Claudia am 21. Januar 2008 — 10 Kommentare

Endlich wieder Yoga

Schon die mehr oder weniger exotischen Yoga-Videos im Webwriting-Magazin hab‘ ich dort versammelt, um die eigene Motivation wie ein zartes Pflänzchen zu päppeln: Mal wieder ZUSEHEN macht Lust, endlich selbst wieder einzusteigen – und heut‘ morgen fing mein Tag tatsächlich mit „kleinen Übungen“ an. In der Mittagspause dann eine weitere Runde mit klassischen Asanas: es fühlte sich an, als hätte ich nie aufgehört, wenn ich auch nicht in jede Übung so weit hinein komme wie zu meiner aktiven Zeit.

Selbstdisziplin

Obwohl mir Yoga spürbar und sofort sehr gut tut, fällt es mir unsäglich schwer, alleine eine regelmäßige Praxis einzuhalten, bzw. erstmal wieder reinzufinden. Morgen will ich früher aufstehen, damit ich nicht das Gefühl habe, mir „Arbeitszeit zu rauben“ – kompletter Quatsch, denn ich arbeite weit besser und konzentrierter, wenn eine Yoga-Stunde hinter mir liegt. Jetzt zum Beispiel ist es Nachmittag und üblicherweise lege ich mich dann ein wenig hin, heute dagegen bin ich nicht mal müde!

Warum hab‘ ich nur solche Probleme mit der Selbstdisziplin? Äußeren Anforderungen nachzukommen, ist so viel einfacher: wenn der Kunde ruft, muss er bedient werden, keine Frage! Aber warum kann ich mir so schlecht selber dienen?

In der Tradition des Abendlands sind wir komplett nach außen orientiert: Wenn irgend etwas stört oder nicht so ist, wie gewünscht, wollen wir es ändern – und wir haben die Welt bis heute schon recht umfassend geändert! Die technische Zivilisation bietet soviel Bequemlichkeit, dass wir an Degenerationserscheinungen kranken, weil man sich kaum noch bewegen muss, um sein Leben zu meistern: Tastatur und Maus zu beherrschen, reicht ja im Grunde aus. Und doch sind nur wenige glücklich in diesen „wattierten“ Verhältnissen, immer wieder stört etwas, neue Wünsche entstehen, neue Produkte und Dienste werden entwickelt, es hört niemals auf.

Das Gegenteil der Weltveränderung ist die Selbstveränderung – auch wenn von einem anderen Blickwinkel aus „alles eins“ ist. Wenn mich etwas stört oder vermeintlich etwas fehlt, könnte ich auch einfach davon absehen bzw. abwarten, bis der Impuls vorüber geht, anstatt etwas zu unternehmen, um das flüchtige Verlangen zu befriedigen. Zum Beispiel kann Appetit zur falschen Zeit einfach ignoriert werden: spart Energie, Geld und andere Ressourcen, keine überflüssigen Kalorien belasten den Körper – warum ist das nur so unbeliebt? Da werden 10.000 Methoden, Tipps & Tricks kolportiert, um sich nicht ständig zu überfressen – es einfach sein zu lassen, ist offenbar so außerhalb der Kompetenzen wie der Mondflug für eine agrarische Gesellschaft.

Buchtipp: Die Kunst des Loslassens

Eine weitere Säule meiner Motivations-Offensive zum gesünderen Leben ist die Wiederbeschäftigung mit dem Buddhismus. Gerade las ich das Buch „Die Kunst des Loslassens“ von Ayya Khema, in dem sie die acht meditativen Vertiefungen ausführlich beschreibt. In Zusammenhang mit diesen Stadien der Meditation stehen Veränderungen in der Lebenspraxis, denn der Geist muss in einer bestimmten Verfassung sein, um beim „nach innen gehen“ ganz bestimmte Dinge erleben zu können. Insgesamt ergibt sich so ein komplettes Bild des von Buddha gelehrten „Wegs aus dem Leiden“, der diametral dem unseren entgegen gesetzt ist, die wir immer „die Verhältnisse“ umkrempeln wollen, wenn etwas nervt oder auch nur langweilt.

