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Wundert Euch nicht über diese "Meditationen" - ich versuche nicht, hier einen Artikel zu schreiben, wie er vielleicht in der Presse erscheinen könnte.
Ich denke nur vor mich hin und nutze das Schreiben, um damit besser zurecht zu kommen. Ohne das Schreiben, hätte ich lange nicht die Motivation, so lange "an einem Ball" zu bleiben. Und
Ihr werdet merken, daß mir das auch mit Schreiben nicht immer gelingt´ ;-).
Claudia Klinger / Meditationen: "Vom Machen" |
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26. Dezember '96 "Wo sollen wir die Protestbriefe hinschicken? Wirst Du Compuserve verklagen? Wie wäre es mit einem Anti-Zensur-Logo?" So manche Mail, die mich in den letzten Tagen erreicht, enthält die Frage, wie "man" jetzt vorgehen sollte, wie der Unmut darüber, daß Compuserve die Homepages seiner Kunden zensiert, in sinnvolle Bahnen zu lenken sei. Es ist schön, zu wissen, daß es anderen nicht gleichgültig ist, was meinen Web-Projekten widerfährt. Und daß es auch nicht egal ist, welche Regeln für das Online-Geschehen gelten, sondern die Teilnehmer dabei mitreden wollen, wenn es darum geht, wie wir im diesem neuen Medium miteinander umgehen. Also sag ich: mach! Wenn Du etwas tun willst, mach es einfach, mach, wozu es dich drängt - aber erwarte nicht, daß ich sage, was "man" tun sollte! Woher sollte ich es denn wissen?
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Natürlich: es wäre nicht schwer, den Wogen der Entrüstung eine Form zu geben, etwa eine Kampagne zu kreieren: "Aktive Webber gegen Zensur! Freiheit für Webseiten, nieder mit Compuserve....!" Wer kennt das nicht? Wir sind gegen dies und für jenes, leisten Unterschriften, machen ein Kreuz bei der Wahl, fordern das eine, verurteilen das andere, streiten um die richtige Linie und die gerechte Sache... Und wenn dann die erste Aufregung verpufft ist, die Medien ihr Ding gemacht haben, und die Sache langsam wieder in Vergessenheit gerät, sind ein paar Menschen am Thema hängen geblieben.
Die haben gemerkt, daß "alles nicht so einfach ist" und wollen dennoch nicht locker lassen. Für sie beginnen die Mühen der Ebene: Kennenlernen und Abwägen der Interessen, Entwerfen möglicher Regelungen, Diskussionen in Gremien, Einschalten von Fachleuten, Suche nach Verbündeten, geschicktes Taktieren innerhalb unterschiedlicher Interessengruppen, Formelkompromisse, Gegengeschäfte, Anträge und Gesetzesvorlagen, Ausnahmebestimmungen - ich stoppe hier, Ihr wißt, wo es lang geht, wir sind in die Welt der grauen Anzüge geraten. Vom Elend der VertreterDort ist Spaß kein Thema und Freude ein Fremdwort. Von morgens bis abends reiben sich diejenigen auf, die zu "Vertretern" einer Sache oder gar des "Volkes" geworden sind. Doch sie werden nicht etwa dafür geliebt und bewundert, im Gegenteil: mißtrauisch beäugt und bei sich bietender Gelegenheit mit Genuß durch den Kakao gezogen. "Das Volk" mag nicht glauben, daß der volle Einsatz für das Allgemeinwohl Grund genug sein kann, um so ein Leben zu führen. Will er sich bereichern? Welche Schäfchen bringt er ins Trockene? Ist er publizitätssüchtig?Warum fragen wir so? - und tun damit oft Menschen unrecht, die tatsächlich ihr letztes Hemd geben würden, wenn es nur die Sache "einen Schritt voran" brächte? (Irgendwann merkt der eine oder andere, daß er jetzt zwar eine wichtige Aufgabe und eine 80-Stunde-Woche, aber keine Freunde mehr hat. Daß er nur noch zu Mikrofonen spricht, aber selbst das nur in der Art eines KI-Programms, das vorgegebene Formulierungen je nach Anlaß neu zusammensetzt).
