Claudia am 29. März 2008 — 15 Kommentare

Bei den Brunnen in Tani

Insgesamt acht Brunnen können mit dem Geld gebaut werden, das großzügige Diary-Leser während der Spendenaktion vor Weihnachten dankenswerterweise rausgerückt haben. Deshalb war es der wichtigste Teil meiner Reise nach Kambodscha, den Ort zu besuchen, an dem die Brunnen erbaut werden und bereits eine ganze Reihe gespendeter Brunnen den Alltag der Menschen leichter machen.

Doch immer noch gibt es viele, die ihr Wasser aus Teichen und Tümpeln schöpfen und manchmal sehr weit tragen müssen:

Wassertraeger in Tani

Das ist zum Glück für alle vorbei, die jetzt direkt vor ihren Hütten einen Brunnen nutzen können:

Brunnen in Tani

Einer der Spender hatte nach einem Foto gefragt und von Wolfgang, dem Initiator des Brunnenprojekts auch eines bekommen. Auf dem Bild, das mir gerade nicht zur Verfügung steht, standen Menschen um den neuen Brunnen herum und schauten ausgesprochen misstrauisch bis bedrückt drein – ähnlich wie diese Familie:

Familie in Tani

Verständlicherweise fragte der Spender nach, warum die Menschen so wenig erfreut drein schauten, wo sie doch gerade mit einem funkelnagelneuen Brunnen beglückt worden waren. Seit meinem Besuch dort weiß ich, warum!

Die Leute dort leben ja quasi im Freien, die Hütten auf Stelzen werden praktisch nur zum Schlafen genutzt. Rund um die Hütte ist eine Art „Wohnareal“, in das wir nun als „hoher Besuch“ zu sechst auf drei Motorrädern einfach mal eben so unangemeldet einfielen: Mein Liebster (mit seinen 195 Größe ein RIESE für die Khmer) und ich, Wolfgang und seine Frau Edi, dazu der Bezirksbürgermeister und noch ein weiterer Begleiter. Also drei Ausländer und die Obrigkeit, die sich von den Mopeds schwangen, wichtigtuerisch den Brunnen inspizierten und auch noch wie wild herum fotografierten. Wenn so eine Horde auf einmal in meinem Wohnzimmer stünde, wäre ich auch misstrauisch und „not amused“ – wobei in Kambodscha das Verhältnis zur Obrigkeit noch ein ganz anderes ist als bei uns!

So, jetzt aber bitte recht freundlich:

Tani-Familie mit Brunnen

Ich hatte durchaus gemischte Gefühle während dieser Überfall-artigen Besuche, doch dachte ich mir dann: es ist halt nichts umsonst! Die Besichtigungen mit Foto-Termin ist das, was sie für die Brunnen „bezahlen“ – denn es ist auch ein legitimes Interesse der Projektmacher und der Spender, zu sehen, ob das alles auch wirklich so klappt wie beschrieben.

Die Brunnen werden tatsächlich einzeln mit Namen der Spender und Datum gekennzeichnet:

Kennzeichnung eines Brunnens in Tani

Hier überzeuge ich mich selbst, dass alles funktioniert, und auch der Bezirksbürgermeister legt Hand an:

Brunneninspektion

Insgesamt haben wir bestimmt zehn Brunnen besichtigt. Dazwischen mal eine Pause an einem Zuckerwasserstand: Das Zuckerrohr wird erst geschält:

Zuckerohr-Schaelerin

… und dann in einer Quetsche ausgepresst, was ein wohlschmeckendes, aber recht süßes Getränk ergibt.

Zuckerohrquetsche

Eben noch war die Straße bzw. der Feldweg, der als solche gilt, weitgehend leer gewesen. Doch kaum hatten wir am Stand gestoppt, fanden sich schnell weitere Anbieter und Verkäufer von diesem und jenem ein. Für mich war es gewöhnungsbedürftig, fortwährend so ein Aufsehen zu erregen und von allen angestarrt zu werden, doch ist das in einer Gegend verständlich, in die sich kaum je ein Tourist verirrt und ein „Barang“ (=Fremder) noch ‚was ganz Besonderes ist: so groß, so weiß, so anders!

Pause in Tani

Ich hoffe, dass zu Weihnachten wieder viele Leser etwas spenden – es fehlen noch viele Brunnen in Tani!

