Claudia am 24. Juli 2007 — 23 Kommentare

Was ist Jugend? Zum 53. Geburtstag

Gestern bin ich 53 geworden. Dass mir rein äußerlich die Jugendfrische langsam abhanden kommt, ist zwar schade, doch nicht wirklich stimmungsdämpfend. Wer wie ich nie viel Wert auf die Optik gelegt hat, lernt das halt auch im fortgeschrittenen Alter nicht mehr! :-)

Mir geht es mit diesem Lebensalter tatsächlich so gut, wie ich es mir mit 20, 30 und auch noch mit 40 gar nicht vorstellen konnte. Ich lebe, liebe und arbeite genau so, wie ich es mir wünsche, und selbst bei längerem Grübeln fällt mir nichts ein, was ich gerne anders hätte.

Gerade erreicht mich die Geburtstagsmail einer lieben Freundin, die mir einen Text über „Jugend“ schickt, den ich hier unbedingt zeigen will, denn er spricht mir aus der Seele! Der Verfasser ist leider unbekannt, aber wer so etwas Wunderschönes schreibt, schickt vermutlich keine Abmahnungen.

Alsdenn:

Die Jugend ist nicht ein Abschnitt des Lebens,
sie ist ein Zustand der Seele,
der in einer bestimmten Form des Willens besteht,
in einer Bereitschaft zur Phantasie,
in einer gefühlsmäßigen Kraft;
im Überwiegen des Mutes über die Zaghaftigkeit
und der Abenteuerlust über die Liebe zur Bequemlichkeit.

Man wird nicht alt wegen der einfachen Tatsache,
dass man eine bestimmte Zahl von Jahren gelebt hat,
sondern nur, wenn man sein eigenes Ideal aufgibt.
Wie die Jahre ihre Spuren auf den Körper zeichnen,
so zeichnet der Verzicht auf die Begeisterung sie auf die Seele.

Jung sein bedeutet, mit sechzig oder siebzig Jahren
die Liebe zum Wunderbaren zu bewahren,
das Erstaunen für die leuchtenden Dinge
und die strahlenden Gedanken;
den kühnen Glauben, den man den Ereignissen entgegenbringt,
den unstillbaren Wunsch des Kindes für alles, was neu ist,
den Sinn für die angenehmen und fröhlichen Seiten des Daseins.

Ihr werdet so lange jung sein, wie euer Herz die Botschaft
der Schönheit, der Kühnheit, und des Mutes aufnehmen wird;
die Botschaft der Größe und der Stärke,
die euch von der Welt, von einem Menschen
oder von der Unendlichkeit geschenkt werden.

Wenn alle Fasern eures Herzens zerrissen sein werden,
und wenn sich auf ihnen der Schnee des Pessimismus
und das Eis des Zynismus gehäuft haben werden,
erst dann werdet ihr alt sein,
und dann möge sich Gott eurer Seele erbarmen.

Diskussion

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23 Kommentare zu „Was ist Jugend? Zum 53. Geburtstag“.

  1. Ah, so jung. Der Text entstammt wohl einem öffentlichen Gedenkstein (aber sicher nicht, wie hier vermutet, der Feder Marc Aurels) und allenfalls die Übersetzung ist Eigentum.

  2. Nachträglich noch herzliche Glückwünsche zum Geburtstag und danke, dass wir an diesem schönen Text über die Jugend teilhaben dürfen!

  3. Eine Abmahnung ist unwahrscheinlich. Der Text soll in einen Stein gemeißelt sein, bezeichnet als „Stein der Jugend“, der neben einer „1000-jährigen Eiche“ steht in einem Park nahe Peschiera del Garda (http://www.sigurta.it/), verfasst vor 400 Jahren, der Autor ist unbekannt.

    Ich finde, „jung“, „alt“, „Jugend“, „strahlend“ etc. sind nur Worte, die jeder anders versteht. Mit Texten, wie „man“ sein soll, kann ich wenig anfangen. Ich denke, wichtig ist, herauszufinden, was gut für einen (selbst) ist und sich danach richten. Was das ist, kann mir kein anderer sagen, ebenso wie ich das nicht für jemand anders kann.

  4. Danke! :-)

  5. Auch von mir nachträglich einen herzlichen Glückwunsch. Das Gedicht über die Jugend spricht auch mir aus der Seele, schöner als ich es hätte im Geiste formulieren oder gar zu Papier hätte bringen können.

  6. Liebe Claudia!
    Möchte mich anschließen, auch Dir möchte nachträglich alles Liebe zu Deinem Geburtstag wünschen und besonders weiterhin wundervolle Einfälle. Das niemals Deine Freude am Austausch mit anderen und Deine Wißbegier still stehen möge.

