Claudia am 02. März 2003 — 0 Kommentare

Digital Diary – wie geht es weiter? Auch DU bist gefragt.

Demnächst möchte ich mal wieder was verändern. Ich lade Euch ein, an der Zukunft dieser Seiten mitzuspinnen und mich ein bisschen zu beraten.

Wer das Diary kennt, weiß, dass ich es nur sehr selten ändere, denn ich möchte ein winziges Gegengewicht zur Welt setzen, in der sich alles immer schneller und unvorhersehbarer verändert. Daher mute ich hier niemandem ohne guten Grund Neuerungen zu – so langsam aber gibt es sie, die guten Gründe.

Schon länger beobachte ich nämlich, dass mich der Aufwand schreckt, einen neuen Beitrag zu bringen: neben dem Artikel selbst (den ich mit ungebrochener Freude schreibe, keine Frage!) mache ich immerhin jeweils drei neue Webseiten (Index-Seite, Permanent-Seite, Druckversion) und ändere eine Menüdatei, hinzu kommt der Text selber, der separat als Textdatei vorliegt und in diese drei Seiten erst beim Aufruf eingebunden wird. Fünf Dateien also – und zum Monatswechsel sind es noch zwei kleine Pflichten mehr, die jeder Schreibanfall zwangsläufig nach sich zieht.

Einerseits denk ich also darüber nach, wie ich diese langweilig technoide Arbeit reduzieren könnte –
andrerseits hab ich auch wieder Lust, Themenseiten aufzubauen, also Texte unter je eigenen Projekt-Homepages mit spezifischer Optik zu versammeln – ZUSÄTZLICH zu ihrem Erscheinen im Diary. Und das bedeutet natürlich noch MEHR technoide Idiotenarbeit pro Beitrag. Was wiederum noch mehr abschreckt!

Das Digital Diary ist historisch entstanden aus meinem einstigen Unwillen, mich immer weiter in selbst geschaffene Schubladen (magazinartige Webzines mit Rubriken, wie z.B. Missing Link) einzusortieren: wenn diese Schubladen veralteten, inhaltlich oder optisch, musste ich alles umarbeiten, neu sortieren und ins erneuerte Design „nachziehen“ – was für ein Aufwand! Die Lösung bestand in einem immer gleich bleibenden Umfeld und der Sortierung nach Datum: Problem abgehakt, das Digital Diary war geboren! Inhaltlich handelten meine Artikel unverändert von Gott und der Welt, waren also meist nicht besonders „Tagebuch-artig“. Immerhin gab mir das neue Arrangement mehr Freiheit, persönlicher zu werden. Ein Prozess, der sich stetig vertieft, bei dem ich aber nur ungern in bloßem Berichten aus dem Alltag enden würde. Ein Blick über den Tellerrand – nach innen, nach außen, nach oben oder ganz unten – soll schon dabei sein. Mal sehen, ob mein Daily Life ihn weiterhin hergibt, das kann man ja nicht auf Dauer inszenieren.

Heute finde ich es jedenfalls wieder schade, die Diary-Artikel nur chronologisch zu erschließen. Damit sind sie so gut wie weg, wenn das Menü den aktuellen Monat nicht mehr anzeigt und werden allenfalls zufällig über Google gefunden. Dieses baldige Versacken aller Inhalte im Nirgendwo reizt nicht dazu, Themen zu vertiefen. Mit jedem Betrag fange ich im Prinzip bei Null an, aus dem Nichts, ohne etwas voraus zu setzen oder auf ein MEHR hin zu führen – und das reicht mir nicht mehr. In mir „leben“ bereits Themenseiten zu meiner Umgebung, zu Berlin, zu Wellnetics bzw. zum „Guten Leben“, wie ich es verstehe – alle mit einer originären Optik aus eigenen Fotos und Collagen – ich hab ja wieder so Lust drauf! ABER ich will nicht mehr im Code versacken, sondern an den INHALTEN arbeiten.

Die Technik ist ja nun glücklicherweise so weit, dass das Einbinden gleicher Inhalte in mehreren Umfeldern an sich kein Problem mehr ist. Allerdings wären das dann NOCH MEHR Dateien, die ich anfassen muss, wenn ich was geschrieben habe – was wiederum den Abschreckungsfaktor erhöht! Und: Soviel Aufwand ums eigene Geschreibsel? Da vereinigen sich Faulheit und Reste anerzogener Bescheidenheid in entrüsteter Ablehnung: Kommt überhaupt nicht in die Tüte! Siehe oben.

Die Würze der Kürze: ein Blog?

Weiter: oft hab ich Lust, was deutlich Kürzeres zu schreiben als so einen Diary-Artikel. Die MÜSSEN aber von meinem Gefühl her so lang sein, um den erforderlichen AUFWAND zu rechtfertigen, den ich ja nun nicht wegen drei Absätzen machen will – obwohl ich mir durchaus drei unterhaltende Absätze zutraue, die einen Kurzbesuch wert sind!

