Claudia am 24. Oktober 2006 — 7 Kommentare

Wofür arbeiten? Die Suche nach der Freude

Leiden meiden, Freude suchen – so lebt und west der Mensch, wie schon Buddha feststellte. Dieses Streben hat etwas Absurdes, wenn man erkennt, dass die Freude, die Lust, das Vergnügen und all die Befriedigung, nach der wir streben, nur auf dem Hintergrund des Leidens, der Unlust, der Anstrengung existieren kann. Im Grunde funktioniert dieses Spiel nach dem Motto „wie schön, wenn der Schmerz nachlässt“ – OHNE den Schmerz gibt’s kein Verlangen, ihn zu vermeiden bzw. zu beenden. Wir brauchen ihn also, um etwas zu verändern, um „Verbesserungen“ zu wünschen und ins Werk zu setzen – ist das nicht verrückt?

Ich komme auf solche Gedanken, indem ich meine Bemühungen, mein Arbeitsleben zu verbessern, reflektiere. Im Weltmaßstab geht es mir ja ungeheuer gut, da lebe ich wie die fette Made im Speck, hab‘ übergenug zu essen, eine sichere und angenehme Wohnung, kann am sozialen Leben teilnehmen und um mich her herrscht soweit Friede, dass ich weder flüchten noch mich verteidigen muss. Millionen Menschen würden gerne mit mir tauschen. Warum bin ich also nicht entsprechend glücklich und zufrieden?

Der Zustand „glücklich und zufrieden“ ist keine „nachhaltige“ Seinsweise. Er blitzt nur kurz auf, wenn ein neues Niveau erreicht ist, doch bald schon wendet sich der suchende Verstand neuen Verbesserungsmöglichkeiten zu. Überlässt man sich diesem Mechanismus, befindet man sich in einer Tretmühle, in der viele Menschen ihr ganzes Leben zubringen – egal, auf welchem Level von Einkommen und Vermögen sie gerade strampeln.

Was ist Leiden? Was ist Freude? Ich kann nicht anders, als da sehr genau hinzusehen, wenn ich wissen will, ob und WOFÜR ich arbeite, bzw. „erfolgreicher“ arbeiten will. Was ist der angestrebte Erfolg? Wann bin ich angekommen?

Als ich vor einem Jahr noch von Monat zu Monat um den Nullpunkt des Kontos kreiste (rein in den Dispo, knapp wieder raus), fehlte mir eigentlich nichts. Dass ich den Zustand als unbefriedigend ansah, verdankte sich allein der SORGE, dass mal etwas den Verlauf stören könnte und ich „ohne Wiederkehr“ am Ende der Kreditlinie ankommen würde. Der Papierkram und Behörden-Umgang, der droht, wenn ich als Selbständige ALG 2 beantragen müsste, hat ausreichend abschreckende Wirkung, um mich in Bewegung zu versetzen. Leiden meiden, Freude suchen – ich wurde aktiver, rationalisierte meine vielfältigen Umtriebe, konzentrierte mich mehr aufs Geld verdienen, und schon bald hatte sich die „Standardsituation“ wieder deutlich verbessert. Und jetzt? Reicht es, den Dispo nicht mehr zu brauchen? Wohin will ich?

Spaß genügt nicht

Lange Jahre hatte es mir genügt, mich im „hier & jetzt“ gut zu fühlen: Freude finden in den Tätigkeiten selbst, zufrieden sein, wenn nichts nervt. Damit fühlte ich mich immerhin denen „überlegen“, die nach Vermögen, Sicherheit und teuren Urlauben streben und bereit sind, dafür Dinge zu tun, die keinen Spaß machen. Allerdings bemerkte ich dann doch, dass das „Spaß haben“ ein unstetes Motiv zum Tun ist. Erstens verlieren Dinge mit einsetzender Routine oft ihren „Spaß-Faktor“, zweitens kann ich an fast allem Spaß haben, voraus gesetzt ich schaffe es, mich richtig darauf einzulassen. Aber WAS motiviert mich, das zu tun?