    Das ist wirklich ein wunderschönes Gedicht. Das ist dieses jung sein im Herzen egal wie alt wir sind, egal ob es von außen sichtbar ist. Diese Frauen und Männer habe ich immer bewundert, schon als Kind. Das wäre mir ein graus, wenn ich nur, weil ich ein paar Jahre auf dem Buckel habe, mich nun zur grauen oder braunen Maus entwickle und all meinen Schelm und meine Wißbegierde mir verbiete. Dann wäre nur noch das einzige Thema, Eiche oder Metall. Nee, nicht meine Welt.
    Ich denke, manche bleiben bis ins hohe Alter jung im Herzen, in ihrer Seele und von diesen Menschen kann es nie genug geben.

    liebe Grüße Annette

  7. Liebe Claudia,

    na, dann möchte ich mich den Glückwünschen anschließen und Danken, dass Du deine Gedanken teilst!

    Liebe Grüße

    Bernd

  8. Ja, unbekannter Weise………alles Gute zu Deinem Geburtstag!

    Eigentlich bekommt das Geburtstagskind ein Geschenk….

    Doch möchte ich mich bedanken für das Geschenk an diesem Blog „einschreiben“ zu dürfen.

    Ich schätze Menschen sehr, die aus sich heraus Dinge bewegen und andere Menschen animieren an dieser Bewegung teilhaben zu dürfen bzw. durch die Mitbewegung, auch sich Selbst bewegen können.

    Toll……….noch viel Freude und ein seeliges Leben.

    Bernhard

    P.S.: Dieses Dir geschenkte Gedicht ist ein Gedicht der Wirklichkeit, wunderschön!

  9. ………….Ich will nicht vorwitzig sein!

    Warum sollten wir uns denn nicht mal an einen Tisch setzen?

    Denn eines können Texte niemals oder doch höchst selten?

    Die Magie eines wirklichen Augenblickes zu spüren und den Menschen wirklich wahrnehmen.

    Unsere Phantasie wird immer die Leinwand des gelesenen bleiben, außer wenn die Worte und Texte der „allgegenwärtigen SEELE“ entspringen, dann spürt sie jeder Leser gleich, der ………..

    Eine bestimmte spannende Frage wird bestimmt noch kommen, ich bin jetzt schon gespannt, wie ein Schuljunge……..man lernt nie aus!

    Grüße Bernhard

  10. @Bernhard
    Ja, gern. Nur wohnen wir alle nicht am gleichen Ort, aber wo der Wille ist, ist auch der Weg. Dann lass uns zusammen ein Treffen organisieren. Vielleicht kann Claudia, dir meine emailadresse geben, dann muß ich sie hier nicht veröffentlichen.
    Würde mich sehr freuen, wenn es klappen würde.
    liebe Grüße Annette

  11. Das Gedicht ist eigentlich keins, sondern wahrscheinlich eine Rede des römischen Kaisers Marc Aurel an seine Soldaten. Sie steht in italienischer Sprache auf einem Gedenkstein im Garten-Park Sigurtà nahe dem Gardasee. Die Übersetzung stammt von Longa Scheel (Darüber spannt sich hell der Himmel u.a.).

  12. Liebe Claudia,
    auch von mir herzliche Glückwünsche zum 53. Geburtstag. Ich wollte dir schon vor einigen Tagen zum Gweburtstag schreiben, habe es dann aber doch wieder vergessen.
    Lass es dir gutgehen.
    Übrigens mag ich auch kurze Texte.
    Liebe Grüße, Nila

  13. auch aus dem versalzten gitter
    einen glueckwunschsplitter:)

    „for ever young, stay for ever
    for ever young“

    so vieles wär zu sagen, wars nicht doch
    so leicht im nichts zu sein,
    sinnend im nirwana-hier alldiweil
    im geist weit fort.

    ich wünsche dir alles gute weiterhin,
    du machst das schon richtig:)

    for ever young, for ever young.

  14. zu dem gedicht:
    Inschrift eines Granitsteins im Parco Giardino in Verona.
    (grabstein)
    und wo es manchmal auftaucht:

    –http:-//www.stahlnerv.de/prolog.htm
    –http:-//www.beepworld.de/members59/jahrgang-42-43/50erfest.htm
    –http:-//www.medienanalyse-international.de/
    –http:-//www.grolo.de/
    –http:-//www.syncomm.gmxhome.de/philosophie/geistreich.html

    grus
    ingo

  15. Ich danke Euch sehr für die Infos und guten Wünsche!! :-)
    Hab‘ jetzt auch die Moderation für Kommentare mit Link abgeschaltet, es kann also „in Echtzeit“ kommentiert werden….

    Lieben Gruß

    Claudia

  16. Liebe Claudia,

    ich wünsche Dir nachträglich alles Liebe zu Deinem Geburtstag und weiterhin viel Spaß am Schreiben. Ich freue mich immer hier zu lesen. Vielen Dank!

    Ina.

  17. Dazu kann ich auch was sagen, denn ich bin in diesem Jahr auch 53 geworden. Auch ich kann nur bestätigen: dass man sich da schon „älter“ fühlt, halte ich für ein Gerücht! Aus meiner Sicht fühle ich mich nicht anders als mit 35 und darum ärgert es mich ganz gewaltig, wewnn ich hören oder lesen mss, dass einige Zeitgenossen, meist wohl jüngere, einen wie mich schon in die Nähe von Senioren rücken wollen. Da ist nix dran! Meine Aktivitäten sind die gleichen wie seit eh und je, meine Augen genau so gut wie damals (untersucht und bewiesen) und Arztbesuche kenne ich nur aus dem Gerede anderer Leute. Fazit: wer das liest und ist noch jünger, lasse sich nix vormachen, auch in meinen „Alter“ steckt man voller Pläne und hat keine Zeit zum Rumlungern!

  18. Danke Ina!!!

    @Eckbert,

    Glückwunsch zu deiner „unveränderten Jugendlichkeit“!
    Mit dieser Sicht der Dinge wirst du mit weiter zunehmendem Alter aber Schiffbruch erleiden, denn die Schrumpfungs- und Abbauprozesse, die Zipperlein und chronischen Krankheiten erwischen nahezu jeden, den einen früher, den anderen später.

    Es ärgert mich auch, dass man vielfach schon ab 50 „in der Seniorenecke“ angesiedelt wird, doch will ich dem keine „bemühte Jugendlichkeit“ entgegen setzen. Ich fühle mich NICHT wie 35 – und das ist SEHR GUT SO!! Denn obwohl ich körperlich mit 35 „besser in Schuss“ war und äußerlich sicher attraktiver, gibt es doch soviel Zugewinne durch das fortgeschrittene Alter (und die gemachten und reflektierten Erfahrungen), dass mein Lebensgefühl heute um Klassen besser ist als damals!

    Psychisch und geistig trennen mich Welten von der Person, die ich mit 35 war – und ganz ganz sicher wünsche ich mich nicht zurück!

    Auch für das Alter gilt: it’s not a bug, it’s a feature! Man muss es nur zu gebrauchen wissen, anstatt es zu ignorieren und zu verleugnen.

  19. Zu sagen, ich fühle mich wie mit 35, würde bedeuten, dass ich die letzten 10 Jahre nicht gelebt, nicht gelernt und mich nicht verändert hätte.
    Ich kann aber durchaus verstehen, was @Eckbert damit ausdrücken wollte …
    @Claudia, auch zum 54. Geburtstag nachträglich alles Liebe
    amarana
     

  20. Den Text über “Jugend” ist wunderbar – wirklich toll. Ich wünsche mir und  alle immer jung zu füllen und „Schnee des Pessimismus
    und das Eis des Zynismus“ nicht in seines Leben nicht zu dulden.

  21. Eckbert sagt: „… und darum ärgert es mich ganz gewaltig, wenn ich hören oder lesen muss, dass einige Zeitgenossen, meist wohl jüngere, einen wie mich schon in die Nähe von Senioren rücken wollen …“

    Hmmmm …. und wieder war ich fruehmorgens im nahen Park, lauschte wieder den Voegeln, wieder dem Sprudeln der Wasser. Frau Hund war mit sich und ihren vielen Geruechen eingehend beschaeftigt, meine Schritte gingen dahin wie im Traum. Ich filterte alles aus, die Stimmen, das Sprudeln, die Autos der fernen Strasse … da begann ich die Baeume zu hoeren. Wie sie miteinander sprachen, ihre Kronen im leichten Morgenwind tanzen liessen. Die alte knorrige Eiche beispielsweise. Schon manche Aeste wollen nicht mehr so richtig … und in ihrem Bauch klafft ein grosses Loch. So erzaehlt sie, wie nachts Tiere in ihr hausen, dass sie darauf stolz sei, in ihrem Alter noch eine Aufgabe gefunden zu haben. Die Tanne nebenan, auch schon in den Jahren, genoss das Haemmern des Spechtes, wie er sie von ihrem Kaeferleiden befreie … Im Schutz der Alten spielten die Jungbaeume. Schimpfend nach oben blickend, forderte nach etwas mehr Sonnenlicht … „Macht uns mal endlich Platz!“ rief ein anderer aus der Gruppe. „Werdet erst mal erwachsen …“ toente es von der fetten Buche nebenan. „Dafuer moegen uns eben die Voegel – Aetsch!“ lachten die Jungen zurueck …

    „Pfui, lass das bitte!!!! schimpfte der kleine Hibiskusbaum zu Frau Hund, die eben an ihr genuesslich das Bein hob … Er zierte sich. Das laute Lachen der andere Baeume haettest du hoeren sollen

  22. eine bemerkenswerte lady:)
    fährt mit Fahrrad
    und hat den stein der weisen gefunden:)

    http://ever.ch/PDF_Vortraege/Wicki.pdf

  23. Guten Tag miteinander!

    Lange nach dem letzten Beitrag komme ich nun auch noch. Ich bin verwundert, dass man den Autor dieses wunderbaren Textes nicht kennt: Zumindest via google sollte dies etwas einfacher sein, allerdings fand ich im Wartsaal meiner Fusszonenreflexmassage-Frau einen anderen Namen unter dem aufgehängten Text: General Mac Arthur. Vielleicht schaut ihr einmal über folgenden Link nach: http://www.kombu.de/jungsein.htm

    Alles Gute und badet weiterhin in jenen verbalen Jungbrunnen. . .

    Es grüsst herzlich Christian

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