Also: muss vielleicht ein Weblog her? Zusätzlich, daneben, darüber? Seit Jahren seh ich die rasante Entwicklung dieser schnellen Homepage-Nachfolger: eine Art „Diary Light“ mit Kommentarfunktion pro Beitrag, die ich bisher nicht zu brauchen glaubte. Schließlich KANN ich HTML, dacht‘ ich mir immer, nicht bedenkend, dass ich vielleicht auch mal genug davon gesehen habe!

Allerdings stimmt es mich immer bedenklich, Teile meiner Webseiten auszulagern. Vielleicht sind die Fremdanbieter mit dem Weblog-Server morgen pleite oder werden kostenpflichtig! Womöglich hab ich dann eine Lesercommunity um Seiten herum erzeugt, die plötzlich verschwinden oder zu Geiseln fremder Geldverdiener werden – Horror!!! Und DIE TEXTE selber könnten auch verschwinden, wenn ich das bei Kurztexten auch leichter verschmerzen könnte als bei mehrseitigen – trotzdem ist es eine unangenehme Vorstellung, so abhängig zu sein.

Sollte ich es vielleicht dabei bewenden lassen, ein Blog zu „simulieren“?? Das einzige, was dabei problematisch wäre, ist die Kommentarfunktion – und brauch ich die wirklich ??? Ich frag mich sowieso immer, wenn ich das anderwo sehe: Wie merken die Leute, dass jemand gerade uralte Beiträge kommentiert hat??? Vermutlich tut das ja sowieso niemand oder man bekommt vom Server eine Mail. Viel
Besser fand ich bisher ein richtiges Forum, weil es diesen gewissen Saloncharakter hat und die Leser auch miteinander reden. Na, mal sehen, ich bin durchaus offen für neue Erfahrungen und andere Bedürfnisse.

Hallo, es gibt was Neues!

Weil es zur Zukunft dazu gehört, erzähl ich der Vollständigkeit halber auch vom Newsletter. Den gab’s als „Info-Mail“ und „Claudia Klinger-News“ seit den Zeiten von Missing Link – und er wurde nur sehr sporadisch ausgesendet. Dies auch noch „händisch“, immer 150 Adressen im BCC pro „Mailpaket“, was nicht wenig Aufwand bedeutet, deshalb das seltene Erscheinen. Seit zwei Tagen hab ich ihn nun endlich ins Newslettertool meines Providers überführt, in Zukunft kommt er also öfter.

Früher dachte ich zum Thema Leser-Benachrichtigung: wenn ich alle zwei Tage einen Beitrag schreibe, kann ich nicht wirklich auch alle zwei Tage einen Rundbrief versenden, das nervt. Heut hat sich das entspannt, ich schreibe im Schnitt alle Woche einen richtigen Artikel und für einen Blog-Eintrag würd‘ ich natürlich keinen Newsletter versenden, sondern sowas Neu-Schickes wie RSS-Feeds anbieten (damit können Leser, die das wollen, neue überschriften auslesen, OHNE das Diary besuchen zu müssen).

Brauch ich die eierlegende Wollmilchsau?

Wie also weiter? Soll ich weiter „händisch“ meine Seiten stricken und umstricken? Wieder Rubriken/Themenseiten schaffen und zig Dateien anfassen müssen, um da irgendwo längere oder kürzere Texte unter verschiedenen Oberflächen mit verschiedenen Techniken an verschiedene Adressaten zu
verteilen? Eigentlich will ich ja SCHREIBEN und Bilder machen, und nicht mich mit der technischen Seite zu Tode langweilen.

„Ich weiß, was du brauchst!“, sagt an dieser Stelle nun fast jeder, der auch schon ein bisschen länger dabei ist. „Nimm Zope, Plone oder Webedition! Probier das Multi-Blog mit integriertem Newsletter. Vielleicht auch Moveable Type oder DingensBumens! Schau dir an, *was es alles gibt und teste es aus!

Publishing-Tools, Redaktionssysteme, Content-Management – ja, die Zauberworte fliegen mir seit längerem zu, doch bisher hab ich mich verweigert. Himmel, ich habe eine gewachsene Webseitenlandschaft, durchsetzt von Tools meines Providers, die ich mir jeweils an meine Bedürfnisse anpasse – und da soll ich jetzt eine fremde eierlegende Wollmilchsau drüber lassen? Deren Zähmung mich vermutlich Tage kostet – und das nur, um die zehn Minuten zu sparen, die ich pro Diary-Eintrag Dateien basteln und Code angucken muß? Lohnt sich das? Bisher war die Antwort NEIN. Aber vielleicht ändert sich das gerade. Denn ich bin am Ende der Geduld in Sachen Seiten-Pfriemeln und habe trotzdem Lust, wieder MEHR zu machen. Aber wie?

