Claudia am 15. Oktober 2007 — 5 Kommentare

Eine gute Nachricht vom Universum

Gerade hat eine Phönix-Wissenschafts-Doku ganz unerwartet meiner Vorstellung vom Kosmos ein wesentliches Update verpasst. Und jetzt bestaune ich die neue Gestalt, die sich da in gut untermauerten Theorien zeigt, staune aber noch mehr über die Erleichterung, die ich angesichts des neuen, vollständigeren Anblicks empfinde. Wow, wie wunderbar – es ist NICHT nur SO, wie ich es bisher gekannt hatte: ein Haufen seit dem „Big Bang“ auseinander fliegender Materie, Wolken aus Gas und Staub, die sich zu Sternen und Galaxien verdichten, die letztlich in schwarze Löcher stürzen, Reste explodierter Sterne von ungeheurer Masse, die als gefräßige Monster alles zermalmen und verschlingen, was da kommt – sogar das Licht.

Der deprimierende Kosmos

Jetzt erst bemerke ich, wie sehr mich das so beschriebene Universum trotz all seiner Großartigkeit deprimiert hat. Natürlich war mir immer klar, dass sich all diese Prozesse in Zeiträumen abspielen, die für mein persönliches Leben, wie auch das der Menschheit und das unseres Planeten Erde keinerlei Bedeutung haben. Dass die Nachbargalaxie Andromeda mit 120 Sekundenkilometern auf die Milchstraße zurast, kann mich als Mensch ja wirklich kalt lassen, wenn ich weiß, dass das Treffen erst in fünf Milliarden Jahren stattfinden wird.

Und doch – was ich über das Universum las und lernte, hat mir nicht gefallen. Ja, jetzt werde ich mir gewahr, dass ich es sogar richtig zum Kotzen fand, in einem solch finsteren All zu leben! Es hat mein Herz beleidigt, all dieses Explodieren, Zusammenstürzen, Fressen und gefressen werden über zwar unendlich lange Zeiträume, aber doch mit dem sicheren Ende im schwarzen Loch – dieses unendlich verdichtete Nichts, das irgendwann alles verschlungen und vernichtet haben wird, was einmal strahlte und lebte, Licht, Farbe und Wärme besaß.

Mein Gefühl sagte mir immer schon, dass es so was „eigentlich“ nicht geben dürfte, bzw. dass es ein Skandal sei, wenn das Universum derart widerlich beschaffen sein sollte. Nur nehmen, fressen und vernichten – das kann nicht die letzte Wahrheit sein!

Und doch hatte ich mich damit abgefunden, schließlich kann ich mir als Mensch mein Universum nicht aussuchen. Es hat ja auch schon einige „große Beleidigungen“ in der Geschichte gegeben, die mir noch nie weh taten, aber meine Vorfahren nicht wenig schmerzten: Wir sind nicht das Zentrum, kein Himmel nirgends, kein väterlicher Gott da droben, keine Sphären, die uns halten, sondern überall frei fliegende Ballungen von Teilchen, die einander nach nicht widerspruchsfrei erforschten Gesetzen im Großen und im Kleinen anziehen und abstoßen, sich mal als Materie, mal als Energie zeigen und gelegentlich ineinander verwandeln. Ein Fall vom Zentrum des Seins ins chaotische Herumdriften – schon heftig! Und dann noch die Geschichte von der Evolution, vom Einzeller bis zu uns, die heute wieder vielen als unerträgliche „Zumutung“ aufstößt, sofern da nicht mindestens ein „intelligenter Designer“ angenommen werden kann.

DAS ALLES hat mir ja nichts ausgemacht, im Gegenteil, ich fand es „ganz natürlich“, ziemlich stimmig geschildert und eigentlich ok. Bis auf diese Blicke in die Zukunft: die Sternenexplosionen, das Ende in der zufälligen Begegnung mit einem schwarzen Loch, das alles einsaugt bis nichts mehr übrig ist, und alles kalt, still, dunkel und tot. (Da schau‘ ich dann doch lieber Lindenstraße als mir das weiter anzutun, Wahrheit hin oder her).

