Claudia am 14. Juli 2007 — 24 Kommentare

Sterben ohne Jammern?

Ich wurde zu einem Treffen meiner alten Schreibgruppe eingeladen, die ich in den letzten zehn Jahren nur noch sehr sporadisch traf. Eine Art Gedenkveranstaltung für eine Mitschreiberin, die neulich an Krebs gestorben ist, sollte es sein. Ich habe abgesagt, obwohl ich die Frau wirklich mochte.

Zur Zeit ödet mich das Thema „Tod und Sterben“ einfach nur an. Vielleicht, weil meine Mutter nun schon so lange stirbt, doch ist es nicht nur das. Noch vor zwei drei Jahren tauchte ich – ausgelöst durch die Todesangst beim Fliegen – innerlich tief ein in die ganz persönliche Erkenntnis der Tatsache, dass das Leben endlich ist und dieses hoch geschätzte „Ich“ eines Tages einfach so verschwinden wird – wie furchtbar! In Spekulationen auf ein „danach“ bzw. ein Jenseits kann ich mich nicht retten, zum Glauben jedweder Art bin ich einfach nicht im Stande. Was also dann?

Ich frage mich, ob es nicht ein „Sterben ohne Jammern“ geben könnte. Ohne all dieses so „pietätvolle“ und tief traurige Getue und Gemache, ohne gesenkte Blicke, bedeutungsschwangere Reden, hilflose Gesten, ohne Warten auf ein Wunder und auch ohne Beschwörungen von Geistern, Engeln, Göttern oder was auch immer. Sterben als ein Fest: Hey, endlich ist Schluss mit dem ganzen Elend, macht’s gut, Ihr Lieben – bye bye!

Ein Elend geht dem Sterben ja meist voraus und mich wundert, dass das Klammern am Leben in dieser Zeit selten abnimmt, eher im Gegenteil. Ein befreundeter Arzt erzählt, dass quasi alle seine Patienten in der finalen Phase ihre Verfügungen gegen lebensverlängernde Maßnahmen widerrufen – erschreckend!

Ich gehe nicht davon aus, dass es mir anders ergehen wird, bloß weil ich jetzt so denke. Doch nehme ich mir heraus, diese Tradition des „elenden Sterbens“ in Verzweiflung, Traurigkeit und Angst zu hinterfragen: geht es nicht auch anders? Muss das so sein? Können wir als Menschen denn nie und nimmer unseren Lebenserhaltungstrieb transzendieren?

Die Römer fallen mir da ein, die Griechen, die Stoa. Dazu ein Zitat aus Wikipedia:

Chrysippos von Soli, der nach Zenon wegen seiner überragenden dialektischen Fähigkeiten als zweiter Begründer der Stoa galt, hat die Verantwortlichkeit des Menschen für sein Tun am Beispiel von Triebregung und Verhaltenskonsequenz dargelegt. Die Vernunftanlage des Menschen gibt ihm die Möglichkeit und stellt ihn vor die Aufgabe, die mit der Triebregung verbundene Vorstellung zu prüfen und darüber zu befinden, ob ihr zu folgen oder ob sie zurückzuweisen ist“.

Genau. Und ich wünsche mir mehr Zurückweisung des finalen Elends, das ja nur teilweise aus physischen Schmerzen besteht und in weit höherem Maße psychisch bedingt ist: Nicht gehen wollen – ja was würde denn aus der Welt, wenn nicht gestorben würde? Es wär ihr Ende!

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
24 Kommentare zu „Sterben ohne Jammern?“.

  1. hm, ich glaube schon, dass es ein jenseits gibt, aber nicht in dem sinn, dass das eine andere welt ist, die außerhalb von unserer ist, sondern dass man irgendwie hierbleibt, nur in einem anderen zustand, als energie, und in diesem neuen zustand eine ganz andere bandbreite hat und an die beschränkungen des körpers nicht mehr gebunden ist und auch ein anderes bewusstsein gewinnt, das von raum und zeit unabhängig ist. aber das ist tatsächlich glaubenssache. was ich so hart finde am sterben, ist das abschiednehmen – von menschen, die gehen, deren stimme man plötzlich nur noch in der erinnerung hören kann, und irgendwann auch das eigene abschiednehmen, von menschen, tieren, aber auch sachen. vor allem, wenn niemand da ist, dem man alles übergeben könnte, wie z. b. kindern oder sonst irgendwelchen nachkommen. was passiert z. b. mit über generationen vererbten familiengegenständen wie möbel, bilder, schmuck oder auch dinge, die einem selbst lieb und wert waren… plötzlich versinkt alles im vergessen, wenn die generationenkette abreißt. wenn man jung ist, macht man sich darüber meist wenig gedanken…

  2. p.s.: sind es nicht die mexikaner, die einen eher fröhlichen totenkult haben?

  3. Das hm… aufnehmend.

    Der Tod ist der Zustand eines Organismus nach der Beendigung des Lebens in dieser Welt.

    Sterben gehört zum Leben.

    Der Tod eines Menschen bestätigt das Weiterexistieren des Wesens und des Geistes von Menschen.

    Immer wieder gut zu erkennen in den Genomen/Kindern.

    Leben und TOD sind untrennbar und Bedingen sich.

    Aber auch die energetischen Impulse von nicht lebenden Menschen sind uns bekannt.

    Hat von Euch jemand Goethe persönlich kennengelernt?

    Doch man könnte meinen Goethe weilt immer noch unter uns, er ist in vielen Dingen präsent, ja gegenwärtig.

    Und wie wir wissen waren oftmals Tote Berühmtheiten zu Ihren Lebzeiten unbedeutend oder unbekannt.

    „Sie leben weiter“.

    Der Körper ist Natur und für unsere Seele und unseren Geist ein Instrument, welches zur plastischen und beweglichen Darstellung von Seele und Geist benutzt wird.

    Z.B. anhand des Gesichtsausdruckes, der Bewegung des Körpers und letztendlich der multifachen Kommunikationformen kann man einen Menschen vollkommen, eindeutig identifizieren und erkennen.

    Wohlgemerkt muß der Mensch, der andere Menschen erkennt, “ sehen“ kann schon aus sich herausgetreten sein, das bedeutet, daß er sein SELBST nicht in sich sondern von außen betrachtet erkannt hat.

    Und da sind wir wieder bei dem TOD, wenn ein Mensch aus sich „herausgehen“ kann, also seinen Körper verlässt, wie kann er dann sterben?

