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22.3.'97 Der kleine Absatz von Vilém Flusser ist aus "Die Revolution der Bilder - Der Flusser-Reader zu Kommunikation, Medien und Design". Hat er nicht recht? Was wäre ich noch, wenn ich allein auf der Welt wäre?


25.2.'97 Das Sokrates-Zitat hab ich auf dem 1. Hamburger Workshop "Philosophie & Internet" gehört, zu dem ich als Philosophieknoten- Knüpferin eingeladen war. Es war spannend, die schnellen Diskussionen sehr anregend - hat mir gut gefallen! Herzlichen Dankan PhilNet!

Vilém Flusser: Stadt als Maskenverleihanstalt
Wir - das sind die Individuen, die in der Stadt zusammenkommen. Das alte Stadtbild fußt auf diesem Menschenbild. Dieses Menschenbild ist untauglich geworden. Alles ist teilbar, und es kann kein Individuum geben. Nicht nur Atome können in Partikel, ebenso kann alles Mentale beliebig in Teilchen zerstückelt werden, also Handlungen in "Aktome", Entscheidungen in "Dezimdeme", Wahrnehmungen in "Reize," Vorstellungen in "Pixel". Die Frage, ob man dabei zu guter Letzt auf Unteilbares stößt, ist metaphysisch. Der Mensch kann nicht mehr als ein Individuum, sondern muß im Gegenteil als dichte Streuung von Teilchen angesehen werden: er ist kalkulierbar. Das berüchtigte "Selbst" erweist sich dabei nicht als Kern,sondern als Schale. Es hält die gestreuten Teilchen zusammen, "enthält" sie. Es ist eine Maske. Daraus folgt, daß die Stadt nicht ein Ort sein kann, an dem Individuen zusammenkommen, sondern sie ist im Gegenteil eine Kerbe in Feldern, wo Masken verteilt werden. Das Selbst kommt nicht in die Stadt, um zum anderen zu kommen, sondern im Gegenteil: Erst in der Stadtentsteht das Selbst als das Andere des anderen.


Sokrates zur Erfindung der Schrift:
"Denn dieseErfindung wird die Lernenden in ihrer Seele vegeßlich machen, weil sie dann das Gedächtnisnicht mehr üben, denn im Vertrauen auf die Schrift suchen sie sich durch fremde Zeichen außerhalb, und nichtdurch eigene Kraft im Innerenzu erinnern.
Nichtalso für die Erinnerung, sondern nur für das Erinnern hast du ein Mittel erfunden, und von der Weisheit bringst du deinen Lehrlingen nur den Schein bei, nichtdie Sacheselbst.
Denn indem sie nun vieles gehört haben ohne Unterricht, werden sie sich auch vielwissend zu sein dünken,obwohl sie größtenteils unwissend sind, und sie werden der Gesellschaft eine Bürde sein, nachdem sie dünkelhaft geworden, statt weise." (aus 'Phaidros' )