Meine Arbeitswelt besteht aus verschiedenen Aktionsfeldern: Webdesign-Aufträge und Entwicklungsarbeiten für Kunden (Klinger-Webwork), themenzentrierte Schreibkurse, Bloggen gegen Honorar und die nonkommerziellen Webprojekte (Digidiary, Modersohn-Magazin, etc.). Daneben gibt’s einige Vorhaben, die ich zur Zeit noch nach hinten schiebe, wie etwa einen eigenen Mini-Shop oder die Bildkalender, die ich anbieten möchte. Mal „Gegenstände verkaufen“ statt immer neue Dienste leisten – das reizt mich lange schon.

Abenteuer Arbeit

Seit ein paar Wochen mache ich Sonntags einen Plan mit den Arbeiten der kommenden Woche. Das gibt mir einen guten Überblick über alles, was ich so tue und tun will, was ich davon schaffe und was ich verschiebe. Dem Wochenplan übergeordnet ist ein Papier mit den Aktionsfeldern und Vorhaben: da formuliere ich längerfristige Ziele, für mich ein recht neues Unterfangen! All das macht mir bewusst, wie irrational ich üblicherweise vor mich hin werkelte, fast ausschließlich motiviert von den vermeintlichen Notwendigkeiten des Augenblicks. Die Pläne zwingen mich dazu, den Blick vom „Aktuellen“ zu lösen und mir klar zu werden, was ich eigentlich will. Worin liegt echte Befriedigung???

Dass mich z.B. der Shop reizt, ist reine Abenteuerlust. Klar will ich da „schöne Dinge“ verkaufen, die mir selbst gefallen bzw. die ich irgendwie bemerkenswert finde, doch wesentlich an der Idee ist das Ausprobieren von etwas Neuem: Kann ich das? Kauft mir da tatsächlich jemand was ab??? Gelingt es mir, einen Shop zu kreieren, der anders aussieht als alles, was ich so kenne? Wird er den Leuten gefallen?? Wird es gelingen, den Frieden zu bewahren oder muss ich mich auf „Wildwest-Manieren“ einstellen? (=Betrüger, Abmahner etc.) Kann ich damit Geld verdienen oder wird es nur wieder eine neue Schiene für die kreative Selbstausbeutung?

Alsdenn: Abenteuerlust ist ein Motiv. Etwa aufbauen und schauen, ob es funktioniert – darauf fahre ich ziemlich ab! Es ist allerdings ein fast ausschließlich mentales Motiv, eine Form des Ehrgeizes, keine sinnlich spürbare Lust. Die Gestaltung des Ganzen ist immerhin „freudige Kreativ-Arbeit“: geeignet, sich im Flow des Tuns selbst zu vergessen – und mal nicht „im Auftrag“, sondern fürs eigene (kommerzielle!) Projekt.

Vom sinnlichen Genießen

Was gibt’s noch für Motive, die die Kraft zur Veränderung ergeben?? In der Reihe der möglichen Lüste, die das Leben bringen kann, drängt sich das „sinnliche Genießen“ als vermeintlich nahe liegende und einzig wahre Form in den Blick. Constantin Wecker hat jedoch nicht zu Unrecht gesungen: „Genießen war noch nie ein leichtes Spiel!“. Wer sich ums sinnliche Genießen zentriert, verfällt dem Spannungsfeld zwischen Ignoranz und Sucht: um überhaupt sinnlich genießen zu können, bedarf es der Fähigkeit, die Identifikation mit dem Strom der Gedanken zu lösen, was durch einfaches „Abschalten“ nicht zu leisten ist. Gelingt es aber doch, ist man schnell mit dem Faktor „Gewöhnung“ konfrontiert: was eben noch köstlich mundete, reizte, erregte, allerlei „Kicks“ vermittelte, schleift sich schnell ab und verlangt nach MEHR.