    Der TOP kann was sehr „SCHÖNES“ sein, denn der TOD ist natürlich!

    Nur das Ego in uns Menschen hat Angst vor dem TOD.

    „Es lebe der TOD“………..heute ist der Tag der Bastille, der französische Nationalfeiertag, deshalb passt der Ausdruck gut ins Bild.

    Für die Freiheit Frankreichs sind viele Menschen in den TOD gegangen, damit andere Menschen besser leben konnten.

    Hier macht der TOD sogar offensichtlich Sinn, bitte nicht falsch verstehen…………natürlich in der Reflexion des damaligen Geschehens.

    Ein Mensch, der wirklich keine Angst vor dem TOD hat lebt besser!

    Der Tod ist der Höhepunkt des Lebens.

  4. @limone

    danke für deine Gedanken! Deinem Glauben an die postmortale energetische Weiterexistenz entspricht bei mir das Vertrauen, dass wir (auch schon im Leben) sowohl das Blatt (Individuum), als auch der Baum (Alles) sind. Soviele Erleuchtete können nicht irren… :-)
    Und das Abschiednehmen ist schwer, ja. Um an Dingen nicht zu hängen, ent-sorge (sic!) ich diese lieber bereits im Leben. Dass ich soviel umgezogen bin, hat dabei gut geholfen!

    @Bernhard,

    auch dir Danke für deine Worte, ist ja fast ein „Gastbeitrag“ geworden! :-) Inhaltlich ist das eine philosophische Reflexion, von der ich nicht weiß, ob sie ausreicht, einen mit dem persönlichen Tod zu versöhnen. Wenn das für dich so ist, wunderbar!! „Aus dem Körper heraus getreten“ bin ich auch schon, aber das ist kein „Beweis“, dass es eine Art Weiterexistenz gibt. Denn immerhin hat der Körper noch gelebt… :-)

  5. Richtig sterben – ein Dauerbrenner!

    Die meisten Leute kennen Alte, Kranke, Vor-sich-hin-Siechende und sagen sich: So möchte ich auf keinen Fall sterben!
    Wie Du bereits andeutetest: Die Betroffenen sehen das anders.

    Früher dachte ich auch: Am besten Ziegelstein auf den Kopf, von einem 100-km/h-Auto an der Wand zerquetscht werden, ein 50-m-Sturz auf eine Betondecke – das wär’s! Kurz, weitgehend schmerzlos und sich dabei um die Mühen des Sterbens herumdrücken.

    Dann kam eine andere Idee: Zur Feier meines 80. Geburtstags lade ich meine besten Freunde ein und veranstalte ein rauschendes Fest, auf dessen Höhepunkt ich von eigener Hand aus dem Leben scheide (Gift, Pulsadern aufschneiden – whatever!). Ich fand es gemein, als ich wenige Jahre darauf bemerkte, dass der Fim „Harold and Maude“ meine Idee geklaut hatte. ;-)

    Aber gibt es wirklich nichts zwischen dem Sekundentod und dem jahrelangen Siechtum?

    Mein Großmutter hat sich irgendwann ins Bett gelegt und mochte nicht mehr aufstehen und auch nichts mehr recht essen – nur trinken ging noch. Sie hatte sechs Kinder großgezogen, alle waren verheiratet, die meisten hatten selbst Kinder, auch ihre Verhältnisse waren geregelt – vermutlich spürte sie, dass sie abtreten konnte. Die ganze Familie wusste, was das Zeichen bedeutete. Drei Wochen lag sie so im Bett. In der Zeit besuchte sie jeder und konnte von ihr Abschied nehmen. Nach drei Wochen wachte sie nicht mehr auf.

    Mein Leben lang hatte ich kaum eine Beziehung zu meiner Großmutter. Aber diese einfache, unauffällige Frau hat mir gezeigt, wie man sterben kann. Drei Wochen ist eine ideale Zeit: da fällt man den Pflegepersonen noch nicht zur Last, da muss man auch selbst nicht übermäßig lange leiden – aber man kann selber seinen Frieden mit dem Tod machen. Und erspart den Hinterbliebenen den Schock eines plötzlichen Todes.

    Auf ihrer Beerdigung habe ich nur schwer verstanden, warum so viele Menschen geweint haben. Ich empfand eine leise, aber um so tiefere Freude über ein gelungenes Sterben.

    Gruß
    Ralf

  6. Danke Ralph – dein Posting spricht mir aus der Seele! Auch ich würde gerne sterben wie deine Großmutter: nicht knall auf Fall, nicht von eigener Hand (weil dabei das „Geheimnis des Sterbens“ für mich nicht rüber kommt…) , mit genug Zeit für Abschiede, aber eben auch ohne langes Siechtum.

    Mein Vater hat es auch auf diese Weise gepackt: noch wie immer im Sommerhalbjahr mit dem Wohnmobil und seiner dritten Frau durch halb Europa getourt, sich dann schlecht gefühlt, heim gefahren, Krebs entdeckt, ins Krankenhaus gekommen und sechs Wochen später war er tot. An SEINEM Ableben hat mich nur bedrückt, dass er es bis zum Ende geleugnet hat – man fühlte sich genötigt, Smalltalk über Belangloses zu betreiben. Aber ich konnte sehen, dass er ab und zu wacher wurde und seine Situation realisierte – was dann jedes Mal zu schlagartig einsetzender „geistiger Umnachtung“ führte, zu regelrechten Halluzinationen, die ihn gnädig von dem ablenkten, was er nicht bemerken wollte.

    Was mich im Vorausdenken ans eigene Ableben auch belastet: wer sich als Moribunder outet, löst extreme Verhaltensunsicherheiten bei seiner Mitwelt aus. Dieses Mitleid, das nicht wirklich mitfühlen, sondern nur hilfloses „lieb sein wollen“ ist – um Gottes Willen, da würde ich lieber alleine bleiben wollen mit meiner Information, so lange es eben geht! Es verdammt in gewisser Weise zur Einsamkeit, wenn man sich das nicht antun will – mal sehen, wie ich es sehen werde, wenn es soweit ist.

  7. Ich denke, daß ‚Verdrängen‘ des eigenen Sterbens eine der wenigen Möglichkeiten darstellt, wie Sterbende damit umgehen können. Auf die am Ende sehr viele zurückgreifen, die zuvor anderes im Sinn hatten.

    Schön, wenn sie es offensiv können. Nicht so schön, wenn Schläuche und piepsende Geräte alles stören. Nicht so schön, wenn die Angst gewinnt. Schlimm, wenn kein Bewußtsein mehr zu spüren ist – für die Anderen, die Zurückbleibenden.