Wenn das stimmt, warum glauben wir noch daran, daß die Welt oder ein Teil davon in Ordnung zu bringen wäre, indem einige "so tun, als ob" und Regeln schaffen, die davon ausgehen, daß auch die große Mehrheit aller anderen "so tut als ob"? Die Wahrheit ist: wir glauben immer weniger daran, wir wissen, daß das Gute, Wahre und Schöne im Zweifelsfall unter 'ferner liefen' kommt ... Es nicht wahrhaben zu wollen, verschlimmert die Lage nur, denn die Bemühung, es im eigenen Inneren nicht ansehen zu müssen, läßt uns glauben, das Böse, Falsche und Häßliche sei im Anderen, in der "Außenwelt". Und so beginnt der Kampf. MachtlosigkeitWeil es uns einfach nicht gelingen will, als mündige Bürger erträgliche Formen von Gemeinschaft zu organisieren, überlassen wir neuerdings mehr und mehr Entscheidungen und deren Durchsetzung der Technik. Alles wird perfekt geplant und installiert und wenn etwas schief geht, war es "menschliches Versagen", gegen das mit verbesserter Technik angegangen werden muß. Wer hat nicht schon erlebt, wie befreiend so ein "technischer Sachzwang" sein kann? Da muß man nicht mehr diskutieren, sondern nur noch wissen, wie es funktioniert. Wer dies 'Wissen und Gehorchen' als erster beherrscht, ist der Maschine am nächsten und kann mit der von ihr geliehenen Macht sogar die alten Spiele weiterspielen: Sagen, wo es lang geht, etwas Besonders sein, gebraucht werden....Was soll das heißen? Soll man Politik abschaffen oder gar die Maschinen stürmen? (Himmel hilf! Erhalte uns diese wunderschönen sympathischen Geräte!!!) Sollen wir den Gedanken an eine bessere, eine liebevollere Welt aufgeben? Wenn der Mensch nun mal dafür ungeeignet und die Technik keine Rettung ist, ja was dann? Ich weiß es nicht. Ich will nur nicht, daß diese unsere Unwissenheit zugeschüttet wird. Daß wir immer so tun, als wäre sie nicht da. Daß jeder dem anderen erzählt, wo es lang zu gehen hat, wo der Weg ist, wohl wissend, daß man selbst auf dem Weg schon bald eine Pause brauchen, einen Abstecher machen wird.
Selbstveränderung?Doch die großen Erzählungen von der Macht geben uns heute nicht mehr viel. Die Hoffnung, mittels dieser Theorien die Welt "in den Griff" zu bekommen, sie durchkonstruieren zu können, ist zeronnen. Mit Befriedigung nehmen wir noch die Quantentheorie zur Kenntnis, weil sie bestätigt, daß auch bei der hochgelobten festen Materie nicht alles so stimmig und vorhersehbar ist, wie man glaubte. Aber helfen können uns diese Gedankengebäude über die Welt nicht mehr: weder läßt sich mit ihnen ein Staat machen, noch helfen sie, persönliches Glück zu finden. Am abstrakten Beobachter, am idealen Subjekt hängt eben immer noch ein konkreter Mensch - und davon können wir immer weniger absehen. Wenn es nicht mit Theorie & Wissenschaft, Planen und machen, Gesetzen und Gewalt, ja nicht einmal mit Technik geht, ein freieres freundlicheres Leben für alle zu erreichen, dann sehen wir ein, daß das Leiden an uns selbst liegt, am je einzelnen konkreten Ich.Vom inneren WegWarum also nicht an dieser Stelle beginnen? Erst einmal sich selber ändern, bevor man sich an der Verbesserung der Welt versucht: Meditieren, therapieren, nach innen anstatt nach außen gehen; lernen, die Schuhe zu putzen und den Schrank aufzuräumen, bevor die große weite Umwelt drankommt - ist doch gerade die Trennung der Begriffe ICH und UMWELT ein Ausfluß des Übels und muß hinterfragt werden.Auch auf dieser Ebene der Veränderungsbemühungen gibt es mehr Leute, die gerade einen Abstecher machen, als solche, die sich aktuell auf dem Weg befinden (..man sieht sich...;-)).
Wir können die Selbsterkenntnis und das Welt-Gestalten nicht historisch aufeinanderfolgend abwickeln (...bloß, weil man linear, von links nach rechts schreiben gelernt hat). Dazu hat es zuviel miteinander zu tun. Wenn wir es versuchen, geraten wir in die Irre, egal von welchem der Wege wir abkommen.