Eine halbe Wahrheit ist falsch

Nun also das Update: Schwarze Löcher sind keine Monster, denen man als Galaxie mal eben über den Weg läuft und – Pech gehabt – weggefressen wird ohne Wiederkehr. Die Entdeckung, dass im Zentrum der Milchstraße ein schwarzes Loch von dreifacher Sonnenmasse existiert, hat die Forscher inspiriert, auch andere beobachtbare Galaxien zu untersuchen, und siehe da: das scheint der Normalfall zu sein, in jeder elliptischen Galaxie sitzt ein schwarzes Loch im Zentrum. Und wenn zwei Galaxien kollidieren, umtanzen, berühren und durchdringen sie einander und vereinigen sich schließlich zu einer neuen Gestalt, wobei auch die schwarzen Löcher in ihrem Kern zu einem einzigen, nun deutlich größeren und massigeren Loch verschmelzen. (Galaktischer Sex – wie schön!)

Klar liegt jetzt der Schluss nahe, dass das kein zufälliges Miteinander von Galaxien und schwarzen Löchern ist, sondern dass letztere sehr wahrscheinlich mit dem Entstehen der Galaxien ebensoviel zu tun haben wie mit dem Vergehen. Die derzeitige Theorie meint, dass es die schwarzen Löcher sind, die die Materie, den ganzen Sternenstaub anziehen, die sich beim näher kommen zu Sternen verdichten, die das Loch umkreisen – womit die typische elliptische Galaxie entsteht.

Der „Ansaugprozess“ ist jedoch kein alles verschlingender, niemals endender Malstrom, der der Galaxie keine Zeit zum Leben lässt, sondern ein Geschehen, das zum Stillstand kommt, wenn das schwarze Loch die ein- bis eineinhalb Prozent Masse der Galaxie (oder waren es Promille? :-) erreicht hat. Dann wird das schwarze Loch inaktiv und verharrt in diesem Zustand (quasi in der Atemlücke). Die meisten beobachteten Löcher sind inaktiv, haben um sich herum eine wundervolle Galaxie zusammen gesammelt, die sich nun in Ruhe entwickeln kann – wie die unsere, die immerhin schon Zeit genug hatte, uns reizende Evolutionsergebnisse hervor zu bringen.

Tja, und jenseits der „Atemlücke“ des schwarzen Lochs: auch in der Phase, in der es aktiv ist und alles um sich her anzieht, zermalmt und verschlingt, bzw. „einatmet“, gibt es gleichzeitig auch Gewaltiges ab: einen gebündelten Energiestrahl, der so stark ist, dass er hunderte Lichtjahre weit reicht und in dessen Mitte sich ein „Gasstrahl“ befinden soll, der vielleicht – irgendwo da draußen – am Entstehen neuer Galaxien beteiligt ist. Das wäre das Ausatmen, yogisch gesehen.

Alles, was ich hier beschreibe, ist schon ein paar Jahre bekannt. Ich hab‘ die Veränderungen der herrschenden Theorie nur nicht mitbekommen, weil ich das Thema für mich abgehakt hatte. Als es mal Jahre lang nur noch um verschiedene String-Theorien, um zehn-, elf- oder N-dimensionale Universen ging, bin ich aus der Beobachtung der Weltbild-Entwicklung ausgestiegen. „Schäume“ sagen mir nichts, das ist eher ein Männer-Spielzeug. Und inneren Frieden erwartete ich an dieser Stelle der Erkenntnismöglichkeiten nicht: zu groß, zu unberechenbar, zu gefräßig und zu lebensfeindlich erschien mir das Universum, das mir die Wissenschaft da zeigte. Gleichwohl hielt ich es immer für wahr und akzeptiere bis heute keine Lehre, die diesem Stand der Erkenntnis widerspricht, bzw. das wissenschaftliche Weltbild negiert, anstatt es zu umgreifen.

Dabei war dieses Bild vom Kosmos so gar nicht „wahr“, denn es war unvollständig und einseitig: schwarze Löcher, die nur fressen und zerstören, aber weder füttern, noch befruchten noch gebären. Was mir jetzt gezeigt wird, ist vollständig, umfasst beide Pole der Möglichkeiten, dient dem Werden ebenso wie dem Vergehen, kennt Geben genau wie Nehmen, ist ein Ganzes, das alle Höllen und Himmel umfasst.

Da finde ich mich wieder, damit bin ich eins. In diesem für andere vermutlich ganz unbedeutendem Wissenszuwachs über das Universum finde ich den inneren Frieden mit dem, was ist – weil ich mich in ihm spiegeln kann und mich darin erkenne.

Diskussion

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5 Kommentare zu „Eine gute Nachricht vom Universum“.

