Claudia am 17. Dezember 2007 — 2 Kommentare

Jahresendzeit – lockende Stille

Eigentlich weiß ich ja, wie es geht: in der Morgenfrühe die kreative Arbeit – und alles andere gar nicht erst anschauen, was „herein kommen“ will, sonst zerfasert der Geist! Keine endlosen To-Do-Listen, sondern Tages- und Wochenpläne, die das Gefühl geben, es geschafft zu haben. Regelmäßig aufräumen, damit nicht unübersichtliche Dünen mit Papieren entstehen, und nicht zu lange am Monitor sitzen, sondern ordentliche Pausen machen: Bewegung, Frühstücken, frische Luft.

Klingt einfach und phasenweise mache ich das auch so. Doch immer wieder kehrt der Schlendrian ein: dann schaue ich morgens gleich in die Mailbox, werde gefangen von Angelegenheiten, die vermeintlich sofortige Bearbeitung brauchen, surfe im Web, um mir erst ein wenig „Rumlesen“ auf News-Seiten, Foren und Blogs zu gönnen, um dann – mittlerweile 1000 verschiedene Dinge im Kopf – im Gefühl einer gewissen Gehetztheit ans „eigentliche“ zu gehen, auf das ich mich aber nurmehr mühevoll konzentrieren kann. Tage des rasenden Stillstands reihen sich aneinander, wenn ich es nicht schaffe, das „wie von selbst“ ablaufende Geschehen zu stoppen, um mich in einer bewussten Anstrengungen wieder besser zu organisieren.

Stille kommt

Jetzt aber weihnachtet es sehr und ich freue mich riesig auf die Leere! Die Stille, die sich umso mehr breit macht, je geschäftiger sich alle dem Fest der Feste zuwenden, das ich schon Jahrzehnte nicht mitfeiere. Nicht mehr aus Ressentiment gegen heuchlerisches Miteinander oder allzu kommerzielle Geschenke-Orgien wie in der idealistischen Jugendzeit, sondern einfach so, weil es keinen Bedarf gibt: Ohne Kinder MUSS ich ja nicht und meine restliche Herkunftsfamilie besuche ich traditionell im Januar, wenn alles vorbei ist.

Und in diesem Jahr gehören die stillen Tage also ganz allein mir! Ich habe darauf verzichtet, einen Transfer-Kurs anzubieten, der mich einer Gruppe „Jahresendzeitmuffel“ verpflichtet und in ein enges Zeitkorsett von Aufgaben und Zuständigkeiten einspannt. Einmal in fünf Jahren will ich mich selber besinnen, die stille Zeit nutzen, um auszumisten, aufzuräumen, Ballast abzuwerfen und innerlich zu sortieren, was wichtig ist und was nicht – wie ich mich darauf freue!

Ballast abwerfen

In der letzten Woche bin ich auf einen neuen Computer „umgestiegen“, was keine kleine Sache war. Dabei ist mir das Chaos aufgefallen, dass trotz oberflächlicher Übersichtlichkeit in meinen Schubladen und Regalen herrscht: technische Kleinteile, jede Menge Daten-CDs, Bücher, die ich nie mehr lesen werde, niemals benutzte Kleingeräte, die nur da sind, weil sie mir zu schade für den Mülleimer waren – wow, was da alles weg kann! Und erst die Ordner im Regal: Behördenschreiben aus mehreren Jahrzehnten, sicherheitshalber behalten, Staubfänger erster Güte! Gerade haben liebe Freunde das Haus eines verstorbenen Onkels geerbt, das enthielt sage und schreibe 200 solcher Ordner! Bei mir sind es zwar nur knapp dreißig, die aber locker auf 15 zu reduzieren wären: Zeugnisse und Ausweise, aktuelle Bankkonten, Steuerunterlagen seit Beginn der Selbständigkeit, Künstlersozialversicherung: mehr muss echt nicht sein.

Jede Menge Zeug kann also weg. Ich will Übersicht, leeren Platz und immer wissen, wo die wenigen Dinge sind, die ich wirklich brauche, bzw. aus bürokratischen Gründen aufbewahren muss. Klamotten, die ich nicht trage, kommen auch gleich mit weg, ebenso Küchengerätschaften, die ich nicht benutze, wie etwa den unvermeidlichen Wok, den wohl jeder mal irgendwo kauft oder geschenkt bekommt. Schon seltsam, dass sich immer wieder soviel ansammelt, obwohl ich Shopping hasse und mich für quasi “ konsumbehindert“ halte!

Das äußere Ausmisten und Aufräumen ist ein schöner Einstieg in die innere Sammlung: sammeln, was ansteht, was ich vorhabe in nächster Zeit, wie ich mein weiteres „Leben und Arbeiten“ gestalten will und auf was ich gut verzichten kann. Ich denke mal, das ist kein „ganz großes Thema“, denn im wesentlichen lebe ich so, wie es mir gefällt und wünsche mir keine großen Veränderungen. Allerdings stimmt mich diese Genügsamkeit gelegentlich skeptisch: ist das nun Selbstverwirklichung oder eine Alterserscheinung?? Bin ich dabei, zu vergreisen, weil mir nichts einfällt, wenn andere (z.B. angesichts eines zu knackenden Lotto-Jackpots) das Spiel „wünsch dir was!“ spielen?

Dieses und andere „besinnliche“ Jahresendthemen werden in nächster Zeit das Digital Diary füllen. Wer mag, schaut mal rein!

Diskussion

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2 Kommentare zu „Jahresendzeit – lockende Stille“.

  1. Ich schau‘ mal rein. So oder so.
    Liebe Grüße und eine schöne besinnliche Zeit.

  2. Besinnliche Zeit ist nun vorüber,ich nehme mir eigentlich vor,dies Jahr etwas weihnachtlicher in Stimmung zu kommen,endlich mal Gefühle zuzulassen,die so dem nahe kommen:“Es weihnachtet ein wenig..“Silvester-auch so ein schräges Ding:dem Sohnematz (15 Jahre jung,glücklicher Mensch-er..)gemailt,er will mich wiedergegrüßt haben,es sei ihm geglaubt,ich hoffe,er hatte echten Spaß bei dem Typen,der sich Vater nennt,es so wenig ist,aber Männer können sich ja auch ändern…

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