Und beides ist ein Schrecken, wenn es alleine bleibt. Außen die Zerstörung der Welt, das Wachsen der Industrielandschaften, die Vernichtung zauberhafter Tiere und Pflanzen. Und innen dasselbe: nicht etwa Nichts und nur selten ein Licht, sondern jede Menge Gerümpel, Gewohnheiten, Gier, Haß, Geltungssucht, dazu ein Berg von Unterdrückungsstrukturen (oder dann eben: Übungsmethoden), damit das alles nicht heraus kommt. Technik und Angestrengtheit, wohin man sieht. Und eine fast unlösbar scheinende Aufgabe, nicht weniger gewichtig, als das Problem, den äußeren Planeten zu sanieren: das Ich soll ja schließlich überwunden oder abgelegt werden. Wer sich da heranwagt, glaubt alles Recht auf seiner Seite, 'diese böse Welt' links liegen (und vermüllen) zu lassen. Oft aber siegt der Appell an die Herzen, und Menschen des inneren Wegs bemühen sich, der Welt stundenweise zu geben, was sie zu brauchen scheint; (..genau wie der politisch Aktive gutwillig in einen Kurs "Autogenes Training" geht). Sie versuchen vielleicht, ihren Müll korrekt zu trennen und leisten allerlei Unterschriften, benutzen auch heute noch öffentliche Verkehrsmittel, spenden Geld. Wenn das aber beziehungslos neben dem "Eigentlichen" steht, kann man es lassen. Wo der Funke wirklichen Interesses fehlt, werden von der "Politischen Tradition" einfach nur Ausdrucksformen übernommen, die schon lange nichts mehr bewirken. Ohne je selbst zu überlegen, was eine angemessene Reaktion wäre, ohne in sich hineinzuhören, ob dazu überhaupt etwas da ist, ohne die Früchte der Übungen des inneren Wegs kann nichts dabei herauskommen. Gesucht ist nicht eine Aktion oder Reaktion aller oder auch nur vieler, sondern die angemessene Antwort des Individuums, das ich bin, auf die Frage des jeweiligen Augenblicks. Gesucht: das Individuum
Individuelles Verhalten hatte bisher ein großes Argument gegen sich: wenn ich alleine etwas zu verändern suche, hat es für Andere keinerlei Bedeutung. Niemand bekommt es mit und mein Impuls wird in der komplexen Welt der eingefahrenen Strukturen zugeschüttet. Es merkt auch niemand, wie und woran ich womöglich scheitere, warum also etwas riskieren? Man muß ja schon recht auffällig (und destruktiv) werden, bevor etwa Medien berichten und ein Inhalt überhaupt zur Sprache kommt.
Die großen Organisationen, Parlamente und Parteien sind entstanden, um Gegnerschaft möglichst unblutig zu organisieren, so daß Gemeinschaft möglich wird. Die Massenmedien boten die angemessene Kommunikationstechnik, sie organisierten das Gepräch der Wenigen mit den Vielen - aber derzeit laufen den großen Verbänden die Leute davon und die Medien finden keine Massen mehr vor, sondern jede Menge unterschiedlicher Mikro-Zielgruppen. Wer will schon noch von der Wiege bis zur Bahre Christ-, Sozialdemokrat oder Gewerkschafter sein, um an dem Karren, der ja angeblich dauernd im Dreck steckt, noch ein bißchen mitziehen zu dürfen? Als es in den Städten noch Öffentlichkeiten gab, wo "man" sich traf (und nicht nur kleine Gruppen), war es so, daß die Menschen einander sehen und also auch aufeinander reagieren konnten. Viele verschiedene Reaktionen konnten sich zu einem Brodeln mischen - und plötzlich wurde etwas verändert, das vorher noch zu den unveränderlichen Gegebenheiten oder Gesetzen gezählt wurde. Eine neue Ordnung ist aus dem Chaos entstanden - eine neue Mode, zu denken und zu empfinden, hat sich durchgesetzt.
Von einer solchen Weise, Entwicklungen zu sehen, spricht das
Woher erfahren wir das also? Es wird uns niemand sagen, wir müssen es immer wieder neu ausprobieren. Ich persönlich versuche, immer besser mitzubekommen, was meine Impulse sind und diese dann nach außen zu bringen - nicht alle, nur diejenigen, die ein beständig gutes Gefühl geben. Gleichzeitig versuche ich, zu sehen, was Andere machen und mich anregen zu lassen.
Das Internet ist eine große Unterstützung, denn es ermöglicht als erstes Medium das Gespräch vieler mit vielen. Wenn wir es weiterhin dazu nutzen, uns gegenseitig zu sehen, uns zu zeigen, was wir tun und denken - ganz ohne bestimmte Ziele, ohne konkretes gemeinsames "um-zu" - dann brauchen wir vielleicht keine Kampagnen, keine Animateure, keine Gremien und Beschlußvorlagen mehr. Wir müssen nicht mehr "mobilisiert werden", sondern können lernen, uns zu bewegen, erleben vielleicht, wie sich Neues organisiert, wie sich Gemeinschaft neu erfindet - jeder für sich und das Netz für uns alle ;-) .
Und morgen räum' ich mal wieder meinen Schrank auf, denn dort organisiert sich Ordnung noch immer nicht von selbst.
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