Claudia am 24. Januar 2008 — 23 Kommentare

Vom menschlichen Klon – was ist so schlimm an ihm?

Seit letzter Woche ist er also technisch möglich: der menschliche Klon aus einer entkernten Ei-Hülle und den implantierten Erbinformationen eines Erwachsenen. Amerikanischen Wissenschaftlern gelang der Durchbruch mit dem seit dem Klon-Schaf Dolly bekannten Verfahren: Die in der Ei-Hülle enthaltenen Substanzen programmieren den erwachsenen Zellkern wieder in ein frühes Stadium zurück. Damit erhält der „alte“ Kern die Möglichkeit, sich zu teilen und zu einem „neuen“ Embryo heranzuwachsen.

Ziel der Forschung ist nicht die Erschaffung menschlicher Klone, sondern die Gewinnung neuer Stammzellen-Linien, aus denen potenziell jede Art menschlichen Gewebes entstehen kann: Ersatz für die kaputte Leber, neue Herzmuskelzellen, vielleicht gar ein wenig frisches Hirn, wo es nachweislich fehlt?? Stammzellen stehen im Verdacht, der lang gesuchte Jungbrunnen zu sein, nach dem sich Menschen immer schon sehnen, bisher allerdings erfolglos: Trotz forcierter Anti-Aging-Anstrengungen wird ärgerlicherweise immer noch gealtert und gestorben. Frische Ersatzteile wären immerhin ein Fortschritt, zumindest für diejenigen, die in den Genuss solcher High-Tech-Medizin kommen können.

Der Klon, das letzte Tabu

Mit dem ersten menschlichen Zellhaufen, der nun tatsächlich entstanden war, gingen sofort weltweite Distanzierungen einher: Nie und nimmer wolle man menschliche Klone erzeugen, die über das Zellhaufen-Stadium hinaus wachsen. Kein Labor auf der ganzen Welt beschäftige sich mit einer solchen Perspektive. Deutsche Politiker möchten auch das therapeutische Klonen einschließlich der Forschung weltweit verbieten, eine Debatte über das reproduktive Klonen findet gar nicht erst statt: alle sind sich geradezu unheimlich einig, dass das nie und nimmer sein dürfe, dass es DIE MEGA-SÜNDE schlechthin wäre und alles getan werden muss, damit nicht irgendwann irgendwo irgendwer auf Ethik pfeift und tut, was nicht getan werden darf – sei es aus reinem Ehrgeiz oder weil es ein Auftraggeber unwiderstehlich gut bezahlt.

Gegen die Natur?

In einer Wissenschaftssendung, in die ich zufällig reinzappte, fragte der Moderator den zugeschalteten Experten (Leiter einer an erlaubten Stammzellen forschenden Einrichtung), was denn eigentlich so schlimm sei am menschlichen Klon? Ich war dankbar für die einfache Frage und erwartete, nun die wesentlichen ethischen Argumente zu hören. Aber nichts da, der Forscher war sichtlich überfordert, ihm fiel tatsächlich nichts ein außer dass das „total unnatürlich“ sei und deshalb völlig ausgeschlossen.

Tja, ist denn das, was der Mann da täglich forscht, total natürlich?? Wieviel von unserer Umwelt, unseren Produktionsweisen, unserer Ernährung, unserer Art, zu arbeiten, zu reisen, Krankheiten zu bekämpfen und Kinder zu gebären ist denn noch „total natürlich“? Das allein kann ja wohl nicht das schlagende Argument gegen den menschlichen Klon sein.

Ich denke über diese Frage nach, weil es mich seltsam anmutet, wenn auf ein Ereignis so heftige und einhellige Reaktionen folgen, wenn alle, die meinen, etwas zu sagen zu haben, dasselbe sagen, noch dazu ohne Begründung.