    Ich sehe keinen wirklich prinzipiellen Unterschied zwischen Sterben und anderen menschlichen Ereignissen. Serbende wollen nicht allein sein, suchen Körperkontakt, das Gespräch, wenn sie das noch können, das Vertraute und ihre Angst Lindernde.

    Das Besondere des Sterbens legen die Anderen ihm bei.

    Ich weiß nicht, wie es um Menschen bestellt ist, die plötzlich, durch einen Unfall, Eingriff usw. dem Sterben nahe kommen. Aber bei Alten, Kranken weiß ich: Sterben kann wie jedes menschliche Ereignis mit Würde oder mit Grauen erfolgen. Und lernen tut es keiner von uns. Große Worte – im Vorfeld – hin oder her.

  8. Danke, Suzanne. Deine Worte enthalten immerhin Hoffnungsschimmer, noch dazu aus Erfahrung!

  9. Hallo,

    „sterben ohne jammern“ , ehm.. Wenn man schlaeft und dabei stirbt, denke ich ist das einer der besten Wege zu sterben, denn dort spuert man kein Schmerz.

    Qualvoll ist es, zu verbrennen oder zu ersticken.. Dies wuerd eich nicht mal mein Schlimsten Freind zumuten.

    Ob es ein Inseits, gibt glaube ich schon.
    Ob mann jetzt auf Loewen reiten kann (wie in der Bibel steht) das weiss ich natuerlich nicht.

  10. Wenn kein Tod dann auch kein Leben oder keine Geburt.

    Alles ist ein Kreislauf, ein Naturkreislauf. Auch wir sind nur ein Teil diesem großen Ganzem. Wir sind wirklich nur ein Teil davon, wir sind nicht das große Ganze. Leider vergessen wir das so oft. Machen uns zu den bestimmenden Wesen über alles was kräucht und fleucht. Wir alle zusammen, mich miteingeschlossen, sind zu sehr an unser Ego verhaftet. Nur dieses Ego stirbt und dieser Körper, der uns für dieses Leben gegeben wurde. Mit hinüber können wir nur nehmen, was in unserem Herzen – in unser Seele gereift ist.

    Eigentlich könnten wir alle ein ruhiges und zufriedenes Leben führen. Denn am Ende fragt keiner mehr, was hast du erreicht, wer bist du geworden, wieviel hast du auf deinem Bankkonto angehäuft, weil das letztendlich nur unwichtig ist. Aber es scheint unbeschreiblich wichtig in diesem Leben für uns zu sein oder wir glauben, daß dieses das null plus ultra wäre.
    Am Ende wird nur nach der Liebe gefragt, am Ende zählt ob du dein Leben gelebt hast mit allen Höhen und Tiefen, mit allen Schwierigkeiten und mit allen Freuden oder bist du nur ausgewichen und hast auf später verschoben.

    Als meine Mutter starb, hatte sie sehr lange zu kämpfen mit diesem Loslassen, mit dieser Wut auf das nicht gelebte Leben, was sie sich so sehr gewünscht hatte. Und viele die am Ende stehen und sich das Tor eines neuen Leben öffnet, für die gibt es kein später mehr. Sie müssen ob sie wollen oder nicht, sich es ansehen, ob ihr gelebtes Leben, das war, was sie immer wollten. Es muß hart sein, wenn man/frau ein ganzes Leben damit zugebracht hat vor sich selber wegzurennen und am Ende feststellen muß, daß es kein später gibt.

    Es gibt nur das Jetzt, das Gestern und das Morgen sind Illusionen genau so wie unser Ego nur eine Illusion ist – ein Hirngespinst unser Gedanken, unseres Geistes.

    Wir allein bestimmen wie unser Tod sein wird. Wie wir unser Leben leben so werden wir auch unseren Tod erleben. Hinter dem Tod wartet das nächste Leben, warum nicht drauf freuen? Aber jetzt sind wir hier in diesem Leben.

    Machen wir jeder für sich das Beste daraus, denn jeder für sich weiß nur was für sich selbst das Richtige ist.

    Wir haben es nicht nötig zu klagen oder zu jammern, egal mit was wir diesem Leben gefordert werden. Bei allem sollten wir uns immer fragen, ist es Liebe oder ein Ruf nach Liebe. Dann werden wir am Ende genau so auch einen liebevollen Tod erleben wie wir auch ein liebevolles Leben gelebt haben.

    Meine Beerdigung soll ein Fest werden. Ich möchte das alle in bunt kommen oder das anziehen, worauf sie Lust haben. Es soll meine Musik gespielt werden, die ich in meinem Leben geliebt habe und die ist bestimmt kein Trauermarsch (oder seit wann ist Satisfaction von den Stones traurig?) Eine Träne ok, mehr aber nicht. Ich will lachen und singen hören, die Erde soll beben von den Füßen der Tänzer und der Wein soll fließen und jeder soll vor Liebe überschäumen. Es ist ein Fest, wenn einer weiter geht, damit Raum entsteht für neues Leben. Wer weiß vielleicht werde ich wieder geboren, schon im Bauch der nächsten Mutter.
    Denn meine Seele, die Seele jedes Menschen, jedes Tieres, jedes Lebewesen und es lebt alles in unserer Welt, lebt ewig.
    Wir alle sind ein Teil dieses Kreislaufes, wir sind nur ein Rädchen in diesem großen Getriebe.

    Also warum jetzt Sorgen machen oder traurig sein oder jammern, lebe und genieße dein wunderschönes Leben, Jetzt.

  11. ………..Ich bin inhaltlich auf einer Linie mit Annette.

    Ich selbst konnte Erfahrungen mit „dem Tod“ und auch Grenzerfahrungen in der Zone vom Leben zum Tod „erleben“!

    Ich war auf dem Weg zum Tod, sah das helle Licht
    und wie das eigene Leben rückwärts läuft ( da spielt der Faktor Zeit keine Rolle! )……..doch meine „Zeit“ war noch nicht gekommen.

    Meine damalige 1. Lebenspartnerin starb an Krebs mit relativ jungen Lebens-Jahren!

    Wir lebten über 8,5 Jahre zusammen, die weiteren letzten 1,5 Jahre meiner Freundin waren bestimmt vom Weg zum Tod .

    Sie ist gestorben, mir z. B. hat es neue Pforten zum Leben geöffnet.