Diskussion

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15 Kommentare zu „Bei den Brunnen in Tani“.

  1. Einstweilen lese ich nur mal mit und „konsumiere“ deine Bilder und Eindruecke. Tolle Reportagen! Kann uebrigens ganz gut deine entstandene Sehnsucht nach gewohntem Essen verstehen. Aehnlich muss es ja auch Fluechtlingen und Asylanten in Europa ergehen, die ploetzlich unser Essen vorgesetzt bekommen. Man wird zwar satt, aber …

    Ganz sicher hast einige schoene Sarongs mitgebracht?

  2. Sauberes Wasser ist eine der elementarsten Voraussetzungen für die Menschen. Es ist schön, dass der Zugang für ein paar Menschen einfacher geworden ist.

  3. Danke für den Bericht und die Fotos über die Brunnen in Tani.

  4. Claudia, schöner und zutreffender Bericht – Dankeschön! Besonders die Bilder sind ganz toll geworden.

    Es grüßt Euch alle herzlich aus Tani

    Wolfgang

  5. Herzlichen Dank für diesen Bericht und die tollen Fotos. In der konsumorientierten Welt in der wir heute leben wird es immer wichtiger uns daran zu erinnern dass es auch noch Menschen gibt denen es nicht so gut geht und bei denen bereits so elementare Dinge wie Wasser nicht selbstverständlich sind.

  6. Die Bilder, die du online gestellt hast, sagen eigentlich viel mehr als 1000 Worte: frau und man sieht, dass hier ein Ziel erreicht worden ist. Ich kann der Aktion nur Respekt zollen. Da können sich viele ein Beispiel nehmen

  7. Ich glaube, gegen die Armut und vor allem gegen die Armut der Kinder kann man nie genug tun. So ist es wirklich ein Segen, auf deinen Bildern die Gesichter glücklicher Kinder zu sehen. Und ich denke, alle, die an dem Hilfsprojekt mitgewirkt haben können stolz sein, und ebenfalls glücklich. Meinen herzlichen und aufrichtigen Glückwunsch!

  8. Ich find das gut, dass sich die Menschen gegenseitig Helfen, doch diese Unterstützung sollte eigentlich noch größer sein, denn uns geht es in Deutschland wirklich sehr sehr gut!

  9. Ich kann mich einfach nur den letzten Kommentaren anschließen. Die Hilfe aus Deutschland müsste noch größer sein. Zwar gibt es auch bei uns sicher viel Armut, aber im Vergleich mit den Menschen in den Entwicklungregionen im Ausland geht es uns gut!

  10. […] Und ja, die Aktion lief erfolgreich ab, ich flog nach Kambodscha und sah mir alles aus der Nähe an. Acht Brunnen werden derzeit gebaut und demnächst gibt’s dazu weitere Infos und Bilder – […]

  11. […] Und ja, es wurde ein großer Erfolg: es kamen um die 2400 Euro zusammen, genug Geld, um acht Brunnen zu erbauen (jeder Brunnen bedeutet Trinkwasser für 8 bis 20 Familien!). Alte Freunde, Stammleser und so mancher “Spontanspender” hatten sich beteiligt – ich war begeistert! Als ich dann im Februar dieses Jahres wieder ein paar Wochen in Kambodscha verbrachte, besuchte ich Tani, lernte Wolfgang und seine Familie “von Angesicht” kennen und machte mir ein Bild von der Brunnenaktion. […]

  12. […] Hilfe zur Selbsthilfe: alle helfen mit! Mit Spenden der Leser/innen des Digital Diary wurden im Jahre 2008 acht Brunnen errichtet! Ich war dort und habe sie besichtigt – lies den Reisebericht “Bei den Brunnen in Tani”. […]

  13. […] heißt: wir kümmern uns um dieses Projekt und besichtigen die Brunnen, die mit den Spenden der Leser gebaut werden. Im letzten Jahr waren das ACHT Brunnen, die nun […]

  14. […] heißt: ich kümmere mich um dieses Projekt und besichtige die Brunnen, die mit den Spenden der Leser gebaut werden. Im letzten Jahr waren das ACHT Brunnen, die nun […]

  15. […] Claudia berichtet aus Tani: Insgesamt acht Brunnen können mit dem Geld gebaut werden, das großzügige Diary-Leser während der Spendenaktion vor […]

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