Was ist die Ursache der kollektiven Beschwörung eines Tabus in Zeiten, in denen Tabus weitgehend abgeschafft sind? Die Freiheit des Individuums, sein „Wertekostüm“ selbst zu wählen, solange es sich das leisten kann, wird ja sonst kaum in Frage gestellt: das Primat des Ökonomischen, der Markt der Möglichkeiten, der Konsumismus als einzig übrig gebliebene „gemeinsame Religion“ beherrscht unseren Alltag. Was ist denn das extrem Erschreckende am menschlichen Klon, dass er partout kein Teil dieser „schönen neuen Welt“ sein soll ?

Läge der unerträgliche Verstoß „gegen alles, was recht ist“ vielleicht darin, dass er eben gerade KEIN INDIVIDUUM wäre? Für manche scheint der Klon eine Art Monster zu sein, kein ganz normaler Mensch mit den üblichen Rechten, eben weil er nicht durch die einzigartige Mischung zweier Erbsubstanzen entstünde, sondern eine genetisch identische Kopie seines Erzeugers wäre. Ein unsinniges Argument, denn auch eineiige Zwillinge sind genetisch identisch und dennoch einzigartige Individuen. Menschen haben niemals dieselbe persönliche Geschichte, werden von anderen Erlebnissen, Einflüssen und Umweltbedingungen geprägt. Genetische Identität ergibt keine Serien-Modelle wie wir sie vom technischen Gerät kennen, das nach demselben Bauplan mit denselben Materialien hergestellt wird.

Da der Klon also ein ganz normaler Mensch wäre, hätte er selbstverständlich alle bürgerlichen Rechte und könnte sich auch locker aus der wissenschaftlichen Überwachung verabschieden. Jegliche Ideen, sich einen Klon zu zeugen, um ihn dann als Ersatzteillager irgendwo gefangen zu halten und bei Bedarf auszuweiden, sind komplett absurd und eher aus Horror-Filmen geboren als aus realistischen Überlegungen.

WER will den Klon?

Vielleicht sind die schlagenden Argumenten ja leichter zu finden, wenn man sich fragt: Gäbe es denn einen Bedarf? WER würde ein Klon-Kind wollen und warum? In bundesdeutschen Großstädten leben ca. 50% der Bewohner in Single-Haushalten, Tendenz steigend. Könnte es sein, dass eine nicht ganz kleine Zahl von Menschen dem Gedanken, sich ohne Partner fortzupflanzen, recht aufgeschlossen gegenüber stünde, wenn das eine wählbare Möglichkeit wäre? Ein Mann bräuchte noch eine Ei-Hüllen-Spende und eine Leih-Mutter, eine Frau könnte es sogar ganz alleine tun. Vielleicht ist es ja DIESER Aspekt, der u.a. die Idee so schrecklich macht? Männer sind, wenn man es genau nimmt, seit letzter Woche fortpflanzungstechnisch überflüssig, denn „Jungfernzeugung“ ist jetzt machbar, Frau Nachbar.

Nun, das sind ähnlich absurde Gedanken wie etwa der, dass durch das reproduktive Klonen der Genpool der Menschheit vermindert würde und wir letztlich durch den Verlust der Anpassungsfähigkeit, der durch die geschlechtliche Fortpflanzung gegeben ist, untergehen würden. Denn: wie viele würden sich tatsächlich wünschen, ein Kind ALLEINE zu bekommen? Und wie viele könnten sich das leisten? Es wäre vermutlich eine kleine, reiche Minderheit in Gesellschaften, die insgesamt eher schrumpfen als wachsen. Glaubt jemand im Ernst, diese Möglichkeit würde jetzt oder später zur Standardpraxis aller sechs Milliarden Menschen auf diesem Planeten?