    Ihr Todesweg war ein verzweifeltes festhalten an ein Leben, welches für Sie im Kern gegenüber einigen Menschen in ihrer Vergangenheit kein Verzeihen ermöglichte.

    Sie war über die Menschen verbittert bis zu ihrem Todespunkt.

    Sie starb ohne inneren Frieden.

    Da ich ja im Leben geblieben bin, wurde mir eine ganz besondere Feststellung/Offenbarung zuteil.

    Ich konnte zum ersten Mal bewußt die SEELE, nicht nur einen Teil dieser SEELE eines erwachsenen Menschen, wahrnehmen, sondern ich konnte den Menschen sehen, den Unterschied zwischen seinem ICH, dem SELBST und der SEELE eines Menschen erkennen, realisieren und sogar spüren.

    Da ich Vater eines Sohnes bin und die Schwangerschaft
    und die Geburt meines Kindes sehr intensiv miterleben wollte und miterlebt habe, kann ich weiterhin folgendes mitteilen.

    Als mein Sohn das Licht dieser Welt erblickte, war mir bewußt, daß dieser Mensch eindeutig eine SEELE hatte und das jetzt für ihn extrem ruckartig der Weg zum SELBST begonnen hatte.
    Das SEIN entwickelt(e) sich von Monat zu Monat von Jahr zu Jahr in großen Schritten.

    Doch die SEELE, welche man in jungen Jahren des Kindes immer noch deutlích wahrnehmen kann, wird immer mehr „überlagert“, durch Erziehung und weiteren Faktoren…………, die aufkommende Angst spielt hier eine ganz wichtige Rolle.

    Wichtig ist, daß das Hirn eines Menschen mitwächst und es speichert auch alle Erlebnisse dieses Menschen, auch die Erlebnisse im Bauch der Mutter sind dabei hochbedeutend und enorm entscheidend für den späteren Tod, denn diese Anfänge des Lebens und dann des Selbst-Lebens sind der Link zum Kreislauf bis in den Tod.

    In der SEELE eines Menschen ist der TOD Bestandteil, hat ein erwachsener Mensch die Möglichkeit erhalten auf seine SEELE „zuzugreifen“,diese gar auch bewußt zu Leben, dann wird er mit einem Lächeln auf den Lippen sterben können, den er weiß dann, daß es nicht das Ende sein wird!

    „Meine verstorbene Freundin hat eindeutig nicht ihr Leben leben können, die Mauern und die Angst in Ihr waren zu groß!“

    Ich habe vor 17 Jahren meine Konfession „abgegeben“, da ich überzeugt bin, daß es nicht unbedingt einer Religion bedarf, um zu erkennen ( vertrauen ), daß es „JEMANDEN“ gibt, der einen in schweren Phasen des Lebens auch trägt und sogar Verwantwortung somit auch Angst, abnehmen kann.

    Des Menschen EGO verhindert den eigenen „Blick“ auf die SEELE, ja etliche Menschen „verkaufen“ für Erfolg, Reichtum und Anerkennung ihre SEELE, dem EGO zuliebe…….

    Der Weg zum Tod, wie man diesen „lebt“ und begegnet, hat eindeutig mit dem jeweiligen EGO und der individuellen Zugangsmöglichkeit zur SEELE zu tun.

    Bitte nicht mit Selbstvertrauen, sondern mit dem Vertrauen aus sich, dem SELBST heraus, verwechseln.

    Es stellt sich die Frage, ob Tod damit auch was SCHÖNES sein kann?

  12. @Bernhard
    Ich glaube nicht, daß Tod etwas Schönes sein kann. Maximal kann er das kleinere Übel sein. Das ist aber nicht schön, sondern traurig.
    Das liegt aber sicher daran, daß wir nur Sterben kennen. Tod ist immer fremd. Wie du Seele und Tod miteinander verbindest, bleibt mir verschlossen. In Seele sehe ich den (verzweifelten?) Versuch von Menschen, den Tod zu überlisten. Das macht sie (die Seele) mir suspekt, da sie mir unwahrscheinlicher vorkommt als der Tod. Aber ich bin auch noch nicht tot gewesen, bisher. Nur ungeboren. Und das gilt ja nicht als tot. Oder?
    By the way: Tod ist eines der wenigen Themen, mit denen du jeden Menschen packen kannst. Viele gibt es nicht. Ist doch tröstlich, nicht?

  13. @Annette und Bernhard,

    ich bewundere Euren Glauben und hätte nichts dagegen, auch so überzeugt zu sein, dass es ein „danach“ gibt – bin ich aber nicht und mache es mir also auch nicht vor. Meine paar „paranormalen“ Erfahrungen in diesem Leben (auch „außerhalb“ des Körpers geschwebt…) gaben mir keinen Anlass, zu denken, dass etwas überdauert. Denn immerhin war mein Körper noch sehr lebendig, wenn auch schlafend. Auch alle, die dem Tode nahe waren oder nach medizinischen Kritierien kurzzeitig „tot“ (=klinisch eine sich verändernde Definition anhand von Messwerten) waren, sind nicht wirklich gestorben.
    Wie könnte ich also aus den Phänomenen des Übergangs auf ein „danach“ schließen? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass unsere Birne verrückt spielt und uns allerlei Tröstliches vorgaukelt?

    Ich WEISS es nicht!! Inhaltlich bin ich ansonsten Eurer Meinung: ein voll gelebtes Leben ist der beste Schutz vor einem verbitterten Tod in Trauer und Verzweiflung!

    Manchmal hab‘ ich schon so kleine, freudig-lebensüberdrüssige Anwandlungen: dreimal Schlaghosen und Plateau-Sohlen-Mode sind doch eigentlich genug… :-)

    Schön finde ich auch den Sterbespruch aus der SAMURAI-Tradition: „Wüsste ich nicht, dass ich immer schon tot war, würde ich es bedauern, aus diesem Leben zu scheiden“.
    Das spielt auf die „Illusion des Ich“ an, das nichts sei als ein Gedanke: wir aber seien in Wahrheit immer schon (auch) das GANZE, nicht die Person, an die wir bloß glauben, weil sie im Alltag praktisch ist und wir nichts anderes kennen.

    Wie gesagt, ich würde ja gerne glauben, aber…

    Ich danke Euch für die wundervollen Beiträge!

  14. „Sterben als ein Fest“?

