Claudia am 19. September 2005 — 0 Kommentare

Die Wüste belebt sich

Erste Schritte aus dem Tief

Seit meinen „Meldungen aus dem persönlichen Finanztief“ sind vier ereignisreiche Wochen vergangen. Die Republik hat gewählt, doch nichts ist entschieden. Der Hurrikan Katrina verwüstete New Orleans und zeigte, was ein „schwacher Staat“ bedeutet. Rot-Grün ist Geschichte, Fischer wird Hinterbänkler, Schröder gibt den Wiederauferstandenen und führt vor, wie man Realitäten umdefinieren kann, bis sie passen. Was der Fall ist, ist das, was eine Mehrheit glaubt und wünscht, Macht wird errungen, indem man sie behauptet – ich bin gespannt, wohin die Magie der Behauptungen führen, welche Wirklichkeit sie erschaffen wird.

Meine ganz persönliche Wirklichkeit ist im Moment noch unübersichtlich. Als ich den letzten Diary-Beitrag schrieb, schien es möglich, dass ich mich bald ins Heer der Hartz4er einreihen muss. Diese „mögliche Zukunft“ hat sich zum Glück nicht verwirklicht, ist aber auch noch nicht ganz weg vom Fenster. Ich arbeite dran, sie zu verhindern und freu‘ mich über jede Unterstützung!

Zu „schwächeln“, wie man das gern so herablassend nennt, wenn jemand sagt, dass er Schwierigkeiten hat und sich gar um die nächste Miete sorgen muss, bringt auf jeden Fall innere Entspannung: Ohne um die „Außenwirkung“ besorgt zu sein, kann man die Situation besser überblicken, kann die Probleme, ihre Ursachen, aber auch die Chancen und Möglichkeiten unverstellt erkennen. Auf die eigene Lage schauen, als ginge es um jemand Anderen, führt zu einer subtilen „Freude am spannenden Problem“. Lust auf Veränderungen stellt sich ein und ich werde offener für Experimente.

With a little help from my friends…

Wenn das Ende des Dispo ganz nah ist, die geschäftlichen Horizonte sich verdüstern und der Glaube an die Kraft, sich selber an den Haaren aus der Sch… ziehen zu können, plötzlich erlahmt, dann braucht es mehr als ermunternde Worte, um diese Situation zu verändern. Dieses „Mehr“ ist mir geschenkt worden, als ich wirklich nichts Positives mehr erwartete, nicht von „da draußen“ und nicht von mir selbst. Ich konnte es kaum glauben, als ich den Brief eines lieben Freundes öffnete, der nichts enthielt als ein paar Geldscheine und die Worte „fürs Frühstück – Liebe Grüße!“. Und das von einem Menschen, von dem ich weiß, dass er selber auch so seine Finanztiefs auszuhalten hat! Ich war entzückt und unsäglich erleichtert, denn aktuell war mir einfach NICHTS mehr eingefallen, was ich hätte tun können, um die drastisch zugespitzte Lage „auf die Schnelle“ zu verbessern. Jetzt fiel ein Sonnenstrahl in diese Düsternis, die unerwartete Finanzspritze verschaffte mir ein bisschen Luft: ich spürte wieder „Lust auf das Problem“ und die Kraft, mich ihm auf neue Weise zuzuwenden.

Auch andere, näher und ferner stehende Menschen halfen mir mit Rat und Tat, empfahlen mich Bekannten als Webdesignerin, ein „Auftraggeber in spe“ zahlte Raten an, und ich bekam interessante Vorschläge, wie ich meine Fähigkeiten und Talente vielleicht ein wenig ertragreicher unters Volk bringen könnte. Ein lieber Leser, der mich zufällig genau am „Tag vor dem Gerichtsvollzieher“ in Berlin besucht hatte, machte sich gar die Arbeit, eine Art Coaching-Prozess mit mir durchzuziehen: ich veranstaltete eine Inventur all meiner Kosten, Außenstände, Schulden und Einkommenserwartungen bis zum Jahresende, listete sämtliche Aktionsfelder auf und prüfte sie mittels verschiedener Fragen: Warum tue ich das? Ist es eine rein kommerzielle Aktivität oder geht es um andere Ziele? WAS soll dabei im besten Fall heraus springen? Wie wäre es zu verbessern? Was kann ich NOCH tun?

Und jetzt bin ich schon ein paar Tage am „Umsetzen“, erfinde meine berufliche Seite ein Stück weit neu und werde auch weiter darüber schreiben: Sagen, was ich brauche, suche, anbiete und WAS GENAU ich gerne arbeiten würde, findet hier in Zukunft genauso Platz wie meine mehr oder weniger erbaulichen „Betrachtungen über Gott und die Welt“.