Wir sind nun mal nicht dafür geschaffen, in ruhigem Wohlbefinden zu ruhen – niemand hält zum Beispiel länger als 1,5 Stunden liebevolle Massage aus. Wer schöne Dinge um sich versammelt, sieht sie schon bald nicht mehr und wird leicht zum reinen Sammler, der sich am gänzlich unsinnlichen Fakt des Besitzens erfreut. „Anregende“ Stoffe und Drogen zeigen im Dauerkonsum schnell ihre dunkle Seite, und selbst so etwas Gesundes wie Sport kann zur Sucht werden: wie schön, wenn der Schmerz nachlässt!

Handeln mit Sinn

Es gibt noch eine weitere Freude, die mir ab und zu begegnet: ungeplant, unbedacht, einfach so. Das ist die tiefe Herzensfreude, wenn ich jemandem tatsächlich helfen kann. Nicht als „Gutmensch“, der hier und da was spendet oder Pfadfindermäßig zur Verfügung steht, sondern weil ganz zufällig irgend ein „Vermögen“ den wahren Bedarf eines Anderen trifft und das Geben ohne Denken statt findet. Die Freude entsteht nicht deshalb, weil ich dabei etwa „stolz auf mich“ wäre, im Gegenteil, es ist Dankbarkeit für die Gelegenheit, etwas zu tun, das die Welt WIRKLICH braucht: Spontanes Handeln mit Sinn – Holz hacken, Wasser holen, wie es im ZEN heißt.

Dieses Erleben würde ich gerne als Motiv fürs eigene Streben im Reich der Arbeit heran ziehen: mehr verdienen, mehr HABEN als Potenzial, mehr zu geben. Nicht bloß „horten und sichern“, sondern die zunehmende Handlungsfreiheit, die mit „mehr Geld“ verbunden ist, sinnvoll einsetzen – ob ich das in diesem Leben noch schaffe?

Schau’n wir mal!

Diskussion

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7 Kommentare zu „Wofür arbeiten? Die Suche nach der Freude“.

  1. Sind wir arm oder soll das der zukünftig normale Lebensstil der Menschen sein, die nicht zur „Oberen Schicht“ gehören???

    Ich habe einen Job (ca. 40-50 Stunden die Woche) und verdiene dabei monatlich 1405€ netto. Außer einem Kredit, den ich mit 200€ monatlich abzahle, habe ich neben den normalen Fixkosten wie Miete, Strom, Telefon/Internet, Handy, Kostgeld, etc. keine besonderen Ausgaben – auch kein Auto.

    Meine Freundin ist seit letzter Woche arbeitslos und die 60% Arbeitslosengeld von Ihrem Hungerlohn als Call-Center-Agentin (bei 30 Std./W waren es ca. 550€ mtl.) reichen gerade dafür aus, dass sie mir ihren Miet- und Stromanteil sowie ihr Handy bezahlen kann – das war´s. Und was soll sie den Rest des Monats ohne Geld machen – bzw. was ist mit Bewerbungen und Passbildern? Die kosten auch eine Menge, wenn es gut aussehen soll. Da geht es dann schon an mein Taschengeld…

    Zusammen haben wir also zukünftig für zwei Personen ca. 1700€ zu Verfügung. Davon sind nach Abzug der Fixkosten (Miete, Strom, Kredit, Internet, 2 Handys, GEZ, Versicherungen, etc.) noch ca. 700€ übrig.  

    Obwohl wir fast nur noch Billigprodukte und nur das Nötigste an Nahrungs- und Hygiene-Mitteln kaufen, sind 350-400€ Kostgeld für uns zwei normal geworden. Gut – es wird auch mal ne Packung „Brunch“ oder „Zwiebelmett“ gekauft, die dann etwas teurer sind, aber das wird einem Normalverdiener doch auch mal vergönnt sein oder?