    Mein eigenes Sterben kann ich mir schon so vorstellen. Als Abschluss eines bewußt gelebten und satten Lebens. Aber ich hoffe, daß diejenigen, die ich liebe, trauern und mich vermissen werden.
    Eine kleine Lücke möchte ich schon hinterlassen ;-)

  15. @Bernhard und Claudia
    „Es stellt sich die Frage, ob Tod damit auch was SCHÖNES sein kann?“

    Doch der Tod ist etwas Schönes. Ich denke es ist eine andere Schönheit, eine Schönheit, die wir uns mit unserem irdischen Dasein nicht vorstellen können. Was geistert in unseren Gehirnen herum, wenn das Thema Tod zur Sprache kommt oder wenn ein naher Mensch gestorben? Panik, Trauer, Angst und natürlich dieses Jammern und wir verbinden es alle mit der Farbe schwarz.
    In unseren Breiten haben wir den Tod schwer und dunkel gemacht, das Ende von all dem Glück, was das Leben beinhaltet. Aber das Leben ist nun mal Geburt und auch Tod, es gehört dazu und sind sehr wichtige Teile von diesem Leben. Ohne Geburt und Tod gibt es kein Leben.

    Als meine Eltern starben, beide in einem Jahr vor 15 Jahren, da brach natürlich eine Welt für mich zusammen. Sie sind nicht bei einem Unfall gestorben, sondern an Alterserkrankungen. Ich konnte mit diesem Zustand oder ihrem Nichtmehrsein nichts anfangen. Ich fühlte mich verloren, allein gelassen, war unbeschreiblich wütend und ich wollte mich nur noch verkriechen. Jeder andere war mir zu viel. Jeder versuchte mich zu bemitleiden oder mir nett zu zusprechen. Ja, sie haben es gut gemeint. Aber ich war nicht nur wütend über die Tatsache, daß sie nicht mehr da waren. Ich war auch wütend, daß unsere westliche Gesellschaft nur über Geburt und Sex sprach. Das was genau so wichtig ist, der Tod, wird hier fein säuberlich ausgeklammert. Kaum Literatur gibt es darüber, außer den literarischen Werken irgendwelcher Klassiker. Sorry, die man/frau in solchen Momenten wirklich nur in die Tonne treten kann, denn dort wird auch der Tod als nur etwas Grausames, Schwarzes und Dunkles beschrieben.
    Da kam mir das Buch von „Elisabeth Kübler-Ross: Über den Tod und das Leben danach“ in die Hände. Hatte früher schon mal von ihr gehört, aber konnte damals mit ihren Büchern wenig anfangen. Dieses Buch kam zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben, es war die Antwort auf all die Fragen, die ich hatte und was ich nicht verstehen konnte. Ich fühlte meine Eltern, aber was ist das, was fange ich damit an, was soll diese ganze Tod und was sollen diese nie aufhörenden Schmerzen über den Verlust darüber. In mir kreisten unaufhörlich diese Fragen und wenn ich mit Leuten darüber sprach, die selbst bereits schon ihre Eltern verloren hatten, lösten die sich nur in Tränen auf. Sie waren in ihren Schmerzen stehen geblieben, dabei waren ihre Eltern bereits schon vor Jahrzehnten gestorben.
    Elisabeth Kübler-Ross beschreibt in diesem Buch, das das Leben wie ein Kokon ist und der Tod das Herausschlüpfen aus dem Kokon um sich dann zu einem Schmetterling zu entfalten. Das Leben danach ist wie ein Schmetterling.
    Es wird auch darin beschrieben über den Trauerprozeß. Das zu diesem Prozeß auch die Wut gehört. Es sind nicht nur die Tränen und die Leere, die ich diesen Zeiten gespürt habe. Ich bekam eine Bestätigung, daß es normal ist diese Wut zu fühlen. Wenn wir durch alles hindurch gehen und alles geschehen lassen, dann können wir die Verstorbenen loslassen. Und dann widerfährt uns diese unbeschreibliche Freude, dieser Frieden und der leere Platz wird wieder von wertvollen Menschen ausgefüllt, die wieder in unserem Leben eine wichtige Bedeutung haben werden. Die Gestorbenen machen Platz immer für etwas Neues, für neue Menschen, für neue Erfahrungen. Dieser Platz bleibt nicht leer. Er wird dann nur leer bleiben, wenn wir nicht bereit sind uns durch diesen Prozeß durchzuwühlen und uns weigern uns darauf einzulassen. Denn in unseren Breiten ist es verpönt wütend auf den Tod eines Menschen zu sein. Wir sind wütend, wenn uns ein geliebter Mensch verläßt, wenn eine Beziehung zu Ende ist, warum dann nicht wütend sein, wenn ein Mensch gestorben ist, der in unserem Leben wichtig war.

    Als meine Eltern verstorben waren, spürte ich sie immer noch. Manchmal dachte ich, sie laufen genau neben mir. Meine Eltern haben sich in einem Traum bei mir verabschiedet. Nun könnte man sagen, sie hat sie sehr vermißt. Nein, ich habe das auch bei meiner Katze erlebt, die in meinen Träumen als weiße Katze (dabei war sie im Leben eine schwarze Katze) mir Lebewohl sagte. Und alle sagten sie, daß es ihnen jetzt gut geht, ich sollte mir keine Sorgen machen und das sie mich lieben. Zwischen den Tod meiner Eltern und den Tod meiner Katze lagen einige Jahre.
    Einige Wochen nach dem Tod meiner Mutter, egal was ich gerade tat, berührte mich meine Mutter und flüsterte mir immer zu, daß alles in Ordnung sei. Das erlebte auch meine Schwester. Wir trauten erst nicht dem anderen es zu erzählen, denn wir dachten beide unabhängig voneinander, daß wir jetzt gaga werden, aber dabei haben wir das gleiche erlebt.
    Als eine sehr gute Freundin starb, letztes Jahr, besuchte sie mich als ich gerade spazieren war und sagte nur, „Annette, es ist toll hier. Ich kann überall gleichzeitig sein und ich brauche nicht mehr auf den Zug warten. Ich bin endlich angekommen. Ich bin zuhause. Mache dir keine Sorgen, mir geht es sehr gut.“
    Vielleicht habe ich einen anderen Zugang dazu, auf alle Fälle machen mir solche Begegnungen keine Angst im Gegenteil. Ich freue mich jedes Mal sehr darüber, wenn sie sich bei mir noch einmal verabschieden oder sich melden, wenn auch auf eine andere Art und Weise als wie wir es hier unten gewöhnt sind. Wobei ich glaube nicht, daß sie alle da oben im Himmel herum schwirren. Da sie nicht mehr Körper sind, sondern nur noch Geist und Seele, können sie wirklich überall sein. Und was könnte nicht schöner sein als überall gleichzeitig zu sein, noch einmal die lieben Menschen zu besuchen und versuchen ihre Angst zu nehmen eines Tages ein Schmetterling zu sein.

