Frieden mit der Natur
Bild: Greenville


Frieden mit der Natur

Ganz oben auf der Wunschliste steht in den entwickelten Ländern der Friede mit der Natur. Zwar entfernen sich die Individuen immer weiter von gelebter Naturerfahrung, aber die medial vermittelte Sorge über den Zustand der Umwelt ist angekommen: der Mensch gilt als das 'schädliche Tier' schlechthin, auch wenn diese Erkenntnis nur schwer in entsprechendes Handeln (bzw. Nicht-Tun) umzusetzen ist und in Zeiten sich zuspitzender Verteilungskämpfe gern in den Hintergrund gedrängt wird. Wird sich durch die "Besiedlung" des Cyberspace etwas verändern? Wird "die Natur" entlastet vom menschlichen Machen, Schaffen, Produzieren und Verbrauchen?

Kurzsichtig sind Versprechungen, die etwa ein Abnehmen des Verkehrs vorhersagen, weil es nicht mehr nötig sei, zum Einkaufen zu fahren oder in ferne Länder zu reisen. Der Lieferverkehr wird zunehmen und die Bewegungsmöglichkeiten steigen drastisch, wenn die Arbeit nicht mehr an einen spezifischen Ort gebunden ist. Ein großer Bildschirm ersetzt nicht den realen Strand und weltweite Bekanntschaften führen zu weltweiten Besuchsreisen - kein Friede an der Verkehrsfront!

Hoffnungsvoller stimmt, daß mehr und mehr menschliche Arbeit in rein digitale 'Produkte' fließt: Software, Information, digitale Bilderwelten und andere nicht mehr physische "Gegenstände" machen einen wachsenden Teil der Wertschöpfung aus und je mehr solch eine virtuelle Umgebung und deren kreative Ausgestaltung zum Alltag wird, umso eher könnte sich das Karussell des umweltschädlichen Kaufens und Verbrauchens physischer Produkte mit entsprechend wachsenden Müllbergen verlangsamen - digitale Fotografie braucht zum Beispiel keine Chemie mehr und wer seine Homepage zu einem virtuellen Kunstpalast ausbaut, muß vielleicht im eigenen Wohnzimmer nicht mehr jeder Mode folgen. Das Designermöbel sehen nur ein paar Freunde - das Internet-Projekt können (potentiell) Millionen Betrachter bewundern. Wer sein Ego kennt, weiß, daß unter diesen Umständen das Möbelstück keine Chance hat.