    Der Wocheneinkauf liegt bei 40 bis 60€ – je nachdem. Und fürs Wochenende veranschlagen wir dann noch einmal 20-30€. Darin sind aber auch schon die Kosten für ein Eis beim Spaziergang, Geburtstagsgeschenke oder zwei Bier in der Disco
    enthalten. Man kann also sagen, dass wir für 7 Tage Leben, inklusive
    Taschengeld, zu zweit zwischen 70 und 100€ verbrauchen – ist das zu viel? Ich meine nicht… – es ist einfach so, dass fast alles teurer geworden ist. Zuletzt die Geflügel und Milchprodukte die von einem auf den anderen Tag plötzlich 20-30 Cent mehr kosteten. Da überlegt man es sich zweimal, ob man den Quarkaufstrich mitnimmt, um die Wurst zu verfeinern oder dann doch lieber nur eine Scheibe Brot mit Wurst und Lätta zu sich nimmt…echt traurig!

    Damit bleiben dann noch 200-250€ über, von denen ich mir dann auch gerne mal ein PC-Spiel, einen Gang ins Kino oder etwas anderes gönnen möchte und mich damit für meine geleistete Arbeit belohne – denn wofür arbeitet man sonst? Klamotten braucht man ja auch ab und an noch…

    Meiner Freundin gebe ich je nach Anlass dann auch noch 5-10€  Taschengeld für ein bisschen Schminke oder einen Cocktail, wenn sie sich mit ihren Freundinnen trifft. Aber so richtig Spaß kommt bei all dem nicht auf, weil man ständig auf jeden Cent achten muss :(

    Man merkt besonders, dass man „arm“ ist, wenn – wie jetzt wieder – eine
    Heizkostennachzahlung über 230€ ins Haus geflattert kommt – obwohl man im Sommer eh nicht mehr heizt und im Winter hofft, dass die durch die Wohnung laufenden Heizungsrohre für genügend Wärme sorgen. An die Stromnachzahlung, die in 1-2 Monaten kommt, mag ich noch gar nicht denken und der 20 Jahre alte Kühlschrank, den ich vor 7 Jahren von Oma bekommen habe, gibt auch langsam den Geist auf. Normalerweise müsste ich jeden Monat 50-100€ für solche Fälle weglegen, aber wovon?

    Die Besuche der Familie meiner Freundin mit dem Zug kosten uns auch jedes Mal 60€ für ein Wochenende (Hin- und Rückfahrt mit dem Wochenend-Ticket) – plus kleine Geschenke für die kleinen Nichten. Ohne etwas, mag man als Onkel und Tante ja auch nicht dort antanzen, wenn man eh schon nur 2-3 Mal im Jahr dort hinkommt.

    Ich war mit meinen 34 Jahren noch im Urlaub – meine Freundin mit Ihren 22 Jahren auch nicht. Durch die ganze finanzielle Situation kommt es zusätzlich auch noch zu seelischen Belastungen, die sich dann auch schnell mal auf die Beziehung auswirken. An die Gründung einer richtig kleinen Familie ist momentan gar nicht zu denken. Vielleicht sollte der Staat auch mal an seine Familien und Kinder „von morgen“ denken. Für die immer weiter schwindende Fortpflanzung in Deutschland gibt es schließlich Gründe…da hilft kein Jammern der Politiker – da muss gehandelt werden!

    Ich habe momentan noch das Glück, dass mir meine Mutter ab und zu – zum Monatsende – noch einmal 50€ zustecken kann – ansonsten ist es wirklich immer sehr eng und es kommt nur Toast und die 200g Billig-Wurst für 60 Cent oder Nudeln auf den Tisch. Naja, aber auch meiner Mutter tun die 50€ aufgrund der hohen Spritpreise, Steuervorauszahlungen (was für ein Witz vom Staat), erhöhten
    Lebenskosten, etc. immer mehr weh…

    Am besten ist es wirklich, wenn man sich als unverheiratetes Paar räumlich trennt und der arbeitslose Part dann zumindest das bekommt, was ihm zusteht. Würde meine Freundin jetzt Harz IV beziehen, würde sie „nichts“ bekommen, weil wir zusammen wohnen und ich zu viel verdiene. Es ist doch ein Witz, dass „ich“ meine Freundin – die eine eigenständige Persönlichkeit darstellt – dann komplett miternähren und finanzieren muss, obwohl sie gearbeitet und in die Kassen eingezahlt hat!