  1. danke für das update, claudia! mir war das auch nicht bekannt, und ich hatte die entwicklung auch nicht weiter verfolgt. wir nehmen viel zu viel als gegeben hin… z. b. in der ernährungslehre, wo ja auch heute vieles als überholt angesehen wird, was vor ein paar jahren noch als gesetz galt…

  2. das dollste DING nicht nur auf Erden
    ist FRESSEN und GEFRESSEN werden.

    Was tut man nicht alles im namen
    einer allgemein nuetzlichen Menscheitsentwicklung:
    man frisst, saeuft, bumst gelegentlich
    oder parkt an der falschen Stelle zum falschen
    Zeitpunkt man ist immer unterwegs im Blickfeld
    einer gefrässigen Umgebung.

    es gibt so viele, denen es nutzt wenn man
    fehler macht; fehler, die konventionen,
    übereinkünfte einer fressenden wohlsituierten
    alles verschlingenden umgebungsvariablen, gemeinhin
    auch staatswesen genannt, verletzen und somit
    mit bussgeldern belangt werden könenn,
    eine nicht zu unterschätzende einnahmequelle
    der absolut nichtsnutzigen nutz und zwecklosen
    gemeinwohlverweser die den laden der selbsterfüllenden
    notwendigkeiten am laufen halten.

    oh, ich liebe es, den moloch zu füttern, jeder strafzettel,
    jedes blitzen der wegelagerer am strassenrand, nachts um
    halb vier auf einer zweispurigen schnellstrasse.

    ich liebe alle, die sich der gemeinschaft der allesverschlingenden
    schattenwesen unter dem deckmäntelchen der gesetzesnotwendigkeiten
    dahin treiben lassen, geführt vom sanft warmen sog der
    systemerhaltenden bussgelder, es gibt nichts schöneres als
    vom staat gevögelt zu werden- zuverlässig, unabänderlich, tag für tag
    – von der wiege bis zur bahre und weit darüberhinaus.

    wer produziert wird ausgesaugt, je mehr man leistet
    umso mehr wird man opfer tausendfältiger begehrlichkeiten
    seitens derer, die gedankenlos mit einem einzigen federstrich
    mehr enthusiasmus vernichten als alle jahrhundertkatastrophen
    zusammengenommen.

    ich liebe es, auf einem planeten zu kämpfen, der selbst garantiert
    irgendwann einem schwarzen loch zum frass vorschweben wird-
    bis dahin jedoch mit einer aberwitzigen geschwindigkeit
    gelassen um die sonne turtelt.

    man muss das universum mögen um den eigenen planeten und dessen
    bewohner nicht abgerundtief zu verachten, jeder mensch
    trägt schliesslich das Kainsmal unsichtbar auf seiner
    teologischen schulter.
    aber wie auch immer:
    den letzten knall in diesem universum werden wir heutigen
    ebensowenig bewusst erleben wie den ersten,
    so der überhaupt stattfand.

    was bleibt?

    schweiss in den schuhen, schrunden an den händen
    und täglich erneut der versuch, den unermesslichen humor
    dess oder derjenigen zu ergründen, der /die das alles erfunden
    und geschaffen hat.

    mit nächtlichen gruessen aus dem zentrum der (aller) welten
    ingo

  3. Wer oder was ist bitte ICH ? :)

    Jo

  4. ICH?

    hm.. gute Frage..
    hgrmhmm..
    also..

    ah..
    DAS ICH:
    entstanden aus einer liebevollen Idee,
    geworfen und getrieben in einem Feld
    aus zweifelhaften Zuständigkeiten,
    auf der Schulter jener Riesen reisend
    die annodunnemals keineswegs Ihr
    Riesenbewusstsein verinnerlicht
    dessenungeachtet nichtsdestotrotz
    unbeirrt ihres Weges wandelten
    ah..
    ahm..
    agrhmm,..
    aeh.
    also das ICH:

    hm,
    fressenfickenfernsehn
    fehlermachenfielmannbrille.
    hm..
    na gut, ich weiss auch nich
    :)

  5. Liebe als Bauprinzip der Welt – beim Lesen dieses tollen Artikels beim „Fingerfilosophen“ hab ich mich an diesen Beitrag erinnert. Der Kosmos KANN doch nicht so ganz anders sein als wir… bzw. wie wir sind, gibt Aufschluss über den Kosmos, der uns ermöglicht. Oder etwa nicht?

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