Das Gefühl der Sünde

Viele Menschen haben eine spontane Abneigung gegen vieles, was auf einmal technisch möglich ist, aber von der Natur so nicht vorgesehen war. Als die erste Eisenbahn fuhr, ergriffen Bauern die Flucht, als sie das neue Ungetüm zu Gesicht bekamen, Städter glaubten, die Geschwindigkeit verwirre das Gehirn. Die Einführung der Anästhesie bei Operationen rief Gegner auf den Plan, die das Gott gewollte Leiden an den Schmerzen der Eingriffe als Läuterung verteidigten. Und heute wollen wir alle keine Gen-Tomaten, haben aber deutlich weniger gegen medizinische Gentechnik, wenn sie denn hilft.

Seit die Entschlüsselung des Genoms im öffentlichen Bewusstsein ist, wird immer wieder argumentiert, der Mensch dürfe sich an den Grundbausteinen des Lebens nicht vergreifen. Dieses Zurückschrecken hat auch seinen guten Sinn als Bremse, denn schließlich garantieren ein paar Millionen Jahre Evolution doch ein gewisses Funktionieren des so Entstandenen. Wogegen das forscherische Trial & Error jede Menge Risiken birgt – Risiken, die viele Menschen dann aber doch bereit sind, einzugehen, wenn der Nutzen, den man sich davon verspricht, groß genug ist. AIDS, Krebs, seltene Krankheiten – wer würde nicht wollen, dass dagegen ein „geschicktes Mittel“ gefunden wird?

Nutzlosigkeit

So spricht gegen den menschlichen Klon vielleicht vor allem seine Nutzlosigkeit: All der wissenschaftliche Aufwand und die vielen Opfer auf dem Weg dahin würden durch keinen dringlichen Bedarf gerechtfertigt. Er wäre nicht Heilung für ein allgemein unerwünschtes Leiden, sondern lediglich eine weitere Möglichkeit der Selbstverwirklichung Einzelner, die es als ganz angenehm erachten, SICH SELBST ganz unvermischt ein neues Mal ins Spiel des Lebens zu werfen. Die Kinder, die so entstünden, hätten eine große Last zu tragen, denn von ihnen würde erwartet, das „Original“ zumindest zu erreichen, wenn nicht zu übertreffen: die Last des großen Irrtums ihrer Erzeuger, die in ihrer egozentrischen Verblendung meinen könnten, „genetisch gleich“ sei auch im Leben verlässlich dasselbe.

Diskussion

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23 Kommentare zu „Vom menschlichen Klon – was ist so schlimm an ihm?“.

  1. Gott hat uns Menschen den Verstand gegeben, damit wir ihn nutzen, wenn wir es fuer richtig finden.

    Und so hat Spezie Mensch sich das Feuer untertan gemacht, das Rad erfunden, erkannt, dass die Erde keine Scheibe ist, Hitler die ersten Autobahnen gebaut, die atomare Kraft wurde entdeckt … alles auch erst aus einem ganz anderen Grund, als wozu das Neue schliesslich eingesetzt wird.

    Nicht anders wird es mit dem menschlichen Klon gehen. Missbrauch und Nutzen sind so nah beieinander. Ich glaube, dass auch in diesem neuen Bereich die Vernunft im Menschen gewinnen wird und das Klonen zu unserem Wohle eingesetzt werden kann. Genau wie du es schreibst … zur Gewinnung neuer Stammzellen. (Und nicht zum Ersetzen der Maenner … dazu waere die Erfindung sowieso schon viel zu spaet! *breit grins*)

  2. Meiner Meinung nach ist es ethisch nicht wirklich vertretbar Menschen zu klonen.
    Stellt euch mal vor ein Paar lässt jeweils einen Klon von sich machen da die beiden keine Kinder bekommen könne.
    Wenn die Kinder dann 20 sind sehen diese aus wie die Eltern nur jünger… die Frau hat sich in ihren Mann verliebt als er jung war genauso anders herum…
    nun sehen die Kinder genauso aus wie die Partner als sie jung waren… ich denke jeder kann sich denken wie die Folgen aussehen könnten…

  3. Ich denke es ist nicht sinnvoll Menschen zu klonen wie Ina schon sagt…
    Doch das Klonen von Zellen ist denke ich mehr als sinnvoll… schließlich kann es Leben retten… Krankheiten können geheilt werden.