    Jetzt wenn ich an sie denke, kann ich wirklich sagen, daß ich in Liebe an sie denke. Sie sind einfach da, sie sind um mich, sie sind immer in meinem Herzen. Ich habe mich damals ein ganzes Jahr mit diesem Trauern befaßt und muß sagen, es stimmt es sind wieder neue Menschen in mein Leben getreten, die mit den Jahren sehr wichtig für mich geworden sind.

    Ich denke mal, dieses Loslassen begleitet uns immer wieder in unseren Leben. Jeden Moment unseres Lebens werden wir aufgefordert loszulassen, manchmal sind es Situationen, manchmal sind es Gegenstände und manchmal sind es Menschen. Unser Leben bereitet uns vor auf diesen Tod oder diesen Übergang ein Schmetterling zu sein.
    Wovor haben wir Angst? Loszulassen?
    Auch du glaubst @ Claudia, dein Glaube ist, das da nichts ist, du mußt es wissen bevor du glauben kannst. Sorry, Glaube und Wissen schließt sich gegenseitig aus und ist eigentlich nur ein netter Egotrick, sich dem nicht zu stellen. Was ist deine Angst, was könntest du verlieren, wenn du losläßt? Dein Leben? Ja, wenn es Zeit ist, daß du gehen sollst aus diesem Leben, dann wird es soweit sein.

    Diese Freundin, die letztes Jahr gestorben ist, hat immer alles erledigt für diesen einen Tag, was anstand und hat es nicht auf den nächsten Tag geschoben. Sie hat wirklich im Jetzt gelebt. Sie ist auch einen plötzlichen, aber natürlichen Tod gestorben. Sie konnte jederzeit aus dem Leben gehen, denn jeden Tag war ihr Tagewerk abends erledigt. Ich finde das absolut faszinierend, weil ich gern immer brav die Dinge vor mir herschiebe statt sie gleich zu erledigen oder mich mit ihnen befasse. Klar dürfen wir träumen und auch Pläne machen, wir sollen ja nicht stumpf vor uns hinsinnen, aber das Leben im Jetzt sollten wir nicht aus den Augen verlieren. Denn eines Tages ist dieses später oder morgen für unser Leben nicht mehr vorbestimmt, dann werden wir andere, neue Sachen erleben oder sogar ein neues Leben beginnen. Dann ist es Zeit zu erfahren, wie es sich anfühlt ein Schmetterling zu sein.

    „ Der einzige Halt im Leben liegt im Loslassen.“

  16. Guten Abend Claudia, Annette und SuMuze.

    Eine Diskussion, egal über welches Thema, ist doch immer spannend und durchaus anregend.

    Ich möchte Euch mitteilen, wie ich natürlich nicht „zufällig“ auf diese Seite gestoßen bin.

    Seit dem ich rational Denken kann interessieren mich Menschen und vor allem was und wie diese denken und fühlen, mich interresiert die Art und das Wesen eines Menschen.

    Ich habe das Stichwort SEELE eingegeben und wollte mal schauen was da so kommt……..

    Aber erst als ich mich durch etliche Erfahrungen dazu entschloss zu einer Art inneren Reinheit, Einfachheit und Klarheit zu konvertieren erkannte ich das unendliche Potential der Seele…………

    Stellt Euch mal vor, wir sitzen alle an einem Tisch und jeder von uns, dies ist sehr wahrscheinlich, denkt was!

    Höchstwahrscheinlich denkt man über die Personen gegenüber mehr oder weniger nach………….ganz normal.

    Und glaubt mir, diese Gedanken eines Menschen kann man erraten oder besser gesagt erkennen und somit sind diese dann nicht mehr frei und führen eindeutig zu Konsequenzen.

    Und jetzt kann einem klar werden, was zum einen Gedanken sind und wozu Gedanken da sind.

    Gedanken sind Transmitter zwischen den drei psychologischen Ebenen des Menschen EGO, SELBST und SEELE und dann noch zu dem spirtuellem „über“ uns, einige nennen das GOTT.

    Jetzt stellt Euch mal vor, wie Ihr selbst den Beginn des Lebens bis hin zum TOD beschreiben würdet.

    „Bemerkt“ Euch dabei, wann seid Ihr gut gelaunt und wann eher nicht……….geht aber den ganzen Weg!

    Einige von Euch werden, nach dem was hier geschrieben worden ist, sicherlich zum Ende des Lebens nicht sonderlich fröhlich sein, bei der Geburt schon, oder?

    Doch stellt Euch mal folgendes Bild vor:

    Ein „Held“ rettet zwei kleine Kinder in einer Sturmkatastrophe vor dem ertrinken, doch er selbst läßt dafür sein Leben………….was denkt Ihr jetzt?

    Sind Freude und Trauer nicht dicht bei einander, hätte dieser Retter jetzt nicht eingegriffen, dann wären beide Kinder gestorben, so können diese wohlmöglich noch viele Jahrzehnte leben.

    Und letztendlich hat man alle Menschen, die Kinder und den Retter, in sein Herz geschlossen und „der TOD des Retters war nicht umsonst“!

    Das wäre die bildliche Darstellung Leben und TOP mit einem Sinn…………und so ähnlich ist es in „Wirklichkeit“.

    Die Planzen machen es uns in phantastischer Weise vor, betrachtet bitte die Jahreszeiten.

    Die Pflanzen sind in ihrer Evolution viel älter als wir Menschen, man betrachte doch bitte das Ganze und nicht sich Selbst………los lassen von SICH, das ist einer der Schlüssel für die Erkenntnis des Lebens, eine der Pforten zum Glück.

    Claudia’s Diary ist doch auch ein Schlüssel für ein Glück, Claudia läßt hier im wahrsten Sinne Dinge von sich los, sie gibt diese preis und erhält phantastische Antworten.

    Schauen wir mal, wie es weitergeht, ich denke Annette wird es ahnen, was aus dieser Diskussion für einige von Euch sich offenbaren kann, man muß nur loslassen können, denn es ist immer jemand da, der einen führt.

    Allen alles Liebe, Bernhard.