Dass alles Spüren eines Mangels, jegliche Langeweile, sämtliche Zu- und Abneigungen von innen kommen, dass sie niemals ganz befriedigt werden, sondern stets neu entstehen, veranlasst uns üblicherweise nicht, diesem „Innenleben“ mal intensiver auf die Spur kommen zu wollen. Als Sklaven verschiedenster Getriebenheiten, immer weniger bezähmt durch „Sitte und Moral“, rafft und konsumiert man vor sich hin und beschwert sich, dass das alles auch noch Arbeit macht, Stress verursacht und Geld kostet. Was für eine seltsame Einseitigkeit – mindestens ebenso seltsam wie das verinnerte, Welt-verachtende und ganz der Meditation gewidmete Leben der Mönche aller Zeiten.

Meinen eigenen Weg der Mitte muss ich erst noch finden – dass ich Nonne oder Extrem-Yogi werde, wenn ich auch mal solche Themen anspreche, muss aber niemand befürchten. :-)

Diskussion

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10 Kommentare zu „Endlich wieder Yoga“.

  1. Hallo Claudia,
    wie sich die Bilder doch gleichen – gestern habe ich mir Informationen über Yoga-Kurse beschafft.
    Nach jeder Yoga-Stunde fühle ich mich entschieden energiegeladener als 1 Stunde „entspanntem“ Sitzen.Meiner Erfahrung nach ist es sehr schwierig, genügend Zeit und Liebe für sich selber aufzubringen, um an den einen Punkt zu kommen, wo sich bei jedem Menschen die wirklichen Wünsche des Lebens befinden und die man dann auch ausleben sollte, wenn man nicht sein Leben, seine Talente und Fähigkeiten mit aber hunderten von flüchtigen, unwichtigen Kleinigkeiten vertun will.
    Das einzige, was aber dafür wirklich notwendig ist, ist Liebe zu sich selber finden – und das ist ganz, ganz schwierig. Wie oft hadert man stundenlang mit sich selber wegen irgendeiner unwichtigen Kleinigkeit, die man bei anderen so schnell verzeihen kann?

    Liebe Grüsse
    Marion

  2. Liebe Marion,
    ja, da hast du völlig recht! Es fällt schwer, sich die Zeit zu nehmen für etwas, das vordergründig „nur für mich“ ist (was aber gar nicht stimmt!). Denn dasjenige „ich“, das Yoga macht, ist ein anderes „ich“ als das, das sich gerne in den 10.000 Dingen verliert, die nicht etwa nur „unwichtige Kleinigkeiten“ sind, sondern diesem „Ich“ das Gefühl der Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit vermitteln, auf das es steht wie auf kaum etwas anderes!
    Mit dem „hadern“ ist es bei mir so: ich hadere nur sehr vordergründig, wenn ich Yoga vernachlässige – in Wahrheit rechtfertige ich das, indem ich auf die „Wichtigkeit“ all der unwichtigen Dinge verweise, die mich vermeintlich abhalten. Das durchschaue ich natürlich gleichzeitig – belasse es aber dabei, es zu bemerken. Mich selbst zu verurteilen bringt gar nichts außer schlechter Stimmung – einfach anders machen ist angesagt! :-)

  3. Hallo Claudia,

    für mich als Yogaanfänger stellt sich die Frage, welche Yogamusik hört ihr? Gibt es dafür spezielle Themen bzw. Shops?

    LG,
    mac

  4. Ich höre keine Musik zum Yoga und in den mir bekannten Schulen wird das auch nicht gemacht. Sinn der Übung ist ja nicht, irgendwie ins Gefühlige abzudriften, sondern sich wach und aufmerksam darauf zu konzentrieren, was man erlebt: wo zwickt und zwackt es? Wo ist die Schmerzgrenze? Wie verändert sich mein Empfinden, wenn ich kurz davor verharre?? Welche Gefühle und Gedanken werden durch diese Haltung / diese Art „Stress“ ausgelöst? Also totale ACHTSAMKEIT auf Empfindung, Gefühl und Gedanken, nicht „überschreiben“ dieser Wahrnehmungen durch Musik!!!

