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Wissen: Werfen wir zum Schluß einen Blick auf die unendlichen Weiten der sich häufenden Information: Ein Buch, eine Zeitung kann man auslesen - im WWW ist nirgendwo ein Ende, immer führt ein Mausklick zum nächsten Dokument, die Suchmaschinen finden zu X-beliebigen Themen tausende, manchmal hunderttausende Seiten. Allein der Wissenszuwachs innerhalb der Wissenschaften produziert alle 40 Minuten eine neue Encyklopaedia Britannica und alles lagert irgendwo auf Computern, die dabei sind, vernetzt zu werden. Die ungeheuren Möglichkeiten der Stichwortsuche quer durch alle Texte eröffnet den Geisteswissenschaftlern ein ungeheures Feld für 'Vergleichende Betrachtungen', hinzu kommen die Nachrichten und Datenbanken, Unterhaltendes, Kulturelles, Kommerzielles, Bilder, Software - alles, was menschlicher Geist jemals produziert hat, ist dabei, im Netz verfügbar zu werden. Zumindest lautet so die Techno-Utopie, in der Realität tobt der Krieg ums Copyright und es wachsen die Schwierigkeiten, im Datenmeer Relevantes zu finden. War man in prädigitalen Zeiten hauptsächlich damit beschäftigt, die Texte zu verstehen, so geht jetzt die meiste Zeit dabei verloren, sie überhaupt zu finden und zu bewerten. Im Überfluß des Angebots ist jeder auf sich gestellt: es gibt keinen Kanon anerkannten Wissens mehr und die Begrenztheit aller Standpunkte und Sichtweisen birgt eine große Verunsicherung. Ob die gespeicherten Daten und Fakten noch irgendetwas mit einer realen Welt zu tun haben, kann ein Individuum nicht mehr entscheiden. Natürlich ist das schon lange so, auch das Wissen in den Bibliotheken konnte kein einzelner Mensch mehr fassen - aber im Netz wird die Situation jederzeit spürbar, erlebbar, und das macht den großen Unterschied. Vielleicht ändern sich dadurch die Erwartungen an rationales Wissen grundlegend und das neue "Wissens-Design" wird in Zukunft eher als KUNST betrachtet. Gleichzeitig ist auch ein Abnehmen der menschlichen Gedächtnisleistungen zu erwarten, denn wenn in Gestalt des Netzes ein Megagedächtnis zur Verfügung steht, besteht keine Notwendigkeit mehr, sich Daten und Fakten zu merken (wer einmal die Speicherplätze seines Telefons belegt, vergißt in der Regel die Nummern!). So könnte das Netz als letzte Gestalt menschlicher Rationalität eine Wende bedeuten und was dann kommt, können wir heute noch nicht erkennen, werden es - wenn etwas dran ist an dem, was ich sage - vielleicht auch niemals mehr erkennen können, weil sich unser Geist geändert haben wird. |