Konkrete Vorhaben, neue Experimente

Eine wesentliche Neuerung wird der Minijob sein, den ich ab Oktober übernehme: zweimal die Woche pflege ich dann die Website eines Printmagazins (Connection Spirit – das Magazin fürs Wesentliche) – das bringt zwar nicht viel, aber endlich mal ein bisschen verlässliches, monatliches Einkommen! Und es motiviert, nach weiteren regelmäßigen Quellen zu suchen, wenn ein „Grundstein“ schon mal gelegt ist. Am besten gefiele mir eine weitere Site-Pflege oder eine Community-Betreuung. Schließlich bin ich ein bewährtes Kommunikationsmonster und kann auf unterhaltsame Art Foren und Mailinglisten aus dem Tiefschlaf erwecken. Warum nicht mal gegen Honorar?

Nächste Idee: Verkaufe alles, was du hast! Nun ja, ich besitze nichts über das hinaus, was ich zum Leben und Arbeiten brauche, aber um die immer noch bestehende Finanzlücke zu schließen, werde ich mich entschlossen von dem trennen, was ich nicht wirklich, sondern nur „vielleicht mal“ brauchen kann. Das ist vor allem mein immer noch ungenutzter Samsung-Notebook – leicht und flach, technisch up to date – vielleicht genau das, was du gerade suchst? (lies mehr..)

Schreiben und schreiben lassen: Mit zu dem, was ich am Liebsten tue, gehört das freie Schreiben über Dinge, die mich bewegen. 1996 und 1997 schrieb ich für Zeitungen und Magazine. Es war eine Zeit, in der ich mein jeweiliges Thema selber wählen konnte, Hauptsache, es hing irgendwie mit dem Internet zusammen, das gerade mit Macht ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drang. Das änderte sich jedoch schon bald, reduzierte sich auf Themen wie Shoppen, Arbeiten, Erotik im Internet, immer weniger Kultur war gewünscht, dafür Technik, Technik, Technik. Nach einem Artikel über „HomeSite 3.0, den neuen Code-Editor“ sah ich ein, dass das nicht mein Weg war und hängte das Schreiben gegen Zeilenhonorar an den Nagel. Im Rahmen verschiedener selbst erschaffener Projekte (Missing Link, Glück, Webwriting-Magazin, u.a.) erkundete ich dann die Möglichkeiten eigener Veröffentlichungen im Web und seit 1998/99 ist das Digital Diary die Form, mit der ich rundum glücklich bin.

Glücklich schon – aber leider finde ich heute viel zu selten die rechte Muße, um morgens, in der Zeit des noch unverschmutzten Geistes, auf ein leeres Winword-Dokument zu schauen und meditativ in mich hinein zu lauschen, was „sich schreiben will“. Ich werde es weiter mit Freude tun, wann immer es mir möglich ist, doch ab sofort gibt es ZUSÄTZLICH für die Freunde des Digital Diary einen Weg, die Abstände zwischen den einzelnen Beiträgen zu verringern und sogar Themen selbst zu wählen. Es ist ein Experiment und ich bin gespannt, was dabei heraus kommt! (lies mehr..)

Weiterbildung – technische Neuerungen: Im Zuge des Minijobs muss ich mich in ein umfangreiches CMS (Content-Management-System) einarbeiten, wovon in Zukunft auch andere Kunden profitieren werden. Außerdem plane ich, das gesamte Diary seit 1999 in ein Blog-Script oder MiniCMS zu überführen – es sollte optisch so bleiben können, also auch mit DIESER Art Menü anstatt der üblichen Monatskalender. Über Vorschläge freue ich mich – und danke gleich auch mal denen, die mich da bereits mit Tipps und eigenen Erfahrungen beraten haben!

Die Schreibimpulse-Kurse werde ich weiter veranstalten. So etwa vier Kurse pro Jahr wären gerade die richtige Dosis! (Im Lustgespinst * sind soeben die ersten Texte aus dem letzten Erotik-Kurs erschienen. Weitere folgen in Kürze!) Ich bin sehr froh, dass der Kurs „Gegen den Strom – über Lust und Last des Alterns in Zeiten des Jugendwahns“ * nach zweimaliger Verschiebung nun doch zustande kommt. Es sind noch ein paar Plätze frei: vielleicht bekommt ja noch jemand Lust, das spannende Thema im „geschützten Raum“ einer überschaubaren Runde schreibend zu erkunden? Wer sich bis zum 30. September noch entschließt und auf diesen Artikel beruft, bekommt den Frühbucherpreis – umdefiniert zum „Last-Minute-Rabatt“. :-)

Ich hab‘ im Moment viele Ideen, wie ich „mein Business optimieren“ könnte, doch will ich nicht mit Unausgegorenem zur Ankündigungsministerin werden. Eine Idee, ein Konzept, ein neues Projekt ist schnell erdacht und auf ein paar Seiten verschriftlicht. Schwierig wird es erst, wenn die Mühen der Ebene beginnen – nur Beharrlichkeit bringt Gelingen und genau DA liegt des öfteren mein Problem!
Für heute belasse ich es deshalb bei den kleinen Schritten, die dieser Beitrag berichtet – alles weitere folgt, sobald die Dinge über das Ideen-Stadium hinaus gewachsen sind.

Und jetzt bin ich gespannt, wie lange es dauern wird, bis die künftige Regierung dieses Landes mehr ist als eine Reihe verrückter Ideen!

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