  5. Hallo Claudia.
    Du hast absolut recht. Auch mir fiel es jahrelang schwer diese Selbstdisziplin einzuhalten. Deshalb habe ich erst ein paar Semester lang 3x die Woche einen Yogakurs besucht und dann an 2 anderen Tagen bin ich noch ins Yoga Vidya Center Köln gefahren, um eine offene Stunde mitzumachen. Soviel zur Selbstdisziplin. Jetzt lebe ich in Bad Meinberg und habe hier die super Möglichkeiten Yogastunden zu besuchen oder an Pranayamastunden etc. teilzunehmen. Was ich aber auch gemerkt habe, ist, dass es zunehmend leichter geworden ist, die Selbstdisziplin aufrechtzuerhalten. Besonders, wenn ich in den Urlaub fahre, kann ich gut alleine praktzieren.
    Mir fehlt richtig was, wenn ich mal ein oder zwei Tage kein Yoga mache.
    Das schöne am Yoga ist, finde ich zumindest, dass man auch lernen kann, auf die Impulse die kommen (schreibst du ja) nicht unbedingt eingehen muss. Zumindest habe ich es
    letztens geschafft, 3 Wochen mit dem Impuls, mal wieder ein Puzzle machen zu wollen rumzulaufen, bevor ich mir eins gekauft und nachgegeben habe.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

  6. Ich kann solche Entspannungsverfahren nur fehlen. Yoga nimmt aber eine besondere Stellung ein, weil sich damit das Energiesystem beeinflussen lässt.

  7. Kann Yoga nur empfehlen. Ich selbst beschäftige mich Momentan mit Qigong. Allerdings bin ich hier noch am Anfang. Macht aber ebenfalls Spaß!

    Grüße,
    Marcel

  8. Ich denke, Yoga ist weit mehr als Übung und Selbstdisziplin. Für mich ist es eine Weltanschauung. Gut, das sage ich, weil ich selbst Yoga-Lehrer bin und täglich Yoga praktiziere. Aber natürlich: Übung und Selbstdisziplin gehören zum Yoga dazu. Wichtig, finde ich, ist es, sich auf die alten Formen des Yoga zurück zu besinnen und den Kommerz nicht die Überhand gewinnen zu lassen. Wenn ich lese, dass sich bestimmte Yoga-Lehrer Yoga-Übungen patentieren lassen, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln: das genaue Gegenteil, was Yoga zum Ziel hat und was du in deinem Beitrag beschreibst! Stell dir vor, du müsstest erst 5 Euro per homebanking überweisen, ehe du die Übung machen darfst….(das ist jetzt überspitzt formuliert, aber so ähnlich wär das dann).

  9. Hallo Claudia,

    in Deinem Artikel:
    http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2007/01/10/arbeit-als-sucht-und-abenteuer-was-zu-tun-bleibt/

    hast Du ja eigentlich schon die Begründung dafür abgegeben, dass ein Ausgleich notwendig ist.

    Gestressten Patienten empfehle ich ein Entspannungsverfahren — denen die den ganzen Tag sitzen eher eines aus dem Bereich Tai Chi, Qi Gong oder eben Yoga. Bei Beschwerden im Rücken vorher auch ggf. Feldenkreis (wenn diese über keine oder sehr wenig Wahrnehmung des eigenen Körpers verfügen – denn dann schaffen die das mit Yoga nicht) oder auch die Trager Methode.

    Mein Tipp für „Zeiteffizienz“ (wem eine Stunde Yoga zuviel ist):

    Die fünf Tibeter… eine Kurzanleitung findet man z.B. hier:

    http://www.naturheilt.com/Inhalt/5Tibeter.htm

  10. Kann Yoga empfehlen.

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