuehrenschraube gedreht. Das kommt dann klaeckerweise vom Verbraucher wieder zurueck.

  8. Die Bush-Regierung hat eine positie Bilanz angetreten. Er brachte es fertig, die USA in nur acht Jahren tief in die roten Zahlen zu bringen. Mit Kriegen, mit Steuergeschenken, die gar nicht erwartet wurden, mit Leben auf Pump. Warum sollte das Volk seinem Bispiel nicht folgen? Es wurde ihm von allen Finanzinstituten so leicht gemacht. Kauf heute, bezahle … zum Tag X oder sogar erst nach einem Jahr. Der Dollar sank und sank … alle hier freuten sich, dass die amerikanische Wirtschaft nun kompetitiver werden. Dann kam das Erwachen, denn die chinesische Wirtschaft orientierte sich auch am Euro, nicht nur am Dollar. Den Chinesen geht es gut und sie begannen nun auch Autos zu kaufen. Benzin wurde teurer. Also ermunterte Busch die Landwirtschaft, das Getreide der Treibstoffverarbeitung zuzusteuern. Die Teuerung war nicht mehr aufzuhalten. Innerhalb eines Jahres stiegen die Lebensmittelkosten um 30 Prozent … dann kam die Immobilienkrise …

    … Es musste mit dieser irtschaft zum Kollaps kommen!

    Als der Bush neujlich mit seinen 700 (Rettungs)-Milliarden kam, und damit verbunden, uns allen Buergern sechs Prozent mehr Steuern in Aussicht stellte, ging die Entruestung durchs Land. Die TV-Kommentatoren beteuerten, dass sie noch nie, nie so viele Mails, die in die mehrere Tausende gingen, erhalten haben. Und selber war ich nicht weniger der Meinung, dass es nun einfach mal genug sei mit den immerwiederkehrenden Geldspritzen unseres Staates, der inzwischen mit neun Billionen verschuldet ist. Es wurden aus dem Volk Stimmen laut, dass man genau kontrolliere, welcher Repraesentant welche Stimme abgebe. Und da mancherorts die Wahlen anstehen, ist es vorstellbar, dass mancher des Hauses erst mal seine Augen nach rueckwaerts zu seinen Waehlern richtete, anstatt nach vorne.

    Es geht denn im Volk auch die Meinung um, dass man wieder mal eine Geldspritze den marroden Banken gebe, dann eben alles wie gehabt weiter gehe, die Banken fein raus sind, und viele Hauseigentuemer weiter aus ihren Haeusern vertrieben werden, weil sie mit der Hypothek in Verzug sind.

    Wohlgemerkt, drei Hypotheken nicht bezahlt, und du bist hier auf der Strasse. Die Arbeitslosigkeit steigt … es kann sein, dass du heute noch an die Arbeit gehst und dir nachmittags erklaert wird, dass du ab morgen nicht mehr zu kommen brauchst. In den meisten Faellen sind die Krankenversicherungen mit dem Job verknuepft. So braucht es nur noch eine Krankheit und du bist dein Vermoegen los und kannst dein Heim unter der Bruecke aufmachen …

    … Das soziale Leben und die Sicherheit sind noch stark im Argen in diesem Land. Kein Wunder, dass die Leute auf der Strasse seht zurueckhaltend werden. Die Angst geht um.

  9. Hi Claudia,
    was für eine nette Frage…
    > Was würde eigentlich geschehen, wenn “Verbraucher” (ja, auch die Amerikaner!) und Unternehmen wieder dahin kämen, sich erst dann etwas Neues zuzulegen, wenn das Geld dazu vorhanden ist? Warum nicht Investitionen AUS GEWINNEN finanzieren anstatt ständig Kredite aufzunehmen? Krisen wie diese könnte es dann gar nicht geben.
    …sie tönt in meinem Ohr wie ein Anachronismus, denn weltweit basiert unser komplettes Finanzsystem auf Schulden machen. Selbstverständlich ist Dir das klar, es kann nicht anders sein, aber Du fragst trotzdem. Warum?
    Krisen wie diese könnte es dann gar nicht geben, ok, die immense Wachstumsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte (!) aber sicher auch nicht. Und zutiefst menschlich, zumal bei denen, die an den Hebeln der Macht sitzen ist es, ALLE Grenzen auszuloten und sie dann, meist in einem Akt der Vernichtung zu überschreiten. So muß denn etwas Neues entstehen.
    Noch sind wir nicht so weit, alles, was gern zynisch als Kollateralschäden bezeichnet wird, zu vermeiden.
    yours, Hermann
     
     
     

  10. „Unser komplettes Finanzsystem“ hat doch, wie sich zeigt, auch seine gravierenden Nachteile – da muss es schon erlaubt sein, mal wieder die Grundfragen zu stellen. Wenn angesichts der mal eben „in den Markt gepumpten“ Gelder demnächst auch Inflation wieder eine größere Rolle spielt, erst recht. Im übrigen leben jede Menge kleine Selbständige unter diesen „anachronistischen“ Bedingungen, denn DA sind die Banken ganz konsequent: ohne „Arbeitgeber“ kein Kredit! Also kann nur ausgegeben werden, was auch reinkommt.

  11. Sicher liebe Claudia,
    erlaubt ist eine solche Grundfrage immer. Das Problem liegt halt darin, dass die Habenden immer mehr haben wollen und die „Hungerleider“ (sorry) glauben machen wollten, sie könnten auch immer mehr haben.
     
    Sozialhilfeempfängern einen Kredit für ein Haus anzubieten ist doch wohl das allerletzte, oder? Solange Hauspreise gestiegen sind, hat es ja auch scheinbar funktioniert. Wenn man diesen übertölpelten Hypothekennehmern dann wenigstens erlauben würde in ihren Häusern wohnen zu bleiben, nachdem sie den Schuldendienst, wie zu erwarten war, aufgrund verfallender Immobilienpreise nicht mehr leisten können, sähe das schon anders aus. Dieses Zugeständnis kombiniert mit einem gesicherten Grundeinkommen für alle, würde den sozialen Frieden erhalten.
     
    Es gibt sicher praktikable Wege, gerade jetzt, wo so irrwitzige Summen Geldes in Rettungsprogramme gesteckt werden. Und gerade am gestrigen Freitagabend hat sich Wallstreet ja trotz durchgewunkenem Rettungspaket mit fallenden Kursen gezeigt, sogar noch tiefer als bei der Ablehnung des Rettungspaketes vor wenigen Tagen. Zynismus pur.
    Vielleicht solltest Du doch noch einmal in die Politik gehen ;-))
    Liebe Grüße von Hermann
     
     
     

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