Der Traum: mein Mini-CMS

Vielleicht GIBT es ja schon ein Programm für meinen Bedarf, eines, das mich weder völlig entmündigt, noch mich arm macht und auch keinen Horrorcode in die Welt entläßt? ODER ist vielleicht der erforderliche Aufwand gar nicht so groß und ich könnte mir ein Mini-CMS für MEINE Anforderungen schreiben lassen?? Vielleicht hat’s einer der mitlesenden Programmierer zuhause in der Schublade und braucht nur eine Stunde, es soweit zu ergänzen, dass es genau das tut, was hier gebraucht wird?

Das Klinger-CMS sähe folgendermaßen aus:

Die Eingabe-Maske hätte die Felder Headline, Subheadline, Kurzbeschreibung, Text und Datum. Da schreib ich dann rein, wenn’s mir danach ist. Sofern das Tool auf dem Server läuft, könnte ich sogar von überall aus schreiben, nicht nur von zuhause aus! Nach der Eingabe kreuze ich eine oder mehrere Auswahlboxen für die verschiedenen Webseiten an, wo der Text erscheinen soll, z.B. auf den dann locker ins Werk gesetzen Web-Projekten:

Klinger-Blog [],
Digital Diary []
Vom Guten Leben []
über die Liebe zu Berlin []
Ergonomics []
Was ist neu? []…

Und nach dem Absenden bzw. Uploaden erscheint mein Text in den vorgesehenen Seiten (und in deren Menüs). Das Programm hat sich die jeweilige Vorlage gegriffen, hat die spätere Textseite erstellt, bindet dazu die jeweilige überschrift als Link ins je zugehörige Menü ein. (Das ließe sich auch als „Suchanfrage“ und deren Ergebnis realisieren). Und aus der so nebenbei fortlaufend aktualisierten Seite „Was ist neu?“ (wo natürlich NICHT jeder Volltext, sondern nur die Kurzbeschreibung erscheint), generiere ich dann alle zwei Wochen oder einmal monatlich den Newsletter.

Sehnsucht nach Ordnung und Klarheit

Das wär der TRAUM!!! Mein Problem ist nicht, dass ich 10.000 Features brauche, sondern nur ganz wenige, vielleicht drei bis fünf. Und für die Diary-Struktur inklusiv Blog braucht es (unter der Haube) eine andere Verlinkungsweise als für die geplanten Themenseiten. Dem Programm soll es dann aber egal sein, auf wieviel Themenseiten ich es NOCH anwende – ich möchte jederzeit zusätzliche Webprojekte einbinden können, auf die ich meine Texte ebenfalls auf diese praktische Art verteile.

Ja, das wär‘ wirklich wunderbar! Es würde meinem Schreiben einen Schub geben, denn endlich hätte ich dabei ein Gefühl von Ordnung und Klarheit, was das Veröffentlichen, also den Kanal zur Leserin und zum Leser angeht. Oh, ich könnte wieder neue Seiten entwerfen, richtig designen – träum…!!! Und sogar die CD-ROM, die ich gerne mal gemacht hätte, rückt dann in den Bereich des arbeitstechnisch möglichen!

Das Produzieren der Inhalte war für mich nie das Einzige – zwar im Vordergrund, aber wenn das Drumrum im Chaos versackt oder auch nur irgendwie mängelbehaftet wirkt, überträgt sich da eine Unzufriedenheit auch auf das Schreiben. Ähnliche Probleme seh‘ ich beim Surfen durch fremde Web-Labyrinthe, deren Eigner/innen evtl. viel Sorgfalt in die Texte fließen lassen, aber um diese zu finden, muss man in sechs verschiedenen Text-Konglomeraten unter unterschiedlichen überschriften Menüs durchwühlen, um das Neueste zu finden. Womöglich hat das eine Projekt ein Logfile, ein weiteres bietet einen Newsletter, irgendwo schreibt der Mensch vielleicht ein Blog – aber WO um Himmels Willen ist der aktuelle Artikel??? Tja – soooooviel Treue erwarte ich von kaum einem Leser!

Gib mir einen Tip..

…oder erzähl mir deine eigenen Erfahrungen mit deinem Weblog oder Content-Management-System – gerne auch im *Forum. Vielleicht schaff ich dann auch einen Artikel dazu im *Webwriting-Magazin, mal sehen. Natürlich erst, wenn das Problem für mich gelöst ist.

Bevor mich nun kommerzielle Angebote erreichen, sag ich gleich dazu: dies ist erstmal noch ein Gedankenspiel – und wenn ich vom „Selbstgestrickten“ wirklich wegkommen will, dann werde ich versuchen, eine Tauschlösung, also eine nützliche symbiotische Beziehung zum gegenseitigen Nutzen anzustreben. Meine Kunden brauchen solche Lösungen ja gelegentlich auch!

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