  17. Liebe Annette,

    danke für deine berührende Geschichte und die beeindruckenden Erfahrungen! Wären mir solche zugestoßen (fände ich toll!), hätte ich auch das Gefühl, zu WISSEN – dem ist aber nicht so. Es stimmt andrerseits nicht, dass ich „ans Nichts glaube“ – lies bitte oben nochmal, ich hab meine Gedanken dazu hingeschrieben und sie enden in den Worten „Ich WEISS es nicht!!“. Ich höre, was andere erleben (wie z.B. deine „Abschiedsbesuche“) und darüber denken, kann ihnen glauben, dass sie nicht lügen – aber es ist doch etwas anderes, als wenn man es selbst erlebt! Dann WEISS man mit innerer Gewissheit, dass das nicht nur ein gewöhnlicher Traum oder ein Tagtraum war… Hören und lesen bringt eben KEINE innere Gewissheit, auch wenn man sie noch so gerne hätte!
    Meine Mutter ist letzte Woche gestorben. Zwei Wochen zuvor hatte ich sie das letzte Mal besucht. Ihr baldiges Sterben war seit über einem Jahr zu erwarten, sie war nur noch ein Schatten ihrer selbst. Dass sie jetzt starb, empfand ich als Erlösung für alle, insbesondere für meine Schwester, die sie zuhause pflegte. Trauer oder Abschiedsschmerz empfand ich nicht, sondern nur dasselbe Gefühl liebevoller Sympathie wie immer. Ich hatte auch keine Träume oder Schlaflosigkeiten – alles war wie immer, ich kam mir fast ein wenig „unmöglich“ vor. Aber woher sollte die Trauer kommen? Schon 28 Jahre war sie kein Teil meines Lebens mehr, da ich nach Berlin gezogen war und nur selten zu Besuch kam. Und sie ist tatsächlich gestorben „ohne zu jammern“, lehnte seit langem alle therapeutischen Interventionen ab und sagte, jeder müsse mal sterben, das sei „ganz normal“ – und so wolle sie es auch, ohne alle „Kampfmaßnahmen“.
    Viel MEHR hat sie dazu nicht gesagt, obwohl ich sie immer ermunterte, zu reden, wenn ich dort war. Auch das kam mir seltsam vor, so ganz anders, als etwa Kübler-Ross die Phasen des Sterbens beschreibt!

    Bei meinem Vater war es nicht viel anders: Ich war mit ihm lange schon ins Reine gekommen (=also mit mir selbst), habe ihn in den letzten Jahren geliebt und hatte sogar gelegentlichen „Fern-Kontakt“ per Telefon, indem ich ihm „computern“ beibrachte.. – doch als er starb, empfand ich nur einmal einen Traurigkeitsschub, als ich realisierte, dass man von mir erwartete, an seinem Sterbebett so zu tun, „als wär nichts“… WIE er starb, hat mich bedrückt, nicht, DASS er starb.

    Wut? Würde mein Liebster jetzt aus meinem Leben gerissen, würde ich diese Wut auch empfinden, das halte ich für sehr wahrscheinlich, ebenso wie Trauer. Beides erscheint mir im Kern als ein egozentrisch motiviertes Gefühl: MIR wird jemand genommen, von dem ich etwas beziehe, auf das ich nicht schmerzlos verzichten kann…

    @Toni:

    du schriebst: „Aber ich hoffe, daß diejenigen, die ich liebe, trauern und mich vermissen werden.“ – Für mich ist gerade dieser Gedanke sehr schmerzlich! Ich liebe meine Allernächsten und fände es furchtbar, wenn sie leiden, weil ich den Abgang mache… womöglich komme ich selbst gut damit klar, dann ist da aber das Leiden meiner Liebsten! Wie schrecklich..!!

    @Bernhard – soviel hochkarätige und intensive Beiträge schaff ich nicht „at one sitting“ :-). Nur soviel: Man muss nicht RATEN, was der andere denkt, oft weiß man es und es geschehen passende Interaktionen, weil es auch der andere weiß. „Wissen“ ist das falsche Wort, es ist ein Gewahrsein, das sich gar nicht in Worten formulieren muss (aber kann). Es geschieht so mit Nahestehenden, und eher dann, wenn man nicht auf eigene Interessen zentriert ist.

    Alles, was nun über dieses Phänomen gedacht wird, sind eben menschliche Schlussfolgerungen und Konzepte. Derer gibt es leider etliche…

    alsbald vermutlich mehr! Für den Moment hab ich mal die Kommentardarstellung ein wenig ergonomischer gemacht!

    Seid herzlich gegrüßt und bedankt

    Claudia

  18. Liebe Claudia!

    Entschuldige, ich wollte dich nicht ärgern oder dich mißverstehen. Ich bin durch dieses Thema so in den Schreibfluß gekommen, freudiger Wahnsinn.
    Dir herzliches Beileid zum Tod deiner Mutter. Nur eine Frage, hat sich deine Mutter bei dir schon verabschiedet oder noch einmal gemeldet, nach dem sie gegangen ist? Sie kommen, wenn man selbst sich in die Stille begibt oder in den Träumen, wenn das Tagesbewusstsein ausgeschaltet ist. Aber wenn sie nicht kommen, ist das auch nicht schlimm. Sie sind immer da und werden sich zeigen, wenn du es möchtest.

    @Bernhard
    Das wäre ein Spaß, wir alle an einem Tisch. Eine Flasche Wein oder eine Kanne Tee wäre dann zu wenig. Der Austausch mit euch allen, wäre mir dann lieber als Gedanken zu erraten. Wobei ich es auch lieber mag, wenn Leute ihre Gedanken direkt und klar aussprechen.

    @Toni
    Wenn du gestorben bist eines Tages, ist auch dein Ego gestorben. Dann würdest du dich freuen, wenn deine Liebsten wieder glücklich und zufrieden sein können. Du wirst immer ein Platz in ihren Herzen haben, aber du wirst nicht mehr ihr ganzes Leben ausfüllen, was dann auch nicht mehr notwendig ist.

    liebe Grüße Annette

  19. Hallo,

    also, alles was da im Großen und Ganzen gepostet wird, kann ich nicht in jedem Fall nachvollziehen. Wir leben – mehr oder weniger aus Zufall und unser Leben endet, wenn auch gegen unseren Willen. Das ist ganz einfach so!

    Wenn es aus ist, dann ist es eben aus.

    Als Mein Vater im Oktober 2005 völlig überraschend und unerwartet verstorben ist, war es für meine Angehörigen und mich ein großer Schock, doch im Nachhinein muß ich sagen, daß es für Niemanden etwas besseres geben kann, so zu scheiden wie es mein Vater tat. Für denjenigen, der gehen muß, gibt es einfach keine „größere Gnade“, als die , die meinem Vater widerfahren ist. Wenn nur alle so gehen könnten.