  4. @Ina,

    interessantes Gedankenspiel! Allerdings sind es ja nicht diesselben Personen wie die Eltern, da sie ganz andere Dinge erlebt und anders geprägt wären. Und dass sie sich ineinander verlieben, wäre nach soviel „geschwisterlicher Nähe“ äußerst unwahrscheinlich.
    Und wenn doch, was wär daran problematisch? Sie wären ja NICHT VERWANDT! :-))
    (Hey, ich bin nicht etwa FÜRs Menschen klonen, sondern assoziiere nur zu deiner Idee!! )

  5. Einzelne Organe zu klonen fände ich unbedenlich solange sie funktiontieren, ganze Menschen hingegen gruuuselig.

  6. Sehr witzig(?) ist es, sich die Probleme der rechtlichen Normierung hierbei zu überlegen.

    Wie ist es mit Besitz? Gehört meinem Clon, was mir gehört?
    Wäre sie meine Rechtsnachfolgerin?
    Bin ich mit ihr (s.o.) verwandt?
    Wie sieht es mit der Gewährleistung des clonenden Labors aus?
    Bin ich für die Handlungen meines Clons rechtlich verantwortlich?
    Erbt sie wie ich?
    usw. usf.

    Alles das wird sicherlich geregelt werden müssen und eine Menge aufwendiger Institutionen und gut bezahlter Juristen beschäftigen. Denn, Diskussion über Moral hin, Diskussion über soziale Folgen her: natürlich werden irgendwann ganze Menschen geclont werden.

    Und wenn es nur darum geht, den Reichen dieser Erde teure Illusionen oder teuren Sex und den Generälen dieser Welt besseres (Menschen-)Material zu verkaufen.

  7. Danke Susanne! Das sind doch mal ARGUMENTE!! Gerade sowas vermisse ich in der öffentlichen Auseinandersetzung. Der Hauptknackpunkt ist wohl die Gewährleistung – zumindest, wenn irgend etwas nicht klappt. Eine „gelingende Kopie“ wird man dagegen ganz normal für ihr Leben in die Verantwortung nehmen können.

  8. Ich vermisse noch eine Menge anderer Aspekte in der Diskussion, die in meinen Augen von nicht genug wissen wollenden Gutmenschen und nicht genug denken wollenden Technokraten dominiert wird.

    Als da sind (ein paar Beispiele):

    Ist dein Einverständnis notwendig, geclont zu werden?
    Wenn technisch bedingt (d.h. clonen ginge nur, wenn du aktiv mitmachst), dann wird es illegal erzwungene Clons geben. Andernfalls wird es ohne dein Wissen geschehen und niemand kann sagen, ob und wie oft er geclont wurde.

    Stell dir einmal eine Verhandlung vor (du bist vielleicht die Angeklagte oder es geht um Dinge wie das Sorgerecht oder deine charakterliche Zuverlässigkeit), in der deine persönlichen Motive entscheidend sind. Und Zeuge gegen dich ist dein Clon, die – vielleicht bereitwillig? – aussagt über sich (= dich?)!

    Oder ein Bewerbungsverfahren, in dem du mit deinem oder deinen Clons konkurrierst! Oder diese an deiner Statt getestet werden.

    Welche Gefühle hegen deine Clons gegen oder für dich? Hassen sie dich, weil du die Erste warst? Wer sagt überhaupt, wer die Erste, das Original war? Kannst du es beweisen?

    Was etwa, wenn du die Geliebte eines Vermögenden bist, der oder die dich vorbeugend clont – für den Fall nicht vertrags-gemäßer Alterung oder körperlicher oder geistiger Veränderungen? Welch ein Anreiz, brav zu funktionieren, nicht wahr!

    Du (und deine Clons) werden auf eine Weise ersetz- und einsetzbar, die unsere heutige Vorstellung von Ersetzbarkeit und Mißbrauch als paradiesische Harmonie wird erscheinen lassen.

    Und – ich bin sicher, das alles wird kommen (es sei denn, in Asien wird zuvor die Erde zu schnell aufgebraucht).

    Brave new world, indeed!

  9. … ich glaube nicht, dass wir je soweit kommen werden. Es geht wohl den Weg wie mit der Wasserstoff- und der Neutronenbombe. Wir wissen, wie man sie macht und einsetzen kann. Aber wir haben Angst, es zu tun, denn am Ende zerstoeren wir uns damit selber. Nicht viel anders mit vollstaendig geklonten Menschen. Irgendwann wird der Missbrauch entstehen und vielleicht ein voller Mensch geklont. Vielleicht auch notwendig, als abschreckendes Beispiel und zum eigenen Schutz der Spezies Mensch.

    Da ist noch etwas … Koerper kann man nachbilden. Kein Problem. Aber da haelt uns Menschen sonst noch was am Leben. Nenne es Seele oder was auch immer. Es gab doch in den Fuenfziger-Jahren den Fall David Reimer. http://de.wikipedia.org/wiki/David_Reimer . Dr. Money vertrat damals die Ansicht, dass man den Koerper beliebig formen koenne, dieser Mensch dann damit aufwachsen und sich in die zugeordnete Rolle einordnen koenne, und sich darin wohl fuehle. David Reimer machte schliesslich Selbstmord, wie so viele auch, die man auf diese Weise anpasste. Etwa 30% der so Operierten. Ich bin auch ein Opfer dieser Theorie. Versuchte mich denn auch ueber viele, viele Jahre mit der mir zugeordneten Rolle zu leben. Es ging nicht. Da ist in dir drin eine Information, die dich leitet. Und den eigenen – deinen – Weg geht. Nicht den durch Aerzte aufokturierten.

    So meine Frage. Geht es beim Klonen um den Koerper alleine? Erbfaktoren kann ich mir vorstellen, dass sei mitgeklont werden koennen. Doch ist das denn alles? Ist da nicht noch etwas mehr in uns?

  10. Ich wünschte sehr, daß du Recht behältst, Mohnblume.

    Doch dein Hinweis auf atomare Waffen zeigt für mich ein Problem: es werden atomare Bomben zwar (scheinbar, weiß ich’s?) noch nicht eingesetzt, aber das hindert nicht, atomar kontaminierte Granaten einzusetzen. Ist ja nur ganz wenig atomares Feuer, nicht wahr? Und wann darf es dann ein bisschen mehr sein?

    Sicherlich wird es nicht in wenigen Jahren von Milliarden Clons wimmeln. Aber warum sollte es nicht ein paar hunderttausende geben? Niemand wird Interesse daran haben und Geld dafür ausgeben, ein Kind zu clonen, das in Zentralafrika verhungert. Aber wie ist es mit einem bewährten Mitglied einer militärischen Einheit? Oder einem sich gut bewährt habenden Manager? Mit solchen Menschen, die Eliten zugerechnet werden oder sich selbst ihnen zurechnen? Hochbegabten-Cloning statt Massen-Cloning?

    Das, plus die Vorstellung, Wachstumsprozesse im Labor ggf. extremr beschleunigen zu können, vielleicht dann sogar kleinere Korrekturen vorzunehmen, hier eine winzige Verbesserung, da eine klitzekleine Verhinderung…

    Vielleicht sollte jeder und jedem als Pflichtlektüre die der sogenannten Risikoabschätzungen des zivilen Betreibens von Kernkraftwerken verordnet werden. Oder die von Wirtschaftsprognosen aus dem Vorjahr. Damit gesehen werden kann, mit welchem Tief- und Weitblick Männer der Wissenschaft (auch Frauen, ja) ihrer täglichen Arbeit immer so nachgehen. Und mit welchem profunden Gefühl der Verantwortung für die Spezies wie die gesamte Schöpfung – und den jeweiligen Arbeitgeber, natürlich.