    Auch das Thema GEZ regt mich immer wieder und in letzter Zeit immer mehr auf. Das Programm besteht seit Monaten nur noch aus Wiederholungen, Kochsendungen, Soaps, alten Filmen und massig Werbung. Die Artikelinhalte werden von Format zu Format gereicht und selbst so ein Format wie „Brisant“ macht jetzt schon „Best of“ Sendung! Ein echter Witz und vor den Bürgern absolut nicht zu vertreten!

    So schön Digital-TV und 16:9 Format auch sind – wozu, wenn der Inhalt fehlt, die Werbung immer mehr wird und Werbung sogar zeitgleich auf diversen Kanälen läuft, so dass es einem vorkommt, als wenn die Sender sich absprechen würden. Selbst ARD und ZDF haben doch inzwischen Werbeunterbrechungen –  wozu also GEZ-Gebühren von über 50€ vierteljährlich – und das von fast jedem erwachsenem Einwohner
    Deutschlands?

    Wie kann es überhaupt sein, dass einen der Staat dazu „zwingt“
    öffentlich-rechtliche Sender zu empfangen und zu bezahlen? Nur, weil mein Fernseher die Möglichkeit bietet die Programme zu empfangen? Dann sollen sie einen kleinen Kasten vor den Anschluss setzen, der die Frequenzen dieser Sender stört und nicht mehr nutzbar macht. Die frei empfangbaren und privaten Sender würden mir allemal ausreichen, da ich – wenn ich denn mal Zeit dafür habe – eh lieber eine DVD einwerfe und mir die Nachrichten im Internet anschaue.

    Ich würde mir wünschen, dass die Deutschen endlich mal auf die Straße gehen! So wie die Franzosen, die deutlich zum Ausdruck bringen, wenn sie sich mal wieder vom Staat verar***t fühlen – das Leben macht so auf jeden Fall keinen Spaß mehr…

  2. Hi Dirk,

    melde die GEZ ab und wirf den Fernseher auf den Müll.
    Dein Leben wird sich verbessern.

    Überlege mal was es eigentlich bedeutet, alles was man braucht gegen Hingabe von Geld von anderen zu bekommen. Ist das Freiheit? Und was bekommst Du eigentlich für das Geld?

  3. Hi Uwe,
    als Cineast fällt es mir schwer den Fernseher ganz aufzugeben, denn die Filme bieten einem die Möglichkeit sich mal für 2-3 Stunden aus der Reakität zurückzuziehen – und das brauche ich ab und an mal.
    Ich war vor einigen Jahren für 4 Monate auf Kreta – direkt in einem Dorf auf dem Land. Nach diesen 4 Monaten war ich wie neu geboren – kein Stress, kein Internet, kein PC…braucht man alles nicht, aber da ist Leben halt auch ganz anders strukturiert. Da interessiert es niemanden ob eine Lieferung um 10 oder um 12 eintrifft.  Nach ein paar Wochen waren diverse Krankheiten bei mir wie weggeblasen (Kopfweh, rote Stressflecken im Gesicht, Herzrasen, etc.). Da hat man noch echt seine Ruhe und merkt was „leben“ eigentlich ist.
    Hier wird man jedoch quasi zu Handy, Internet und Co gezwungen, weil die Leute anders ja nicht mehr zu erreichen sind. Vor ein paar Jahren ging auch alles ohne Handy & Co – wer was Wichtiges von einem wollte, hat später nochmal angerufen, aber das ist heute vorbei und selbst die Arbeitgeber erwarten, dass man ständig erreichbar ist, falls mal was ist.
    Mir würde „ein“ Zimmer und 30 Euro Kostgeld in der Woche reichen, aber wenn man zu zweit ist, muss man auch die Wünsche des anderen akzeptieren, Kompromisse finden und will sich ja auch gegenseitig immer mal wieder mit Leckereien oder einer kleinen Überraschung verwöhnen – das gehört dazu, aber wenn man dann der Alleinverdiener ist, wird es hart und der Staat lässt einen durch die neuen Harz4-Regelungen hängen…