    Und das ganze Gerede von Gott und dem Leben danach…meiner Meinung nach alles Wunschvorstellungen… vielleicht um sein schlechtes Gewissen selbst zu beruhigen.

    Für mich steht fest, daß es nach dem Tod keinerlei (geistiges bzw. kosmisches) Leben gibt und wir uns in unsere Bestandteile auflösen und sie in Form von Atomen wieder an unsere Umwelt zurückgeben. Was dann daraus resultiert, … daß weis niemand so genau…

    Wer es besser weis, dem mag ich sehr gespannt zuhören.

    Gruß

    Norbert

  20. Ich weiss es nicht besser. Moechte nur wissen, weshalb du das weisst … es fuer dich feststeht. Sicher hast du die Begruendung, die zu deinem Statement fuehrt. Und gewnau das ist es, was mich brennend interessiert, denn vielleicht helfen deine Worte mir persoenlich weiter.

  21. Wir können das m.E. nicht wissen. Z.B. könnte es ja sein, dass wir auch das ganze Leben durch nicht nur das sind, was wir als „ich selbst“ ansehen. Etwa so, wie ein Blatt am Baum den Baum nicht bewusst wahrnimmt. Es könnte auch so sein, dass ALLES, was wir mit dem analytischen Verstand und Messgeräten nur in seinem „materiellen“ Aspekt wahrnehmen, durchaus eine geistige Seite hat – die wäre dann in allem und immer vorhanden, egal wie sich die Atome grad verteilen.

    @nk: du machst den selben Fehler, der viele Religiöse so unsympathisch macht: du gibtst ein festes Wissen vor, wo man es nicht haben kann. Davon abgesehen zeigt deine Präferenz für ein plötzliches Sterben, dass der Tod dir noch als der Schrecken schlechthin erscheint – ein Schrecken, den du am liebster gar nicht wahrnehmen willst. Gutes Sterben bedeutet aber für mich: IN FRIEDEN gehen, Unerledigtes abschließen, mich verabschieden, alles loslassen – und mit einem herzlichen „machts gut!“ ohne Bedauern verscheiden! „Ohne Bedauern“, weil alles getan ist, weil ich alles erlebt habe, was ich erleben wollte und mein lächerlich unwichtiges Ich nicht in alle Ewigkeit fortschreiben muss: ohne Tod kein Leben, keine Erneuerung, keine Entwicklung!

  22. @Claudia Klinger

    weshalb mache ich einen Fehler, wenn ich meine persönliche Meinung zum Sterben auf Deiner Webseite äußere? Religiös bin ich überhaupt nicht und ich gehöre keinerlei Glaubensgemeinschaft an, da mir so etwas aus verschiedenen Gründen absolut gegen den Strich geht. Und ein festes Wissen habe ich niemals vorgegeben, ich habe nur meine persönliche Überzeugung geäußert.

    Was kann es besseres geben, als so zu sterben, wie wenn der Lichtschalter ausgemacht wird? Das alles ist eine ureigene Sache, die von einem selbst erledigt wird und von niemandem sonst, und wenn es ratz fatz geht, ist es umso besser.

    Der Tod gehört nun einfach einmal zum Leben, schon vom allerersten Atemzug ist alles Leben bereits dazu verurteilt zu enden.

    Was ist gutes Sterben? Mit diesem Begriff habe ich so meine Probleme. Sterbe ich gut, wenn ich trotz eines Siechtums alles irdische regele, mich verabschiede und loslasse?

    Einige meiner Kameraden (-innen) sind leider nicht „gut“ gestorben. Die haben ihr Sterben ganz bewußt über eine mehr oder weniger lange Zeit erleben müssen (Kehlkopf- und Lungenkarzinome), und diese wären wirklich froh gewesen, wenn alles kurz und schmerzlos möglich gewesen wäre. Daher u.A. meine Einstellung zum plötzlichen Abtreten aus dieser Welt.

    MfG

    Norbert

  23. Tod:für mich ein sehr interessantes Thema,eben,weil jeder Mensch damit zu tun hat.Meine Eltern starben 1994 und 2004,fast 10 Jahre konnte mein Vater ohne meine Mutti auskommen,hilfreich war,daß er nach ihrem Tode eine Freundin fand,ich wünschte ihm alles Glück der Welt,bis er im Januar 2004 während eines letzten Skieurlaubs starb,in der Urne kam er zurück aus der CSSR.Übrigens:was in der BRD nicht erlaubt ist,das nutzen Bestattungsunternehmen aus-derzeit läuft eine 8-teilige Doku über rund um das Thema Tod und Sterben (wo man sich zum Bestatter ausbilden lassen kann,was es so Neues gibt usw..)-so findet ein regelrechter Bestattungstourismus statt,aber sehr pietätvoll,seriös,so darf man eben in der CSSR selbst die Urne absenken,was hier strikt nur dem Unternehmen vorbehalten bleibt,so ist der letzte Gang etwas persönlicher gestaltet worden.Zweifelhaft:ist es wirklich so toll,in den Verbrennungsofen reinschauen zu „müssen“,zuzusehen,wie letzte Knochen dahingehen?Da kann man nur hoffen,daß eben die Seele übrigbleibt.Nein,mir geht das ewige Thema Tod und Sterben nicht „auf den Keks“,es gibt Menschen,die können eben nur offen im Internet über dieses Tabuthema diskutieren,daß möge man bedenken!

  24. Ich könnte hier jetzt ganz viele verschiedene Erfahrungen schildern, da ich schon mehrere Menschen begleitet habe. Für mich ist es klar, daß der Tod einen Übergang darstellt, daß mit dem Tod das Leben nicht vorbei ist, sondern daß es einfach in einer anderen Form weiter geht. Da die Seele und der Geist eines Menschen im irdischen Leben einen wichtigen Aspekt darstellt, vielleicht das wichtigste Element ist, stellt sich doch zwingend die Frage: Wo sollen diese zwei wichtigen Teile bleiben im Augenblick des Todes? Es gibt auch keine Energievernichtung, nur eine Umwandlung. Ich habe selber erlebt, daß tote Menschen, an denen ich sehr hing, auch nach dem Tod zugegen waren, wie gesagt, in anderer Form. Ich wünsche allen einen Tod ohne Jammern.

Was sagst Du dazu?

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht