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mhead

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Leserdiskussion:


Was ist Wirklichkeit?
Was ist Wahrheit?
Was ist Virtualität?



In ihrem Beitrag zur Diskussion "Was ist Philosophie?" hatte Annette Schlemm geschrieben:

"Es gibt etwas Gemeinsames, über das wir uns austauschen können, weil unsere Welten und auch wir selbst viel Gemeinsames haben. Glücklicherweise!"

Ist das so? frage ich die Leserinnen und Leser von MISSING LINK. Erleben wir nicht heute, daß die gemeinsame Welt in lauter kleine Privatwelten auseinanderfällt? Können wir uns noch darüber verständigen, was die wirkliche Welt ist??? Was ist überhaupt Wirklichkeit? Was ist Wahrheit? (Und für Spezialisten: Was ist Virtualität?)

  Philosophie ist für mich die Suche des Willens nach den Mosaiksteinen des Weltbildes, der echten Wahrheit. Zu dieser Suche hat der Willen, mit welchen jedes Lebewesen geboren wird, eine Hilfe geschaffen, das Bewußtsein (den Intellekt), mit welchem er diese Suche besser gestalten kann. Mit diesen Bewußstsein kann er sich unterhalten und es für seine Suche einspannen. Die Gefahr ist nur, wenn der Wille auf der Suche süchtig wird und das Bewußtsein voll für seinen Zweck einspannt, dann könnte die Möglichkeit bestehen, daß dieses Suchen zur Sucht wird und der Körper darunter leidet. Philosophie ist Suche.

Wer mit den Augen sieht und mit den Ohren hört, wird auf Dauer blind und taub bleiben.
Herzliche Grüße - Die Schildkröte

Ludwig Fischer


            Hallo Claudia,

Im "Ideen-Magazin" steht der folgende Satz:

Das IDEENMAGAZIN vertritt die Richtung vom Denken zur Wirklichkeit, nicht von der Wirklichkeit zum Denken.
Ich sehe ein grundsätzliches Problem oder Mißverständnis, von dem v.a. wir Deutsche allzuleicht befallen werden: Den Hang zum Philosophieren. Ich nenne das den Hang zur Abstraktion. Da gibt es die Ebene das Konkreten, Praktischen, und die Ebene das Abstrakten, Theoretischen. Und das wird eine EINBAHNSTRASSE. Konkret: Draußen regnet es, es ist kalt, unwirtlich. Die Miete muß bezahlt werden. Das Zimmer ist nicht aufgeräumt. Beziehungsprobleme. Der Sex läuft nicht so, wie erhofft. Ein mulmiges Gefühl in der Magengrube. Das Kind will etwas, muß gleich zur Schule. Es muß noch eingekauft werden. Ich ziehe den Mantel an. Da: die Schuhe sind noch völlig verdreckt, müssen längst geputzt werden. Draußen, auf dem Flur, begegnet mir der mürrisch dreinblickende Nachbar. Der Supermarkt: überfüllt. Leute schieben mir ihre Einkaufswagen in die Fersen. Und so weiter und so fort. Du verstehst?

Ich meine: DAS ist Wirklichkeit. Aber dann gibt es Leute, die setzen sich hin mit der Zigarette im Nachtlokal und seufzen, mit entrücktem Blick: "Hmm, was ist eigentlich Wirklichkeit? Ja, Wirklichkeit, das ist... Na ja, schon Hegel sagte dazu -- und Platon, und und... Aber ich finde, Heidegger, der... Man muß das vergleichen mit Sartre, der..."

Hört sich gut an. Hört sich nach Wissen, Verständnis, BILDUNG an. Das ist es, was wir Deutschen ja immer noch so schätzen: Da weiß einer anscheinend Bescheid.

Ehrlich - mich interessiert das überhaupt nicht. Ich kann mich darüber köstlich amüsieren. Ich frage: Hat er denn seine Schuhe inzwischen geputzt? Und sein Sexproblem, hat er es gelöst?

Weiter: ich sehe DAS als Problem, dieses Philosophieren. Es ist eine Krankheit, ein Symptom einer Verwirrung. Der Grund? Diese Wirklichkeit ist hart, sie ist manchmal zum Kotzen. Das Leben ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Es tut oft weh. Die Abstraktion ist eine Droge, die hilft, es auszuhalten. Das Denken hilft, für ein paar Sekunden die WAHRNEHMUNG der Wirklichkeit zu vergessen. Das ist nichts anderes als Traum, Tagträumerei.

Der zweite Grund: Die Eitelkeit, das Ego. Klug sein zu wollen. "Ich habe verstanden." - "Ich weiß Bescheid." - "Der Müllmann auf der Straße schiebt noch seinen Dreck hin und her, aber ich, ich kenne SOGAR HEGEL!" Diese deutsche Gesellschaft und Kultur propagiert das. Ehrenwert ist der abstrahierende Theoretiker, mitleidig belächelt wird der angeblich "ungebildete" einfache Arbeiter.

Soviel dazu. Es gibt eine "Dramaturgie", eine Logik, in der die Entfernung von der Wirklichkeit abläuft, und es gibt eine ganz andere, völlig andere "Dramaturgie" und Logik, in der die Annäherung an die Wirklichkeit abläuft.
Fast alle, und ich nehme mich selbst nicht aus, haben viel mehr Geschmack an ersterer. Dann gibt es noch etwas (ich nennen es den "WEG"), das mit dem zweiten befaßt ist.
Dieses zweite findest Du (und wer es sucht), bei den Informationen zur "Wirk-Gilde" und im "Ideen-Magazin". So sehr ich selbst oft zur Trägheit und Wirklichkeitsentfremdung neige (Körper und Verstand haben an Bewußtheit kein Interesse) - ich bin erklärter Gegner der deutschen Philosophiersucht, des Kultes der falschen Gebildetheit. Ich kämpfe für nichts anderes als für DIE TOTALE UMKEHRUNG dieser in Wahrheit hohlen Werte. Ich arbeite daran, diese geistige Ausrichtung UMZUDREHEN.

Und ich glaube, ich habe die Wirklichkeit auf meiner Seite.

liebe Grüße

Dein Lothar Reschke


Stoff zum Weiterlesen:
Ein Experiment mit der Wirklichkeit: Das Sprachspiel als Kapsel des Ich


          

A: Tag, wir sollen einen Dialog halten

B: Schon erledigt!

A: Was soll das heißen?  

B: Das war gerade ein Dialog!

A: Gut, soll sein, aber ...

B: Kein aber, das war ein Dialog - und damit basta!

A: Moment, das IST ein Dialog!

B: Was soll DAS heißen?

A: Nun - das ist ein Dialog, soll heißen, wir befinden uns in einem Dialog.

B: Vielen Dank für die Erklärung! Soll es vielleicht ein bestimmter Dialog sein?

A: Bingo!

B: Ein bestimmter Dialog, also!... Welcher?

A: Der, den wir gerade vortragen!

B: Bist du sicher?

A: Wessen?

B: Daß genau DER Dialog von uns vorgetragen wird.

A: 100 Prozent!

B: Da_ der Dialog von UNS vorgetragen wird? A: Natürlich! Warum fragst du?

B: Weil ich zweifle.

A: Woran?

B: Daß der Dialog von uns - und daß er überhaupt vorgetragen wird.

A: Doch, er wird, gerade jetzt - ganz momentan! Von uns!

B: Dafür müßte es UNS geben.

A: Gibt es doch, du bist B und ich bin A.

B: Das ist mir neu.

A: Wir reden doch miteinander.

B: Auf dem Papier!

A: Auf dem Papier, auf dem Papier - du sagst "Auf dem Papier" und sagst es wirklich...

B: Was sage ich wirklich?

A: "Auf dem Papier".

B: Gut ich sage WIRKLICH "Auf dem Papier" - aber eben nur auf dem Papier!

A: Sag mal spinnst du? Alles, was du sagst, sagst du WIRKLICH, eben jetzt und vorhin...

B: Aber nur auf dem Papier! Wir wissen ja nicht, ob dieser Dialog je vorgetragen wird.

A: Ich krieg' sogar live deine deine Spucke ins Gesicht.

B: Ein Kunstgriff des Autors, weiter nichts.

A: KRUZZITÜRKEN! WIR TRAGEN DOCH GERADE VOR!!!!!

B: Woher willst du das wissen? Du selbst hast uns vorhin zu den Kunstfiguren A und B erklärt. Wir sind nur erfunden. Also gibt es uns gar nicht WIRKLICH!

A: Und wenn wir selbst die Erfinder des Dialoges wären ....

B: Dann hätten wir uns selbst ERFUNDEN - und wdren erst recht NICHT WIRKLICH!

A: Es kann aber nur der etwas erfinden, den es WIRKLICH gibt, also gibt es uns WIRKLICH!

B: Auf jeden Fall sind wir erfunden und damit eine Fiktion!

A: Du redest ununterbrochen und hältst dich für eine Fiktion. Schöne Fiktion! Allein dadurch, daß du es sagst, widerlegst du das Gesagte.

B: Aber nur in der Theorie. Auf dem - halten zu Gnaden - Papier! Und damit ist es nur eine Scheinwiderlegung, die sich unser Autor ausgedacht hat.

A: Und wenn ich dir jetzt eine runterhau?

B: Dann würde mich das sehr schmerzen, aber nur auf dem Papier....übrigens, wirst du mir - pardon - WIRKLICH eine runterhauen? Wie geht unser Dialog denn aus?

A: Du hast den Text genauso gelernt wie ich!

B: Ich habe keinen Text gelernt, ich BIN Text.

(A gibt B eine Ohrfeige, B schlägt zurück und beide lösen sich in ASCII-Code auf.)

Brandstetter Reinhold

Subject: Wahrheit:

0+0=0 => Das ist Wahr. Wir können es in der Mathematik beweisen.
1+1=2 => Das ist Wahr. Wir können es in der Mathematik beweisen.
1+3=4 => Das ist Wahr. Wir können es in der Mathematik beweisen.
X+Y=Z => Das ist Wahr. Wir können es in der Mathematik beweisen.

Wenn wir nun den Variablen Eigentschaften einer Situation zuweisen und das Ergebnis die Wahrheit sein soll, kommt man auf den Gedanken das Wahrheit nur das addieren oder subtrahieren von Eigentschaften einer Situation sei, wobei wir versuchen müssen die Eigentschaften erstmal richtig zu erkennen, als eine die zur Situation gehört. ( Stelle dir nur mal vor 1+Apfel+$=???. )

Dieses gilt jedoch nur, wenn die Zeit angehalten wird, denn wenn nur eine Variable sich ändert dann ändert sich auch die Wahrheit. Somit ist Wahrheit immer nur zu einem Zeitpunkt erkennbar. Doch dadurch, das wir Zeit brauchen, Situationen zu erkennen, laufen wir der Wahrheit immer nach. Nun wir können in Funktionen f(x) die Zeit verwenden und somit den Variablen eine zeitabhängige Veränderung zu teilwerden. Doch bleibt die Funktion immer starr in ihrem System ohne Zufällige Eigentschaften, die sich erst in der Zeit entwickeln und an Bedeutung gewinnen, mit ein zubeziehen.

Solch Zufällige Eigentschaften können wir als chaotischen Faktor definieren. Wenn also ieine Wahrheit immer einem chaotischen Einfluß unterliegt, wie ist dann Wahrheit mvglich? Man muß also den chaotischen Faktor versuchen auszuschalten, um somit an die Wahrheit heran zukommen.

Ein Beispiel: Wir können nie sagen wo ein Teilchen sich im Raum zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet. Also, um so genauer ich den Ort versuche zu berechnen, erkenne ich das ich den Ort nicht berechnen kann.

Wie ist das jetzt nun mit den Fragen? Um so genauer ich frage, um so ungenauer die Antworten.

Für mich bedeutet das, daß wir durch genauere Berechnung nur den chaotischen Faktor erhöhen, weil wir immer nur mit der Lupe vergrößern aber doch nicht "das Wesen der Dinge" ( Kant ) erkennen.

Nun wissen wir , daß die Wahrheit immer einer stehtigen Veränderung unterliegt. Also sollten wir uns auf das Erkennen der richtigen Eigentschaften konzentrieren, aber selbst sie unterliegen einer stetigen Veränderung. Man sagt, man müsse die Dinge von mehreren Seiten betrachten, sie gegenüberstellen, sie in Widerspruch zueinander bringen, den Dingen auf den Grund gehen. Aber jede Antwort mehr erzwingt unendliche neue Fragen. So können wir in der Mathematik, mit Hilfe der Limes-Methode uns nur den Wert=Wahrheit nähern, aber nie erreichen. Das sollte uns es nicht den Mut nehmen die Augen offen zu halten, nach zu fragen und alle empirischen Einflusse aufzunehmen. Denn was wir Erkennen müssen, sind die logischen Regeln ( a priori ) und die chaotischen Einwirkungen, die die Situtaion zu einem neuem Muster formen lassen. Die einzelnen Ornamente im Muster sind die Eigenschaften der Situation und die Anordnung der selben sind die logischen Regeln durch die die Ornamente zu einem ganzen werden und ein Muster=Bild ergeben. Das Chaos wirkt nur auf die Ornamente ( sie werden Größer oder kleiner, blau oder grün ) und nach den Unsichtbaren Regeln wird das Muster neu aufgebaut.

Was wir erkennen ist immer nur das Muster einer Wahrheit aber nie sie selbst.

Thorsten Hartmann - Homepage



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Lies auch "Was ist Philosophie? - Teil 1"und Teil 2