    Wenn es gelingt, die Zerstörung der Lebenswelt aller als unvermeidlich hinzustellen, indem individueller Arbeitsplatz und volkswirtschaftlicher Platz an der Sonne immer wieder als wohlfeiles Faustpfand eingesetzt werden, wird auch ein vergleichsweise doch sehr kleiner Schritt wie das Clonen von Menschen seine Legitimation finden. Und seine Befürworter in Wissenschaft, Kultur, Religion und Politik. Wetten das?

  11. “ … mit einem bewährten Mitglied einer militärischen Einheit? Oder einem sich gut bewährt habenden Manager? Mit solchen Menschen, die Eliten zugerechnet werden oder sich selbst ihnen zurechnen? Hochbegabten-Cloning statt Massen-Cloning?“

    Und wie recht du auch hast. Die Moeglichkeiten sind da und der Schritt dazu eines Tages so klein. So lese ich vielleicht besser wieder mal „New Brave World“ von Huxly, oder „Die Schule der Diktatoren“ von Erich Kaestner.

    Aber das Rad ist nun mal erfunden und wird sich drehen. Versuchen wir besser, damit rechtzeitig umzugehen. Die Katastrophe nicht erst werden zu lassen, sondern sie in rechtliche Bahnen zu leiten. Eine Garantie wird es nicht geben. Ich glaube eher, dass die Angst steuern wird. Denn wuerde das wahr, was du aufzeichnest, waere es das Ende der Menschheit, so wie wir sie heute kennen. Aber wer weiss denn schon, in welche Richtung die Schoepfung weiter geht?

  12. Es gibt eine sehr witzige und alte, aber, wie ich denke, sehr aktuelle Kurzgeschichte von Isaac Asimov zu diesem Thema, in der ein Mann den Lieferanten der Ersatzteile, die seinen Körper nach Unfällen usw. immer wieder ‚fit for fun‘ gemacht haben, auf Schadenersatz verklagt, weil das letzte gelieferte Teile – ein Hirnprothese, naja, Asimov liebte Roboter – nicht richtig funktioniere und er häufig Kopfschmerzen habe. Weswegen er die Prothese nicht zu zahlen gedenke und obendrein Schmerzensgeld einfordere.

    Der Richter hat darin den Einwand der verklagten Firma zu prüfen, ob die Klage überhaupt zulässig sei. Schließlich, so argumentiert der Anwalt des Lieferanten, handele es sich bei dem Kläger nicht (mehr?) um eine Rechtsperson (i.e. ein Mensch oder eine Körperschaft usw.), sondern, da die Rechnung über die Hirnprothese noch nicht gezahlt sei, um Eigentum der beklagten Firma. Eigentum aber sei keine juristische Person und könne ergo nicht klagen, schon gar nicht gegen den Eigentümer.

  13. Hi Susanne,

    zu deinen „weiteren Argumenten“: die Gerichtsverhandlung, Bewerbungskonkurrenz, Geliebte – hier gehst du m.E. von der falschen Voraussetzung aus, dass der Klon aufgrund genetischer Identität auch „derselbe Mensch“ wäre. Das aber ist ganz unmöglich! Auch eineiige Zwillinge sind sehr wohl verschiedene Individuen – und wenn sie bei der Geburt getrennt werden, wissen sie auch nichts voneinander, entwickeln sich in unterschiedlichen Umwelten anders etc. In einer Gerichtsverhandlung könnte mein Klon also rein gar nichts „über mich“ sagen, es sei denn, er wäre ganz normal Zeuge von irgend etwas gewesen, das ich verbrochen habe. Meine berufliche Entwicklung wird mein Klon ebenfalls nicht zu bieten haben, sondern eine eigene – Konkurrenz wäre also auch nur „wie üblich“. Und ganz ganz sicher hätte mein „vermögender Geliebter“ in meinem Klon keinen ERSATZ, denn das würde eine andere Person (und er müsste ja 20 Jahre warten, bis sie erwachsen ist!), die mit dem, was ich für ihn bin, aber auch gar nichts zu tun hat! (Meine Partner waren nie allein wegen meiner Optik länger mit mir zusammen, auch nicht in jungen Jahren).