  4. Uwe schrieb:

    „Überlege mal was es eigentlich bedeutet, alles was man braucht gegen Hingabe von Geld von anderen zu bekommen. Ist das Freiheit? Und was bekommst Du eigentlich für das Geld?“

    Das Ganze ist eine Super-Gross-Verarsche.

    Man macht die Jungs heiss auf ein Auto und lässt sie dafür arbeiten – damit steht das Auto aber fast nur herum denn man muss ja dafür arbeiten – jahrelang.

    Das ist wie die Mohrrübe die man dem Pferd vorhält damit es für einen lostrabt – es wird die Mohrrübe nie erreichen…

    Sehr witzig – gilt im Prinzip für Alles – und die Menschen können sich garnichts anderes vorstellen.

    Die Stadt ist ja auch so „toll“ – nur Behämmerte die irgendwelche „Medien“ konsumieren (Filme, Musik, Suff).

    Super – Leben nennt sich das.

    Man muss auf den gesamten Käse mal verzichten lernen – DAS ist ernst ein Aufwand – ist ungefähr so wie man einen Hund dauernd zurückpfeiffen muss wenn er schon wieder „durchgeht“ ….

    Kaufen, Saufen, Rauchen, Glotzen und süchtig sein nach allen ….

  5. Und was machst du dann mit der Zeit, die du ohne den ganzen Käse hast? Gib doch bitte mal Alternativen, statt darüber zu meckern, dass es nur noch mit:

    Kaufen, Saufen, Rauchen, Glotzen und süchtig sein nach allen …

    geht. Ich denke mal, dass es genau das ist, was unsere heutige Gesellschaft ausmacht, damit man eben weiter als braves Arbeitstier funktioniert und danach strebt und lebt.

    Es würde mich mal interessieren, was man sonst noch so für Möglichkeiten nach der Arbeit hat, sich zu erholen bzw. sich anderweitig kostengünstig von der Arbeit zu rehabilitieren.

    Sonst kann ich mich meinem Vorredner (Dirk Breuer) nur voll und ganz anschließen.

  6. Die Antwort auf Zipfelmützes Frage steht schon im Artikel von Claudia Klinger: Äußerst befriedigend ist soziales Engagement in jeder Form, z.B. Jugendarbeit in einem Sportverein oder eben einfach mal jemandem helfen.

    Dabei sorgt die „organisierte Form“ des „sich persönlichen Einbringens“ dann auch gleich für beides, nämlich den genannten nötigen Schmerz und die Freude, wenn man etwas auf für andere auf die Beine gestellt hat.

    Ich kann fast alle Aussagen im Artikel voll unterschreiben. Diese Fragen stellen sich einem natürlich auch nur, wenn man sich grundsätzlich keine Sorgen mehr um seine Exsistenzgrundlage machen muss, was in unserer Gesellschaft für den deutlich größeren Teil zutreffen dürfte. Haben aber leider noch nicht alle gemerkt ;-) .

  7. @Dennis: bei der Berliner Tafel arbeiten auch eine ganze Menge Leute mit, die eigentlich zu deren Klientel der Bedürftigen gehören. Arbeitslos und Freiwilligenarbeit geht in vielen Fällen ganz gut zusammen.

    Wen meinst du konkret mit der Mehrheit, die „sich grundsätzlich keine Sorgen mehr um seine Exsistenzgrundlage machen muss“?? Den Arbeitsplatz kann man verlieren, als Selbständiger ist man oft deutlich prekärer dran… also wen? Das obere Zehntel ist ja nicht die Mehrheit!

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