Claudia am 19. August 2007 — 5 Kommentare

Wieder daheim, zum Glück allein

Wieder zuhause zu sein ist mir ein richtiges Fest! Die Routine der eigenen, wohl bekannten Räume, in denen alles da steht, wo ich es hingestellt habe, tut mir richtig gut, erst recht, wenn es auf der Reise etwas turbulent zuging. Ich war in Wiesbaden bei meinen Schwestern, um das Begräbnis meiner Mutter und manches andere zu regeln, wohnte in einem umtriebigen Haushalt mit aufgeweckten Kindern, und auf dem Hinweg war mir im Zug mein Rucksack entwendet worden, während ich mich im Speisewagen aufhielt. Dem forschte ich dann per Internet-Café nach und staunte über den guten Service der Bahn in Sachen „Verlustanzeige“. Auf der Rückreise händigte mir ein freundlicher Bahner den Rucksack auf der Frankfurter Fund-Stelle wieder aus – obwohl diese Samstag und Sonntag geschlossen hat. „Ja, das geht! Trotz Beamtensstatus!! Wenn wir mal Börsen-Bahn sind, wird das teuer!“, bemerkte er fröhlich-sarkastisch und zwirbelte seine aufwärts gebogene Schnurrbartspitzen.

Im Rucksack fehlte nichts, was nicht wundert, denn es war absolut nichts Geld-wertes drin. Tja, besitze nichts, dann kann dir nichts genommen werden!

Familiengefühl?

Nun bin ich also wieder „am Draht“ und sichte die vielen Mails, schaue durch die Blogs, beantworte die wichtigsten Anfragen und trinke dabei den gewohnten Milchkaffee aus Espresso, der zuhause einfach anders schmeckt als anderswo. Ich merke, wie sehr ich mich zur „Einsiedlerin“ entwickelt habe, die ihre persönliche Umgebung braucht und die Ungestörtheit genießt, die die eigenen vier Wände bieten. Es hat mir zwar gefallen, mal „Familie“ mitzubekommen, ich mag meine Schwestern und deren Kinder, keine Frage – aber so richtig „beheimatet“ fühle ich mich da trotz aller Blutsverwandschaft nicht. Kein Wunder, hab ich mich doch schon mit 26 aus der Heimatstadt Wiesbaden nach Berlin abgeseilt – andrerseits könnte man sagen, ich bin auf bestem Wege, eine „schrullige Alte“ zu werden!

„Dir fehlt das Familiengefühl“, sagte meine Schwester und sie hat recht damit. Gut, dass ich nie eine gegründet habe, es wär‘ mein Unglück gewesen!

Diskussion

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5 Kommentare zu „Wieder daheim, zum Glück allein“.

  1. schön, sehr schön, es sei Dir von Herzen gegönnt…

    Liebe Claudia,

    zauberhaft, wie Du Dein SingeleDasein genießen kannst. Ob Du da die Ausnahme bist, weiß ich nicht.

    Aber vielleicht ist es mit uns Manschlein ja so…

    Das kleine menschliche Selbst wandert umher, einsam. Es versucht, Freunde zu finden, es versucht, jemanden zu finden, der es liebt. Und es begibt sich ins Außen, es begibt sich nach außerhalb von sich selbst und versucht dann, sich von anderen Menschen zu „nähren“ im weitesten Sinne des Wortes.

    Das kleine menschliche Selbst wäre sicherlich nicht so, wenn es sich mit dem „Du“, von denen es natürlich viele gibt, in seiner Gesamtheit wieder vereinigen würde, anstatt ihnen im Außen hinterher zu hecheln, sie für etwas verantwortlich zu machen etc. Wenn alle wieder gemeinsam zurückkehren würden, in das Zuhause dieses gegenwärtigen Moments, so wäre da keine Einsamkeit!

    Der inspirierte Geist findet in sich selbst beste Gesellschaft. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass dieses Bekenntnis zum „gut allein sein können“ auf der anderen Seite der Münze die Inschrift trägt „Eigentlich brauche ich euch alle nicht“

    alles Liebe

    Hermann

  2. Lieber Hermann,

    doch, ich „brauche Euch alle“, z.B. hier brauche ich Kommentare, sonst verliere ich auf Dauer die Lust zum Schreiben! :-)) Wenn ich auch alleine lebe und mich damit sehr wohl fühle, so habe ich doch Freunde, einen Liebsten, und auch immer wieder neue Kontakte mit Fremden, die ich über meine Netzaktivitäten kennen lerne. Das will ich nicht missen, der Mensch erkennt sich selbst „im Angesicht des Anderen“ und nicht in isolierter Innenschau, ohne jeden Input von außen!
    Komm vorbei, wenn du mal die Hauptstadt besuchst! :-)
    Lieben Gruß
    Claudia

  3. Liebe Claudia,

    es ist gut, daß Du Dich am All-ein-sein freuen kannst. Was bleibt uns sonst? Wir sind All-ein. Jeder von uns. Verbunden nur durch Liebe.

  4. Um es deutlicher zu sagen:

    Jemanden „zu brauchen“, im Sinne von „Ich kann nicht alleine sein!“ ist in meinen Augen keine schöne Motivation. Das ist in meinen Augen traurige Bedürftigkeit und spiegelt nicht die Göttlichkeit, die ein jeder in sich trägt.

    Jemanden „zu brauchen“, im Sinne von „Ich kann natürlich alleine sein und auf jeden verzichten aber es macht mir mehr Freude auch verbunden zu sein“, das ist für mich Liebe.

    „Ich brauche Euch, weil ich Euch gerne lieben möchte“ contra „Ich brauche Euch, weil ich von Euch geliebt werden muß“.

    Wir alle sind All-ein: Jeder ist eine völlig eigene Welt und gleichzeitig ist jeder ein Teil einer gemeinsamen Welt. Nur wer beides ausreichend lebt wird glücklich sein können.

  5. Zitat von claudia klinger: Tja, besitze nichts, dann kann dir nichts genommen werden!

    Oh liebe claudia klinger,

    es gibt wundervolle Orte, an denen lassen sich so viele wunderschöne dinge aufbewahren, die einem niemand nehmen kann. denn zu solchen orten hat nur der schöpfer dieses örtchens einen schlüssel und er selbst ist es, der entscheidet, wer zugang erhält und wer nicht.

    ein solcher ort ist zb. das eigene herz. hierrin lässt sich das ganze leben aufbewahren und selbst wenn einem da das ganze haus leer geräumt wird, ist man nach noch immer der reichste mensch auf der welt. denn alle anderen können immer nur auf ihre persönliche art und weise reich sein….:)

    sonnengruß,
    anaa

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