![]() Foto: C. Jauernig Gleichheit hinter dem Monitor? Ja, es ist wahr: Ob jemand als Mann oder Frau, als Farbiger oder Weißer, als Reicher oder armer Schlucker, als Iraner, Indianer oder Chinese die Netz-Welt betritt, ist erst einmal belanglos: Der E-Mail sieht man den Menschen nicht an, der sie geschrieben hat, und auch nicht der bunten Web-Seite, sei es ein Hobby-Projekt oder ein kommerzielles Unternehmen. Es gibt beeindruckende Geschichten von Behinderten, die mittels ihrer Internet-Aktivitäten am öffentlichen Leben teilnehmen und so ihre Isolation durchbrechen - und es gibt mein Staunen, wenn ich mit jemandem ein interessantes philosophisches Gespräch führe und es stellt sich heraus, daß er ein Gummibärchen-Großhändler aus dem bayrischen Wald ist. Das Netz unterstützt Toleranz, die Abwesenheit des Körpers entzieht uns die wichtigste Projektionsfläche der Vorurteile - allein die Worte gelten, die jemand spricht. Diese Reduktion aufs Mentale verstärkt die in unseren Gesellschaften bereits vorhandene Ungleichheit: Wer sich nicht gut in Schrift und Rede artikulieren kann, wer mit Worten nichts zu sagen weiß, geht im allgemeinen Gesprächsrauschen unter. Ich kommuniziere, also bin ich - das Grundgesetz des Netzes ist in dieser Hinsicht gnadenlos. Es gibt Ansätze, über Bilder zu kommunizieren, künstliche 3-D-Welten sollen - leistungsfähigere Computer und Netze vorausgesetzt - einmal ermöglichen, daß wir mittels eines virtuellen Körpers im Cyberspace agieren - aber bis jetzt dominiert die englischsprachige Schriftkultur, die den gebildeten Euro-Amerikaner bevorteilt. |