    Tolles Gespräch – leider muss ich jetzt erstmal ranklotzen!

  14. Ob ein Clone ‚derselbe‘ oder ein ‚anderer‘ Mensch wäre, weiß ich nicht zu entscheiden. Ich denke da eher wie du, habe jedoch immer mehr den Eindruck, daß Identität, Ego, freier Wille usw. von Vielen nur zu gerne in die Biochemie (zurück?-)geholt würden.

    Aber spielt das eine Rolle?

    Mir ging es um möglichen Verwendungen von Clones. Welche zumeist natürlich voraussetzen, das Wachstums- und Alterungsprozesse manipluiert, sprich: extrem beschleunigt werden können.

    Verwendungen, in denen versucht werden kann, die Grenze des Individuums zu unterschreiten, die um das private, innerliche Ich (noch) liegt. Und das ist eine ganz praktische, nicht nur ethische Frage. Was anderes versuchen z.B. Persönlichkeits-Inventare und andere psychologische Tests? Dich mit nach objektivierten Kriterien dir ähnlichen Menschen zu vergleichen, um Aussagen über dich zu begründen.

    Und in einer Gesellschaft, in der du – Liquidität und Immunität gegeben – dir 10-jährige Mädchen aus dem Katalog bestellen kannst, könnten Menschen, die nicht nur nach Optik und Willfährigkeit urteilen, vielleicht einmal die (seltene, stigmatisiert?) Ausnahme sein. Wenn sie es nicht schon sind.

    Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht dir
    Susanne

  15. Extrem gruslige Szenarien, Susanne! An sowas hab‘ ich nicht im Traum gedacht, sondern bisher nur ans „ganz normale reproduktive Klonen“, bei dem ein Mensch mit allen bürgerlichen Rechten eben auf ungewöhnlichem Weg erzeugt wird. Ob jemand ein „gleich zehnjähriges“ Kind will?? Ich zweifle, mag aber nicht wirklich drüber nachdenken..

  16. Claudia, da musst du gar nicht erst das Klonen erfinden. Die Grausamkeit ist schon lanegst unter uns. In der Vergangenheit, der Gegenwart … und die Zukunft wird leider auch nicht davon verschont sein. Nicht die Erfindungen sind das potenzielle Teufelswerk, sondern wie Menschen damit umgehen. Und nochmals, es nuetzt keinem etwas, wenn wir das Neue verdammen. „Das Rad ist nun mal erfunden“. Wir muessen besser sofort lernen, damit umgehen, die Grenzen zum Missbrauch erkennen und dafuer die Gesetze schaffen. Und zwar besser sofort, damit Forschung in die richtige Bahnen gelenkt werden kann.

  17. Der Natur ist es egal wie wir uns umbringen.

    Am Ende wird sie wieder aus unsere Asche auferstehen.

  18. Wartet mal ab vielleicht ensteht dabei auch mal der Mensch 2.0! Man kann sich ruhig hinsetzten und sein Double macht was man ihm sagt. Gut oder?

  19. @John: das ist der Grundirrtum, der immer wieder in neuen Varianten vorgetragen wird und ich VERSTEHE EINFACH NICHT, wie man dahin kommt! Nämlich zu denken, ein Klon sei kein normaler Mensch mit den üblichen Rechten, bloß weil er genetisch nur EINEN direkten Vorfahren hat.

    Auch im Reagenzglas gezeugte Kinder GEHÖREN deshalb ihren Eltern (oder gar den beteiligten Wissenschaftlern) nicht MEHR als im Rahmen des Sorgerechts üblich. WIESO sollte denn dein Double tun, was du sagst, bloß weil du sein Vater bist und er keine Mutter hat? Das wär doch nur dann anzunehmen, wenn DU deinerseits jemand bist, der gerne tut, was man ihm sagt – und auch dann hätte eine andere persönliche Geschichte aus deinem Klon evtl. einen ganz anderen Charakter gemacht.

    Dieses immer wieder anklingende „Macht-Fantasma“ finde ich bemerkenswert – und seltsam, dass es ganz normalen Menschen so in den Sinn kommt!

  20. Die (effektiven) Rechte eines Menschen richten sich weniger danach, wie er entstanden ist, als danach, wie für sie eingetreten werden kann und wird. Was wiederum in unseren Gesellschaften wesentlich eines Frage der dafür eingesetzten gesellschaftlichen Macht, i.d.R. also des Geldes, ist. Da das Klonen vermutlich eine ziemlich teure Angelegenheit sein wird, dürfte ein Klon, was seine rechtliche Absicherung angeht, eher besser da stehen als die Körper, aus denen seine Zellen entwickelt wurden.

    ‚Üblich‘ sind seine Rechte deshalb wohl eher nicht.

    Das in seine Produktion investierte Geld fordert (das tut Geld immer) eine Gegenleistung. Investitionen müssen sich auszahlen, oder sie unterbleiben. In welcher Form dieses erfolgt und wie dieses rechtlich geregelt wird, steht in den Sternen.

    Die gegenseitigen Verpflichtungen von Eltern und Kindern werden im Allgemeinen aus ihrem Verwandtschaftsverhältnis abgeleitet, seltener aus dem materiellen Aufwand des Aufziehens. Hier käme nun das herstellende Labor ins Spiel. Und damit vor allem die Geldgeber der Produktion.

    Den Klon würde ich daher keineswegs als ’normalen‘ Menschen bezeichnen.

    Ebensowenig wie einen mit großem finanziellen Aufwand produzierten Superstar oder Sportler. Insofern kann nun auch der Klon ‚in die Pflicht‘ genommen werden (wer zwingt z.B. nicht-entmündigte Radfahrer zu riskanten Dopingversuchen und angeblich selbstbewußte Schauspieler zu diesen seltsamen Schönheitsoperationen?)

    Vielleicht liegt das Problem des Klonens auch viel weniger in der Person des Klones als in den finanzkräftigen Interessen, die sich hinter der ganzen Produktion verbergen und sie jeweils anregten und finanzierten. Womit diese Problematik dann gar nicht mehr so utopisch wäre, wie sie einem zunächst anmutet.

  21. Hm, vielleicht gehöre ich zu den Romantikern. Denn ich glaube noch an sowas wie die Seele in einem Menschen. Man mag einen Körper klonen können; die Seele sicherlich nicht.

  22. ich finde es sehr schade, dass du für das klonen bist, ist es doch ein massiver eingriff in die menschheit! viele tiere sterben aus dem einfachen grund, dass der lebensraum des menschen immer größer wird! je mehr menschen, desto mehr umweltverschmutzung! deshalb muss es zuerst eine geburtenkontrolle geben, damit die bevölkerungsanzahl dergesamten welt nicht weiter steigt und dann kann man von mir aus maßnahmen erforschen um das leben eines menschen zu erhalten! aber nicht auf diese art und weise, denn es sind embryos : also wie der name schon sagt babys im ersten entwicklungsstadium, die danach zerstört werden! dabei gilt selbst eine unbefruchtete eizelle als lebendig, so wie alle anderen zelle des körpers auch!

  23. @Droschka: lies doch bitte den Artikel nochmal, bevor du mir so eine platte Äußerung unterstellst! Dein Kommentar wirkt angesichts des Textes, als hättest du grade mal die Überschrift gelesen und wolltest nur mal eben ne kleine Brandrede ablassen.

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